Saarland
Gerichtspräsident lässt auch letztes Kreuz abhängen
Sollte Rechtsprechung in einem neutralen Raum stattfinden? Der Gerichtspräsident des Oberverwaltungsgerichts im Saarland sagt Ja und lässt das letzte verbliebene Kreuz entfernen. Damit gibt er der Beschwerde eines jüdischen Antragstellers statt. Die Kirche zeigt sich enttäuscht.
Von Marlene Grund Freitag, 10.10.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 13.10.2014, 20:29 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Die Entfernung des letzten verbliebenen Kreuzes aus den Sälen des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Saarlouis hat im überwiegend katholischen Saarland eine Diskussion unter Kirchen und Parteien ausgelöst. Gerichtspräsident Michael Bitz hatte unter Berufung auf Urteile des Bundesverfassungsgerichts der Beschwerde eines jüdischen Antragstellers stattgegeben, der sich durch das christliche Symbol in seinem Grundrecht auf ein neutrales Verfahren gestört fühlte. Das Kreuz im Saal 1 des Gerichts wurde vor einigen Wochen abgehängt.
Das Kreuz solle keine „mobile Einrichtung“ werden, argumentierte der Gerichtspräsident. Diese Gefahr hätte bestanden, wäre das Kruzifix nur bei Verfahren mit Klägern anderer Glaubensgemeinschaften abgenommen worden. Bitz erinnerte an den heftig diskutierten Kruzifixbeschluss des Bundesverfassungsgerichts von 1995. Da es auch nach Jahren der Diskussion keinen politischen oder gesellschaftlichen Konsens in der „Kreuzfrage“ gibt, liegt die Entscheidung über Kreuze in saarländischen Gerichtssälen beim jeweiligen Gerichtspräsidenten.
CDU bedauert, SPD äußert Respekt
Die CDU Saar bedauerte die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts. „Das Kreuz, dessen Werte Grundlage auch unseres Rechtsstaates sind, hätte nicht abgehängt werden müssen“, sagte Generalsekretär Roland Theis. Als Alternative schlug er Säle mit und ohne Kruzifixe vor, die jedem gerecht würden.
Respekt vor der Entscheidung des Gerichts gab es von der SPD-Fraktion. Christiane Blatt, kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, verwies dabei aber auch auf das Kreuz im Plenarsaal des Saar-Landtages, das „der Geschichte unserer Region entspricht, ohne dabei andere Religionen zurückzuweisen“. Blatt zitierte die Verfassung des Saarlandes, wo es in Artikel 4 heißt: „Glauben, Gewissen und Überzeugung sind frei. Die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten werden dadurch weder bedingt noch beschränkt.“
Gericht: Abhängen ist konsequent
Das saarländische Parlament werde aus Sicht der SPD-Fraktion auch künftig „im Angesicht der Verfassung, des Kreuzes, des Landeswappens sowie der deutschen und europäischen Flagge seine Entscheidungen für die Menschen gleich welcher Religion treffen“. Seit die evangelischen Kirchen im Jahr 2011 der Landesregierung ein künstlerisch gestaltetes Kreuz für den Kabinettsaal schenkten – die Anregung dazu kam aus der Politik – finden auch die Beratungen der Minister unter diesem Zeichen statt.
Die kirchenpolitische Sprecherin der Links-Fraktion im Saar-Landtag nennt die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts konsequent. Sie bringe Klarheit für alle Gerichtsparteien. „Der eigene religiöse Bekenntnisstand spielt vor Gericht keine Rolle, da das Gesetz für Gläubige verschiedener Religionen oder auch nicht gläubige Mitbürger gleichermaßen gelten muss“, sagte Heike Kugler.
Kirche bedauert und respektiert Entscheidung
Die Kirchen respektieren die Entscheidung des Gerichtspräsidenten, bedauern sie aber. Die Begründung, die Rechtsprechung müsse in einem neutralen Raum stattfinden, ist aus Sicht von Christian Weyer, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-West, nicht stichhaltig: „Unsere Rechtsprechung ist kulturgeschichtlich geprägt.“ Das heutige Rechtsverständnis habe sich auch aus der Vorstellung eines barmherzigen, gerechten Gottes heraus entwickelt. Im Saarland ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung evangelisch.
Die katholische Kirche, der knapp zwei Drittel der rund eine Million Saarländer angehören, sieht in dem Verschwinden des Kreuzes „ein Zeichen der fortschreitenden Säkularisierung“. Zunehmend prägten Minderheiten den öffentlichen Raum – zulasten der Mehrheit der Gesellschaft, sagte ein Bistumssprecher. (epd/mig) Aktuell Feuilleton
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@Tai Fei
1. Das Vorbild „Skandinavische Länder“, das Vorbild „Sachsen“ und das Vorbild „DDR“ verdeckt, dass diese „Länder“ bzw. Staaten sehr lange nur einen sehr, sehr geringen Migrantenanteil hatten. Äpfel mit Birnen zu vergleichen, ist wenig sinnvoll.
2. Was die wilhelminische Politik anbelangt, möchte ich darauf hinweisen, dass die allermeisten heutigen deutschen Forschungsinstitute, Großunternehmen und Universitäten aus einer Ära stammen, die nichtdemokratisch war.
