Falsche Maßstäbe

Grundgedanken zur politischen Teilhabe von Menschen muslimischen Glaubens

Vor acht Jahren hätte ich mir niemals vorstellen können, Mitglied einer politischen Partei zu werden oder den Blick auf das gesellschaftliche Ganze zu richten Der 11. September war für uns alle einschneidend.

Von Dienstag, 22.09.2009, 8:17 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 28.10.2015, 13:37 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Ich hatte zwei Jahre zuvor meinen muslimischen Glauben gefunden und versuchte diesen, soweit wie es mir möglich war, zu verstehen und zu praktizieren. Keine einfache Aufgabe, wenn es keinen islamischen Religionsunterricht gibt und die Imame der beiden türkischen Moscheen im Ort kein Deutsch sprechen. An jenem 11. September wusste ich, dass ich am nächsten Tag in der Schule unweigerlich Rechenschaft ablegen müsste, ob meine Religion so etwas gebiete. So war es dann auch. Ich musste von Schulstunde zu Schulstunde, von Fach zu Fach, von Lehrer zu Lehrer und natürlich auch meinen Mitschülern erklären, dass die Geschehnisse in New York nicht mit dem Islam vereinbar seien. Statt einen fachkundigen muslimischen Theologen einzuladen, wandte man sich an mich. Die Erfahrung mich von etwas distanzieren zu müssen, mit dem ich sowieso nichts zu tun hatte, hinterließ in mir das Gefühl der Fremdheit, des Anderssein.

Bis zum Abitur wurde ich durchgängig mit dem Thema Islam konfrontiert. Manche Geschichtsstunden entwickelten sich zu reinen Debatten zwischen meinem Lehrer und mir, in denen Hungtington Grüßen ließ.

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Im mündlichen Abitur wurde ich dann in Geschichte geprüft, dabei ging es weniger um den Unterrichtsstoff, als um die Frage, ob ich als Bildungsminister eines muslimischen Landes die Lektüre Nathan der Weise einführen würde.

Je länger ich von meiner Außenwelt als Fremder wahrgenommen wurde, desto mehr kapselte ich mich freiwillig ab. Damals gefiel ich mir in meiner Rolle des rebellischen Außenseiters. Heute, rückblickend, stelle ich jedoch fest, dass mir durch mein Alleinsein nichts anderes mehr als der Islam geblieben war. Mein Glaube erhielt eine ein- und überdimensionale Rolle. Ich glaube, dass viele Menschen muslimischen Glaubens genau diese Erfahrung nach dem 11. September gemacht haben.

Das WIR und DIE in unserem Land
Als Islamwissenschaftler stelle ich fest, dass Menschen muslimischen Glaubens, aber auch nichtmuslimischen Glaubens eine imaginäre Vorstellung vom Islam geschaffen haben. Menschen nichtmuslimischen Glaubens führen in der Regel alle politischen, alle sozialen, alle kulturellen und alle wirtschaftlichen Probleme der Muslime auf den Islam zurück. Das Fehlen von Demokratie in der muslimischen Welt wird dem Islam angelastet. Ehrenmorde im türkischen Milieu werden dem Islam angelastet. Müll im Berliner Tiergarten wird dem Islam angelastet. Die Zeit titelte vor kurzem: „Im Berliner Tiergarten lassen Muslime Müll zurück.“ Den gleichen Fehler machen aber auch Menschen muslimischen Glaubens, die die Lösung all ihrer politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Probleme dem Islam aufbürden. Unter dem verheißungsvollen Slogan al-islam huwa al-hall (Der Islam ist die Lösung) wird die Religion zu einem messianischen Versprechen, das Erwartungen projiziert, die nicht eingehalten werden können. Der Islam wird somit von Menschen nichtmuslimischen und muslimischen Glaubens zur Ideologie verzerrt oder verklärt.

Hinterfragen wir diesen imaginären Islam. Wir alle sprechen wie selbstverständlich von dem Islam. Doch welchen Islam meinen wir? Sprechen wir von der sunnitischen oder schiitischen Konfession? Von der theologischen Schule der Athariyya, der Asch’ari oder der Maturidiyya? Von der hanafitischen, malikitischen, schafi’itischen oder hanbalitischen Rechtsschule? Von Zwölfer-Schiiten, siebener Schiiten oder fünfer Schiiten? Von puritanischen Bewegungen wie dem Wahhabismus, Reformbewegungen wie jene von Muhammad Abduh, ideologische Bewegungen wie der Muslimbruderschaft, revolutionären Bewegungen wie der Hizb Al-Tahrir oder nihilistischen Bewegungen wie der Al-Qaida? Der Islam ist ein Euphemismus. Der Islam ist sicherlich kein schwarzer Monolith, sondern ein Mosaik. Ein Mosaik wie es das Judentum und das Christentum auch sind. Den Muslim gibt es ebenso wenig wie es den Juden oder den Christen gibt.

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  1. Boli sagt:

    Ich bin mir bewusst, dass in vielen so genannten muslimischen Ländern Christen eine solche Teilhabe verwehrt wird. Aber ich und andere Menschen muslimischen Glaubens sind nicht verantwortlich für die Politik dieser Länder, noch heißen wir sie gut. Unsere Heimat ist hier. Und wenn wir nachts träumen, dann träumen wir in deutscher Sprache. Undemokratische Länder sollten nicht unser Maßstab sein. Der athenische Staatsmann Perikles sagte einmal: „Wir ahmen nicht nach, sondern sind Vorbild für andere.

    Na, also der erste Satz trägt eine Verharmlosung der wahren Zustände in sich. In mehreren dieser Länder steht auf Glaubensabfall vom Islam die Todesstrafe. Und in diesen Ländern hat man als Christ auch meistens keine allzu große Lebenserwartung.
    Als ich mich vor einiger Zeit in Athos (Griechenland) griechisch-orthodox habe taufen lassen habe ich mitbekommen, das ein Ägyptischer Muslim für 3 Monate extra nach Athos gekommen ist, um Christ zu werden. Das alleine zeigt die Zustände der meisten muslimischen Länder auf. Zuhause hätten sie den Mann im günstigsten Fall eingesperrt und unter Drohungen und Folter wieder versucht zurück zu kehren.

    Sie haben gesagt, das der Islam viele Strömungen hat. Schön das endlich einmal jemand anfängt und die Unterschiede aufzeigt. Jetzt fehlt es eigentlich nur noch heraus zu finden, welche Muslime in Deutschland in welcher Anzahl leben. Finden sie die Nestbeschmutzer, so finden Sie die, die den Ruf ALLER Muslime schädigen. Es gibt keinen anderen Weg. Wahabiten z.B. muss Deutschland meiner Meinung nach nicht länger tolerieren.
    Verweist die Nestbeschmutzer des Nestes und es herrscht Frieden. Aber nur rumjammern, jaaaa die bösen Deutschen schlagen auf alle Muslime ein. Ich habe die Gründe gerade genannt. Es liegt in der Hand der Muslime sich zu rehabilisieren.

  2. Markus Hill sagt:

    „Ich bin mir bewusst, dass in vielen so genannten muslimischen Ländern Christen eine solche Teilhabe verwehrt wird. Aber ich und andere Menschen muslimischen Glaubens sind nicht verantwortlich für die Politik dieser Länder, noch heißen wir sie gut. Unsere Heimat ist hier. Und wenn wir nachts träumen, dann träumen wir in deutscher Sprache.“
    Sehr interessant. Statements in dieser „EIN-Eindeutigkeit“ werden häufig von Vertretern der Muslime auf deutscher Seite vermisst. So ein Statement baut mehr Brücken, als jedes unberechtigte „Diskriminierungs-Gejammer“ (ohne Leugnung von tatsächlichen „Benachteiligen“) und jede Verschwörungstheorie („alle hassen die Türken / Muslime“, etc.). Die Frage ist, ob solche Aussagen wohl mehr eine Minderheitenposition sind oder so langsam auch Mainstream in der islamischen Community in Deutschland darstellen. Es wäre zu begrüssen.

    • Mehmet sagt:

      „Vertretern der Muslime auf deutscher Seite vermisst.“

      Nun Herr Hill, sagen tun viele diesen Satz. Nur wird es komischerweise nie in die Medien getragen. Der türkische Schläger ist für politische Zwecke eben besser geeignet, um Wahlen zu gewinnen.

      • Markus Hill sagt:

        Da befinden wir beide uns jetzt im Feld der Spekulation. Ich kann nicht behaupten und beweisen, dass Medien etwas nicht veröffentlichen, was andere angeblich doch oft sagen sollen. Dann müssten Sie mir jetzt Links oder Nachweise zeigen über Meldungen, die nicht veröffentlicht wurden. Zusätzlich müsste bei diesen nicht-veröffentlichen Statements auch noch belegt werden, dass diese aus „niedrigen Motiven“ nicht veröffentlicht wurden. Mir erscheint das sehr schwierig. Wir beide wissen das dann wohl nicht. (Ich gehe von den mir zugänglichen Medien aus, wobei es schon vereinzelt positive Statements gab – so eindeutig in der Christentum-Kirchen-Frage habe ich noch keine wahrgenommen).
        Was ich recht sicher weiss bzw. vermute: Es gibt keine Verschwörung der deutschen Presse gegen die Muslime/Türken. Wir haben vor kurzem einen skandalösen Fall mit deutschen Schlägern gehabt (S-Bahn, München), auch bei jedem Amoklauf in Schulen mit Deutschen wird normal berichtet. Man kann sogar sagen, dass sich die Medien im Bereich Türken/Kriminalität stark zurückhalten, weil sie gerade nicht in den Ruf von Ausländerfeindlichkeit geraten wollen.
        NATÜRLICH: Medien sind „auflagengeil“ – gute Stories (auch durch türkische Schläger initiiert) verkaufen sich besser. Besonders brutale Taten etc. wirken immer auflagensteigernd. Das Gesetz der Ökonomie gilt halt auch dort, mit allen unerfreulichen Erscheinungen.

  3. Kosmopolit sagt:

    Unter den Migranten unterschiedlichster Ethien und Religionen fokussieren sich nur überproportional die Muslime über ihre Religion. In Europa ist eigentlich Staat und Religion getrennt. Vielleicht geben hier die Muslime Auskunft, wie das hier praktiziert werden kann, wenn bei einem großen Teil der Muslime, bewusst oder unbewusst, islamische Gesetze höher eingeschätzt bezw. befolgt werden wie die Landesgesetze oder das GG. Das hier unterschiedliche Wertssysteme aufeinanderprallen, muss nicht extra erwähnt werden.

    • Mehmet sagt:

      Im Islam gilt, dass man sich den Eigenheiten im Rahmen der Gesetze eines anderen Gesellschaftssystems anpassen muss, sobald man daran teilnimmt.

      • Kosmopolit sagt:

        Den Spruch kenne ich zur Genüge, entspricht das der Wirklichkeit??

        • Mehmet sagt:

          Was einzelne Personen daraus machen, das kann der Islam an sich nicht entscheiden. Eine Religion gibt Vorgaben, inwiefern diese eingehalten werden, entscheidet der Mensch.

      • Kosmopolit sagt:

        Gut gesprochen Mehmet. Aber Sie haben etwas wichtiges nicht erwähnt:
        Alle Muslime, die außerhalb der Umma leben, sind verpflichtet sich für die Belange ihrer Religion einzusetzen, auch gegen den Willen Anderer , was man tagtäglich in unserer Gesellschaft sieht.

      • Markus Hill sagt:

        Nur zum Verständnis, vielleicht auch nur in der Eile so von Ihnen kurz so formuliert: Versteht sich der Islam mehr als ein Gesellschaftssystem oder mehr als eine Religion? (weil Sie da auf andere „Gesellschaftssysteme“ hinweisen)

        • Mehmet sagt:

          Soweit Ich richtig informiert bin, gibt es da verschiedene Strömungen, wobei hautsächlich die Auffassung des Gesellschaftssystems weiter verbreitet sein müsste. Hierbei ist jedoch wie schon erwähnt zu beachten, dass man in anderen Gesellschaftssystemen nach den Gesetzen dieser Gesellschaft handeln muss, solange man hier lebt. Man sollte sich jedoch nicht die Rechte verbieten lassen, die einem laut dem GG zustehen (in Form von Diskriminierung).

