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Das Willy Brandt Haus © Gertrud K. @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Ditib verspricht Konsequenzen

Oppermann: Muslime müssen mit einer starken Stimme sprechen

Die Debatte um die Spitzelaffäre im Islam-Verband Ditib hält an. Ditib-Generalsekretär Alboğa kündigt Konsequenzen an und warnt vor einer Kappung von der türkischen Diyanet als spirituelle Instanz. SPD-Fraktionschef Oppermann indes fordert Muslime auf, mit einer Stimme zu sprechen.

Donnerstag, 26.01.2017, 4:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 31.01.2017, 17:50 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Nach der Spitzelaffäre im Islam-Verband Ditib hat dessen Generalsekretär Bekir Alboğa Konsequenzen angekündigt. „Die Konsequenzen kommen“, sagte er auf einer Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion am Mittwoch in Berlin. Dabei ging es um die Partizipation von Muslimen in der Gesellschaft. Auf einem Podium mit Vertretern des Islams in Deutschland wurde vor allem aber über die weitere Zusammenarbeit mit dem Türkei-nahen Dachverband Ditib diskutiert. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann forderte dazu auf, weiter an der Unabhängigkeit zu arbeiten.

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) – mit rund 900 Moscheegemeinden der größte Islamverband in Deutschland – kooperiert eng mit der Religionsbehörde Diyanet in der Türkei. Sie entsendet und bezahlt die Imame für die deutschen Gemeinden. Seit dem Putsch in der Türkei und dem kürzlichen Eingeständnis, dass Ditib-Imame in Deutschland als Spitzel gegen Gülen-Anhänger tätig geworden sind, steht die Zusammenarbeit mit dem Verband in der Kritik.

Alboğa: Dann haben wir ein großes Problem

Er ist etwa Partner beim islamischen Religionsunterricht und bei den Lehrstühlen für islamische Theologie an deutschen Universitäten. Auch bei der Deutschen Islamkonferenz sitzt Ditib mit am Tisch. Das Bundesinnenministerium will den Dialog auch nach der Spitzelaffäre fortsetzen, wegen der inzwischen der Generalbundesanwalt ermittelt.

Alboğa sagte, Diyanet sei die spirituelle Instanz für Ditib. Die Behörde vertrete eine Theologie, die auf Vernunft genauso viel Wert lege wie auf die Offenbarung und damit viel zur Entwicklung eines in Deutschland geprägten Islam beitrage. Es sei auch ein System, das gegen Radikalisierung arbeite. „Wenn man das abschafft, haben wir ein großes Problem in Deutschland“, sagte Alboğa.

Mazyek findet Kritik „bigott“

Rückendeckung erhielt er von Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des kleineren Zentralrats der Muslime. Man wisse seit langer Zeit, dass Ditib-Imame aus der Türkei bezahlt werden, sagte er. 30 Jahre lang habe man nichts gesagt, in denen Alternativen hätten überlegt werden können. „Jetzt Systemkritik anzusetzen, finde ich insofern etwa bigott“, sagte Mazyek.

Oppermann forderte, an der Unabhängigkeit des Verbands zu arbeiten. „In Deutschland ist für viele eine Einflussnahme aus dem Ausland befremdlich“, sagte er. Dass die Regierung von Recep Tayyip Erdogan Inhalte des Religionsunterricht in Deutschland bestimmen könnte, löse Unbehagen aus. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), widersprach Mazyek: Schon vor vielen Jahren sei über die Organisation von Ditib kritisch geredet worden. Klar sei aber auch, wenn die Verbindung zur Türkei gekappt werde, müsse man in Deutschland dafür sorgen, dass Imame ausgebildet und bezahlt werden.

Oppermann fordert eine Interessenvertretung

Seit einigen Jahren gibt es an deutschen Universitäten Lehrstühle für islamische Theologie, an denen bislang vorwiegend Religionslehrer ausgebildet werden. Die Ausbildung von Imamen steckt derweil noch in den Kinderschuhen, vor allem wegen der unklaren Berufsperspektiven für Imame. Die akademische Ausbildung ist bislang noch nicht verbunden mit der praktischen bei den verschiedenen Verbänden.

Oppermann rief die Muslime dazu auf, in der bereits seit Jahren geführten Diskussion um eine Organisation, die die Muslime repräsentiert, voranzukommen. „Mit einer klaren Interessenvertretung kann der Islam in Deutschland mit einer stärkeren Stimme sprechen“, sagte er. Muslime könnten dadurch politisch sichtbarer werden und ihre Positionen vermitteln, damit auch erkennbar werde, „Muslime haben mit Terror nichts zu tun“. (epd/mig)

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