Das wilhelminische Bildungssystem war sehr wohl sozial durchlässig, nicht aber die wilhelminische Gesellschaft. Das sind zwei völlig verschiedene Stiefel. Wenn 70% der Menschen unter der Armutsschwelle leben, ist nicht ein Bildungssystem daran schuld, das am laufenden Band Nobelpreisträger erzeugt. So antiquiert kann das damalige System gar nicht gewesen sein, da die Analphabetenquote weitaus geringer war als heute.
3. Verfolgt wurde in der Anfangsphase der DDR alles, was irgendwie nur „bürgerlich“ war, auch Leute, die dem 3. Reich distanziert gegenüberstanden. Wer an einem Plakat von Ulbricht rüttelte, bekam fünf Jahre, wer es entfernte 10 Jahre. Das sind zumindest Aussagen von Menschen, von denen ich weiß, dass sie aus dem Osten kamen.
Spötter sagt: 4. November 2014 um 14:50
„1. Das Vorbild “Skandinavische Länder”, …verdeckt, dass diese “Länder” bzw. Staaten sehr lange nur einen sehr, sehr geringen Migrantenanteil hatten. Äpfel mit Birnen zu vergleichen, ist wenig sinnvoll.“
Bleiben wir mal bei Skandinavien, nur darum ging es ja im Ursprung. Schweden hat das liberalste Einwanderungsrecht Europas und die Ausländerzahlen von Schweden und Norwegen liegen dicht hinter DE. Von Äpfeln und Birnen kann daher gar keine Rede sein.
Spötter sagt: 4. November 2014 um 14:50
„2. Das wilhelminische Bildungssystem war sehr wohl sozial durchlässig, nicht aber die wilhelminische Gesellschaft. Das sind zwei völlig verschiedene Stiefel.“
Unser heutiges Bildungssystem IST in der Grundstruktur unverändert und nachweißlich sozial intransparent. Ferner sollten Sie schon näher erläutern, wie eine, vom Prinzip her, Ständegesellschaft, ein Bildungssystem erstellen kann, welches den gesellschaftlichen Normen entgegenläuft.
Spötter sagt: 4. November 2014 um 14:50
„Wenn 70% der Menschen unter der Armutsschwelle leben, ist nicht ein Bildungssystem daran schuld, das am laufenden Band Nobelpreisträger erzeugt.“
Hier fehlt jegliche Kausalität. Was hat die Armutsschwelle mit Nobelpreisträgern zu tun?
Spötter sagt: 4. November 2014 um 14:50
„So antiquiert kann das damalige System gar nicht gewesen sein, da die Analphabetenquote weitaus geringer war als heute.“
Jetzt vergleichen SIE aber Äpfel mit Birnen, denn: Spötter sagt: 4. November 2014 um 14:50
„verdeckt, dass diese “Länder” bzw. Staaten sehr lange nur einen sehr, sehr geringen Migrantenanteil hatten“
Spötter sagt: 4. November 2014 um 14:50
„3. Verfolgt wurde in der Anfangsphase der DDR alles, was irgendwie nur “bürgerlich” war, auch Leute, die dem 3. Reich distanziert gegenüberstanden. Wer an einem Plakat von Ulbricht rüttelte, bekam fünf Jahre, wer es entfernte 10 Jahre. Das sind zumindest Aussagen von Menschen, von denen ich weiß, dass sie aus dem Osten kamen.“
Ach deswegen gab es in der DDR so wenig Handwerker. Jedes Mal wenn ein Maler ein Ulbrichtbild von der Wand abgenommen hat, musste er 10 Jahre ins Gefängnis. Schön das Sie das Rätsel gelöst haben.
Was die „bürgerliche“ Verfolgung anging unterliegen Sie hier auch einer Propaganda. Bis in die Endzeit der DDR gab es sehr auch Privatunternehmen. Die wurden zwar durchaus benachteiligt und teils auch stark schikaniert, aber allein dafür ist niemand einfach mal so über Nacht verschwunden.
Selbst unser derzeitiger Bundesgaukler, zwar aus strammen Nazihaus stammend und angeblich ja Bürgerrechtlicher, konnte in der DDR sowohl studieren und sogar Reisen ins NSW unternehmen, die Normalbürgern versagt blieben.
@Tai Fei
1. Finnland, das als „das“ Vorbild gilt, hatte ausgesprochen niedrige Zuwanderungszahlen. Gleiches gilt für Japan, Südkorea und Shanghai. Schweden ist im Übrigen bei der Pisastudie abgestürzt. Tja.
2. Unser Schulsystem ist deutlich transparenter als zu Kaisers Zeiten, da kein Schulgeld mehr bezahlt werden muss. Gerade Berlin ist finanziell bestens ausgestattet, was Schulen anbelangt. Am Geld liegt es dort nicht. Pro Kopf wird dort mehr ausgegeben als im erfolgreicheren Bayern. Außerdem sind unsere Gymnasien bei Leibe nicht mehr „Eliteeinrichtungen“ für wenige.
3. Eine hohe Zahl an Nobelpreisträgern und eine hohe Analphabetisierungsquote bei gleichzeitiger sehr hoher Armut ist der Beweis für ein gutes Bildungssystem. Geringe Armut und schlechte Bildungsleistungen sind der Beweis für ein schlechtes Schulsystem. Denn Eines ist doch klar: Unsere Hartz IVler sind im Vergleich zu Arbeitern um 1900 hervorragend versorgt, haben aber einen geringeren Alphabetisierungsstand. Fazit: Armut hat per se nichts mit mangelnder Bildung zu tun. Sie begünstigt sie nur.