  4. Kosmopolit sagt:

    Sehr geehrter Herr Muhammad Sameer Murtaza,
    die Muslime möchten hier Teilhabe am politischen Geschehen partizipieren. Gegenfrage; wo bleibt gleicberechtigt diese Teilhabe von Christen in Ländern, die älter sind als der Islam. Ich spreche hier von den Kopten, deren Lebensgrundlage ( Schweine ) erst kürzlich vernichtet wurde, oder im Irak, wo diese Christen unbarmherzig ausgerottet werden. Die Türkei klammern wir hier mal aus, obwohl das ursprüngliche Christentum alter als das osmanische Reich war.
    Frage: Ist das alles einer friedlichen und barmherzigen Religion würdig, wie sich hier der Islam bezeichnet? Oder muss ich immer hören, das hat nichts mit dem Islam zu tun ? Ich stelle immer wieder fest, dass man sich hier keiner Diskussion stellt, was ich sehr bedauere.

    • Gecko sagt:

      Was ist mit Tariq Aziz, der als Christ irakischer Vize-Regierungschef war, bis das Regime gestürzt wurde. Damals wurden die Christen im Irak nicht verfolgt. Terror und ethnische bzw. religiöse Konflikte sind mit dem US-Engagement ins Land gekommen.
      Werfen wir einen Blick auf das heutige Libanon, wo Michel Suleiman, ein Christ, Staatspräsident ist, obwohl die Christen inzwischen von den Schiiten als größte religiöse Gruppe abgelöst worden sind. Wer weiß wieviele Parlamentarier, Staatssekretäre und hochrangige Diplomaten in der muslimischen Welt noch christlichen Glaubens sind.
      Das soll nicht heißen, dass Christen in islamischen Ländern nicht diskriminiert würden. Doch, es gibt Diskriminierungen und teilweise sogar gewalttätige Übergriffe gegen sie, genauso wie es in Europa Diskriminierungen und teilweise gewalttätige Übergriffe gegen Muslime gibt.

    • Muhammad Sameer Murtaza sagt:

      Lieber Herr Kosmopolit,

      Ihre Kritik über die fehlende politische Teilhabe von Christen in der muslimischen Welt kann ich durchaus nachvollziehen. Ich habe diese in meinem Artikel ja auch kritisiert, nur kann ich die Politik dieser Länder nicht verändern. Dennoch, es gibt auch positive Entwicklungen. So hat Bahrain als erstes arabisches Land eine Dame jüdischen Glaubens, Frau Nonoo zur Botschafterin ernannt. Meine eigenen Vorstellungen zu dieser Problematik, habe ich in einem Vortrag und in einem wissenschaftlichen Aufsatz (Die Demokratisierung der muslimischen Welt – Die Thesen des muslimischen Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani), der wohl im Oktober veröffentlicht wird, dargelegt. Hier ein Auszug:

      Demokratie ist kein geschichtlicher Determinismus. Es werden zumindest sechs Grundbedingungen benötigt, damit wir von einer funktionsfähigen und stabilen Demokratie sprechen können.

      •Zunächst muss das internationale Klima für die Demokratisierung der muslimischen Welt förderlich sein. Der Iran war 1906 auf dem Weg eine Demokratie zu werden, jedoch haben Russland und Großbritannien dieser Entwicklung ein jähes Ende bereitet. Es lassen sich ähnliche Beispiele aufführen: In Lateinamerika haben die USA mehrmals wesentlich dazu beigetragen, dass demokratisch gewählte Regierungen, die nicht ihren sicherheitspolitischen und ökonomischen Interessen entsprachen, abgesetzt wurden. Ebenso verhinderte der Einfluss der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg, dass Länder wie die Tschechoslowakei, Ungarn und Polen sich als Demokratien etablierten. Andererseits half die Aussicht auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union, dass neugegründete Demokratien in Mittel- und Osteuropa sich im Inneren stabilisierten.
      •Grundvoraussetzung für eine stabile Demokratie ist eine aktive Bürgergesellschaft. Jamal Al-Din forderte, die Fundamente der Tyrannei zu zerstören. Dies kann nur geschehen, wenn die Bürger in der Demokratie eingeübt sind. Hierzu dienen Vereine und Bürgerinitiativen, die zur Herausbildung einer demokratischen politischen Kultur dienen. So bleibt die Demokratie als Regierungsform bürgerschaftlicher Selbstregierung lebendig.
      •Für die Funktionstüchtigkeit einer Demokratie in der muslimischen Welt ist es unerlässlich, dass die Bürger die Demokratie anerkennen und ihren Institutionen vertrauen, die Verfahren demokratischer Konfliktregulierungen und Kompromissfindungen akzeptieren und die getroffenen Entscheidungen zumindest respektieren. Nur dann ist eine Demokratie gegen Krisen und Populisten gefeit.
      •Ebenso muss eine Demokratie ein Rechtsstaat sein. Die drei Gewalten – Legislative, Exekutive und Judikative – müssen auf mehrere Staatsorgane verteilt werden, um so eine Machtkonzentration zu verhindern. Die Parteien in einer islamischen Demokratie dürfen über keine eigenen Milizen verfügen.
      •Auch eine Tyrannei der Mehrheit gilt es zu verhindern. Keine Gruppe innerhalb der Gesellschaft darf so mächtig werden, dass sie andere Gruppen (z.B. politische Gegner) und Minderheiten (z.B. Andersgläubige oder muslimische Minderheitsströmungen) unterdrücken kann. In einer Demokratie muss gegeben sein, dass die Minderheit morgen die Mehrheit stellen kann. Anders ausgedrückt: In einer Demokratie muss es unerheblich sein, ob das Staatsoberhaupt Sunnit, Schiit oder Christ ist. Dadurch wird ein muslimischer Staat seine Identität, die durch die Verfassung festgeschrieben ist, nicht verlieren. Ebenso wenig würde ein europäischer Staat seine christliche Identität verlieren, wenn ein Bürger muslimischen Glaubens zum Staatsoberhaupt gewählt werden würde.
      •Eine Demokratie setzt die Säkularisierung voraus. Im Westen setzte sich diese Tatsache nach den blutigen Religionskriegen durch. Die muslimische Welt hatte bis in das 20. Jahrhundert hinein nichts Vergleichbares in ihrer Geschichte. Jedoch hat im 21. Jahrhundert die umma dieses Konfliktpotential ebenfalls für sich entdeckt. Die Säkularisierung ist deshalb für die Muslime ebenso notwendig geworden, da die heutige umma nicht mehr vergleichbar ist mit jener zur Zeit des Propheten Muhammad (s). Selbst Ordnungsbegriffe wie Sunniten, Schiiten und Wahhabiten sind nicht mehr als Sammelbezeichnungen für zahlreiche Unter-Strömungen. Sunniten, Schiiten und Wahhabiten streiten, kämpfen und töten um das Erbe des Propheten (s). Sie alle betrachten sich als die wahren und legitimen Muslime, während die Gegenseite sich auf dem Irrweg befindet. Wenn nun eine Partei glaubt, im Besitz der einzig richtigen Islamauslegung zu sein, kann dies nur zu Benachteiligung und Unterdrückung anderer Strömungen führen. Vielleicht sogar zu ihrem Ausschluss aus dem politischen Prozess. Die Folgen wären womöglich eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen muslimischen Strömungen, die zu einer Destabilisierung des Staates führen würde. Das Massaker, das die Taliban im Sommer 1998 in Masar-e-Sharif anrichteten, sollte den Muslimen als Mahnmal gereichen. Die Gegner der Taliban hatten längst die Stadt verlassen, die nun nur noch von Greisen, Frauen und Kindern bewohnt war. Diese Teile der Bevölkerung galten als unantastbar und man nahm an, dass die Taliban die Stadt zwar einnehmen würden, aber der Zivilbevölkerung kein Leid zufügen würden. Jedoch errichteten die Taliban einen Belagerungsring, so dass niemand aus der Stadt flüchten konnte. Am 8. August fuhren die Taliban mit ihren Kleinlastwagen in die Stadt und ermordeten jeden, den sie beherbergte, insgesamt 8000 Menschen. Die Verachtung der wahhabitischen Taliban gegenüber den Schiiten war so tief, dass sie sechs Tage lang verboten, die Leichen zu bestatten. Sie verwesten in der Hitze des afghanischen Sommers, während hungrige Hunde sich über sie her machten. Solche Szenarien dürfen sich nicht wiederholen. Dazu ist es notwendig, dass Muslime anerkennen, dass heutige Gesellschaften im Unterschied zu der Zeit des Propheten (s) pluralistisch sind. Muslime verstehen Säkularisierung falsch, wenn sie sich darunter eine scharfe Trennung zwischen Religion und Staat vorstellen. Ein säkularer Staat ist in religiösen Dingen neutral, gewährt jedoch Religionsgemeinschaften, sich im öffentlichen Raum zu entfalten. Moscheen, Kirchen und Synagogen werden so zu Teilen der autonomen Bürgergesellschaft. Auf diese Weise wird die Machtkonzentration einer bestimmten Gruppe verhindert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Islam nicht Grundlage eines muslimisch-säkularen Staates sein kann, ist doch das Christentum Fundament vieler westlicher Demokratien, ohne jedoch im öffentlichen Raum bestimmte christliche Strömungen zu bevorzugen oder ihnen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften Privilegien zu verleihen. Es mag Muslimen schwer fallen, aber die Säkularisierung ist der muslimischen Welt im Grunde genommen nicht fremd. Hofmann schreibt:
      „Es ist irreführend, von einem ‚islamischen‘ Staat zu sprechen, weil eine juristische Person keine Religion haben kann. Besser wäre es, von einem Staat von Muslimen oder für Muslime zu sprechen. Der Koran enthält jedenfalls nur sehr wenige Bausteine für ein muslimisches Staatswesen; er befasst sich überhaupt nicht mit ‚Staat‘ im modernen Sinne, sondern mit der Gestaltung einer idealen islamischen Gesellschaft. (…) Obwohl der Islam zahlreiche Vorschriften für staatliches Handeln vorgibt, muss ein muslimischer Staat keineswegs als Theokratie verfasst sein. Der Prophet – und nur er – war gleichzeitig eine verbindliche religiöse und weltliche Autorität. Schon vor der neuzeitlichen Entwicklung des Staatsbegriffs haben die Muslime zwischen Diesseitigem und Jenseitigem ebenso zu unterscheiden gewusst wie zwischen Religion und politischem Handeln (din wa daula). So standen sich während der gesamten islamischen Geschichte die Regierenden (Kalif, Amir, Sultan) auf der einen Seite und die Bewahrer der Religion (Ulama) auf der anderen gegenüber, häufig im Konflikt. In diesem Sinn hat es stets einen islamischen Säkularismus gegeben, nicht jedoch im heutigen französisch-mexikanischen Sinne eines Laizismus, welcher Religion aus dem öffentlichen Raum verbannen möchte, ja ihr letztlich nicht neutral, sondern feindlich gegenübersteht. Demgegenüber verlangt der Islam lediglich, dass Religion und Staat harmonisch auf einander bezogen und bis zu einem gewissen Grad integriert werden, wie dies in der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist (Religionskörperschaften des öffentlichen Rechts; Kirchensteuer; staatlicher Religionsunterricht, staatlich geschützte religiöse Feiertage, Eidesleistungen, Blasphemie-Paragraph im Strafgesetzbuch, Militärseelsorge). Eine islamische Regierung hat allerdings dem koranischen Gebot zu folgen, das Rechte zu gebieten und das Unrecht zu verbieten (3: 104, 110, 114; 22: 41), muss also Vollstrecker der Scharia im weitesten Sinne sein und ihre Gesetzgebung im Einklang mit ihr als oberster Verfassungsnorm halten.“

      Muslime könnten den Säkularismus als Chance einer Entideologisierung des Islam begreifen und als eine Rückkehr zu seiner zentral moralisch-theologischen Botschaft. Damit wäre auch die Möglichkeit eines intra-islamischen wie interreligiösen Dialogs gegeben. Wer diesen Gedanken als ketzerisch empfindet, der verschließt die Augen vor der blutigen Realität. Wer der Vision einer geeinten umma ohne Differenzen und Konfliktpotentiale nachhängt, der sollte mit seinen Visionen zum Arzt gehen. Tatsache ist, diese ideale umma zerbrach unweigerlich und für alle Zeiten in jenem Moment, als der dritte Kalif Uthman 656 ermordet wurde. Anders ausgedrückt: Diese umma gibt es nicht mehr.

