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Leos Wochenrückblick

12. Juni: Die Türkei wählt – und Deutschland schaut zu.

Warum Erdogan gewinnen wird. Ergenekon und das Ende der Macht des Militärs. Eine Partei wird gerufmordet - wer steckt dahinter? Brauchen Männer die Vielehe? -- Niederlande: SGP für den Gottesstaat - und doch an der Regierungsmacht beteiligt

Von Leo Brux Montag, 30.05.2011, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 02.06.2011, 22:51 Uhr Lesedauer: 9 Minuten  |   Drucken

Am 12. Juni wählt die Türkei. Der Schatten des Ereignisses fällt auch auf Deutschland. Die seit 2002 regierende AKP unter Erdogan wird erneut gewinnen – soviel ist sicher. Aber wie hoch? Das Ausmaß kann für die Türkei historische Konsequenzen haben.

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Warum Erdogan gewinnen wird.

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Die WELT erklärt es so:

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Es ist die Wirtschaft. Es ist der Aufstieg der vor 2002 unterprivilegierten, meist sehr religiösen Landbevölkerung.

… so kritisch manche innenpolitische Entwicklung gesehen werden kann, so hat die AKP andererseits seit ihrer Regierungsübernahme 2001 eben auch die alten Zöpfe abgeschnitten, Monopole zerschlagen, die Kartelle durchbrochen. So wurden beispielsweise zwischen 1985 und 2002 Unternehmen im Wert von ganzen acht Milliarden Dollar privatisiert. Von 2003 bis 2010 waren es dagegen fast 48 Milliarden Dollar. Die AKP brachte genau das fertig, wozu vorherige Regierungen jahrzehntelang nicht fähig waren. Darin liegt der Erfolg der türkischen Wirtschaft begründet. Das erkennen inzwischen auch die alten Eliten an.

Und die internationalen Investoren. „Die Türkei gehört heute zu den am dynamischsten wachsenden Volkswirtschaften“, lobt Gregor Holek, Experte für Schwellenländer bei der Anlagegesellschaft Raiffeisen Capital Management. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 2003 verdreifacht, das Wachstum betrug 2010 fast neun Prozent – nur wenige Länder waren da noch besser. Für dieses Jahr werden rund sechs Prozent erwartet. Die Staatsschulden betragen gerade einmal 35 Prozent der Wirtschaftskraft – halb so viel wie in Deutschland, vom Nachbarn Griechenland ganz zu schweigen. „Das Land steht kurz davor, von den Rating-Agenturen das Siegel ‚Investmentgrade‘ zu erhalten“, so Holek. Seine Staatsanleihen würden damit zu einem attraktiven Anlageziel für die weltweiten Investoren.

Man vergleiche mit dem Nachbarn, mit Griechenland …

Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Die EU will die Türkei nicht und die Türkei braucht die EU nicht. „Ob wir irgendwann Mitglied werden oder nicht, das macht für die Zukunft unseres Landes keinen Unterschied“, sagt Sabanci-Chef Kurtul.

Die Türkei ist glücklich, auch ohne die EU. Und fast scheint sie als ein Land der Sorglosigkeit mit strahlender Zukunft.

Allerdings hat sich die Türkei ein gefährlich hohes Leistungshandelsdefizit aufgebaut. Um es abzubauen, müsste die Regierung die Zinsen erhöhen, den Konsum drosseln, sparen und sparen lassen.

Das würde weh tun – und weh tun möchte die Regierung dem Volk nicht, solange die neue Verfassung nicht durch ist …

Immerhin, seit einem Jahrzehnt boomt die türkische Wirtschaft. Man kann das Wählervertrauen in die AKP verstehen.

Man kann es aus einem weiteren Grund verstehen:  

Ergenekon. Die Regierung hat einen Militärputsch vereitelt und die Macht des Militärs gebrochen

Die demokratisch gewählte und damit legitime Regierung der Türkei war von Anfang an gefährdet durch das, was ich „Militärkemalismus“ nennen möchte. Noch 1998 hat er das letzte Mal eine Regierung aus dem Amt geputscht. Ein weiterer Putsch war offensichtlich in Planung: Ergenekon.

Gunnar Köhne gibt im Deutschlandradio einen ausgewogenen und für den deutschen Beobachter verständlichen Überblick.

Auch nachdem die Armee die Macht wieder in demokratische Hände übergeben musste, hielt sie im Hintergrund weiter die Fäden in der Hand. Neben den staatlichen Institutionen etablierte sich ein militärisch-bürokratisches Netzwerk, das als sogenannter „tiefer Staat“ in den türkischen Wortschatz einging. Dieses Netzwerk intervenierte immer wieder, wenn es darum ging, die angeblichen „nationalen Interessen“ des Landes zu wahren – wenn nötig auch mit Gewalt. Mit Ergenekon bekam das Phantom „tiefer Staat“ einen Namen.