4. Von der Anfangszeit der DDR verstehen Sie rein gar nichts. Das war nicht anders als bei Mao Tse Tung. Enteignung und Kollektivierung total, mit Folgen bis heute. Ich möchte nur daran erinnern, dass 98% des DDR Produktiveigentums „Volksvermögen“ war, 83% des landwirtschaftlichen Bodens war zwangskollektiviert, 50% aller Liegenschaften staatlich. Was Sie vor Augen haben ist die „gemütliche“ Endphase der DDR. Ganz ohne Grund gab es 1953 keinen Aufstand gegen den glorreichen Sozialismus. Und aus Spass werden seit 1949 nicht Millionen Menschen geflüchtet sein.
https://www.youtube.com/watch?v=Asw9Najy7sU
Spötter sagt: 5. November 2014 um 16:32
„1. Finnland, das als “das” Vorbild gilt, hatte ausgesprochen niedrige Zuwanderungszahlen. Gleiches gilt für Japan, Südkorea und Shanghai. Schweden ist im Übrigen bei der Pisastudie abgestürzt. Tja.“
Finnland ist aber auch das einzige skandinavische Land mit geringen Zuwanderungszahlen. Skandinavien ist aber schon etwas größer und umfasst mehr Länder. Was Japan und Südkorea so schneiden diese Länder beim PISA-Test immer überdurchschnittlich gut ab. Das hängt sicher auch am geringen Migrationsanteil. ABER den PISA-Test allein als Qualitätsmerkmal heranzuziehen, halte ich nicht für sehr sinnvoll. Südkorea und Japan sind nämlich auch die Länder, welche eine überdurchschnittliche Anzahl an Schülerselbstmorden aufzuweisen haben (verlässliche Zahlen auch der VRC fehlen hier). Zumindest sind aus Skandinavien keine vergleichbaren Größen bekannt.
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Spötter sagt: 5. November 2014 um 16:32
2. Unser Schulsystem ist deutlich transparenter als zu Kaisers Zeiten, da kein Schulgeld mehr bezahlt werden muss. Gerade Berlin ist finanziell bestens ausgestattet, was Schulen anbelangt. Am Geld liegt es dort nicht. Pro Kopf wird dort mehr ausgegeben als im erfolgreicheren Bayern. Außerdem sind unsere Gymnasien bei Leibe nicht mehr “Eliteeinrichtungen” für wenige.“
Na was gilt denn nun zum wilhelminischem Bildungssystem?
Spötter sagt: 4. November 2014 um 14:50
„Das wilhelminische Bildungssystem war sehr wohl sozial durchlässig,…“
Was das heutige Schulsystem betrifft: Die Pro Kopfausgaben der einzelnen Bundesländer weichen nur recht marginal von einander ab. Da Stadtstaaten im Durchschnitt höhere Kosten (z.B. Mieten) haben als Flächenländer sind diese da i.d.R. höher. Ich denke jedoch dass 200-300 EUR pro Kopf und Jahr das Kraut jetzt nicht fett macht. Richtig ist auch die Feststellung, dass die südlichen Länder bessere PISA-Ergebnisse erreichen. Hier könnte man mal als Ansatz die Vermögensverteilung in DE nach Bundesland in Korrelation setzen. (nur so, zum nachdenken ;) )
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Spötter sagt: 5. November 2014 um 16:32
3. Eine hohe Zahl an Nobelpreisträgern und eine hohe Analphabetisierungsquote bei gleichzeitiger sehr hoher Armut ist der Beweis für ein gutes Bildungssystem. Geringe Armut und schlechte Bildungsleistungen sind der Beweis für ein schlechtes Schulsystem. Denn Eines ist doch klar: Unsere Hartz IVler sind im Vergleich zu Arbeitern um 1900 hervorragend versorgt, haben aber einen geringeren Alphabetisierungsstand. Fazit: Armut hat per se nichts mit mangelnder Bildung zu tun. Sie begünstigt sie nur.“
Analphabetenquote und Bildungssystem in Verbindung zu bringen ist sicher sinnvoll. Da gebe ich Ihnen Recht. Mit Nobelpreisträgern hat das aber wenig zu tun. Natürlich ist ´ne gute Bildung hier Voraussetzung, viel wichtiger ist jedoch die Finanzierung dieser Forschung, weshalb in den letzten Jahrzehnten, hier auch die Amerikaner auffällig sind. Dort wird halt mehr investiert, weil dort auch mehr freies Kapital zur Verfügung steht. Über die soziale Transparenz des Bildungssystems sagt das aber nichts aus. Ich gebe auch zu bedenken, dass die dt. Nobelpreisträger der Kaiserzeit sozial i.d.R. aus dem höheren Beamtenapparat oder Unternehmerfamilien stammten.
