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Putzen (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Niedriglohnfalle

Ukrainer in Deutschland schlecht bezahlt

Viele Geflüchtete aus der Ukraine haben Arbeit gefunden. Doch fast jede zweite Vollzeitstelle liegt im Niedriglohnbereich. Das teilt die Bundesregierung auf Anfrage der AfD mit. Die Rechtspopulisten formen daraus ein politisches Narrativ über Kosten und Abhängigkeit.

Donnerstag, 23.04.2026, 12:09 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 23.04.2026, 12:09 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Viele Geflüchtete aus der Ukraine haben inzwischen einen Arbeitsplatz in Deutschland gefunden – überdurchschnittlich viele von ihnen sind aber im Niedriglohnbereich beschäftigt. Fast die Hälfte der vollzeitbeschäftigten Ukrainerinnen und Ukrainer (49,8 Prozent) bekamen 2025 nur ein Gehalt im Niedriglohnbereich: Dies geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor. Im Durchschnitt aller ausländischen Beschäftigten lag die Quote der Niedriglohn-Beziehenden bei 30,5 Prozent, bei deutschen Beschäftigten waren es 12,5 Prozent.

Auch jene ukrainischen Vollzeitbeschäftigten, die als Fachkraft tätig waren, erhielten den Zahlen zufolge ein unterdurchschnittliches Gehalt. Rund 65 Prozent der ukrainischen Vollzeit-Fachkräfte bekamen demnach ein monatliches Bruttogehalt, das unter dem mittleren Gehalt von deutschen Vollzeitbeschäftigten lag, die einer Helfertätigkeit nachgingen. Bei allen ausländischen Fachkräften traf dies auf rund 43 Prozent zu, bei deutschen Fachkräften auf 25 Prozent.

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Den Zahlen des Ministeriums zufolge waren im Juni 2025 rund 285.500 Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon arbeiteten etwa 182.100 in Vollzeit und rund 103.400 in Teilzeit.

Altersarmut vorprogrammiert

Der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer, der die Anfrage beim Bundesarbeitsministerium gestellt hatte, wies auf Missstände hin: „Die Beschäftigungsquote von Ukrainern ist zu niedrig, viele arbeiten im Niedriglohnbereich“, erklärte Springer. „Das führt schon heute zu einer Abhängigkeit von aufstockenden Leistungen – und morgen zwangsläufig in die Altersarmut.“

Die Beschäftigungssituation der Ukrainerinnen und Ukrainer hat auch Auswirkungen auf die Rentenversicherung. Bei ihnen lag den Zahlen zufolge das durchschnittliche Alter bei Entrichtung des ersten Rentenbeitrags bei rund 40 Jahren – und damit über dem entsprechenden Durchschnittsalter aller Beschäftigten aus dem Ausland. Diese zahlen im Schnitt mit 29 Jahren erstmals in die Rentenkasse ein.

Neun von zehn ohne ausreichendes Gehaltsniveau für Rente

2024 erreichten den Zahlen zufolge etwa neun von zehn ukrainischen Vollzeitbeschäftigten in Deutschland kein Gehaltsniveau, das ihnen für die Zukunft eine Rente ohne Grundrentenzuschlag nach 25 Beitragsjahren garantieren würde.

Der AfD-Abgeordnete Springer warnte vor Folgen für die Sozialsysteme. „Wer dauerhaft wenig einzahlt und perspektivisch auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, belastet unsere Sozialsysteme langfristig erheblich“, erklärte er.

Anfrage mit Intention

Springers Äußerungen decken sich mit Struktur und Aufbau der parlamentarischen AfD-Anfrage, in der es offensichtlich nicht um eine neutrale Bestandsaufnahme geht. Schwerpunkt der Anfrage sind Beschäftigungsquoten, Niedriglohn, Lohnabstände, Leistungsbezug, Rentenperspektiven und Kosten für den Bund. Dabei werden ukrainische Beschäftigte Deutschen, anderen ausländischen Beschäftigten oder bestimmten Herkunftsgruppen gegenübergestellt.

Fragen zu möglichen Ursachen wie institutionellen Hürden, Nicht-Anerkennung von Abschlüssen, fehlender Kinderbetreuung oder die Folgen des Krieges stellt die AfD nicht. (afp/mig) Aktuell Panorama

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