Die lange in der Türkei herrschende Nomenklatura aus Militär, Juristen und dem Istanbuler Großbürgertum fühlte sich von dieser Politik herausgefordert. Ihre staatliche Ordnung lebte bis dahin von der Existenz innerer wie äußerer Feinde. Wer das Prinzip des Laizismus in Frage stellt, wird der religiösen Reaktion angeklagt. Wer mehr Rechte für Kurden fordert, fällt unter Separatismusverdacht. Nicht Demokratie, sondern die türkische Nation und der Schutz des türkischen Staates stehen für sie im Mittelpunkt. Ihnen ist alles andere unterzuordnen. Sie geben vor, damit im Sinne des Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk zu handeln.

Damit hat die AKP-Regierung nun erfolgreich Schluss machen können. Ein weiterer Grund, ihr ein historisches Verdienst zuzusprechen.

Doch es gibt warnende Stimmen:

„Die AKP hat das Ergenekon-Verfahren politisch instrumentalisiert. Sie schlägt nicht bloß gegen diejenigen los, die für politische Morde verantwortlich sind und Putsche geplant haben. Sondern sie nimmt jeden ins Visier, der sich öffentlich gegen sie äußert. Ergenekon wird zum Vorwand eines anti-demokratischen Weges.“

Die Türkei hat nach wie vor keine Verfassung, die die Bürger vor der Staatswillkür schützt. Das eine Machtzentrum ist gefallen – jetzt liegt fast alle Macht in den Händen eines neuen Machtzentrums. Die politische Erfahrung zeigt, dass das brandgefährlich ist. Vielleicht ein Beispiel:

Eine Partei wird gerufmordet und aus dem Rennen gedrängt

Recht entspannt und ohne Partei zu ergreifen stellt Kai Strittmatter in der Süddeutschen Zeitung ein möglicherweise zukunftsentscheidendes Drama im aktuellen türkischen Wahlkampf dar. Eine Bande von technisch bestens ausgerüsteten Spionen hat 10 führende Persönlichkeiten der dritten Partei im türkischen Parlament, der MHP, durch Videos bloß gestellt, die die Herren beim Fremdgehen zeigen. Schon im Vorjahr ist ihnen (vermutlich denselben) der CHP-Vorsitzende Baykal zum Opfer gefallen.

Der Skandal hält die Türken aus mehreren Gründen im Bann. Die mit versteckten Kameras aufgenommenen Videos stammen zum Teil aus den privaten Schlafzimmern der Politiker. Es trifft allesamt Funktionäre einer einzigen Partei, der MHP. Und genau aus diesem Grunde sind sich die Beobachter einig: Es ist ein Komplott mit dem Ziel, die Politik zu manipulieren, die nach den Wahlen mit der Arbeit an einer neuen Verfassung vor einer historischen Weichenstellung steht. Allerdings herrscht Uneinigkeit, wer hinter dem Komplott steckt.

Klar ist: Hier explodierte eine „schmutzigen Bombe“ – so die Zeitung Vatan – die das Ziel hat, die MHP aus dem Parlament zu kippen.

Da man ausschließen kann, dass eine MHP-interne Gruppe dahinter steckt, bleiben als potentielle Täter (und Nutznießer) nur CHP und AKP (bzw. von ihr gesteuerte oder geduldete Staatsorgane) übrig.

Nun fliegen die Anschuldigungen hin und her. MHP und CHP sehen in der mysteriösen Webseite mit dem Namen Farkli Ülkücülük („Ein anderer Idealismus“) ein schmutziges Spiel der Regierung. Die AKP weist diesen Verdacht zurück, empörte AKP-Politiker weisen darauf hin, dass die in den Umfragen schwächelnde CHP ebenfalls kräftig profitieren würde von einem Scheitern der MHP – und sehen gar die Regierungspartei als Opfer einer Intrige. Die „dunklen Mächte“ des alten Apparats wollten der AKP den Skandal in die Schuhe schieben, sagte der Vizechef der AKP-Fraktion Mustafa Elitas. Die Theorie der Regierungsfreunde geht so: Die kemalistische CHP solle auf Kosten der MHP gestärkt werden, gleichzeitig sollen frustrierte MHP-Anhänger auf die Straße getrieben werden, um Chaos zu säen und die Arbeit der Regierung unmöglich zu machen.

Dem neutralen Beobachter fällt auf, dass keine AKP-Politiker betroffen sind. Welchen Sinn soll es für die CHP machen, der AKP die verfassungsändernde Mehrheit auf dem Tablett zu servieren? Wenn die CHP das Unternehmen zu verantworten hätte, würde sie dann nicht eher die AKP mit peinlichen Enthüllungen zu treffen versuchen?  

Müsste man dann nicht auch annehmen, dass die Täter rasch festgestellt und verhaftet würden, wenn sie „nur“ von der Opposition kämen? Nur wenn der Staat selbst hinter der Kampagne steht, können die Täter sicher sein, dass man ihr politisches Spiel nicht durch eine Entdeckung verdirbt.

Man lese also noch mal, was weiter oben über den „Tiefen Staat“ des Militärkemalismus zitiert worden ist. Soll nun eine schlimme türkische Tradition fortgesetzt werden?

Hier fängt der türkische Streit an, in die deutsche Debatte mit einzufließen. Ich höre mir aufmerksam an, wie meine türkischen Freunde in dieser Sache argumentieren.