      • Markus Hill sagt:

        Danke für die differenzierende Argumentation. Ich hoffe einmal, dass diese Form von „diskursorientiertem“ Verständnis von Islam vielleicht stärker in der allgemeinen Diskussion wahrgenommen wird. Was ich als Aussenstehender schwerer beruteilen kann, ist, ob Ihre Ansichten auch innerhalb der islamischen „Gesellschaften“ (!) eher als ketzerisch wahrgenommen werden, oder ob sich auchgrund von Bildung oder Einfluss von Lebensjahren im Westen langsam diese Betrachtungsweisen durchsetzen. Nicht unbedingt im Sinne von dem Umwerfen von alten Traditionen, sondern im Sinne davon, dass man da innerhalb der islamischen „Communities“ engagiert diskutiert und streitet. Ein ähnliche Entwicklung hat wohl irgendwann auch das Christentum genommen – es ging einfach auch um die Anpassung an die Moderne. Da ist bestimmt auch heute noch nicht alles perfekt.

      • Kosmopolit sagt:

        Sehr geehrter Herr Muhammad Sameer Murtaza
        Diese Zeilen beschreiben ihre Sicht der Dinge, was in den islamischen Staaten fehlt, um auf einen Weg zu demokratischen Spielregeln zu kommen. Ein wichtiges Ziel des Islam könnte sein, das Außenverhältnis zu anderen Kulturen/Religionen neu zu überdenken, wenn man vom eigenen Dominanz Anspruch Abstand nehmen würde. Aber das sehen die Regeln des Islam nicht vor. Dem Islam fehlt halt das Feuer einer Reformation. Um den Islam mit dem Rest der Welt kompatibel zu gestalten, müssten sich die islamischen Strömungen an einen Tisch setzen, um hier Änderungen herbei zu führen. Hierzu müssten religiöse Texte neu interpretiert werden, was ich aber so nicht sehe.
        Eine Ausgabe des „Muslim World League Journal“ ( liegt schon etwas zurück, und befasste sich damals mit den Mohamed Karikaturen ) veröffentlichte einen Aufsatz zur uneingeschränkten Gültigkeit der Scharia auch in deren Strafgesetzen und forderte die Muslime weltweit auf, nicht etwa wegen der Wut des Westens darauf zu verzichten. Es wundert deshalb, das deutsche und/oder europäische islamische Interessen – Vertreter absolut die Beschlüsse der ISLAM CHARTA der OIC von 1990 negieren wollen, wo folgendes steht:
        Artikel 24: “ Alle Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt wurden, unterstehen der islamischen Scharia.“
        Artikel 25: “ Die islamische Scharia ist die einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung.“
        Der Scharia zufolge, so wie sie ausgelegt wird, liegt die Souveränität nicht beim Volk, sondern allein bei Allah. Islam heißt eben wörtlich übersetzt Unterwerfung – nicht vor der parlamentarischen Mehrheit, sondern vor Gott. Fazit: Der Islam atmet einen anderen Geist.
        Das man von Seiten der OIC die Islam-Charta gegen die Human Rights stellt, braucht man nicht extra zu erwähnen. Hier treten diametral die Unterschiede in den Wertssystemen auf.
        Aber einem Großteil der Menschheit ist das nicht so richtig bewusst!
        1974, unter türkischem Vorsitz, beschlossen die 42 Staaten des Welt-Islam-Rates ( OIC ) alle Christen in den islamischen Ländern bis zum Jahre 2000 auszurotten. Wörtlich lautet der Beschluss aus Lahore, Pakistan: „Das ganze Gebiet ist bis zum Jahre 2000 völlig zu islamisieren, und zwar dergestalt, dass alle Leben- den im Mittleren Osten, die nicht Moslems geworden sind: die koptischen Christen in Ägypten, die Christen in Irak, Iran, Türkei, Libanon, Syrien, die Assyrer, Chaldäer, syrisch-orthodoxen Christen, Armenier, Nubier und Israelis völlig ausgelöscht werden müssen.“ Es ist nicht bekannt, das je ein Staat sich von diesem Beschluss distanziert hat, auch nicht der neue EU Beitrittskandidat Türkei. Wie weit hier ein Fortschritt zu erkennen ist, wird jedem klar, der sich mit diesem Thema beschäftigt und einen Blick in diesen Teil der Welt wirft. Der dekadente Westen sieht diesem Treiben hilflos zu. Und, solange aber an der letzten Offenbarung Gottes, hier ist der Koran gemeint, nicht gerüttelt werden darf, ist die Mühe umsonst, den Islam neu aufzustellen, damit dieser einmal in die restliche Welt passt.
        Wie es Reformer oder Querdenker ergehen kann zeigt die Geschichte. Ihre Überlebungschance ist nachlesbar. Als aktuelles Beispiel kann u.a. der Ägypter Nasr Hamid Abu Zaid herhalten.
        Sein Problem war eine abweichende Meinung in Sachen Religion zu haben, da er in einigen Sachen kritisch gegenüber der herrschenden Meinung war. Abu Zaid musste aus seiner Heimat fliehen und seine Ehe wurde damals von der Religionbehörde geschieden. Er fand Aufnahme in einer Universität in den Niederlanden.
        Zaid ruft die muslimische Welt dazu auf, ihr Offenbarungsverständnis, die religiösen Dogmen und Moralauffassungen neu zu durchdenken und sich wieder für Impulse anderer Gesellschaften zu öffnen. Für ihn ist der Koran ein historischer Text, geschrieben und zusammengefügt von Menschenhand, der auf eine gesellschaftlich motivierte Suche nach Lösungen bestimmter historischer und politischer Probleme antwortet. Deshalb darf die Frage diskutiert werden, ob diese wörtlich auf unsere Zeit übertragen werden sollen, sondern es bedarf ihrer historischen Einordnung oder Neubewertung, denn die menschliche Gesellschaft hat sich weiter entwickelt, gegenüber der arabischen Welt von damals, die von starken Hierarchien oder Stammeskulturen geprägt war und zwischen den Geschlechtern differenzierten.
        Das sind starke Worte, finden Sie nicht auch? Jeder Staat ist für sich verantwortlich. Was würde den ägyptischen Staat daran hindern, seine Kopten auf gleicher Augenhöhe zu behandeln? Lesen sie eigentlich auch die Umfragen, was Muslime in Europa denken und wie hoch der Prozentsatz dieser Leute ist, die sich für die Einführung der Scharia stark machen. Sind sie persönlich scharf auf diese mittelalterliche Rechtssprechnung? Soll so das Demokratieverständnis im Islam aussehen, durch die Hintertür jede andere Gesellschaftsform neu auf zu mischen? Was hat die USA mit der Verfolgung der Christen im Irak zu tun? Dieses wird oft in den Raum gestellt. Sind im Irak die eigenen Landsleute, mit denen man Tür an Tür wohnte plötzlich vogelfrei, nur weil sie Christen sind?
        Andere Frage, woran liegt es, dass, auf der DIK, die Islam-Verbände sich weigern, ohne wenn und aber, das GG zu unterschreiben. Immer wieder wird gefordert, dass die Regeln der Scharia zu beachten seien.
        Vielleicht sollten Sie sich mit den Teilnehmern der DIK, hier insbesondere mit den Islamvertreter unterhalten, was sie zu Demokratie oder sonstigen Fragen bezüglich „Leben in einer Demokratie“ denken. In ihren Ausführungen vergessen Sie einfach, dass im Islam Demokratie oder persönliche Freiheiten eigentlich nicht vorkommen. Die religiösen Gesetze schreiben den Gläubigen ja den Tagesablauf vor.
        Im Islam gibt es auch eine Trinität, aus Koran, Scharia und den Haditen. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar.
        Warum kann der Islam letztendlich seine Frömmigkeit nicht auf Beten und Fasten beschränken, Religion als Privatsache betrachten wie das andere Religionen auch tun, und das ohne großes Aufsehen ?
        Wird folgender Grundsatz unserer demokratischen Werteordnung von den Muslimen ignoriert oder vergessen;
        Demokratie beinhaltet zwar Minderheitenschutz, aber nicht Minderheitenprivilegien.
        Das die Scharia in demokratischen Strukturen nicht zu suchen hat, versteht sich von selbst, oder? Die Vergangenheit zeigt immer wieder, dass der Islam es eigentlich nicht nötig hat, auf die Mehrheitsgesellschaft zuzugehen, da der Islam sich versteht als die letzte, endgültige, die nicht mehr anzweifelbare Offenbarung Allahs, damit ist alles gesagt.
        ……..Das sieht man so auch in Saudi Arabien. Bei einem Dialogforum, bei dem ein deutscher Abgesandter von der „gegenseitigen Befruchtung der Weltreligionen“ sprach, entgegnete ihm der oberste Mufti aus Mekka: „Natürlich können wir gerne reden. Aber über welche gegenseitige Befruchtung denn?. Wir sind doch im Besitz der Wahrheit.“……[Spiegel 38/06 S80]

        • Muhammad Sameer Murtaza sagt:

          Sehr geehrter Herr Kosmopolit,

          dass sind eine Menge Fragen :-). Seien Sie mir nicht böse, wenn ich aus zeitlichen Gründen nur knapp darauf eingehe:
          1. Reformation: Ich sehe in dem Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani und dem Theologen Muhammad Abduh durchaus zwei große Reformer des Islam. Nur konnten diese sich bedauerlicherweise nicht durchsetzen. Warum können Sie bei meinem Kommentar zu Herr Hill nachlesen.
          2. Was ist Scharia? Ich glaube es gibt von Seiten der Muslime und Nichtmuslime eine imaginäre Vorstellung, was das sein soll. Denn tatsächlich gibt es ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, bis hin zu einer Negierung, wenn wir uns den Sufismus betrachten. Hier empfehle ich wirklich die Bücher, die ich bereits Herrn Hill empfohlen habe.
          3. Es ist bedauerlich, dass Meinungsfreiheit eingeschränkt wird und Menschen verfolgt werden. Das gilt im Islam, wie auch im Christentum. Ich erwähne nur einmal Hans Küng und wie mit ihm umgegangen wurde. Hans Küng ist ein Mensch, den ich persönlich kenne und schätze und ich bedaure, dass die Katholische Kirche diesen großen Denker nicht in die Arme schließt.
          4. Was ist das Demokratieverständnis des Islam? Der muslimische Philosoph Jamal Al-Din Al-Afghani (gest. 1897) machte sich als erster Muslim Gedanken über die Einführung der Demokratie in die muslimische Welt. Es waren ernsthafte Gedanken. Was Sie heute unter dem Stichwort islamische Demokratie finden ist mit Vorsicht zu genießen, da dies häufig vom ideologischen Islam kommt. Sie sollten daher auch andere Stimmen der Muslime hören und lesen.

          Aber eigentlich sind wir doch im Großen und Ganzen von der Intention meines Artikels ganz abgekommen. Wir befinden uns gerade in Sphären ganz weit oben. Kommen wir zurück auf den Boden der Tatsachen. Wie ich bereits geschrieben habe, hier in Deutschland gilt das GG. Es ist nicht verhandelbar. Menschen muslimischen Glaubens möchten sich einbringen, ich bin einer von ihnen. Glauben Sie, dass jeder Muslim ein Hardcore Gläubiger ist, der erst einmal alle Hadithe durchforstet, ob er das überhaupt darf. Es gibt den Bücherglauben, aber es gibt auch den gelebten Glauben. Ich selber habe mich entschieden meinem Land zu dienen. Gleichzeitig bin ich von meiner religiösen Einstellung praktizierender Muslim. Ich sehe für mich keinen Konflikt. Das ist doch gut. Hlren wir auf zu glauben, dass Muslime sich ständig in Metasphären bewegen und eine riesige Theorie benötigen, bevor sie sich politisch beteiligen. Muslime sind Menschen. Sie können nicht für alles verantwortlich gemacht werden, was schief läuft. Verlassen wir also die Metaebene, kommen wir zurück auf den Boden der Tatsachen. Menschen muslimischen Glaubens identifizieren sich mit Deutschland, mit der Demokratie, mit dem GG, wollen sich einbringen und haben das gesellschaftliche Ganze im Auge. Ich finde das toll. Das es auch andere gibt, ist mir bewusst. Aber die finden Sie in allen Religionen. Also machen wir es nicht zu kompliziert.