Was unser heutiges Bildungssystem betrifft, so ist nachgewiesen, das DE im OECD-Durchschnitt zu wenig investiert. DE liegt hier weit unter dem Durchschnitt. Ferner ist auch nachgewiesen, dass die soziale Transparenz in den letzten Jahrzehnten rückläufig ist. Das unsere Gymnasien und Universitäten keine Eliteeinrichtungen mehr sind ist zwar nicht falsch, verdeckt aber einige Tatsachen. So sind die Ansprüche der Wirtschaft an den Bildungsgrad stark angestiegen. Ein wichtiger Punkt, den Sie nicht ansprechen ist, dass es auch in DE sehr wohl Eliteeinrichtungen gibt. Hier ist die soziale Vernetzung der Eliten entscheidend. Die Frage ist heute nicht mehr OB Gymnasium oder Universität sondern WELCHE.
Völlig unzulässig ist es jedoch doch, wenn Sie Vergleiche zwischen Arbeitern um 1900 und heute ansetzen. Natürlich geht es heutigen H4-Berechtigten objektiv besser als um 1900. Sie vergessen aber, dass unsere Wirtschaftskraft heute auch x-mal höher ist. Sie können also nicht absolute Zahlen vergleichen, sondern nur relative. Was die relative Armut angeht, so macht DE heute keine gute Figur und liegt auch in diesem Punkt unter dem OECD-Durchschnitt.
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Spötter sagt: 5. November 2014 um 16:32
4. Von der Anfangszeit der DDR verstehen Sie rein gar nichts. Das war nicht anders als bei Mao Tse Tung. Enteignung und Kollektivierung total, mit Folgen bis heute. Ich möchte nur daran erinnern, dass 98% des DDR Produktiveigentums “Volksvermögen” war, 83% des landwirtschaftlichen Bodens war zwangskollektiviert, 50% aller Liegenschaften staatlich. Was Sie vor Augen haben ist die “gemütliche” Endphase der DDR. Ganz ohne Grund gab es 1953 keinen Aufstand gegen den glorreichen Sozialismus. Und aus Spaß werden seit 1949 nicht Millionen Menschen geflüchtet sein.“
Ja, ich kenne aus eigener Erfahrung nur die „gemütliche“ Endphase und deswegen sind wir ja auch nur aus Spaß 1989 auf die Straße gegangen.
Ja, Enteignung an Produktionsmitteln war in der DDR die Regel, dies entsprach ja der realsozialistischen Ideologie. Den Begriff der Kollektivierung scheinen Sie jedoch nicht wirklich verstanden zu haben. Es gab Anfangs eine Bodenreform, bei welche Großgrundbesitzer enteignet und dieses Land aufgeteilt wurde. Da die Bewirtschaftung kleinerer Landflächen nicht effektiv war, wurden diese in einer späteren Phase kollektiviert und dies geschah auch mit Zwang. Eine Kollektivierung in den sogenannten LPGs änderte aber grundsätzlich nichts an den Besitzverhältnissen sondern lediglich die Verfügungsrechte.
Sie scheinen auch den Begriff des Volksvermögens nicht wirklich begriffen zu haben. Die VEBs und Kombinate waren in staatlicher Hand. Sie gehörten also, wie VEB schon sagt, dem Volk, sprich allen Bürgern der DDR. Völlig vergessen wird, dass die wirkliche Enteignung erst nach 1990 mit der Übernahme durch die Treuhand einsetzte. Ein wichtiger Teil der Verhandlungen zur Währungsunion von 1990 wird bis heute immer recht gern unterschlagen. Ursprünglich sollten DDR-Bürger nämlich mal Anteile am Volksvermögen erhalten. Das wurde jedoch nie umgesetzt. Stattdessen wurde das Produktivvermögen verramscht, sprich das Vermögen wurde billig privatisiert. Ja, jetzt kommt wieder der Einwand, „War ja eh´ nichts wert bla,bla,bla.“ Dass das nicht stimmt ist aber inzwischen nachgewiesen.
@ Tei Fei
1. Geben Sie zu, dass ein Zusammenhang zwischen schlechten Pisaergebnissen und einer vermehrten Migration besteht, auch in Skandinavien. Diese Beobachtung existiert nicht erst seit Sarrazin, sondern im Grunde schon seit Hannah Arendt, die am Beispiel der USA auf den Zusammenhang von Migration und Schulreformen hingewiesen hat.
2. Die Tatsache, dass Berlin pro Schüler mehr ausgibt als Bayern gleichzeitig aber schlechter abschneidet, beweist, dass „Geld“ ein Bildungssystem nicht automatisch besser macht. Eher sollte man davon sprechen, dass konservativ-bürgerliche Verhältnisse Bildungsbestrebungen bei Kindern begünstigen.
3. Ende des 19. Jahrhunderts ist die Analphabetenquote in Deutschland wesentlich geringer als anderswo, sogar geringer als heute (!). Gerade Sachsen war damals führend. Das sollte im Hinblick auf das DDR-Bildungssystem schon bedacht werden.
4. Die DDR hat Leistungseliten (das „Bürgertum“) bewusst verprellt, sie enteignet und degradiert. Das sollte nicht kleingeredet werden.
Das Rumgemurkse am deutschen Bildungssystem beruht auf falschen Annahmen:
1. Sollen sich heutzutage Leistungsstarke und Leistungsschwache aneinander orientieren, was unsinnig ist. Das schadet in der Praxis nämlich beiden Seiten, da die einen Schüler unterfordert werden und die anderen überfordert werden. Ein Argument für das gegliederte Schulsystem.