Sibel Üresin: Männer sind von Natur aus untreu und brauchen darum mehr legal zu heiratende Frauen

Auf eine witzige Weise bestätigt eine AKP-Politikerin die Skeptiker. Sibel Üresin ist 35, prominente Familienberaterin, verheiratet. Sie schlägt vor, die Türkei solle die islamische Vielehe wieder einführen – weil Männer von Natur aus mit einer Frau kaum zufrieden sein können. Besser, sie können ihre natürlichen Bedürfnisse und Erwartungen im Rahmen einer legalen Vielehe befriedigen, als dass sie den Weg über Fremdgehen und Scheidung gehen müssen. 85% der türkischen Männer würden ihre Ehefrauen betrügen, so schätzt sie …

Der Tagespiegel bezieht diese bemerkenswerte Einlassung nicht auf den oben dargestellten aktuellen Streit, ob oder ob nicht Staatsorgane (und die AKP) hinter der massiven Rufmordkampagne stecken.

Unterstellen wir, Sibel Üresin habe insoweit richtig beobachtet, dass die Männer ihres Erfahrungsbereichs zum Fremdgehen neigen, dann müssten die Rufmord-Täter (etwa von der CHP!) ziemlich viele AKP-Abgeordnete genauso in peinlichen Intimsituationen erwischen können, wie es Baykal und den 10 MHP-Männern passiert ist.

Aber was ist von diesem Teil der Argumentation zu halten:

Vielehe sei auch im Interesse der Erstfrau, meint Sibel Üresin. Was sucht der Mann in der Frau? – Eine stets bereite Sexualpartnerin, zugleich eine treu sorgende Mutter für seine Kinder, zugleich eine liebevolle Freundin und Beraterin, zugleich eine tüchtige Organisatorin seines Haushalts. Das überfordere viele Frauen. Die Last ließe sich reduzieren, wenn die Frau sie mit anderen teilen könnte.

– Hallo! Man könnte und sollte das umdrehen: Was sucht die Frau im Mann? Sie braucht einen immer bereiten Sexualpartner, dazu einen potenten Geldverdiener, einen treusorgenden Vater ihrer Kinder, einen tüchtigen Organisator des Haushalts, einen lieben Freund und klugen Berater. EIN Mann ist da doch völlig überfordert …

Wird sich in Deutschland auch nur eine gläubige Muslima finden lassen, die Sibel Uresins Argumentation folgt? Ich kann es mir kaum vorstellen. Auch in der Türkei findet sich DAFÜR wohl nicht viel öffentliches Verständnis.

Niederlande: Christliche Fundamentalisten bestimmen die Regierungspolitik mit

Bevor sich aber nun unsere Türkeifeinde zu sehr bestärkt fühlen – diese kleine Geschichte aus den Niederlanden, berichtet in der WELT:

Die holländische Regierungskoalition unter Rutte hat nun nicht nur den fanatischen Islamfeind Geert Wilders ins Boot geholt, sondern auch die SGP:  

Die ultraorthodoxe SGP ist eine religiöse Nischenpartei in der niederländischen Politiklandschaft. Sie hat gerade einmal 27.000 Mitglieder und wettert gegen Emanzipation der Frauen und die Rechte von Homosexuellen, Letztere dürfen nicht beitreten, Erstere keine politischen Ämter übernehmen. Die Partei strebt einen Gottesstaat an, befürwortet die Todesstrafe und lehnt Abtreibung, Sterbehilfe und pränatale Diagnostik ab. … Versicherungen nehmen SGP-Mitglieder aus prinzipiellen Gründen nicht auf, so fahren sie Auto ohne Kfz-Versicherung. Impfungen sind bei den Bibeltreuen verpönt, da „gesunde Menschen keinen Arzt brauchen“.

Wie geht das zusammen mit dem säkularen Staat – den man doch gegen die Muslime zu verteidigen vorgibt?

Was meinen unsere vielen Wilders-Fans zur Zusammenarbeit mit einer Partei, die den christlichen Gottesstaat fordert?

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  1. Baltazar sagt:

    Ich möchte nochmals deutlich machen, dass ich NICHT für die Vielehe bin. Die Vielehe war in Arabien vor dem Propheten Mohammad Gang und Gebe. Es gab keine Einschränkung bei der Anzahl der Frauen, sodass manchmal ein Mann bis zu 40 Frauen „besitzen“ (im wahrsten Sinne des Wortes) durfte. Diese Frauen hatten keinerlei Rechte und konnten jederzeit auf die Straße gesetzt werden. Und dann kam der Islam und limitierte die Vielehe auf 4 Frauen, die nun Rechte bekamen, die es vorher nicht gab, wie z.B. finanzielle Absicherung und das Recht bei schlechter Behandlung vor den Kadi gehen zu können (gabs vorher auch nicht). Die Mehrzahl der islamgelehrten empfiehlt die Einehe, weil man in der Mehrehe das koranische Gebot der „gleichbehandlung“ jeder Frau nicht zu 100% erfüllen kann. In der Türkei sind Mehrehen selten, wogegen in Saudi-Arabien und einigen anderen arab. Ländern häufiger anzutreffen.
    Ich verstehe nicht, warum man Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben. Während die Prostitution erlaubt ist, obwohl es bekannterweise Zwangsprostitution gibt und das in Tausenden, während Homosexuelle sogar heiraten dürfen, will man den Muslimen vorschreiben, dass die Vielehe „illegal“ ist? Wenn die Frau mit der Vielehe einverstanden ist, gibt es kein Problem. Also warum wird daraus ein Hype gemacht?