          • Muhammad Sameer Murtaza sagt:

            So Heer Kosmopolit,

            hier eine Kurzfassung des ersten Teils meines Aufsatzes zur Demokratisierung der muslimischen Welt, der im Oktober erscheint. Sie werden sehen, der Islam hat durchaus Denker, die sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen. Ich denke, dass damit auch alles zu dem Thema gesagt wurde, denn weder Sie noch ich werden die Welt verändern. Versuchen wir es also hinzukriegen, dass die Menschen in unserem Land in guter Nachbarschaft leben können. Ich weiß dazu bedarf es viel arbeit, aber es ist machbar, wenn wir uns alle Bemühen Vorbilder zu sein.

            •Der muslimische Philosoph Jamal Al-Din Al-Afghani plädierte für eine Demokratisierung der muslimischen Welt

            „Im 19. Jahrhundert war die muslimische Welt geprägt von politischem Despotismus, wirtschaftlichem Niedergang, wissenschaftlichem Stillstand und der Ausbeutung und Unterdrückung der Bevölkerung. Der muslimische Philosoph und Reformer Al-Afghani (1839-1897) war der festen Überzeugung, dass der Despotismus den Bürger entmündigen und seine geistigen Potentiale in Ketten legen würde. Kreativität und Fortschritt würden ein Klima der Partizipation und Freiheit benötigen. Die Tyrannei, die nach der Ermordung des Kalifen %Alê ibn Abê Í×lib (gest. 661) mit der Etablierung der Dynastie der Umayyaden in den Islam Einzug gehalten hatte, sei überlebt. Mit Blick auf die positive Entwicklung Europas gelangte er zu der Überzeugung, dass die Demokratie die effizienteste Staatsform sei und deshalb am besten geeignet für eine islamische Renaissance. Diese Feststellung leitete er nicht aus dem Qur&×n ab, denn die Offenbarung spricht sich für keine Staatsform aus. Das Schweigen Gottes in dieser Angelegenheit, deutete der Philosoph Al-Afghani als Imperativ, die menschliche Vernunft einzusetzen, um eine Staatsform zu wählen, die zum Wohle aller ist. Welche andere Staatsform als die Demokratie bietet sich besser an, um der Willkürherrschaft ein Ende zu bereiten und ein Klima der Toleranz und Meinungsfreiheit zu schaffen? Und so stellte sich bereits im 19. Jahrhundert ein muslimischer Philosoph jene Frage, die heute die ganze Welt beschäftigt: Wie kann die zutiefst von despotischer Herrschaft geprägte muslimische Welt ihren Weg zur Demokratie finden? Al-Afghani war sich bewusst, dass die Einführung der Demokratie von heute auf morgen unmöglich ist. Der Despotismus hätte zu tiefe Spuren im Denken der Orientalen hinterlassen. Sie würden bei dem ersten Anzeichen einer Krise das Vertrauen in die Demokratie verlieren und nach einem starken Führer rufen.“

            • Demokratisierung durch eine „Graswurzelbewegung“

            „Nach der Ermordung des Schahs ließ der Sultan – wohl zu seiner eigenen Sicherheit – Al-Afghani unter Hausarrest stellen. In seinem letzten Lebensjahr erkannte Al-Afghani, dass seine lebenslange Suche nach einem ‚erleuchteten’ Herrscher vergeblich war. Ebenso brachte die Ermordung des Schahs nicht den erhofften Regimewechsel im Iran. Der Tyrann in einem despotischen System ist letztlich nur ein Individuum, das durch ein anderes ersetzt werden kann. Wirkliche Veränderungen könnten nur stattfinden, wenn die Grundlagen eines despotischen Systems zerstört werden, indem sich das Denken der Menschen ändert. Durch Aufklärung müsse diese neue Denkart entstehen, die jeden Despotismus ablehnt. Es ist schwer abzuschätzen, wie niederschmetternd diese Erkenntnis für den Reformer und Philosophen gewesen sein muss, der plötzlich einsah, dass er seine Energien falsch eingesetzt hatte und erst zu seinem Lebensende die geeignete Methode für eine Demokratisierung der muslimischen Welt gefunden hatte. Er selber würde nun nicht mehr die treibende Kraft sein, die er sich immer gewünscht hatte zu sein, was übrig blieb war, diese Erkenntnis den Reformern von morgen weiterzugeben. (…)

            In einem Brief, den er kurz vor seinem Tod verfasste, rief Al-Afghani die umma dazu auf, das Fundament der Tyrannei zu zerstören und nicht gegen einzelne Vertreter des Systems vorzugehen:

            „Bemüht euch, so gut ihr könnt, die Fundamente des Despotismus zu zerstören und nicht gegen seine individuellen Vertreter vorzugehen. (…) Wenn ihr euch nur bemüht, euch gegen Einzelne aufzulehnen, dann verschwendet ihr eure Zeit.“

            Al-Afghani hatte erkannt, dass die einfachen Muslime unter sich den Gedanken von Demokratie und Freiheit verbreiten müssten. Die Muslime müssten beide Konzepte verstehen und sie dann von den Despoten einfordern. Wenn dieser keine Unterstützer mehr findet, könnte er gar nicht anders als zurückzutreten und die umma würde als Souverän eines wahrhaft islamischen Staates auf der Grundlage der demokratischen Willensbildung mittels ihrer gewählten Repräsentanten fortan eigenständig ihre politischen Entscheidungen treffen.“

            • Kosmopolit sagt:

              Sehr geehrter Herr Muhammad Sameer Murtaza

              Ihre geschichtlichen Aufzählungen zeigt doch deutlich, wo ihr Arbeitschwerpunkt zukünftig liegen könnte. Also ein Problem innerhalb der islamischen Strömungen.
              Sie sind auf viele Dinge nicht eingegangen. So zum Beispiel die Macht der OIC verbunden mit der Islam Charta. Mögen Sie ihren Glauben anders praktizieren, dann ist das löblich.
              Der Rest der islamischen Welt, repräsentiert durch die OIC, hat eine andere Vorstellung, was die Scharia angeht. Dieser Auffassung können Sie sich nicht entziehen. Hier wäre ihr „Kampfgebiet “
              hier ihren Mitgläubigen ihre Auffassung in Punkto Islam zu verkaufen. Mit H.Küng ist das ein Problem, ein kirchlicher Außenseiter. Aber hier kann man Unterschiede in den Religionen erkennen. Herr Küng wird ignoriert, er wird nicht verfolgt, bekommt auch keine Morddrohung. Im islamischen Kulturkreis ist die Lebenserwartung ihrer Kritiker oder die Konsequenzen eine andere. Siehe mein Beispiel.
              Solange Hardliner, wie Abu Maududi, eine große Anhängerschaft hat, wird sich im Islam, mit dem Rest der Welt, nichts ändern. Hier kurz dessen Meinung:
              Der Islam ist ein revolutionärer Glaube, der antritt, jede von Menschen geschaffene Staatsform zu zerstören. Weiter; Ich sage euch Muslimen in aller Offenheit, dass die säkulare Demokratie in jeder Hinsicht im Widerspruch zu Eurer Religion und zu Eurem Glauben steht. Der Islam an den ihr glaubt und nach dem ihr euch Muslime nennt, unterscheidet sich von diesem hässlichen System total. Selbst in Bagatell-Angelegenheiten kann es keine Übereinstimmung zwischen Islam und Demokratie geben, wo ein Nationalstaat dominiert, gibt es keinen Islam. Dort wo der Islam vorherrscht darf es jenes System nicht geben weil sie sich diametral widersprechen.
              Da dieser Mensch ein Pakistani war, sehen heute deutlicher denn je.
              Mit anderen Worten, ich sehe ihre Aufgabe, den Islam zu reformieren, hauptsächlich vor Ort und nicht in Europa.
              Nur so nebenbei, kennen Sie die Auswirkungen der Fatwa, die so unregelmäßig veröffentlicht werden? Hier sollten sie mal nachlesen: http://www.islaminstitut.de/
              Wenn ich hier so manche Fatwa lese, glaube ich mich in dieser Welt um tausende Jahre zurückversetzt. Auf dieser Seite sehen sie, welche Fatwa so publiziert werden. Ich denke, Sie als aufgeklärter Moslem, schlagen ihre Hände über den Kopf zusammen.
              Nochmals, der Islam muss seine kritischen Kräfte bündeln, um hier Änderungen zu vollziehen.
              Dagegen stehen die Hardliner, die sich um ihre Machtfülle sorgen machen.

              • Muhammad Sameer Murtaza sagt:

                Herr Kosmopolit schrieb: „Mit anderen Worten, ich sehe ihre Aufgabe, den Islam zu reformieren, hauptsächlich vor Ort und nicht in Europa.“

                Lieber Herr Kosmopolit,

                nicht dass ich Sie falsch verstehe. Dies ist doch keine Aufforderung an mich, damit ich meine Heimat, die Bundesrepublik Deutschland verlasse, oder?

                • Kosmopolit sagt:

                  Wenn das das einzig ist, was Sie aus meinen Zeilen herauslesen, na dann…..
                  könnten doch meine Vorurteile wieder bestätigt werden, die tief im Innern schlummern…!!!

                • Mehmet sagt:

                  Muhammad tun Sie sich selbst einen Gefallen und lassen Sie Kosmopolit mit seinen Zeilen alleine…

                • Markus Hill sagt:

                  KOSMOPOLIT hat sehr lange und recht HART geantwortet, die Meinungen/Ansichten muss man nicht alle teilen. Klingen manchmal recht „resigniert“, eine Perpektive fehlt wohl, andereseits ist es nie falsch, den Finger bei bestimmten Dingen in die Wunde zu legen – Unsachliches kann man da ja schnell widerlegen. Zumindest hat er sich auch Ihre Punkte durchgelesen. Zudem provoziert er auch gerne, sieht man auch wieder an der Anwort unten.:-)
                  Ich hatte den Satz so verstanden, dass er Ihr Engagement positiv sieht. Vielleicht hat er nur die Einschätzung, dass Sie im zweifelsfalle lokal noch einen Wirkungsgrad bzgl. Aufklärung haben, dass aber nicht so gross die Gesamtlage in Europa beeinflusst. Ist eine Vermutung von mir: Vielleicht wäre er ja sogar froh, wenn noch viele andere Leute wie Sie in anderen europäischen Ländern mehr Publizität erhalten würden.

                • Markus Hill sagt:

                  PS: Es ist schon gut, dass Sie so eindeutig fragen. Deutschland ist Ihre Heimat. Vielleicht meint er – ohne Sie aus „unser beidem Land“ herauswerfen zu wollen – Sie würden dort mit Ihren Ansichten (sollten Sie und viele Reformer dort gehört werden) über einen höheren Wirkungsgrad verfügen. Dann wäre es etwas unglücklich formuliert von ihm.

              • Gecko sagt:

                @ Kosmopolit:

                Bravo! Sie wissen stets genau, wie man von einer ordnungsmäßigen inhaltlichen Diskussion ablenkt. Der ursprüngliche Artikel handelt im Großen und Ganzen von der politischen Teilhabe von Muslimen in Deutschland. Schon da lenken Sie ab und sprechen die Teilhabemöglichkeit von Christen in muslimischen Ländern an. Nachdem dieses Thema angesprochen wurde fangen Sie plötzlich an, die Reformbedürftigkeit des Islam anzusprechen (Das soll nicht heißen, dass ich auch der Meinung bin, dass die islamische Religion als solche reformiert werden müsse).
                Fazit: Es ist nicht möglich, sich konstruktiv mit Ihnen auseinanderzusetzen, da es Ihnen nicht darauf ankommt. Vielmehr wollen Sie die ordnungsmäßige Meinungsbildung einiger Leute manipulieren.

