Burak Tuncel, Kolumne, MiGAZIN, Dichtung, Dichter
Burak Tuncel © privat, Zeichnung: MiG

Dichtertränen

Nacht ist es. Nun erwachen alle Lieder der Liebenden

„Oh Deutschland, Du mochtest unsere Arbeitskraft, so gaben wir dir Dies. Wir schenkten dir unsere Jugend. Hättest du unsere Augen gemocht, hätten wir sie dir geschenkt. Hättest du Uns gemocht, wären wir für dich gestorben.“

Von Mittwoch, 12.08.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 11.08.2020, 17:12 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Das Klavier an meinen Ohren, so duftet es nach Heimat. Verwundet das Herz vom lästigen Lärm der Städte. Man glaubt, dass die Zeit vorbei ist, doch die Versklavung des Menschen geht weiter, nur ohne Ketten. Es sind die Industrieländer, die auf Kosten der Kinderarbeit im Überfluss leben, während ein großer Teil der Welt an Hunger leidet. Sie predigen von Menschenrechten, sie predigen von Frieden und von vielen Sachen, doch bis heute fügt der weiße Mann dem Rest der Welt großen Schaden zu. Gibt es denn größeren Rassismus als Dies?

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Doch alles kehrt an seinen Platz zurück, eines Tages. Wenn die schönsten Lieder der Indianer gesungen werden, wenn die Kinder von Hiroshima und Nagasaki mit ihren Puppen an den schönsten Stränden spielen, wie Pippi Langstrumpf hüpfen werden in ihrer Villa Kunterbunt, wenn die hungernden Kinder auf der Welt ihr Recht erlangen werden. Ja, der Tag wird bald kommen, ganz gewiss. Der große Mittag ist ganz nah, wie es Friedrich Nietzsche formulierte.

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Ja, sie wollen, dass wir uns für unsere Armut schämen, doch nein. Es ist unser schönstes Kleid. Ja, dieses Land ist mein Zuhause, dies hier ist unsere Heimat, auch wenn man manchmal wie eine Last behandelt wird, um es sanft zu formulieren. Sie versuchen uns die Heimat fremd zu machen, indem sie mich zum Fremden erklären mit ihrer Sprache und ihren Gesten. Sie wollen in mir nur die Identität des Fremden sehen, uns zum Fremden reduzieren. Sie sind gegen das Leben, doch sie wissen dies noch nicht. Dass, wir in Deutschland geboren wurden, interessiert sie nicht. Doch wir sind Heimisch, mehr als Sie.

„Wir brachten Wohlstand für dieses Land, doch der Dank kam nie. Nie! Dankbarkeit scheint ein Fremdwort zu sein. Denn der weiße Mann sieht in allem nur seinen eigenen Profit. Er plündert die Wälder und kennt die selige Stille nicht.“

Sechzig Jahre lang tragen wir euch auf dem Rücken, wir putzten Toiletten, zahlten Steuern, wir opferten unsere Jugend und Gesundheit in Fabriken. Viele Menschen wurden krank in diesen Fabriken. Lieder des Abschieds weinten am Himmel als wir jedes Mal unsere Vorfahren verlassen mussten. Dies könnt ihr nicht wissen, wie sich so etwas anfühlt, an einem Ort zu leben, wo man nicht Gewollt wird.

Wir brachten Wohlstand für dieses Land, doch der Dank kam nie. Nie! Dankbarkeit scheint ein Fremdwort zu sein. Denn der weiße Mann sieht in allem nur seinen eigenen Profit. Er plündert die Wälder und kennt die selige Stille nicht. In seinen Städten kommen Lärm und Streit nie zu kurz. Betonbauten und Hochhäuser töten die Schönheit der Kinder. Produktion und Konsum ist ihm eine heilige Religion geworden. Profit und Umsatz, seine Propheten.