    PS: Und wenn SIe Herr Brux unbedingt für Gleichberechtigung sind, finden Sie doch einfach einen männlichen Partner für Ihre Frau als Zeichen der Gleichberechtigung…

    • Leo Brux sagt:

      Baltazar,
      leider haben Sie auf mein zentrales Argument nicht geantwortet: Wenn Männer dürfen – nämlich mehrere Frauen heiraten – warum sollen dann Frauen nicht dürfen?

      Ist doch eine interessante Frage, und die Antwort darauf ließe tief blicken …
      Bekomme ich darauf eine Antwort?

      Sie schreiben außerdem:

      Ich verstehe nicht, warum man Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben.

      Diesen Satz von IHNEN zu hören hat mich überrascht.
      Sie wollen doch den Frauen vorschreiben, dass sie nur einen Mann haben dürfen, oder täusche ich mich da?

      Aber vielleicht können wir uns doch auf diesen Punkt der Liberalität einigen:
      Schreiben wir den Menschen (den Männern, den Frauen, den Christen, den Muslimen, den Konfessionslosen, etc.) nicht vor, wie sie zu leben haben:

      Wenn in Ankara ein Lehrer nicht am Ramazan teilnehmen will und in der Pause sichtbar für Schüler und Lehrer aus der Wasserflasche trinkt – schreiben wir ihm nicht vor, dass er das zu lassen habe.
      Wenn die 18jährige Tochter des Hauses mit einem Freund schläft, ohne dass eine Heirat geplant ist — akzeptieren wir es.
      Wenn eine Frau es sich leisten kann, sich drei „Hausfreunde“ zu halten — was geht es uns an?

      Wie Menschen leben, geht uns in zweierlei Hinsicht an:

      Erstens ist es für uns interessant und wichtig, es zu sehen, zu erleben, zu verstehen, zu diskutieren, wie sie leben. Wir sind schließlich soziale Wesen, Gemeinschaftswesen, wir leben zusammen und müssen unser eigenes Leben mit dem der anderen in unserer Umwelt abstimmen.

      Zweitens gibt es Fälle, in denen das Verhalten eines Menschen zum Schaden für andere wird. Das ist manchmal klar und unumstritten – Mord, Diebstahl, Körperverletzung, Betrug, Rufmord, Trunkenheit am Steuer u. a. sind kriminelle Akte und werden strafrechtlich verfolgt.

      Es gibt da aber auch eine Grauzone, und da können wir uns zu unserem gegenseitigen Nutzen durchaus streiten. Die Fälle sind nicht eigentlich kriminell, aber wie ist der Schaden abzuwägen gegen das Freiheitsgebot?

      Ich denke da an solche Sachen wie Vernachlässigung der Kinder, auch Vernachlässigung der Bildung der Kinder, oder an öffentlich zugänglicher Pornografie, an öffentlicher Nacktheit, oder ans Rauchen im öffentlichen Raum, an Sauforgien wie beim Oktoberfest in München, an umweltschädliches Verhalten (unterhalb der Kriminalitätsschwelle), undsoweiter. Ehebruch, außerehelicher Verkehr, Scheidung, Vielehe — das gehört wohl in diesen breite graue Feld, in dem je nach Kultur und individuellem Geschmack unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden.

      Und jetzt können Sie mit mir argumentieren, indem Sie konkret werden: Was für ein Verhalten wollen Sie wegen Schädlichkeit verboten sehen – a) in Deutschland, b) in der Türkei. (Falls da ein Unterschied besteht – bitte begründen Sie ihn!)

      Was die Vielehe anbelangt, hab ich schon deutlich gemacht: Wenn sie die legalisieren wollen, dann bitte für beide Geschlechter. Für eins allein – das geht nicht. (Es sei denn, Sie finden für mich plausible Gründe, und damit meine ich nicht so naive wie den, dass es halt immer so war und dass Männer und Frauen es eben so gewöhnt sind.)

  2. Densus sagt:

    Es werden sich noch einige Menschen wundern, ein Herr Brux inklusive, was nach der AKP-Wahl in der Türkei alles möglich ist. Allerdings-
    gut für Deutschland, gut für die EU. Die müssen sich dann bzgl. eines Türkeibeitrittes nicht mehr sorgen.

    • Leo Brux sagt:

      Densus,
      worüber soll ich mich wundern?
      Vielleicht haben Sie ja meinen Artikel gar nicht gelesen. Sie könnten zum Beispiel auch mal auf mein Blog schauen … Da hab ich versucht, mehr ins Detail zu gehen.

      Bemerkenswert ist es allerdings, dass Sie es für gut halten, wenn die Türkei sich „schlimm“ entwickeln würde. Mir scheint, Sie gehören zu den Menschen, die sich über das Unglück anderer freuen und für diese höllische Freude sogar in Kauf nehmen, selber einigen Schaden zu erleiden.