2. Werden Gymnasien als Werkbank für die Industrie und den Arbeitsmarkt missverstanden. Ihr eigentlicher Zweck liegt darin, Schüler auf die Universität, also auf das wissenschaftliche Arbeiten vorzubereiten. Davon sind wir heute weit entfernt.
3. Gleiches gilt für unsere Universitäten. Dass Universitäten kein Anhängsel der Industrie oder des Ausbildungsmarktes sein sollten, sondern Forschungseinrichtungen, die hochwertiges und wertvolles Spezialwissen zu Verfügung stellen, wird nicht zur Kenntnis genommen.
4. Ist in Deutschland eine allgemeine „Handwerkisierung“ zu beobachten. Praxisorientierung und Qualitätsarbeit sind sicherlich nicht falsch, sie sind aber auf Dauer keine Ideallösung. Theoretiker braucht man halt auch. Die sorgen für Innovationen.
5. Vollblutakademiker, also echte Forscher, haben in Deutschland nicht das Ansehen, das sie verdienen, zum Schaden unseres Landes. Viele Professoren verdienen deutlich schlechter als gut bezahlte Fachhandwerker. Hier muss gegengesteuert werden. Wenn geistige Arbeit in der Relation schlecht bezahlt wird, lohnt es sich nicht, sich geistig zu betätigen. Wenn alle „gleich“ sein sollen, sieht der Einzelne auch keinen Anlass, besser als die anderen zu sein.
6. Bildungsschwäche wird von vornherein mit sozialer Schwäche gleichgesetzt. Einen wirklichen Beweis für diesen Zusammenhang gibt es nicht. Die Ursachen hierfür sind vielschichtiger, als es uns die Linken weismachen wollen.
7. Halte ich es für bedenklich, immer Außenseiter, angeblich oder wirklich „Schwache“ in den Fokus zu rücken. Bildungspolitik muss für den „tüchtigen“ Schüler gemacht werden, sie muss praxisnah und lernfreundlich sein, ihm gerecht werden. Entscheidend ist nicht das „System“, sondern die konkrete Situation im Klassenzimmer. Was die Linke seit Jahrzehnten treibt, ist schulferne Ideologie, die immer scheitern muss. Das sehen wir ja auch momentan in Baden-Württemberg, wo ein Elternprotest dem anderen folgt.
8. Hat die Krise der Erziehung wie sie Hannah Arendt vorhergesehen hat, Deutschland längst erreicht. Eine zu hohe Selbständigkeit der Unmündigen, mangelnde Autorität der Lehrer, eine Überbewertung des Praktischen und ein Mangel an geistiger Auseinandersetzung sind ein deutliches Kennzeichen des heutigen Bildungssystems. Dass Mütter nicht mehr zu Hause sind, wirkt sich ebenfalls problematisch aus, da Eltern als Korrektiv gegen schlechten Unterricht zunehmend ausfallen.
9. Sozialpädagogen, Ideologen, Politiker, Ökonomen und Fräulein Schrebergarten bestimmen über unser Bildungssystem – wer fragt die Professoren, Lehrer, Erzieher, Studenten und Schüler? Wer fragt die Experten?
10. Schulen können keine Sozialreparaturwerkstatt sein. Alle Versuche in diese Richtung sind bisher gescheitert.
@ Erwin
Deutschland leidet an einer allgemeinen Verunterschichtung, nicht mal so sehr ökonomisch als geistig. Ein Blick in die Röhre genügt. Wer dort alles als Vorbild gilt. Oh je oh je.
Erwin sagt: 6. November 2014 um 11:49
„1. Geben Sie zu, dass ein Zusammenhang zwischen schlechten Pisaergebnissen und einer vermehrten Migration besteht, auch in Skandinavien. Diese Beobachtung existiert nicht erst seit Sarrazin, sondern im Grunde schon seit Hannah Arendt, die am Beispiel der USA auf den Zusammenhang von Migration und Schulreformen hingewiesen hat.“
Also ich kenne die Analyse von Frau Arendt für die USA nicht, deren Probleme in der Bildung waren aber dadurch hausgemacht, dass die afroamerikanische Bevölkerung strukturell benachteiligt wurde und noch wird.
Das zunehmende Migration den Betreuungs- und Bildungsbedarf intensiviert, ist nicht zu bestreiten. Da DE aber bei Bildungsausgaben deutlich UNTER dem OECD-Durchschnitt liegt, ist hier Potenzial vorhanden, was nicht genutzt wird.
Erwin sagt: 6. November 2014 um 11:49
„2. Die Tatsache, dass Berlin pro Schüler mehr ausgibt als Bayern gleichzeitig aber schlechter abschneidet, beweist, dass “Geld” ein Bildungssystem nicht automatisch besser macht. Eher sollte man davon sprechen, dass konservativ-bürgerliche Verhältnisse Bildungsbestrebungen bei Kindern begünstigen.“
Wie schon zuvor geschrieben sind die Abweichungen zwischen Bayern und Berlin minimal. Ferner lässt sich ein Bundesland, welche nur aus einer Stadt besteht nicht so einfach mit einem Flächenland vergleichen. Das eine Stadt i.d.R. höhere Kosten hat ergibt sich von selbst. In einem Flächenland wie Bayern relativiert sich das mehr. Wie ebenfalls bereits angemerkt korrelieren die PISA-Ergebnisse zum großen Teil aber ebenfalls mit der Vermögensverteilung nach Bundesländern. Was wiederum dafür spricht, das Geld wohl doch eine Rolle spielt.
