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Social Bee, Flüchtlinge, Integration, Arbeit, Arbeitsmarkt
Umstrittene Werbekampagne des Startups "Social-Bee" © Social-Bee

Provokant

Integrations-Kampagne wirbt mit Trauma von Flüchtlingen

Eine Flucht nach Europa macht stressresistent und teamfähig, weiß das Münchner Start-up "Social Bee". Mit einer provokanten Kampagne wirbt es für Flüchtlinge als Arbeitnehmer. Doch was sagen eigentlich Geflüchtete selbst dazu? Von Patricia Averesch

Von Patricia Averesch Freitag, 16.02.2018, 6:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 19.02.2018, 15:20 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Aufrechte Haltung, wacher und selbstbewusster Blick – bereit, sich in einem Bewerbungsgespräch zu beweisen: „Ich bin teamfähig“, will Zeray aus Eritrea überzeugen: „Ich habe mit 85 Menschen in einem kleinen Schlauchboot überlebt.“ Bangalie aus Sierra Leone weiß: „Ich bin zielorientiert: Auf der Flucht war ich drei Monate lang zu Fuß unterwegs.“ Und Qutayba aus Syrien ist „stressresistent“: „Auf der Flucht wurde ich verhaftet und mehrere Tage verhört.“

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Zeray, Bangalie und Qutayba sind alle Flüchtlinge in Deutschland, alle wollen sie einen Job. Menschen wie ihnen will das Münchner Unternehmen „Social Bee“ helfen. Mit der neuen Werbekampagne wirbt das Start-up mit Flüchtlingen als kompetente Arbeitnehmer. Laut „Social Bee“ suchen mehr als 500.000 Flüchtlinge in Deutschland eine Arbeitstelle – vergeblich.

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Mit mehr als 2.000 Plakaten und vier verschiedenen Videoclips im Internet wolle „Social Bee“ in Großstädten wie Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main „ein generelles Umdenken“ bei Arbeitgebern erreichen. Menschen, die eine Flucht hinter sich haben, seien keine schwächeren Kandidaten auf dem Arbeitsmarkt, sagt Gründer Maximilian Felsner. „Das Erlebte kann sich in eine Stärke verwandeln.“ Das Start-up arbeitet wie eine Zeitarbeitsfirma: Felsner und sein Team stellt Flüchtlinge ein, bereitet sie mit Deutsch- und berufsbegleitenden Kursen vor und leitet sie an eine Arbeitsstelle weiter.

Flüchtlinge in der Opferrolle?

In der Frankfurter Beratungsstelle für Flüchtlinge „Der Laden“ sitzt Aaron Abraham im Deutschkurs. Auch er möchte so schnell wie möglich wieder einen Job. „Diese Männer arbeiten vielleicht mehr als andere und suchen neue Wege“, sagt er und nickt zustimmend, als er die Motive von „Social Bee“ sieht. Der 35-Jährige ist vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland geflohen. In Syrien war er Englischlehrer, auch hier möchte er so schnell wie möglich wieder in seinen Beruf: „Ich möchte arbeiten und Steuern zahlen“, sagt Abraham.

Tirhas Michael, die mit 13 Jahren aus Eritrea nach Deutschland kam, spricht zwar das Selbstbewusstsein der Männer auf den Plakaten an, nicht jedoch die Botschaft. „Die Sprüche drücken Flüchtlinge in eine Opferrolle“, sagt sie. Dabei hätten sie wahrscheinlich wesentlich mehr zu bieten als nur ihre Flucht. „Die macht uns nicht aus. Jeder Mensch ist unterschiedlich, hat seine Stärken und Schwächen“, sagt Michael.

Werden Menschen herabgestuft?

„Nur weil jemand eine Situation mit über 80 Menschen in einem kleinen Schlauchboot überlebt hat, ist er noch lange nicht teamfähig“, sagt Bianka Huber, Projektleiterin der Beratungsstelle. Beim Anblick der Kampagne verschränkt sie ablehnend die Arme vor der Brust. Die Bildung und Fähigkeiten, die Flüchtlinge im Herkunftsland erworben haben, lasse die Werbung unberücksichtigt, kritisiert sie. „Die Menschen werden herabgestuft.“ Die Flucht bekomme zu viel Bedeutung. „So kriegt man keinen Arbeitgeber dazu, einen Flüchtling einzustellen“, weiß die 50-Jährige aus Erfahrung.

Der Wirtschaftspsychologe Joost van Treeck ist da anderer Meinung: Die Kampagne sei ein Sprachrohr für Flüchtlinge, das ihnen sonst aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse und Kontakte in die Medien verwehrt bliebe. Besonders einfallsreich sei die Werbung dennoch nicht, weil sie klassisch mit Überraschung und Emotionen arbeite. Sie verbinde traumatische Fluchterlebnisse mit positiven Eigenschaften im Arbeitsleben, was man normalerweise nicht erwarte. Das Ergebnis: Der Flüchtling wird zum sympathischen und wertvollen Arbeitnehmer. „Die Kampagne bedient die Trickkiste des Aufmerksamkeit-Erlangens hervorragend“, sagt van Treeck. (epd/mig)

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