      Wieder fällt mir auf, dass Sie wohl den Artikel nicht gelesen haben. Das steht etwas Interessantes über die Türkei, die EU und Griechenland … Wie wär’s und Sie gehen darauf ein?

  3. Oki sagt:

    @Leo Brux

    Er sagte:
    „Üresin hat da durchaus rationale Gründe vorzubringen. Nämlich, das viele Frauen als Zweit oder sogar als Drittfrau leben und gesetzlich nicht geschützt sind. Die Vielehe wird auch nich solangsam verschwinden. Also was machen wir? WIR LEGALISIEREN DIE VIELEHE, somit wären die Frauen gesetzlich geschützt und krankenversichert.
    Da würde sich ein Mann die Ehe mit einer zweiten oder dritten Frau nochmals überlegen. Zumal es dann noch schwieriger wäre, sie zufriedenzustellen. Mal abgesehen von den Versicherungen. “

    Aber fragen wir ihn doch selber. Serdar finden sie es richtig das Allah im Koran Sure 4 Vers 3 Männern erlaubt bis zu 4 Frauen zu haben? Oder widersprechen sie Allah in dieser Frage und sagen nein 4 Frauen sind nicht richtig und jeder sollte nur eine Frau haben dürfen. Ich freue mich auf die Antwort.

    Mit den gläubigen Muslima mit denen ich bislang kommuniziert habe waren durchaus der Meinung das die Vielehe sinnvoll sein kann, vorallem wenn sie, so wie es der Koran sagt, alle gleich und gerecht behandelt werden. Das sie andere Erfahrungen gemacht haben mag zutreffend sein und ich respektiere das. Das sie mir dann aber direkt fehlenden Anstand und fehlenden persönliche Erfahrung mit Muslimen vorwerfen, ohne mich näher zu kennen, ist unerhört und respektlos.
    Dann entschuldigen Sie sich mal bitte für Ihre Entgleisung.

    • Leo Brux sagt:

      Oki,
      es ist nicht anständig, in der Weise, wie Sie es tun, zu pauschalieren. Da tut man vielen Menschen unrecht. Wie Sie wissen, wird der Koran sehr unterschiedlich interpretiert, wird der Islam sehr unterschiedlich gelebt. Wie wollen Sie den Einzelnen gerecht werden, wenn Sie so verallgemeinern, wie Sie es getan haben?

      Warum respektieren Sie zum Beispiel das eindeutige Bekenntnis fast aller muslimischen Frauen für die Einehe nicht? Es sollte Ihnen auch auffallen, dass selbst in einem Land, in dem man ohne Mühe, wenn auch inoffiziell, sich eine zweite, dritte, vierte Frau zulegen kann, doch 90% oder mehr das nicht machen? Zeigt das nicht auch praktisch, was Muslime wollen?

      Zum Beispiel Mohammeds: Mohammed hat die Vielehe immerhin schon mal radikal eingeschränkt. Ein beträchtlicher Fortschritt in seiner Zeit. Ein Fortschritt hat eine Richtung, er bedeutet: Man kann auf dem Weg weiter gehen. Auch ein Muslim kann sagen – wie ein Christ bezüglich der Vorgänge, die in der Bibel beschrieben werden – dass sich die Zeiten, die Umstände geändert haben, und was einmal richtig war, passt heute nicht mehr. Es ist eben heute nicht mehr möglich, vier Frauen gleich zu behandeln. Menschen von heute sind anders als es die Menschen früher waren.

      Praktisch zeigen die Muslime durch ihr Verhalten, dass sie in der Frage der Vielehe Mohammeds Beispiel in dieser Weise verstehen.

      Zurück zu Serdar und der Frage, ob er die Vielehe befürwortet oder nicht:
      Er hat ausdrücklich gesagt, dass er sich nicht befürwortet. Was er getan hat – in guter, auch deutscher – Manier: Er hat das Pro und Contra dargestellt. Er hat legitimerweise auch die Argumente genannt, die für eine Vielehe in bestimmten Kulturen der Welt sprechen könnten. Und ist zu dem Ergebnis gekommen, nein zu sagen.
      Serdar hat also argumentiert. Er hat das gemacht, was ich auch ständig mache – und was ich zum Beispiel in meinem Artikel gemacht habe bezüglich der Frage, was man wohl diesmal in der Türkei wählen sollte. Und Sie wollen ihm daraus einen Strick drehen.

      Man hat nicht den Eindruck, dass Sie an einer sachlichen Debatte interessiert sind.

  4. KTL sagt:

    @ Leo Brux
    „Wenn die 18jährige Tochter des Hauses mit einem Freund schläft, ohne dass eine Heirat geplant ist — akzeptieren wir es.“
    Wenn Sie damit wirklich auch die 18jährigen Töchter muslimischer Häuser gemeint haben sollten, dann wären wir auf einem guten Weg.
    Testen Sie mit dieser Frage ihre muslimischen Bekannten, dann wird Ihnen einiges klarer.

