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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

Gelichter

Die spinnen, die Briten!

Hat Sie's also doch geschafft: Als hier vor einem Monat meine letzte prae-EM-Kolumne stand, habe ich angedeutet, dass die aktuelle Bundesregierung diese EM dazu nutzen könnte, die fehlende Öffentlichkeit für kleinere oder größere Schweinereien zu missbrauchen. Und das hat Sie auch, Holladiewaldfee!

Von Dienstag, 28.06.2016, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 28.06.2016, 19:30 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Ein gravierender Eingriff in unsere Staatsordnung, die sich nicht umsonst “Republik” (lat. res publica: öffentliche Dinge) nennt und sich nun im fortgeschrittenen Alter wohl einfach ihre ganz eigene Form von Geheimratsecken im Parlament leistet.

Trotzdem bin ich jetzt gezwungen, über den Brexit zu reden. Über einen Wertverlust des britischen Pfunds von 10% über Nacht. Das ist ein Zehntel, für alle die in der Schule nicht aufgepasst haben, also eine 1 mit zehn Nullen! Zehn! Wer als Millionär ins Bett gegangen ist, ist fast ebenso reich wieder aufgewacht! Und für alle Kontinentaleuropäer gibt’s dauerhaft 10% Rabatt auf alle Waren von amazon.co.uk, Tiernahrung inklusive.

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Natürlich verweisen nun auch alle auf Fliehkräfte in der EU und sehen den Untergang der Union dämmern. Doch auch hier sei auf die Grundschulbildung verwiesen: Das ganze nennt sich wissenschaftlich exakt eigentlich „Zentripetalkraft“ und ist eigentlich eine nach innen gerichtete Kraft. Und so wie diese auch bei der Honigherstellung genutzt wird, sollte es jetzt darum gehen, die wertvollen Rohstoffe der EU innen durch kräftiges Schleudern von der wertlosen zuckrigen Pampe außen zu trennen.

Das Europa der zwei Geschwindigkeiten kann jetzt auf Integration setzen und auf all die miesepetrigen Spielverderber verzichten, der Tabubruch Austritt ist ja bereits erfolgt. Die Briten sind raus? Die Briten waren doch überhaupt nie richtig drin! Und wenn die den kümmerlichen Rest von Empire, dass ihnen noch geblieben ist, nämlich Herr der eigenen Insel zu sein, auch noch aufgeben wollen, um sich gänzlich von der Weltbühne zu verabschieden, dann lasst sie doch! Lasst die Iren ihre Insel wiedervereinigen, frei vom Terror eines inzestuösen Königshauses und innerhalb der Union. Sinn Fein hat bereits Interesse angemeldet. Gibraltar nehmen die Spanier sicher gern zu sich. Und die Schotten sind ebenfalls herzlich eingeladen, zu bleiben. Überhaupt: jeder Europäer ist willkommen, zu bleiben.

Auf Kleinbritannien – und selbst für London gibt’s schon eine Petition zum Austritt aus dem zerdreiten Königreich – auf ein englisches Ruhrgebiet, ein paar Dünen und wer oder was war nochmal ein „Wales“? … lässt sich jedenfalls leicht verzichten, wenn es doch nur ständig nach Britenrabatt und Sonderwegen schreit, wie ein Säugling, dem man sein Weltreich weggenommen hat. Hoppla, da war ja was.

Und natürlich ist der Brexit ein Verrat an der britischen Jugend, die sich um ihre europäische, supranationale Zukunft betrogen fühlt. Aber Deutschland hat bereits Spanien, Portugal und Griechenland ihrer gebildeten Zukunft beraubt, neudeutsch „braindrain“, da ist es uns doch ein leichtes, ein gesamteuropäisches Erasmus-Asyl auf die Beine zu stellen, um all die weißen Oberschichttrottel aus Oxford und Cambridge, die sich zukünftig des Nächtens von Schleppern über den Kanal schippern lassen werden, in profitable Jobs zu vermitteln. Diese Schlepper würden sich jedenfalls keine Gedanken über staatliche Gegenmaßnahmen seitens der EU einstellen müssen. Jedenfalls solange keine Muslime darunter sind.

Und wichtiger als Gesetzesänderungen im Geheimdienstbereich, die von den Geheimdiensten selbst, praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Opposition, durchgepeitscht wurden, weil selbst Parteien wie Die Grünen dieser Farce nicht beiwohnen wollten, und die große Einschnitte in unser aller Persönlichkeitsrechte vorsehen, ist so ein Brexit, dessen Folgen überhaupt noch niemand absehen kann und zu dem einfach niemand etwas Substanzielles sagen kann, allemal. Da muss sich dann aber auch ein Innenminister de Maiziere keine Gedanken mehr über den ihm aus guten Gründen nahegelegten Rücktritt machen. Denn selbst wenn der Brexit mal nicht zieht: irgendwo wird schon bald wieder ein Fußballspiel angepfiffen werden. Oolééééééé!

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