                • BiKer sagt:

                  ich habs hier schon oft geschrieben. eine diskussion mit kosmopolit ist sinnlos. alles, wozu er fähig ist, ist es gegen den islam zu schreiben und damit jede ordentliche diskussion im keim zu ersticken. er würde selbst bei einem artikel über donald duck einen weg finden, wie er den islam kritisieren. zusammenhänge, sind ihm egal.

  5. Muhammad Sameer Murtaza sagt:

    Sehr geehrter Herr Hill,

    dass ist eine spannende Frage. Ich habe dazu im Rahmen des Zukunftsforum Islam von der Bundeszentrale für politische Bildung einen Vortrag gehalten, und hoffe, dass folgende Passage Ihnen weiter hilft:

    – In der muslimischen Welt haben sich mehrere Strömungen gebildet, die auf die Salafs zurückgreifen. Auch wenn in der deutschen Presse Salaf prinzipiell mit dem Wahhabismus gleichgesetzt wird, so ist dies nur eine Strömung innerhalb der Salafiyya.

    – Der Rückgriff auf die Salafs sollte nicht par tout negativ betrachtet werden. Gerade in Ermangelung an muslimischen Einrichtungen und Institutionen dienen sie als ein Ethos, das die Gemeinschaft zusammen hält.

    – Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass jede dieser Strömungen beeinflusst ist vom geistigen, sozialen und kulturellen Klima ihrer Zeit, was zwangsläufig Einfluss hat auf die jeweilige Definition von einem authentischen Islam.

    – Die literalistische Salafiyya (z.B. Wahhabismus, Tabligh Jamaat)
    Für diese Strömung gelten der Koran und die Sunna als Fundament.
    Der menschlichen Vernunft wird kaum bis gar keinen Ermessungsspielraum zur Interpretation dieser beiden Quellen gegeben. Es gilt den Wortlaut unabhängig vom Offenbarungskontext umzusetzen, da die Offenbarung zeitlos und universal ist. Die Zeit des Propheten samt ihrer gesellschaftlichen Struktur wird somit sakralisiert und gilt es wiederherzustellen. Ein weiterer wichtiger Begriff ist die Bid’a (Neuerung). Jede von der Tradition nicht sanktionierte Praxis gilt dieser Strömung als Häresie, die abzulehnen ist. Somit befindet sie sich in einer ständigen Dialektik zwischen der eigenen Tradition und der Häresie.

    – Die reformistische Salafiyya
    Durch den Einbruch der Moderne in die muslimische Welt in Form des Kolonialismus, bemühten sich muslimische Denker um eine Verbindung zwischen Moderne und Islam, um damit die Rückständigkeit der muslimischen Welt zu überwinden, sich vom Kolonialismus zu befreien und von den Erkenntnissen Europas zu profitieren. Als größtes Problem sahen die Anhänger dieser Strömung die dogmatische Geschlossenheit des Islam an, wie sie sich nach dem Ende der Abbasiden-Dynastie gebildet hatte (Taqlid-Debatte). Sie forderten eine kritische Wiederaufnahme der realen Inhalte des Koran durch Kontextualisierung der Offenbarung, dem Anerkennen, dass sich die Offenbarung im symbolischen Universum des 7. Jahrhunderts ausdrücke und das man diese Symbole und Mythen kennen müsse, um die moralische Botschaft des Koran zu verstehen. Der Islam wird hier als eine moralische Botschaft verstanden. Die Salafs werden nicht verklärt wahrgenommen und die Frühzeit des Islam nicht als idealste menschliche Gemeinschaft, sondern als Ausgangs- und Orientierungspunkt für den Muslim betrachtet, der sich bemühen soll mit beizutragen eine gerechte Gesellschaft aufzubauen. Die Vernunft und die Philosophie haben innerhalb dieser Strömung einen großen Stellenwert. Diese Denker kamen zu dem Schluss, dass der koranische Diskurs nicht abgeschlossen, sondern für eine weitere Entwicklung offen ist. Dementsprechend waren die Anhänger dieser Strömung für Themen wie Demokratie, Säkularisierung und Menschenrechte aufgeschlossen. Jedoch konnte sie aufgrund ihres intellektuellen Niveaus niemals zu einer Massenbewegung werden. Zu ihren Denkern müssen genannt werden: Die Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani und Malek Bennabi, die Reformtheologen Muhammad Abduh und Muhammad Asad, der Frauenrechtler Qasim Amin und Denker wie Murad Hofmann.

    – Die ideologische Salafiyya (z.B. Muslimbruderschaft, Jamaat-i Islami, Al-Adl wa-l-Ihsan)
    Während sich die reformistische Salafiyya nur zwei Fronten gegenübersah, der Rückständigkeit der eigenen Gesellschaft und dem Kolonialismus, sah sich die ideologische Salafiyya gleich vier Fronten ausgesetzt. Neben der Rückständigkeit der muslimischen Welt und dem Kolonialismus, gesellten sich noch der Kapitalismus und der Kommunismus. Gerade durch die ideologische Auseinandersetzung zwischen Ost und West, radikalisierten sich auch muslimische Denker und interpretierten den Islam nun auch als Ideologie. Aus dem Koran leiteten sie ein System ab, dass alle Antworten auf die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Muslime parat habe. Der Koran wurde somit auf ein politisches Dokument reduziert. Mit dem Slogan „Der Islam ist die Lösung“ weckten Gruppen wie die Muslimbruderschaft messianische Hoffnungen und Erwartungen. Als Bid’a wurde in dieser Strömung die Verwestlichung, sprich die Übernahme westlicher Werte und Institutionen angesehen. Der Islam wurde als dritte Ideologie positioniert, die dem Kapitalismus und dem Kommunismus nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen sei. Hinter der Forderung nach einem Islamischen Staat und der Wiedereinführung des Islamischen Rechts, verbarg sich vor allem der drängende Wunsch nach Autarkie. Die ideologische Salafiyya interpretiert die Welt dialektisch, auf der einen Seite der Islam, auf der anderen der Westen. Jedoch muss kritisch gefragt werden, ob die scheinbare Restauration islamischer Legitimität von Macht und Gesetz im Grunde genommen nicht mehr ist als eine Übernahme formaler Praktiken, die im Westen entstanden sind. Als Beispiel sollen Begriffe wie Islamische Demokratie oder Islamischer Sozialismus genannt werden, die zu den Slogans der Muslimbrüder gehören. Weiter muss kritisch gefragt werden, ob eine solche Übernahme, wenn sie abgeschnitten ist von der Philosophie vor deren Hintergrund sie entstand, überhaupt Erfolgschancen hat. Letztlich muss auch gefragt werden, ob somit nicht politische und wirtschaftliche Errungenschaften, die Ergebnis der westlichen Säkularisierung sind, quasi sakralisiert werden.

    – Die politisch literalistische Salafiyya (z.B. Kalifatstaat, Hizb ut-Tahrir)
    Diese Strömung stellt eine weitere Radikalisierung der ideologischen Salafiyya dar. Durch das repressive Vorgehen arabischer Staaten gegen Organisationen wie der Muslimbruderschaft entstand die politisch literalistische Salafiyya. Sie übernahm den politischen Aktivismus von Organisationen wie der Muslimbruderschaft und paarte ihn mit einem literalistischen Verständnis der islamischen Frühzeit. Administrative Institutionen wie das Kalifat wurden sakralisiert und als heilsnotwendig für alle Muslime erklärt. Oberste Pflicht des Muslims sei es, dass Kalifat wiederherzustellen. Daran geknüpft war die utopische Hoffnung, dass selbst die tiefsten Risse innerhalb der Umma damit geschlossen werden könnten und die Muslime wieder Schrittmacher der Welt seien. Anders als die Muslimbrüder, die in der Regel für eine Reform von unten nach oben plädierten, vertrat die politisch literalistische Salafiyya einen revolutionären Diskurs.

    – In Deutschland finden sich alle diese Salafiyya-Strömungen wieder, stark vertreten sind die literalistische Salafiyya (Pierre Vogel, Tabligh Jamaat) wie auch die ideologische Salafiyya (Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD)). Daher gilt es innerhalb der muslimischen Community einen Diskurs anzustoßen, welche Konzeption von Islam Muslime in Deutschland haben wollen. Überlegungen für einen in Deutschland/Europa gewachsenen Islam fehlen gänzlich. Organisationen wie die Föderation Islamischer Organisationen in Europa (FIOE) oder der dazu gehörige European Council for Fatwa and Research werden zu recht der Muslimbruderschaft und deren ideologischen Islam zugerechnet und können daher keine ernsthaften Vertreter für einen europäischen Islam sein. Letztlich muss auch von staatlicher Seite überlegt werden, wie man muslimischen Jugendliche, die bei ihrer Identitätssuche bisher ganz auf sich allein gestellt waren, helfen kann. Ein islamischer Religionsunterricht ist notwendiger denn je, damit Muslime die jeweiligen Strömungen unterscheiden können.

    • Muhammad Sameer Murtaza sagt:

      Sehr geehrter Herr Hill,

      als Nachtrag ein paar Bücher, die den Islam ebenso differenziert betrachten:

      Iqbal, Muhammad (2006): Die Wiederbelebung des
      religiösen Denkens im Islam.

      Arkoun, Mohammed (1999): Der Islam. Annäherung an eine Religion. Heidelberg.

      Körner, Felix (2006): Alter Text – neuer Kontext.
      Koranhermeneutik in der Türkei heute. Freiburg.

      Boisard, Marcel A. (1982): Der Humanismus des Islam. Kaltbrunn.

      Balic, Smail (1979): Ruf vom Minarett. Weltislam heute – Renaissance oder Rückfall? Eine Selbstdarstellung. Wien.

      Küng, Hans (2007): Der Islam. Geschichte, Gegenwart, Zukunft. München.

      Aslan, Reza (2006): Kein Gott außer Gott. Der Glaube der Muslime von Muhammad bis zur Gegenwart. Mün-chen.

      • Markus Hill sagt:

        Danke. Muss den ersten Text noch lesen. Damit nicht der falsche Eindruck entsteht: Ich weiss, dass es diese modernen Gedanken und Auslegunsformen, auch den Reformwillen, im Islam gibt. Für mich ist aber schwer fassbar, ob diese moderne Ausprägung bei vielen der hier lebenden Moslems diskutiert wird. (In dem Sinne: Viele der Problemdiskussionen in diesem Forum werden bestimmt auch nicht von denen gelesen, über die man als „Problemgruppen“ spricht, leider.:-)
        Man muss aber vielleicht auch nicht diese tiefe Diskussion über Reformen etc. als einzigen Indikator für Öffnung nehmen. Es genügt schon, wenn ich mit türkischen Freunden spreche, die ihren Glauben ganz normal und keineswegs „fanatisch“ leben (so wie die wenigsten Christen in Deutschland fundamentalistisch orientiert sind). Das heisst, die Gegensätze und Probleme sind da oft nicht so unüberwindbar, wie es oft in den Medien erscheint. (Ausnahme: Gegenwärtige Drohungen per Video, hat aber auch nichts mit meinen Freunden zu tun!:-).

  6. Johanna sagt:

    „Wenn wir Menschen muslimischen Glaubens die Möglichkeit geben, politisch mitzugestalten, wenn wir sie nicht als Maskottchen instrumentalisieren, wenn wir ihnen faire Listenplätze geben, dann werden diese zu Vorbildern für junge Muslime, die glauben, es gäbe keinen Platz für sie in unserem Land.“

    Das hört sich leicht erpresserisch an.

    In Deutschland sind Politik und Religion getrennt.

    Je mehr Muslime aufgrund ihres Glaubens an die politische Macht streben, desto unbeliebter machen sie sich.