    • Leo Brux sagt:

      KTL,
      wenn man in eine andere Kultur auswandert, nimmt man seine eigene Kultur als Gepäck mit. Es dauert in der Regel zwei bis drei Generationen, dann ist das Geschichte. Dass es so ist, hat einen Vorteil und einen Nachteil. Der Vorteil – natürlich muss und wird man sich in die neue Kultur einfügen, und meistens gewinnt die neue Kultur durch das eine oder andere Element der zuwandernden Kulturen. (Auch die deutsche Kultur ist so eine Mischkultur, komponiert aus vielen disparaten Teilen.) Der Nachteil – die Einwanderer geben vielleicht mehr auf, als sie aufgeben sollten, nur um sich anzupassen. Passen sie sich zu schnell und zu umstandslos an, gewinnt die sie aufnehmende Kultur nicht so viele interessante, bereichernde Elemente.

      Nun kann man sich darum streiten, welche Elemente es sein sollen, die bereichern. Die xenophoben Einheimischen sind allerdings ein schlechter Ratgeber bei diesem Streit. Aber auch die Einwanderer selber haben nicht den Abstand, der nötig ist, um ein kluges Urteil darüber zu fällen.

      So viel kann man – vor diesem Hintergrund jedenfalls – sagen: Gegen die sexuelle Freizügigkeit ist vorerst kein Kraut gewachsen. Die reißt die Jugend mit, ob die Eltern wollen oder nicht. Natürlich wollen die Eltern nicht — was hilft es? Eine Generation können sie vielleicht noch „retten“ – aber die darauf folgende ist dann auf jeden Fall dran.

      Das ist also keine Frage der Islamisierung, sondern der De-Islamisierung.

  5. Oki sagt:

    @Leo Brux

    Es ist nicht anständig, in der Weise, wie Sie es tun, zu pauschalieren und das Sie sich nicht entschuldigen für Ihr Verhalten in letzen Post sagt eine Menge über Ihren Charakter aus.

    „Warum respektieren Sie zum Beispiel das eindeutige Bekenntnis fast aller muslimischen Frauen für die Einehe nicht?“

    Woher haben Sie diese Information? Belegen Sie es, oder schalten Sie einen Gang zurück wenn es um Ihre arrogante und besserwisserrische Haltung geht. Es würde Ihnen auch gut zu Gesicht stehen respektvoll mit anderen Erfahrungen und Meinungen umzugehen. Und lassen sie andere Personen, wie Serdar, doch bitte für sich selbst sprechen, denn ich habe ihm eine Frage gestellt und nicht Ihnen.

    Auf Ihrem Blog ist ein interessantes Fazit zu lesen warum Sibel Üresin die Vielehe einführen will.
    „Es ist ein Protest gegen den männlichen Schlappschwanz. Frauen wollen Helden als Männer haben!“
    Meinen sie das ernst oder soll das ein Scherz sein? Falls es ernst gemeint ist kann ich nur sagen, es ist erschreckend das sie nichtmal die offensichtlichsten Islamisierungsversuche erkennen. Vermutlich sind Sie auch der Meinung das das Trager einer Vollverschleierung ein Ausdruck der Emanzipation der Frau ist und daher nicht verboten werden darf.

    • Leo Brux sagt:

      Oki,
      mit Ihrer Hetze gegen die Türkei und die Muslime in Ihrer ersten Post haben Sie sich hinreichend selbst charakterisiert. Ich empfehle eine Zweitlektüre!

      Was das tatsächliche Verhalten der Muslime anbelangt, brauchen wir uns nur auf die Statistik zu beziehen: Wie viele Muslime in Deutschland, in Europa, in der Türkei ziehen die Einehe vor? Fast alle.

      Ist das eine arrogante, besserwisserische Feststellung? – Ich würde sagen, es ist schlicht die offensichtliche, auch Ihnen zugängliche Wahrheit.

      Aus dem tatsächlichen Verhalten von Menschen können Sie schließen, was ihre wirklichen Präferenzen sind. Oder etwa nicht? Also, wenn sie fast alle in Einehe leben, dann bevorzugen sie offensichtlich entschieden diese Einehe.

      Sibel Üresin wird in der Türkei für ihren Ratschlag wenig Zuspruch erhalten. Auch in der Türkei geht der Zug weiter in Richtung Frauen-Emanzipation. Selbst wenn die AKP es wollte – diesen Zug hält niemand und nichts auf.

      Sibel Üresin bleibt eine vereinzelte und letztlich bedeutungslose Stimme.

      Zum Schluss charakterisieren Sie sich nochmal selber, indem Sie schreiben:

      Vermutlich sind Sie auch der Meinung das das Trager einer Vollverschleierung ein Ausdruck der Emanzipation der Frau ist und daher nicht verboten werden darf.

      Aber gewiss doch. Geben Sie mal das Stichwort Burka in die Suchmaschine auf meinem Blog ein, wenn Sie schon meinen, sowas unterstellen zu müssen.

      In meinem Falle haben Sie doch viele Möglichkeiten, meine Ansichten herauszubekommen. Anders als Sie verstecke ich mein Gesicht nicht hinter der Burka der Anonymität.