Erwin sagt: 6. November 2014 um 11:49
„3. Ende des 19. Jahrhunderts ist die Analphabetenquote in Deutschland wesentlich geringer als anderswo, sogar geringer als heute (!). Gerade Sachsen war damals führend. Das sollte im Hinblick auf das DDR-Bildungssystem schon bedacht werden.“
Das ist nicht richtig. England und die Niederlande hatten ähnlich niedrige Werte. Deutschland hat hier kein Alleinstellungsmonopol. Ferner wird beim Vergleich der Analphabetenquote immer ein Fakt unterschlagen. Nach heutigen Untersuchungen leben in DE ca. 7,5 Mio. funktionale Analphabeten. Wichtig ist hier jedoch der Begriff FUNKTIONAL. Der definiert nämlich, dass diese Menschen sehr wohl fähig sind, ihre Unterschrift unter Dokumente zu setzen (was das Hauptkriterium zum Erkennen von Analphabetismus im Dt. Kaiserreich war). Sie können auch einfache Texte lesen haben jedoch Probleme damit den Inhalt längere Texte zu verstehen. Dieser funktionale Analphabetismus wurde zunehmend in den 70er Jahren erkannt. Das heißt aber keinesfalls im Umkehrschluss, dass er zuvor nicht bestand.
Erwin sagt: 6. November 2014 um 11:49
„4. Die DDR hat Leistungseliten (das “Bürgertum”) bewusst verprellt, sie enteignet und degradiert. Das sollte nicht kleingeredet werden.“
Bis in die 50er Jahre war die Produktivität in vielen Bereichen der DDR höher als in der BRD. Dabei hatte die DDR erheblich Nachteile. Sie musste Reparationen tragen während für die BRD diese in dieser Zeit endgültig gestrichen wurden. Ferner hatte die Wirtschaft der DDR in einigen Bereichen lange Zeit Weltniveau, wie in der optischen und der chemischen Industrie. Das hielt teilweise bis in die 70er Jahre an. Scheinbar ging es auch ohne bürgerliche „Leistungseliten“. Der Niedergang der DDR-Wirtschaft lässt sich im Wesentlichen auf die Globalisierung und die Mikroelektronik zurückführen.
Erwin sagt: 6. November 2014 um 11:49
„Das Rumgemurkse am deutschen Bildungssystem beruht auf falschen Annahmen:
1-10“
Was Ihre Analyse betrifft, so enthält sie viele wichtige Punkte. Dass das Bildungssystem immer mehr zu einem Anhängsel der Wirtschaft verkommt ist durchaus richtig. Mir ist nur nicht klar, wie Sie dass linken Kräften anhängen wollen. Das immer mehr in Vordergrund tretende Kosten-Nutzen-Prinzip ist doch eine klassische, konservative Position. Ihre entsprechende Konsequenz, dass Bildungspolitik sich am „tüchtigen“ zu orientieren habe, grenzt sogar an Sozialfaschismus. Was wird den bitte aus dem „Schwachen“? Sollen die auf der Strecke bleiben? Lohnt sich da sowieso keine Bildung, weil die eh nix auf die Reihe bekommen? Eine Exklusion der „Leistungsschwachen“ lässt diese doch nicht verschwinden.
Natürlich haben Sie Recht, dass eine Inklusion unter den Bedingungen eines Schulsystems, welches auf Konkurrenz und Wettbewerb setzt schädlich für beide Gruppen ist. Aber gerade dieses Bildungssystem ist ebenfalls eine klassische bürgerliche Position. Ich kann jetzt nicht so genau nachvollziehen, wie Sie das irgendwelchen „Linken“ anhängen wollen. Sie machen sich ja noch nicht mal die Mühe diese „Linken“ mal etwas genauer zu definieren. Überhaupt nutzen Sie gerne Schlagworte, welche Sie nicht weiter definieren, so zu Bsp. mit „gleich“. Gleichheit und Gleichmacherei sind jedoch nicht das Gleiche ;) . Wie kommen Sie auf die Idee, dass alle „gleich“ sein sollen. Da jeder Mensch ein Individuum mit eigenen Eigenschaften ist, ist ein „gleich“ einen illusorische Größe. Schließlich stellen Sie fest, dass uns wieder einmal irgendwelche „Linken“ weiß machen wollen, dass Bildungs- und Sozialschwäche kausal wären, wofür es aber keine Beweise gäbe. Nun ist alleine die Existenz von Gegenbeispielen keinesfalls der Nachweis, dass eine These im Grundsatz nicht stimmt. Sozialwissenschaften sind halt keine Naturwissenschaften und basieren nicht auf universellen Naturgesetzen (selbst da gibt es ja Ausnahmen, wie die Quantenphysik zeigt). Es ist durchaus nachgewiesen, dass die soziale Stellung einen erheblichen Einfluss auf das Bildungsverhalten hat auch wenn es andere Einflüsse gibt.
Zum Abschluss:
Allerdings stellt sich hier doch langsam die Frage, was diese ganze Diskussion noch mit dem Artikel zu tun hat.
@ Tei Fei Schönreden kann man alles. Auch die Fehler linker Bildungsideologen.