    • Muhammad Sameer Murtaza sagt:

      Sehr geehrte Johana,

      ich kann Ihre Lesart nicht teilen. Deshalb lassen Sie mich erklären, was ich im Sinn hatte, als ich dies schrieb. Zeca Schall war so ein Maskottchen. Zwar haben sich alle aufgeregt, dass die NPD die Frechheit besaß diesen aufzufordern, wieder in seine Heimat zurückzukehren, jedoch fragte sich keiner: Wie gings eigentlich weiter mit Zeca Schall? Wie gehts ihm heute?
      In der Zeit war darüber ein interessanter Artikel, der für mich sehr schockierend war. Weil die Thüringener CDU alle Plakate mit ihm überklebte, er auf ahlkampfveranstaltungen plötzlich nicht mehr auf den Teilnehmerlisten stand und am Ende ein Verbot erteilt bekam, Interviews zu geben. Momentan werden ja gerade Menschen muslimischen Glaubens umworben. Aber dieses „Umwerben“ sollte ernsthaft sein. Andernfalls werden die Menschen sich benutzt vorkommen und der Politik den Rücken kehren. Dies meinte ich mit meiner Aussage, Muslime sollten nicht als Maskottchen benutzt werden. Wenn die Menschen merken, dass man es ernst mit ihnen meint, dann werden sie sich auch einbringen und positive Vorbilder für andere sein.
      Ich denke, die Trennung von Religion und Staat ist genüge im Artikel und meinen Beiträgen erläutert worden. Muslime sollten nicht aufgrund ihrer Religion nach politischer Macht streben (wozu auch), sondern um sich positiv einzubringen, deswegen schrieb ich ja, dass es egal sein sollte, welche Religion ein Bundestagsabgeordnetet hat, viel wichtiger ist es, an welches Deutschland er glaubt.

      • Markus Hill sagt:

        Mir gefällt der Stil Ihrer Antwort, auch der Inhalt natürich. Kein unnötiger „Beissreflex“, der JOHANNA bei Ihrer Kritik irgendwelchen bösen Motive unterstellt. So kann man gut sachlich diskutieren.:-)
        Ich stimme Ihnen völlig zu, man sollte sich bei Wahlen nicht über Religion oder Migrantenstatus definieren. Normaler deutscher Pass genügt, um wählen zu können und gewählt zu werden. Die ursprüngliche nationale Herkunft oder Religion ist der Erwähnung wert, sollte aber eigentlich nur schmückendes Beiwerk sein. Entscheidend erscheint mir, dass Wähler und Gewählter sich hier willkommen und gebraucht fühlen. Dass das nicht immer so ist, bestreitet niemand hier (hoffe ich zumindestens:-). Die Vorgeschichte der Migration und politischen Teilhabe hat halt noch unter Altlasten zu leiden.
        Die Klarheit Ihrer Worte bezüglich Demokratie, Meinungsfreiheit und Islam („Grundgesetz FIRST“!:-) schätze ich. Hoffentlich können sich da einige andere Parteien in dieser Klarheit diesen Worten anschliessen. Das würde Vertrauen aufbauen – das Herumgeeiere mit „Grundgesetz ja, aber unter Berücksichtigung der Regeln des Korans“ (sinngemäss), dass einige Verbandsvertreter an den Tag legen, verheisst nicht unbedingt Gutes für zukünftige Diskussionen. So etwas schafft Misstrauen und erschwert die konstruktive Zusammenarbeit für ein GEMEINSAMES DEUTSCHLAND.

  7. Muhammad Sameer Murtaza sagt:

    „Ich sage von mir: Ich bin Muslim. Der Satz ist wahr, und zugleich blende ich damit tausend andere Dinge aus, die ich auch bin und die meiner Religionszugehörigkeit widersprechen können – ich schreibe zum Beispiel freizügige Bücher über die körperliche Liebe oder bejahe die Freiheit zur Homosexualität“ (Navid Kermani)

    • Markus Hill sagt:

      Ungewöhnlich liberal, also irgendwie hört sich dass nicht nach „Mainstream-Islam“ an, es könnte da von einzelnen Vertretern schon eher kontrovers diskutiert werden. Eine Vermutung von mir.:-)

  8. Kosmopolit sagt:

    Zuerst ein gute Botschaft an all die netten Forenteilnehmer und den Betreiber dieser Seite, dem ich hier zu Dank verpflichtet bin, hier meine Meinung veröffentlichen zu dürfen. Sie werden von mir zukünftig verschont werden. Es wurde schon soviel geschrieben, die Zukunft würde sich nur in Wiederholungen verlieren.
    Ich erlaube mir noch einige Zeilen zum Thema zu schreiben. Das ich etwas nuancierter formuliere, liegt hauptsächlich an dem Thema, was von manchen als unangenehm empfunden wird. Nur, in meinem abgeschlossenen Berufsleben musste ich mich auch vielen unangenehmen Fragen und Herausforderungen stellen. Lobhudelei oder Ignoranz lösen keine Fragen der Zeit. Das Leben ist und war nie ein Wunschkonzert. Ich denke, dass ich das Recht, meine Meinung zu schreiben, nicht überstrapaziert habe. Über Stile kann man streiten, aber nicht über sachliche und kritische Fragen, die für manchen unangenehm sein mögen, aber berechtigt sind. Wenn das nicht so gesehen wird, kann die Meinungsfreiheit oder der kritische Dialog begraben werden.

    Sehr geehrter Herr Muhammad Sameer Murtaza Nun, was bedeutet für sie „die politischen Teilhabe von Muslimen in Deutschland“ ?
    Warum wird hier Wert gelegt auf das Wort „Muslime“? Sind Muslime etwas besonderes? Meine Frau ist Buddhistin, die hier keine Probleme hat, wie die meisten Asiaten auch. Meine Kinder sind hier aufgewachsen, haben mittlerweile promoviert, trotz dem etwas anderen Aussehen und haben Teilhabe, auch politisch. Sie können übrigens mit beiden Kulturen etwas anfangen und machen kein Geschrei darüber. Diese Asiaten integrieren sich, ohne sich zu assimilieren und frönen ihre Kultur ohne aufzufallen und akzeptieren hier diese Gesellschaft, weil sie sich freiwillig dazu entschlossen haben, hier zu leben. Viele meiner Bekannten kommen aus anderen Regionen innerhalb Europas. Eine, von Erdogan so gefürchtete, Assimilation erfolgt in der Regel nach mehreren Generationen. Das gleich gilt analog für andere Einwanderergruppen. Fragen sie mal nach, warum ein buddhistischer Tempel hier keinen Aufschrei erzeugt, aber eine Moschee? Kennen Sie die Gefühlswelt der Anwohner, wenn Freitag zum Moscheegebet gerufen wird. Hier sieht man, wie unbekümmert man und ohne Rücksicht mit denjenigen umgeht, die diesen Krach oder Lärm aushalten müssen.
    Das viele Muslime ihrer Religion kritisch gegenüber stehen, sieht man Kelek, Ates, Cileli, Tibi und viele andere, die besonders in bestimmten muslimischen Kreisen dafür geliebt werden.

    Wer ist eigentlich für das Erscheinungsbild des Islam verantwortlich? Vermitteln gerade die religiösen Regel und Vorschriften diesen Machtanspruch, denen sich jeder zu unterwerfen hat, der sich gläubig fühlt? Ist es nicht so, dass sich die Muslime an das halten, was geschrieben steht und das von Generation zu Generation weiter vermittelt wird, wie die berühmte Trinität aus Koran, Scharia und Haditen. Gerade bei der Ausführung der religiösen Vorschriften, deren Einhaltung für jeden gläubigen Moslem verpflichtend sind, führen doch zu den Reibungspunkten, da man Nichtmuslime in diesen heiligen Schriften nicht gerade freundschaftlich behandelt. Liegt es auch an den Grundlagen dieser Religion, die sich außerhalb ihrer islamischen Gemeinde mit Integration schwer tut, weil das in ihrem heiligen Buch nicht vorgesehen ist. Sind die Regeln, wie religiöse Rituale und Verhaltensweise (Speisordnung) gegenüber Andersgläubigen nicht ein Hindernis? Wird das Anderssein nicht gerade zu betont und gepflegt ? (Kopftuch u.a.) und der Gesellschaft förmlich aufgedrängt. Glauben Sie, wenn man den Koran in deutsch liest, lehrt und interpretiert, sich dieser besser anhört, als im arabischen Orginal? Wo bleibt bei diesen Berührungspunkten das GG und unser Wertesystem?
    Wäre nicht hier ein Lösungsansatz darin zu suchen, diese Inhalte einer Reformation zu unterwerfen, damit die Reibungspunkte mit dem Rest der Welt reduziert werden? Diese Frage kann nur der Islam selbst beantworten. Wenn ich aber die Machtstrukuren der OIC betrachte, kommen mir erhebliche Zweifel. Wie können Sie ein Demokrat sein, wenn Sie als Muslim gehalten sind, neben den allgemeinen Regeln auch die Islam-Charta zu beachten. In dieser Charta werden alle Muslime zur Einhaltung der Scharia verpflichtet. Das dieses Werk inhaltlich mit unserem GG unvereinbar ist, muss ich Ihnen ja nicht sagen. Wieviel Herzen schlagen hier in ihrer Brust, wie wollen Sie diesen Zwiespalt lösen?
    Die Muslime sprechen oft von Dialog und verletzten Gefühlen und reklamieren im Kern doch etwas anderes: einen Absolutheitsanspruch für ihre Religion, den Islam. Beängstigend ist für mich die „Janusköpfigkeit“ und „islamische Doppelzüngigkeit“ mit der Muslime in ihren „Gastländern“ auftreten. Mich stört gewaltig, dass die Muslime ihre Religion ständig in die Öffentlichkeit hängen, als hätte die Welt keine anderen Probleme. Können diese ihre Frömmigkeit nicht auf Beten und Fasten beschränken und ihre Religion als Privatsache betrachten wie das andere Bekenntnissen auch tun?
    Fühlt sich, bis hierher, jetzt jemand unangenehm berührt, beleidigt? Aber diese Fragen brennen vielen auf der Zunge, ohne Aussicht auf eine Beantwortung. Schauen Sie, wenn hier solche kritische Fragen gestellt werden, was passiert dann; alle prügeln auf den Fragensteller ein und behaupten das hat nichts mit dem Islam zu tun, weil sie möglicherweise keine Antwort parat haben. Werden so Konflikte gelöst? Keine Reflektion auf das eigene Verhalten?

    Wir haben hier ca. 10 Millionen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und diversen Religionen. Der überwiegende Teil identifiziert sich mit unserer Gesellschaft und Wertesystem, ein Großteil ist integriert. Expliziert habe ich noch nie gehört, wie deren Religion plötzlich im Focus der Politik steht und wie ihre Teilhabe aussehen soll. Sie müssen dem Rest der Welt erklären, was sie darunter verstehen. Muss muslimische Teilnahme letztendlich bedeuten, das dem Rest der Welt islamischen Leben und Denken eingehaucht werden soll? Sollen dann die berühmten, und nicht nur von mir angesprochenen, Parallelgesellschaften zementiert werden, die ja schariakonform sind? Müssen wir morgens aufwachen, um zu sehen in welchem Land wir leben? Wird der Rest der Gesellschaft eigentlich nicht gefragt, ob diese so bereichert werden wollen, mit anderen Kulturen und Wertssystemen? Wenn dem nicht so sein sollte, dann muss der Focus auf das Wort „Muslime“ auch nicht notwendig sein. Was würde in der Türkei passieren, wenn die wenigen Christen oder die vielen Ausländer (mit ihrem vielen Geld) in den Urlaubsorten plötzlich Ansprüche an den türkischen Staat in Punkto Religion stellen würden? Wissen die deutschen Muslime eigentlich, dass der Kirchenbau im Islam verboten ist, auch keine wirkliche Religionsfreiheit existiert, auch in der Türkei nicht? Dieses Problem liegt nicht an den einzelnen islamischen Staaten, sondern am geschriebenes Gesetz des Islam. Muslime identifizieren sich zuerst über die Religion, dann kommt der Staat.
    Haben Sie kein Verständnis für die Menschen, die hier eigentlich wohnen, im Land ihrer Ahnen, und einfach hier überrumpelt werden? Müssen wir uns, mit Liebe zum Detail, als „Kartoffel“, „Schweinefleischfresser, „Schlampen“ oder „Nazi“, von unseren muslimischen Mitbewohnern beschimpfen lassen. Oder reicht aus, was Frau M.Beck sagt: „Das müssen wir aushalten“. Viele Fragen, die ich hier stelle, wer gibt mir eine Antwort? Aber das hatten wir ja schon weiter oben!