„Tanzt vor den Palästen der Reichen und Mächtigen und dringt hinein. Es sind eure Güter, die sie geklaut haben, daran hängt der Schweiß der Kinder und Frauen in den armen Ländern, weil sie euch ausgebeutet haben. Die Berge und das Meer werden stets die Kinder unterstützen. Die Mutter Natur, die Dialektik des Lebens stehen hinter euch.“

Wir liebenden Dichter können all dies nicht verstehen. Wie kann man denn die Luft oder das Wasser verkaufen? Wie kann man nur eine Gesellschaft auf Konkurrenz und Wettbewerb errichten? Dies bedeutet kollektiver Selbstmord. Feinfühlige Herzen ersticken in eurer Welt ohne Dichtung und Poesie. Ich dachte, dies wäre das Land der Dichter und Denker, oh wie ich gutgläubig irrte. Mein dunkles Schicksal, die Ausgrenzung ist der Beweis, dass hier die Dichter verachtet werden. Doch schon immer war es so, dass man jene Verachtete, die den Menschen schönes brachten und dass man denen Gehorsam war, die einen Unterdrückten.

So tanzt oh liebenden Kinder, ja tanzt vor Freude und Schönheit in feinfühligen und zarten Takten. Die Symphonien der Mutter Natur füllen alle Tage mit ihrem Glanze. Nur der Tanz der liebenden Kinder kann Genesung bringen. Tanzt vor den Palästen der Reichen und Mächtigen und dringt hinein. Es sind eure Güter, die sie geklaut haben, daran hängt der Schweiß der Kinder und Frauen in den armen Ländern, weil sie euch ausgebeutet haben. Die Berge und das Meer werden stets die Kinder unterstützen. Die Mutter Natur, die Dialektik des Lebens stehen hinter euch.

Ja, dies sind die Zeilen eines verwirrten Dichters. Der Wind trägt die Seele dieses Poeten nun fort. Denn die Ärzte haben keine Heilmittel für seine Wunde. Wenn es um die Liebe geht verlieren wir den Verstand. Wie die Seele von Vincent Van Gogh und Friedrich Nietzsche hält es der Dichter nicht länger aus in einer Gesellschaft voller Roboter getarnt in Menschenkostümen. Zu viele Seelenlose Menschen an diesem Ort. So zieht er davon….

„Ich schreibe für euch schönen Seelen mit Tränen in den Augen und müdem Stift. Der Frühling scheidet, die Vögel weinen, selbst den Fischen kommen die Tränen. Ja, liebe Kinder von Hiroshima und Nagasaki. Es heißt, dass die Schönheit eines Tages siegen wird…“

„Er war der Dichter, den die Menschen in diesem Leben geringschätzten und der erst erkannt wird, wenn er sich verabschiedet von der irdischen Welt, um zu seiner Laube im Himmel zurückzukehren. Er war der Dichter, der von der Menschheit nichts erbittet als ein Lächeln, dessen Geist emporstrebt, doch die Menschen versagen sich seinen strahlenden Glanz. Bis wann werden die Menschen im Schlaf versunken bleiben? Bis wann werden sie weiterhin jene verherrlichen die Größe erlangen durch die Gunst der Stunde? Wie lange werden sie jene missachten, die ihnen ermöglichen, die Schönheit ihres Geistes zu erkennen? Bis wann werden die Menschen die Toten ehren und die Liebenden vergessen, die ihr Dasein in Elend fristen und sich selbst verzehren wie brennende Kerzen, um den Weg zu erhellen für die Unwissenden und sie auf den Weg des Lichts zu führen? Dichter, du warst das Leben dieses Lebens und hast triumphiert über die Zeitalter, trotz ihrer Härte, ihrer Schwere. Dichter, eines Tages wirst du die Herzen regieren, und daher dein Königreich kein Ende.“

„Oh ihr liebenden Kinderseelen von Hiroshima und Nagasaki. Ich kenne kein traurigeres Haus als das Eure. Ihr kleinen Engel, ich spüre die Zärtlichkeit in euren Blicken und Berührungen. Wie konnte man euren schönen Körpern und Seelen nur weh tun? Deine Kindheit wurde dir genommen liebende Sterne der Sehnsucht nach dem Bezaubernden. Ich schreibe für euch schönen Seelen mit Tränen in den Augen und müdem Stift. Der Frühling scheidet, die Vögel weinen, selbst den Fischen kommen die Tränen. Ja, liebe Kinder von Hiroshima und Nagasaki. Es heißt, dass die Schönheit eines Tages siegen wird, wie in den Büchern von Astrid Lindgren. Ob in diesen oder anderen Welten.“

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