1. Die Demokratie hat viele gravierende Vorteile, aber auch manche Nachteile. Ein Nachteil liegt darin, dass Frau von und zu Hintergarten und Herr Freiherr von Anstreicher zu „hohen“ Ämtern aufsteigen können. Sie können dann, obwohl sie in ganz anderen Milieus groß geworden sind, ungehemmt über Dinge urteilen, die ihnen eigentlich fremd sind. Genau darin liegt das Problem bei vielen Bildungspolitikern. Dass hiervon gerade linke Politiker betroffen sind, erklärt sich definitiv aus einer unterschiedlichen sozialen Herkunft. Ein Politiker aus fünfter „Professoren- und Beamten-Degeneration“ denkt nun mal anders als einer aus Arbeiter- oder Handwerkerverhältnissen, mit allen Vor- und Nachteilen.
2. Wenn man unterstellt, dass Konservative, also Bürgerliche, mehrheitlich für Leistungsverweigerung, unkontrollierte Inklusion und Gleichmacherei sind, ist das eine reine Wahrheitsverdrehung. Es ist genau andersherum. Die deutsche Linke ist traditionell für: Umverteilung, Gleichmacherei, Leistungsfeindlichkeit, Staatsgläubigkeit, Traditionsvergessenheit, Verachtung des Bewährten. Das steht sogar so in den Parteiprogrammen drin.
3. Dass England und die Niederlande ähnliche Werte hatten, stimmt. Dass Deutschland im 19. Jahrhundert definitiv eine weltweite Vorreiterrolle in Sachen Bildung hatte, sollte nicht übersehen werden. Wir profitieren noch heute davon, während wir von den Ideen von 1968 nicht viel haben.
4. Die ganze Diskussion hat insofern mit dem Artikel zu tun, als Bildung und humane Werte ohne „Tradition“ und „Autorität“ nicht vermittelt werden können (Hannah Arendt, Adorno u.a.). Wenn wir uns ganz von den christlich-abendländischen Werten verabschieden, das beginnt mit dem Abhängen von Kreuzen, zerstören wir letztlich „Substanz“. Diese Substanz kann durch Gedankengut nicht ersetzt werden, das dem linksliberalen „Zurechtgebiege“, dem medialen „Blabla“ und dem „Politikergewäsch“ abgeschaut ist.
5. Wenn man schon dafür ist (ich nicht!), dass Kreuze nichts in Schulen zu suchen haben, dann sollte man auch die Politik von den Schulen fern halten. Genau das geschieht aber nicht. Wer hat denn das Bildungswesen so politisiert? Antwort: die Linken, die 68er. Keine Kreuze, aber linke Ideologie als bevormundende Ersatzreligion in Schulen?
6. Bitte erklären Sie nicht, dass die Produktivität der DDR höher gewesen sei als die der BRD. 1960 lag die Arbeitsproduktivität in der BRD bei 100, in der DDR bei 48. Die BRD hatte ebenfalls hohe Reparationen und Entschädigungen zu zahlen (Israel!), konnte aber schon Ende der 50er Jahre die UDSSR ökonomisch überrunden. Der Vorsprung der BRD hatte seine Ursache darin, dass dem individuellen Leistungsstreben eindeutig der Vorrang vor der Misswirtschaft des Staates gegeben wurde. Die DDR hat eigentlich keine weltmarktfähigen Produkte hergestellt außer dem Trabi. Es hat sich da im Osten halt niemand zuständig gefühlt, weil der „Staat“ alles machte. Ein schlimmes Erbe.
Erwin sagt:7. November 2014 um 11:26
„1. Die Demokratie hat viele gravierende Vorteile, aber auch manche Nachteile. Ein Nachteil liegt darin, dass Frau von und zu Hintergarten und Herr Freiherr von Anstreicher zu “hohen” Ämtern aufsteigen können. Sie können dann, obwohl sie in ganz anderen Milieus groß geworden sind, ungehemmt über Dinge urteilen, die ihnen eigentlich fremd sind. Genau darin liegt das Problem bei vielen Bildungspolitikern. Dass hiervon gerade linke Politiker betroffen sind, erklärt sich definitiv aus einer unterschiedlichen sozialen Herkunft. Ein Politiker aus fünfter “Professoren- und Beamten-Degeneration” denkt nun mal anders als einer aus Arbeiter- oder Handwerkerverhältnissen, mit allen Vor- und Nachteilen.“
Speziell ihr Fazit offenbart doch ihre zutiefst antidemokratische Sicht. Ich gehe sogar noch weiter, sie ist nicht mal mit den bürgerlichen Idealen kongruent. Was Ihnen vorschwebt scheint eher ein technokratisches Kastensystem, eine „Herrschaft der Weisen“ nach Platon o.ä..
Erwin sagt:7. November 2014 um 11:26
„2. Wenn man unterstellt, dass Konservative, also Bürgerliche, mehrheitlich für Leistungsverweigerung, unkontrollierte Inklusion und Gleichmacherei sind, ist das eine reine Wahrheitsverdrehung. Es ist genau andersherum. Die deutsche Linke ist traditionell für: Umverteilung, Gleichmacherei, Leistungsfeindlichkeit, Staatsgläubigkeit, Traditionsvergessenheit, Verachtung des Bewährten. Das steht sogar so in den Parteiprogrammen drin.“
Bingo. Sie haben soeben das Bullshit-Bingo gewonnen. Mehr Floskeln kann man wirklich nicht in einem Absatz unterbringen. ;)
Erwin sagt:7. November 2014 um 11:26
„3. Dass England und die Niederlande ähnliche Werte hatten, stimmt. Dass Deutschland im 19. Jahrhundert definitiv eine weltweite Vorreiterrolle in Sachen Bildung hatte, sollte nicht übersehen werden. Wir profitieren noch heute davon, während wir von den Ideen von 1968 nicht viel haben.“
Woran machen Sie das fest?
