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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

Gelichter

Dieses Land ist #nichtmehrmeinLand

Jan Böhmermann hat es letzte Woche auf den Punkt gebracht, es brennt der Busch. Ein Plädoyer für eine Armlänge Abstand zu Deutschland. Von Sven Bensmann

Von Dienstag, 09.02.2016, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 22.02.2016, 10:18 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Ein gewisser (fiktiver) Professor namens Hubert Farnsworth prägte vor einigen Jahren den Satz „I don’t want to live on this planet anymore“ (zu deutsch etwa: „Ich will auf diesem Planeten nicht mehr leben“) – in Reaktion auf eine fruchtlose Diskussion mit Kreationisten. Schaut man sich diese Welt heute an mit ihren Seehofers, Scheuers und Gabriels, Orbans, Putins und Trumps, Höckes, von Storchs und Petrys, kommt einem dieses inzwischen geflügelte Wort mit großer Regelmäßigkeit wieder in den Sinn.

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Kein Tag mehr, an dem nicht Handgranaten auf Flüchtlinge geworfen, Häuser in Brand gesteckt und Menschen sonstwie körperlich angegriffen werden. Das noch kein Idiot im Deutschlandtrikot, der sich zuvor selbst vollgepisst hatte, gröhlend mit Hitlergruß in der Zeitung posierte, es liegt wohl allein daran, dass die Presse bereits mit Gewalt vertrieben worden ist und solche Bilder nicht mehr machen kann.

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Man braucht keinen ausgedehnten Urlaub im Ausland machen, um Deutschland kaum mehr wiedererkennen zu können, allein der tägliche Blick in die Zeitung befremdet dieser Tage, Deutschland steht gefühlt an einer Schwelle, die zu überschreiten sich bereits einmal als fatal erwies. Eine Handgranate mag zwar noch keine „Bundeskristallnacht“ markieren, ist aber an sich eine so heftige Verschärfung der Situation selbst gegenüber den inzwischen alltäglichen Brandanschlägen, dass, auch wenn der Unterschied zwischen rechten „Bürgerwehren“ und braunbehemdeten Schlägertrupps noch merklich vorhanden zu sein scheint, diese überall sichtbare Eskalation des Hasses dunkle Schatten vorauswirft.

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Wir hatten bereits den Wunsch nach Schießbefehlen, nach besonderen Pässen für Fremde, nach besonderen Lagern für diese und die Aussetzung der Genfer Konventionen der Menschenrechte. Und das kam nur von den sogenannten „bürgerlichen Parteien“, von der AfD will ich gar nicht erst anfangen.

Dass sich hierzulande überhaupt jemand über verstaatlichtes Fernsehen in Polen aufregt, verkommt so zu reiner Heuchelei: Deutschland selbst marschiert stramm nach rechtsaußen, Monate der konsequent hegemonialen Politik gegenüber Griechenland und angeblich einfacher Lösungen für komplizierte Probleme haben einen Eindruck auf „das Volk“ gemacht, das gerade in den Wintern nach Lebensraum im Süden lechzt und gern dem ein oder anderen EU-Mitglied seine sonnigen Mittelmeerinseln abgekauft hätte. Geschichte lehrt uns dabei vor allem eines: Rassismus, Nationalismus und Hass hat es überall und zu allen Zeiten gegeben, aber nur Deutschland hat sie je mit jenem verkniffenen Sinn für Ordnung und Sauberkeit umgesetzt, der dem Deutschen stets inhärent ist, und der in den Gaskammern der KZs gipfelte.

Den Planeten zu verlassen mag noch keine Option sein; das Land zu verlassen ist eines Tages vielleicht wieder die einzige Option. Die Mordaufrufe gegen Journalisten, Hetzjagden auf Migranten und Attentate gegen Politiker zeugen von dieser Gefahr. Dieses Land, ich habe das Gefühl, es ist #hashtag #nichtmehrmeinLand.

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