  6. Baltazar sagt:

    „Leider haben Sie auf mein zentrales Argument nicht geantwortet: Wenn Männer dürfen – nämlich mehrere Frauen heiraten – warum sollen dann Frauen nicht dürfen?“

    Verzeihen Sie Herr Brux. Das hole ich nach. Also, von mir aus können die Frauen auch gerne zwei Männer heiraten, sofern sie überhaupt einen Mann finden der auf sowas eingeht. Wenn schon homosexuelle Paare „kirchlich“ heiraten können, warum nicht?

    „Diesen Satz von IHNEN zu hören hat mich überrascht.
    Sie wollen doch den Frauen vorschreiben, dass sie nur einen Mann haben dürfen, oder täusche ich mich da? “ >>>>> Ja, Sie täuschen sich da. S.O.

    Wir reden gerade über eine hypothetische Annahme, die wir nirgends mit Beispielen belegen können. D.h. ich habe in der westlichen, sowie in der orientalischen Welt noch nie von so einer „Traumehe“ gehört oder gelesen. Demgegenüber gibt es aber Vielehen mit mehreren Frauen, die man sich nicht wegreden kann. Nun gilt es zu entscheiden: Wenn wir tolerant zu allem sein sollen oder sagen wir „humanistisch“, dann müsste wohl eine offene Gesellschaft die Vielehe ertragen können, genauso wie sie die Prostitution erträgt, obwohl es Frauenhandel und Zwangsprostitution darin gibt. Dass es den Frauen in der Vielehe nicht besser gehen wird, nur weil man es verbietet, ist wohl klar. Hier sollten die Rahmenbedingungen so geschaffen werden, dass ein „normaler“ Mann nicht auf die Idee kommen könnte, zwei Frauen zu heiraten, 1. wegen der finanziellen Belastung (Krankenversicherung, Rente-,Pflegeversicherung)
    2. das offizielle Einverständnis der ersten Frau

    >>>>> Fazit: Die Legalisierung der Vielehe hätte nicht zur Auswirkung, das auf einmal alle Männer eine zweite Frau heiraten wollen würden. Diejenigen Männer, die sowieso eine zweite Frau haben möchten, gehen dann auch fremd. Siehe Schwarzenegger, Tiger Woods usw. Aber die werden nicht im Zusammenhang mit ihrem GLauben konfrontiert. EIn Muslim, der zwei Frauen hat, muss sich den Spott der westlichen Welt gefallen lassen, während andersrum nur eine moralische Bestürzung zu Tage kommt. Da die Vielehe außerdem nur eine Randerscheinung ist, sollten wir uns mit den wichtigeren Themen des Lebens befassen. Ich glaube auch, dass Deutschland andere Probleme hat wie die Vielehe, aber so isser der Deutsche: Für alles eine Theorie und Meinung haben ;-)

    • Leo Brux sagt:

      Baltazar,
      ich sehe schon, so weit liegen wir gar nicht auseinander.

      Anders als den Paranoikern hier, die in jedem Döner gleich die Islamisierung wittern, ist mir schon klar, dass Sibel Üresins Idee in der Türkei keine Chance hat. Es wird so manchen Mann geben, der sie gut findet — aber die AKP-Regierung wird nicht so dumm sein, per Gesetz die Vielehe für Männer zu legalisieren. Die AKP will ja wohl nicht zur radikalen Sekte werden.

      Die Debatte um Sibel Üresin ist also eher kulturell und religionsgeschichtlich interessant – als ein Punkt, an dem man sehr schön sieht, wie sich der Islam von seiner Vergangenheit trennt. Der Bruch ist sichtbar und nicht mehr durch eine Rückkehr zur Tradition zu heilen (wie Üresin träumt) – aber noch hat man sich auch nicht ganz freigeschwommen (wie die Tatsache zeigt, dass Üresin ihren patriarchalischen Vorschlag überhaupt noch machen kann).

  7. Leser sagt:

    Eine durchaus gut gelungene Ausarbeitung mit all den Fakten auf den Punkt gebracht.

  8. Densus sagt:

    „Was meinen unsere vielen Wilders-Fans zur Zusammenarbeit mit einer Partei, die den christlichen Gottesstaat fordert?“
    Na, das ist doch superschlau von Premiere Rutte, sozusagen eine Win-Win-Situation.
    So hat er eine Konkurrenzgottesstaattruppe zu den moslemischen Bemühungen in Holland, wie auch im Bericht angedeutet, mittelalterliche Strukturen in einem europäischen Land einzuführen.
    Diese SGP-Mannschaft wird nun zunächst ihr orientalisches Pendant mit aller Macht bekämpfen, sollte sie dann noch Bestrebungen haben ihren Unfug vernünftigen Holländern überzustülpen, wird Rutte sie als Warnung vor dem moslemischen Original vorführen können.
    Ganz schön schlau, Rutte.

    • Leo Brux sagt:

      Soweit ich weiß,
      Densus,
      gibt es in den Niederlanden keine muslimischen Bestrebungen, einen Gottesstaat einzuführen. Oder? Es gibt, so scheint es, nur christliche, wenn auch natürlich nur bei einer klitzekleinen Minderheit.