Erwin sagt:7. November 2014 um 11:26
„4. Die ganze Diskussion hat insofern mit dem Artikel zu tun, als Bildung und humane Werte ohne “Tradition” und “Autorität” nicht vermittelt werden können (Hannah Arendt, Adorno u.a.). Wenn wir uns ganz von den christlich-abendländischen Werten verabschieden, das beginnt mit dem Abhängen von Kreuzen, zerstören wir letztlich “Substanz”. Diese Substanz kann durch Gedankengut nicht ersetzt werden, das dem linksliberalen “Zurechtgebiege”, dem medialen “Blabla” und dem “Politikergewäsch” abgeschaut ist.“
Wie Sie in ihre Argumentation Adorno einbinden möchten ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel. Er gilt nicht umsonst als „Vater der Studentenbewegung“ auch wenn er sich von deren radikalem Charakter eher abgestoßen fühlte.
Erwin sagt:7. November 2014 um 11:26
„5. Wenn man schon dafür ist (ich nicht!), dass Kreuze nichts in Schulen zu suchen haben, dann sollte man auch die Politik von den Schulen fern halten. Genau das geschieht aber nicht. Wer hat denn das Bildungswesen so politisiert? Antwort: die Linken, die 68er. Keine Kreuze, aber linke Ideologie als bevormundende Ersatzreligion in Schulen?“
Wo findet denn politische Bildung in Schulen noch statt? Allenfalls werden noch die Spielregeln unserer Bürokratie und parlamentarischen Gesellschaft erläutert. Politische oder gar philosophische Aufklärung findet nicht mehr statt. Nicht umsonst gilt ja inzwischen der PISA-Test als Maß aller Dinge. Der Vergleich aber nur naturwissenschaftliche und Lesekompetenzen. Linke Ideologie wurde allenfalls im DDR-Staatsbürgerkunde-Unterricht vermittelt oder besser indoktriniert.
Erwin sagt:7. November 2014 um 11:26
„6. Bitte erklären Sie nicht, dass die Produktivität der DDR höher gewesen sei als die der BRD. 1960 lag die Arbeitsproduktivität in der BRD bei 100, in der DDR bei 48. Die BRD hatte ebenfalls hohe Reparationen und Entschädigungen zu zahlen (Israel!), konnte aber schon Ende der 50er Jahre die UDSSR ökonomisch überrunden. Der Vorsprung der BRD hatte seine Ursache darin, dass dem individuellen Leistungsstreben eindeutig der Vorrang vor der Misswirtschaft des Staates gegeben wurde. Die DDR hat eigentlich keine weltmarktfähigen Produkte hergestellt außer dem Trabi. Es hat sich da im Osten halt niemand zuständig gefühlt, weil der “Staat” alles machte. Ein schlimmes Erbe.“
Das habe ich SO auch gar nicht gesagt. Die Gesamtproduktivität der DDR kann ja überhaupt nicht höher gewesen sein, da die Wirtschaftsleistung der DDR nur einen Bruchteil der BRD-Wirtschaft betrug. Was die Reparationen der BRD angeht so darf ich Sie darauf hinweisen, dass die DDR nominal die 130-fache Summe erbringen musste. Der BRD wurde ein Großteil ihrer Nachkriegsschulden und auch Reparationen gestrichen. Eine Tatsache, welche heute wieder an Bedeutung gewinnt, wie speziell Griechenland und Italien zeigen.
Der Vorsprung der BRD lag vor allem darin, dass die größten Rohstoffquellen und der größte Teil der Industrieproduktion auf deren Gebiet lagen. Die Zuwachsraten des BIP lagen in der DDR fast immer über denen der BRD, was nicht unbedingt für Misswirtschaft spricht.
Dass die DDR-Wirtschaft keine weltmarktfähigen Produkte produziert hätte ist eindeutig widerlegt, der Trabi gehörte übrigens nicht dazu, dafür aber der Multikar als Bsp. im Kfz-Bau. Allein schon Ihr Schlusssatz beweist doch Ihre Inkompetenz in Fragen der Gesellschaftswissenschaften. Der „Staat“ ist lediglich eine Verwaltungseinheit. Er gibt eine gesellschaftlichen Rahmen vor, welchen dann aber immer noch Menschen ausfüllen müssen.
@Tei Fei Wenn Sie linke Schulpolitik nicht als gescheitert betrachten und alle kritischen Kommentare als „Getöns“ und „Worthülsen“ abtun, dann rate ich Ihnen: Besuchen Sie die Rütlischule! Gehen Sie nach Mecklenburg, NRW oder Bremen. Besuchen Sie Deutschlands faktische Analphabeten. Es ist nun einmal eine Tatsache, dass die Linke auf diesem Gebiet erbärmlich versagt hat. Denn wer ist denn für unkontrollierte Inklusion, Ganztagesschulen, Studium für den Bauarbeiter usw.?