    Anpassen und integrieren heißt nicht, die eigene Identität aufzugeben. Aber es bedeutet, die sensibelsten Bereiche des Gastlandes zu akzeptieren, zu respektieren und unangetastet zu lassen. Und genau das müssen wir von unseren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern erwarten und verlangen. Diesen Satz habe ich in einem Internetauftritt einer Gemeinde gefunden, die sich mit den Eigenheiten einer bestimmten Religion vor Ort beschäftigen musste.

    Um jetzt nicht alle in einen Topf zu werfen, ich kann auch differenzieren. Nur, im Allgemeinen gibt es kaum eine Aufruhr oder Aufstand von denjenigen, die sich distanzieren könnten, nein, die meisten fühlen sich angesprochen und teilen aus, obwohl diese nicht gemeint sind. Vielleicht haben ja diejenigen recht, die Muslime ständig in der Opferrolle sehen. http://www.migazin.de/2009/06/11/der-erste-integrations-indikatorenbericht/#comment-1555
    Kaum ein islamischer Geistliche……..

    Möglicherweise sind einige bei diesem Themenkomplex überfordert, um zu erkennen, wie der Islam wirklich tickt und wie andere darüber denken. Das gleiche gilt für jede Religion, wenn hier nur rudimentäre Kenntnisse vorliegen. Hier wurden von mir einige Themen angesprochen, die bei vielen Mitmenschen auch im Mittelpunkt stehen, die im islamischen Umfeld gemieden werden, wie der Teufel das berühmte Weihwasser.
    Schließlich habe ich nicht vergessen, welcher Schwerpunkt diese Seite verfolgt und wer die Eigner oder User sind. Zum Abschluss eine Stimme, die auch eine Meinung zum Islam hat:
    http://www.welt.de/politik/article1500196/Der_Terror_kommt_aus_dem_Herzen_des_Islam.html

    • Mehmet sagt:

      „Möglicherweise sind einige bei diesem Themenkomplex überfordert, um zu erkennen, wie der Islam wirklich tickt und wie andere darüber denken. Das gleiche gilt für jede Religion, wenn hier nur rudimentäre Kenntnisse vorliegen.“

      Ich freue mich, dass Sie Ihren Kommentar so selbstkritisch beenden.

    • Gecko sagt:

      Sehr geehrter Herr Kosmopolit,

      ich hoffe Sie überlegen es sich mit Ihrem Rückzug aus diesem Forum noch einmal. Ich habe mir vorgenommen, ausführlich auf Ihren letzten Beitrag zu antworten. Sie waren darin sehr ehrlich und aus dem Grund haben Sie eine ebenso ehrliche und ausführliche Antwort verdient. Seien Sie mir nicht böse, dass ich auf Ihre vorherigen Beiträge so offensiv geantwortet habe, aber ich dachte wirklich, dass Sie nur das Forum aufmischen wollten und stets von sachlichen Diskussionen ablenken wollten. Hätte ich vorher gewusst, dass bei Ihnen tatsächlich einige Fragen noch offen waren, dann hätte ich auch früher entsprechend reagiert.
      Na gut, kommen wir zum Thema: Sie haben die alltäglichen Probleme mit Muslimen angesprochen, die Sie auf den Islam zurückführen und aus dem Grund müsse die Religion Ihrer Meinung nach reformiert werden. Sie glauben, dass durch all die religiösen Gebote das Anderssein der Muslime gefördert wird und auch anderen aufgedrängt wird und haben zudem das Verhältnis zum Grundgesetz angesprochen.
      – Der Islam ist nicht reformbedürftig, denn in Sure 5, Vers 3 heißt es: „Heute habe Ich euch eure Religion vollendet, und Ich habe Meine Gnade an euch erfüllt, und Ich habe für euch den Islam als Religion auserwählt“. Die Muslime glauben, dass die Einhaltung aller göttlichen Gebote und Verbote der beste Weg ist. Denn der Schöpfer weiß am besten Bescheid, was gut und was schlecht für Seine Schöpfung ist. Wenn er nun sagt, dass die Religion vollendet ist, dann ist das so und dann braucht die Religion auch keine Reform.
      – In Sachen Anderssein der Muslime sollten Sie wissen, dass die Muslime ihren religiösen Pflichten nicht nachgehen, um Nichtmuslime zu provozieren oder um sie ihnen aufzudrängen. Muslime erledigen ihre religiösen Pflichten, weil das ihre Pflicht ist und um damit Gottes Wohlgefallen zu erhalten.
      – Beim Thema Grundgesetz, oder sagen wir besser die Gesamtheit der Rechtsordnung, ist das so, dass man sich solange daran halten muss, wie es mit dem Koran bzw. mit der Scharia (als Gesamtheit der islamischen Rechtsordnung) vereinbar ist. Hier gibt es keine großen Probleme bei den Verboten, denn auch im Islam sind Straftaten wie Totschlag, Körperverletzung, Betrug, etc. verboten. Probleme gibt es aber beim Schächten von Tieren. Hier kollidiert Religionsfreiheit mit Tierschutz. Die Muslime werden in dieser Angelegenheit solange vor Gericht gehen, bis hier zugunsten ihrer Religionsfreiheit entschieden wird. Denn auch hier gilt: Wenn der Schöpfer es so aufgetragen hat, dann wird es gut sein. Im Falle einer Kollision religiöser Gebote mit menschlichen Gesetzen hat die Religion Vorrang. Wenn den Muslimen der Vorrang nicht gewährt wird, dann versucht man sich diese Rechte halt vor Gericht zu erkämpfen, wie das auch beim Kopftuchtragen von Lehrerinnen ist, obwohl das meines Erachtens im Einklang mit der deutschen Rechtsordnung steht.
      Man kann also nicht durch Reformen „Reibungspunkte mit dem Rest der Welt reduzieren“ (das bedeutet wohl den Lebensstil der anderen einzunehmen?), dann würden sich die Muslime die Religion ihren Bedürfnissen anpassen. Sie dürfen aber nicht nach ihren Gelüsten leben. Der Sinn ihrer Existenz ist nämlich folgender: „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen“ (Sure 51, Vers 56).
      Weiterhin haben Sie in Ihrem Beitrag erwähnt, dass die Muslime ihre Religion ständig in die Öffentlichkeit hängen und die Religion nicht als Privatsache betrachten.
      – Dazu kann ich nur sagen, dass der Islam keine Teilzeitreligion oder irgendwas in der Art ist. Wenn man Muslim ist, dann ist man das 24 Stunden am Tag. Das bedeutet, wenn man zur Gebetszeit auf einer Autobahnraststätte ist, hat man das Gebet vor Ort zu verrichten. Wenn man mit Arbeitskollegen ausgeht und Alkohol getrunken wird, muss man ablehnen, auch wenn man dann der Spielverderber wird.
      – Desweiteren sollten Sie wissen, dass der Prophet eine Barmherzigkeit für die Menschheit ist und nur das Beste für die Menschen wollte. Das Beste, was er den Menschen zu bieten hatte, war der Islam. Aus dem Grund haben die Muslime auch die Pflicht, andere Menschen zum Islam einzuladen, da der Islam der richtige Weg zu Gott ist: „Lade zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung ein, und diskutiere mit ihnen auf die beste Art und Weise“(Sure 16, Vers 125). Mit ihnen Streiten bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zweiseitige Kritik erlaubt ist. Das ist der Beweis dafür, dass der Islam Kritik verträgt, wenn auch die Muslime noch nicht soweit sind.
      Sie haben geschrieben, dass Sie gern wüssten, wie muslimische Teilnahme aussehen soll. Sieht es so aus, dass man dem Rest der Welt islamisches Leben und Denken einhaucht? Ebenso haben Sie die Parallelgesellschaften angesprochen.
      – Ich denke, dass jede Kultur zu jeder Zeit äußeren Einflüssen ausgesetzt war. Menschen hinterlassen halt überall Spuren. Zudem ist der Einfluss der amerikanischen Kultur viel größer als der der islamischen Kultur. Werfen Sie mal einen Blick auf islamische Länder. Da ist der kulturelle Einfluss des Westens (des westlichen Lebensstils) erheblicher als es umgekehrt der Fall ist.
      – In Sachen Parallelgesellschaften gibt es jedoch noch Probleme. Ich denke mal, wenn die Integration der Muslime immer größere Fortschritte erzielt, wird man auch irgendwann anfangen im positiven Sinne darüber zu reden.

      Sie haben erwähnt, dass es christlichen Minderheiten in muslimischen Ländern nicht gestattet sei, Kirchen zu bauen.
      – Auf diese Frage habe ich leider keine Antwort, aber als der Prophet Muhammad einmal Christen aus Nadschran (eine Region nahe der Grenze zum Jemen) in der Masdschid an-Nabawi (der Prophetenmoschee) empfing, entschuldigten sich seine Gesprächspartner plötzlich und wollten hinausgehen. Als der Prophet sie nach dem Grund fragte, sagten sie: „Es ist Zeit für unseren Gottesdienst, und wir wollen uns nicht verspäten.” Daraufhin bot der Prophet ihnen an, „Ihr könnt euren Gottesdienst hier in der Moschee abhalten“, was sie dankend annahmen. (Ibn Hischam, II, 574) Im Friedensabkommen mit der Bevölkerung von Nadschran ließ der Prophet ausdrücklich die Immunität ihrer Gotteshäuser und das Recht auf eigenständige Priesterwahlen festschreiben. (Ebu Yusuf, 72, 73).

      – Hier werden Sie wieder unsachlich. Im Gegenzug kommt es auch vor, dass man als „Moslem-Terrorist“, „Scheiß Türke“, „Kopftuchschlampe“ oder was auch immer bezeichnet wird.

      – Also bis heute habe ich von keinem aus der Mehrheitsgesellschaft erwartet, dass er einige seiner Gewohnheiten oder Bräuche aufgibt, nur weil sie mich stören. Bislang hat auch keine islamische Organisation ähnliche Forderungen gestellt.

      – Ich bin nicht derselben Meinung, denn mir wurde die Religion ganz anders beigebracht. Der Prophet kam mit dem Islam als eine Barmherzigkeit für die Menschheit und genau aus dem Grund ist es verboten andere Menschen zu töten, weil alle Nichtmuslime potentielle Muslime sind und man nicht wissen kann, wen Gott rechtleiten wird.

  9. Muhammad Sameer Murtaza sagt:

    Sehr geehrter Herr Kosmopolit,

    erst jetzt und dies zu meinem Bedauern, erkenne ich, dass Sie die Intention meines Artikels gar nicht verstanden haben. Achten Sie doch bitte einmal auf die Überschrift: „Grundgedanken zur politischen Teilhabe von Menschen muslimischen Glaubens.“ Sie werden feststellen, dass die Überschrift nicht lautet, wie Sie behauptet haben,: „Grundgedanken zur politischen Teilhabe von Muslimen.“ Vielleicht fällt es Ihnen nicht auf, aber bereits hier ist ein gravierender Unterschied angelegt, der sich wie ein roter Faden durch den Artikel zieht. Wir erleben das Kommen der einen Welt. Menschen wirtschaften miteinander, sind global miteinander vernetzt, kommunizieren miteinander, Menschen rücken näher aneinander. Global gesehen, stellt sich die Frage, ob die eine Welt unser aller Lebenswert vergrößern wird oder ob dies alles am Ende auf einem Schlachtfeld endet. Ich plädiere für das erstere. Dazu müssen wir aber uns auch als der eine Mensch in der einen Welt verstehen. Bezogen auf Deutschland geht es darum, dass wir das Sie und Wir, indem Menschen muslimischen und nichtmuslimischen Glaubens verharren, aufbrechen und den Menschen nicht auf seine Religion reduzieren. Dies wird aber tagtäglich sowohl von Muslimen selber, aber auch von Menschen nichtmuslimischen Glaubens getan. Warum habe ich z.B. das Zitat von Navid Kermani hier gepostet, warum sprach ich von dem imaginären Islam?