      Wenn man die nun ins Boot nimmt, zeigt das: Es geht nicht um die Trennung von Religion und Politik. Es geht einfach nur um Politik. Und ums Ressentiment eines Teils der Bevölkerung, das sich in der Politik niederschlägt. Problematisch daran ist: Wenn sich immer mehr Verrücktes in der Politik niederschlägt (ich meine hier Wilders + SGP), und wenn man das sozusagen hoffähig macht wie Rutte — wo endet das, wenn die Verhältnisse mal wirklich krisenhaft werden und der Verrücktheits-Pegel dann stressbedingt nach oben ausschlägt?

      Mir scheint, wir Deutsche machen das bisher besser – wohl aus einer gewissen Erfahrung heraus: Den Verrückten keinen Finger breit in der Politik zuzugestehen, damit allgemein das Gefühl erhalten bleibt, dass es sich um Verrückte handelt, um Spinner, um unseriöse Politik bei den Herren und Damen Rechtspopulisten.

      Drum kriegen die Rechspopulisten trotz ihrer scheinbar großen Zahl bei uns kein politisches Bein auf den Boden. Keiner, der politisches Hirn hat, möchte sich für so eine Spinnerpartei hergeben, nachdem wir in dieser Hinsicht schon mal fürchterlich reingefallen sind.

      Unsere europäischen Nachbarn glauben sich gegen solche Erfahrungen immun und spielen leichtsinnig mit dem Feuer. Würden wir das auch tun – bis in die Knochen würden sie alle erschrecken, unsere europäischen Nachbarn! Steht der deutsche Ungeist wieder auf?!

  9. Oki sagt:

    Schade das Serdar bislang auf meine Frage nicht geanwortet hat, aber ich denke ich weiß warum. Meine Erfahrung mit praktizierenden Muslimen ist eindeutig und eigentlich immer gleich. Aber ich wiederhole die Frage gerne nochmal.

    Serdar finden sie es richtig das Allah im Koran, Sure 4 Vers 3 Männern erlaubt bis zu 4 Frauen zu haben? Oder widersprechen sie Allah in dieser Frage und sagen nein 4 Frauen sind nicht richtig und jeder sollte nur eine Frau haben dürfen?

    @Leo Brux

    Definieren sie doch mal „Rechtspopulisten“ und wenn sie dabei sind würde mich auch interessieren was für sie „Linkspopulisten“ ausmacht. Danke

  10. Kritiker sagt:

    @Leo Brux
    Wenn Sie sich den Weltartikel über diese Religionspartei wirklich durchgelesen hätten, hätten Sie feststellen müssen, das es diese Partei erstens nicht erst seid gestern gibt und zweitens das es immer wieder mal eine Machverschiebung zugunsten der Religion in den Niederlanden gegeben hat, was aber im Gegensatz zu islamischen Ländern die Niederlande bisher nie an den Abgrund geführt hat.

    Und da Sie immer gerne Kritiker massregeln über Dinge zu reden wovon sie keine Ahnung haben. Nun gut. Ich denke die Herausgeber folgender deutschsprachiger Zeitung, herausgegeben in der Türkei waren 5 Jahre dort und haben diesem Land jetzt den Rücken gekehrt. Diese Zeitung ist voll von deren Erfahrungen über die jetzigen Entwicklungen in der Türkei. Diese Erfahrungen werden Ihnen aber nicht gefallen Leo, da sie komplett dem entgegengesetzt sind wie Sie es gerne hätten oder proklamieren.
    Ein wahrer Augenöffner!
    Das wahr die letzte Ausgabe 2009:
    http://www.atr-zeitung.com/downloads/abonnement/2009/atr-222.pdf
    Und so geht es weiter:
    http://atr-zeitung.com/downloads/aktan/AkTAn%202011-01.pdf

    Und jetzt bin ich doch mal gespannt wie Sie Ihr Türkei- und Türkenbild noch begründen können.

    • Leo Brux sagt:

      Kritiker,
      ich kenne die Türkei über persönliche Beziehungen und Besuche seit den frühen 80er Jahren. Verglichen mit den 80er und 90er Jahren ist die Türkei in den letzten 10 Jahren um einiges freier, liberaler, politisch vielfältiger geworden. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meinem Freund K. oder meiner späteren Frau Z. auf illegalen Pfaden gewandelt bin, um Kassetten kurdischer und „linker“ Musiker zu kaufen …
      Klar, wenn wir die Liberalität der Türkei messen an der Liberalität Deutschlands, gibt’s noch massive Defizite; und meine Hinweise auf die weitere Entwicklung der Türkei in dieser Frage lesen sich ja wohl auch nicht grade optimistisch, oder?

      Eigentlich ist das, was Sie da per Link servieren, ein schönes Beispiel dafür, wie – im Vergleich zu früher – liberal und vielfältig die Türkei schon geworden ist. Es wäre schön, wenn das Land auf diesem Weg weiter gehen würde. Ob die AKP dafür Gewähr bietet? – Ich habe dazu meine Zweifel geäußert. Andere sind da optimistischer als ich. Orhan Pamuk zum Beispiel. Was meinen Sie zu Pamuks Position?