    Auch Sie sind einem imaginären Verständnis vom Islam verhaftet, wenn Sie von der Trinität (ein unsinniger Begriff, in Bezug auf den Islam) von Koran, Scharia und Hadith sprechen. Was ist Koran, Hadith und Scharia überhaupt? Sie werden dazu je nach Strömungen unterschiedliche Antworten finden, denn der Islam ist vielfältig. Es gibt ganz unterschiedliche Koraninterpretationen. Lesen Sie mal einen schiitischen Kommentar und einen sunnitischen Kommentar zum Koran und Sie werden aus dem Staunen nicht heraus kommen, wie sehr beide Konfessionen, obwohl sie denselben Text lesen, zu einem ganz anderen Verständnis desselben kommen. Oder lesen Sie einmal einen sufischen Kommentar, auch dies ist eine ganz andere Lesart des Koran. Oder lesen Sie mal den Kommentar von Muhammad Abduh und Muhammad Asad, die ein sehr modernistisches Verständnis von Islam haben. Oder erkundigen Sie sich über zeitgemäße Sichtweisen des Koran in dem Buch: „Alter Text – neuer Kontext“, das ich bereits oben empfohlen habe.

    Auch den Hadith müssen wir aufbrechen. Sunniten und Schiiten haben jeweils ihre eigenen Hadithsammlungen, es gibt also gar nicht DEN Hadith, sondern immer nur den Hadith sunnitischer oder schiitischer Prägung. Darüber hinaus gibt es auch Muslime, die dem Hadith sehr kritisch gegenüberstehen und sich nur an den Koran halten.

    Die Scharia ist auch eine imaginäre Vorstellung. Was Scharia ist, da haben Sunniten und Schiiten unterschiedliche Vorstellungen. Allein im sunnitischen Islam gibt es vier Rechtsschulen, einst gab es sogar bis zu 24 Rechtsschulen, die miteinander stritten, was Scharia ist. Aber viel wichtiger ist die Frage, was bedeutet Scharia für Muslime heute? Da findet Sie ebenso viele Meinungen. Ich habe bereits das Buch „Ruf vom Minarett“ empfohlen. Dort werden Sie ein sehr modernes Verständnis von Scharia finden. Für viele Muslime ist Scharia auch nicht mehr und nicht weniger, als die Regeln der Gebetswaschung, des Gebetes, des Fastens, der Zakat und der Pilgerfahrt. Ich fürchte, Sie verengen die Scharia-Debatte auf das Strafrecht. Auch hier gibt es eine lebendige Diskussion innerhalb des Islam, ob sich das Strafrecht nur auf den historischen Kontext des Propheten bezieht.

    Aber welche Rolle spielt dies alles? Eigentlich keine, denn es ist common sense, dass hier das Grundrecht gilt. Wer das nicht akzeptiert, wer die Scharia praktizieren will, wie sie im Mittelalter praktiziert wurde, dem empfehle ich stets, er solle doch nach Saudi-Arabien, in den Sudan, nach Afghanistan oder in den Iran ziehen. Daher finde ich die Diskussion, die Sie immer wieder anstoßen etwas müßig.

    Ihre Argumentation, dass der Islam ein Integrationshemmnis ist, halte ich für sehr bedenklich. Sie glauben ernsthaft, dass religiöse Rituale, Speisevorschriften und Kleidungsvorschriften Integration verhindern. Was soll den da eine Bürgerin oder ein Bürger jüdischen Glaubens sagen? Ich bin da ganz anderer Meinung als Sie. Nur weil ein Mensch kein Alkohol trinkt und kein Schweinefleisch ist, ist er damit kein schlechter Bürger. Wenn ein Bürger eine Kippa trägt oder eine Bürgerin ein Kopftuch, dann sagt dass nicht aus, dass er oder sie sich nicht als Teil unserer Gesellschaft betrachten. Sie legen da zu viel Wert auf das Äußere, ich dagegen plädiere dafür, dass Innere des Menschen wahrzunehmen. Auch dies finden Sie alles in meinem Artikel. Ihre Argumente erinnern mich an etwas, dass ich einmal über die Geschichte der Juden in Europa gelesen hatten. Wie sie gemieden wurden, weil sie eine andere religiöse Identität hatten und sich durch Rituale und Speisevorschriften eben unterschieden. Auch damals wurde argumentiert, dass dies integrationsfeindlich sei und zu Abschottung führe. Bis Moses Mendelssohn, der große jüdische Aufklärer, diesen Behauptungen mit seinem Buch „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum“ entgegengetreten ist. Ich kann Sie nur inständig bitten, nicht auf ähnliche Argumente hinsichtlich der Muslime hereinzufallen.

    Sie fragen mich, wie ich Demokrat sein könne und mich zugleich an irgendeine Islam-Charta halten könne. Lieber Herr Kosmopolit, der Islam ist eine Religion mit vielen Stimmen. Ähnlich dem Protestantismus. Jeder Muslim ist erst einmal sein eigener Gelehrter. Wer fordert mich dazu auf, mich an irgendeine Islam-Charta zu halten? Bisher hat niemand an meine Tür geklopft und mir gesagt, dass wenn ich mich nicht an irgendeine Islam-Charta halte, ich kein Muslim sei. Es gibt im Islam keine Autorität die etwas verbindlich für alle Muslime vorschreiben kann und darf. Sie erliegen da gänzlich einem Trugschluss. Deswegen schlägt in meiner Brust anatomisch wie auch moralisch nur ein Herz. Dieses Herz stellt sich bei allem zuerst eine Frage: „Was ist menschlich?“ Dies bestimmt mein Religionsverständnis wie mein Politikverständnis. Daher kann ich nur eindringlich empfehlen, lassen Sie sich von einem Demokraten und Menschen muslimischen Glaubens eines besseren belehren. Die Literatur habe ich bereits genannt.

    Ihr Schlusswort lässt in mir die Frage aufkommen, ob Sie überhaupt ernsthaft an einem Dialog interessiert sind, denn es ist keine feine Sache und der Objektivität nicht gerade förderlich, Menschen muslimischen Glaubens als Janusköpfig und Doppelzüngig zu bezeichnen. Insbesondere nachdem ich Ihnen zu all Ihren Fragen ausführlich Antwort gegeben habe, auch wenn diese Antworten nicht in Ihr bereits zementiertes Weltbild vom Islam passen. Es tut mir leid, aber es gibt auch gänzlich andere Sichtweisen dieser Religion. Ich empfehle Ihnen Hans Küng „Der Islam“ zu lesen. Erst wenn Sie ihrem rudimentären Wissen Abhilfe geschafft haben und sich auch vorstellen können, Menschen muslimischen Glaubens als ernsthafte Dialogspartner zu betrachtet, statt sie von vornherein als Lügner abzustempeln, macht es wieder Sinn das Gespräch mit Ihnen aufzunehmen.

    So und nun gehe ich los, um meine Pflicht als Demokrat und Staatsbürger zu erfüllen, und gehe wählen. Weil mir das Land und seine Menschen, gleich welchen Glaubens sie angehören, am Herzen liegen.

    PS: Außerdem ist Deutschland kein Gastland für mich, sondern meine Heimat und Sie können mir dies auch nicht ausreden. Damit müssen Sie sich abfinden.

    • Selçuk sagt:

      „Dieses Herz stellt sich bei allem zuerst eine Frage: „Was ist menschlich?“ Dies bestimmt mein Religionsverständnis wie mein Politikverständnis.“

      Ich bin davon überzeugt, dass sich Ihr Herz die bedeutendste Frage stellt. Unter diesen Sätzen würde ich sofort meine Unterschrift setzen.

      Danke für Ihren Beitrag.

    • Markus Hill sagt:

      Zitat:
      „Wer fordert mich dazu auf, mich an irgendeine Islam-Charta zu halten? Bisher hat niemand an meine Tür geklopft und mir gesagt, dass wenn ich mich nicht an irgendeine Islam-Charta halte, ich kein Muslim sei.“
      Angenehm klar, lädt zum Dialog ein. Ich gebe Ihnen Recht, es erscheint wenig sinnvoll, dem Gesprächspartner vorab pauschal unredliche Absichten zu unterstellen. Da kann man sich die Diskussion von vornherein sparen. Schön, dass Sie sich wie viele andere Deutsche, zum Wahllokal begeben haben. Man kann gespannt sein, wie sich unter den neuen Vorzeichen die Integrationspolitik entwickeln wird.

  10. Boli sagt:

    Alleine in diesem von Migazin selbst verlinktem Beitrag von der Islamzeitung kann man die stärksten Gründe herauslesen, welche die Teilhabe von Menschen muslimischen Glaubens aber vor allem Muslime mit ausländischen Wurzeln verhindert bzw. eminent erschwert oder gar völlig verhindert.

    http://www.islamische-zeitung.de/?id=12458

    Stichworte welche Muslime den Europärern fremd bleiben lassen:
    – ethnische Zusammensetzung und Nationalismus bestimmter Muslime der mit entsprechender Beflaggung bis in die Moscheen reicht,
    – Konzentration auf Konflikte im Ausland mit nicht selten gleichzeitiger Schuldzuweisung gegenüber dem Gastland,
    – fremde Architektur von Moscheen (ein Beleg dafür das viele Muslime nicht wirklich hier angekommen sind). Eigene von mir eingebrachte Stichworte wären zusätzlich:
    – zur einheimischen Kultur konträre Nahrungsvorschriften die automatisch Muslime und Nichtmuslime voneinander trennen,
    – Namensgebungen von Moscheen die sich auf Muslimische Eroberer beziehen = Provokation und führt zu immer stärkerer Abwehrhaltung wie mittlerweile in den Niederlanden (Wilderspartei) und Großbritannien (British National Party)

    Wenn sich hier in Deutschland bezüglich genannter Punkte in Zukunft nicht rasch etwas ändert ist es nur noch eine Frage von ein bis zwie Legislaturperioden bis eine starke Antiislamische Partei in den Vordergrund tritt. Die nächsten 5 – 10 Jahre werden für die Muslime absolut entscheidend sein.

    • Muhammad Sameer Murtaza sagt:

      Der Islam ist keine Migrantenreligion, aber ich glaube es fehlt noch die europäisch-islamische Identität. Diese muss sich noch herausbilden, noch ist es zu stark der Islam aus Saudi-Arabien, Pakistan und anderen Ländern als ein Islam gewachsen in Europa. Aber ich sehe auch innerhalb der muslimischen Community die Suche nach einer neuen Identität. Aber ich glaube nicht, dass es sich an Speisegeboten entscheiden wird (siehe auch Judentum), sondern welche Einstellung die Menschen zu ihrer europäischen Heimat haben.

      • Markus Hill sagt:

        Sehe ich ähnlich. Viele Moslems, die „normal“ Ihren Glauben in Deutschland leben, sollte man nicht den täglichen Extremberichterstattungen (natürlich haben die ihre Begründung) in Verbindung bringen. Man darf natürlich auch nicht naiv sein, es gibt fundamentalistische/nationalistische Ausprägungen im Islambereich, die keinesfalls im Interesse der Deutschen (und/oder auch vieler Moslems) liegen. Es wäre schön, wenn da beide Seiten aufeinander zugehen und mehr Gemeinsamkeiten entdecken.

    • Markus Hill sagt:

      Die Gefahr sehe ich genauso wie Sie. Die liberalen Holländer sind wohl so weit und werden mehr „rechtspopulistisch“ wählen (Begriff ist zu schwammig, da wird zu viel zusammen geworfen). Die dort lebenden Problem-Migrantengruppen haben den Bogen wohl überspannt.
      Man kann nur hoffen, dass durch viel Dialog in Deutschland diese Entwicklung nicht auch Fuss fasst. Wobei man sagen kann, dass sich hier sehr viel positiv bewegt. Zumal viele junge Migranten (mit Ausbildung/Studium etc.) langsam, aber stetig, immer mehr eine positiveres Bild von Migration in Deutschland prägen werden.