MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Viele wollen sich aber nicht entscheiden. Da schlagen zwei Seelen in ihrer Brust. Lassen wir doch beide Herzen schlagen! Wir brauchen die jungen Leute.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Theater

Colored women in a white world

Annabel Guérédrat eröffnete am Ballhaus Naunynstraße 2013 das Festival Black Lux – ein Heimatfest aus Schwarzen Perspektiven. Mit „Colored Woman in a White World“ spielt ein beeindruckendes Projekt dieser Reihe.

VONJamal Tuschick

 Colored women in a white world
Der Verfasser, geboren 1961 in Kassel, hat seinen libyschen Vater nicht kennengelernt, die Mutter ist Deutsche. Arbeitet seit 1987 als Autor und Journalist vor allem für die Frankfurter Rundschau und die junge welt. Herausgeber der 2000 im S. Fischer Verlag erschienenen Anthologie "Morgenland", die Einfluss gewann auf die Kulturdebatte innerhalb des Migrationsgeschehens. Stichwort: Das Ende der Gastarbeiter-Literatur Tuschick trug zu einem neuen Verständnis der Literatur von Autoren mit einer ethnischen Differenz zur Mehrheitsgesellschaft bei. Er veröffentlichte im Suhrkamp Verlag Keine Große Geschichte, Kattenbeat, Bis zum Ende der B-Seite Zuletzt erschien von ihm im Martin Schmitz Verlag Grobzeug im Rindermix

DATUM1. Dezember 2014

KOMMENTAREKeine

RESSORTAktuell, Feuilleton

SCHLAGWÖRTER ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

„Colored women in a white world“ heißt die aktuelle Performance von Annabel Guérédrat. Die Choreografin aus Martinique wird mit Pina Bausch und Valeska Gert verglichen. Sie eröffnete 2013 das Festival Black Lux – ein Heimatfest aus Schwarzen Perspektiven mit ihrem Trio „Women Part II – you might think I’m crazy, but I’m serious“ im Ballhaus Naunynstraße. „Colored Woman in a White World“ entwickelte Annabel Guérédrat mit einem internationalen Ensemble. In ihrer Arbeit bezieht sich die politische Künstlerin zumal auf die Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde (1934 – 1992).

Wenn Annabel Guérédrat bis zum Abwinken den Titel ihres Stücks „Frauen of Color in einer Weißen Welt“ wiederholt, ist schon viel gesagt. Wie absurd ist das! Von der Hautfarbe definiert zu werden. Die Inszenierung geht von Erfahrungen der Tänzerinnen aus. In vehementen Durchgängen schildern sie Kollisionen. Aus white world wird wild west.

Die autobiografischen Auszüge haben viele Anfänge. Sie transportieren eine Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte. Die Performance erinnert auch an die Kongokonferenz von 1884 in Berlin; an die gewalttätige Idee weißer Männer, Afrika unter sich aufzuteilen. Mit Folgen, die nicht aufhören, virulent zu sein.

Ein artifizieller Veitstanz folgt dem nächsten. Besonders eindrucksvoll kommt eine Tänzerin aus Louisiana auf ihre Punkte. Annabel Guérédrats spielt mit weißen Erwartungen: „Gibt es eine schwarze Frau, die nicht tanzen kann?“

Ich sehe Wut und Erschöpfung auf der Bühne. Auch Flucht in die Drogen ist ein Thema. Die Tänzerinnen nehmen sich das Publikum vor. Sie fragen: „Liegt es uns im Blut, tanzen zu können?“ „Bin ich zu schwarz, um deutsch zu sein?“

Die Zusammenarbeit schweißte die Tänzerinnen zusammen. Eine Künstlerin aus San Diego formulierte es so: „From stranger to sister“ führte diese politische Arbeit, die zugleich eine Untersuchung von „Spiritualität und Körper“ darstellt.

„We are tomorrow – Colored women in a white world“ heißt die aktuelle Performance von Annabel Guérédrat. Die Choreografin aus Martinique wird mit Pina Bausch und Valeska Gert verglichen. Sie eröffnete 2013 das „Festival Black Lux – ein Heimatfest aus Schwarzen Perspektiven“ mit ihrem Trio „Women Part II – you might think I’m crazy, but I’m serious“ im Ballhaus Naunynstraße. „Colored Woman in a White World“ entwickelte Annabel Guérédrat mit einem internationalen Ensemble. In ihrer Arbeit bezieht sich die politische Künstlerin zumal auf die Autobiografie von Mary Church Terell (1863¬1954) – einer Galionsfigur des Schwarzen Feminismus.

Wenn Annabel Guérédrat bis zum Abwinken den Titel ihres Stücks „Frauen of Color in einer Weißen Welt“ wiederholt, ist schon viel gesagt. Wie absurd ist das! Von der Hautfarbe definiert zu werden. Die Inszenierung geht von Erfahrungen der Tänzerinnen aus. In vehementen Durchgängen schildern sie Kollisionen. Aus white world wird wild west.

Info: Mit Jane Chirwa, Ciena Davis, Kira L. Althaler, Elisabeth Luise Gers, Nasheeka Nedsreal, Raquel Villar – und Morris J. Mungoy am Schlagzeug

Die autobiografischen Auszüge haben viele Anfänge. Sie transportieren eine Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte. Die Performance erinnert auch an die Kongokonferenz von 1884 in Berlin; an die gewalttätige Idee weißer Männer, Afrika unter sich aufzuteilen. Mit Folgen, die nicht aufhören, virulent zu sein.

Ein artifizieller Veitstanz folgt dem nächsten. Besonders eindrucksvoll kommt eine Tänzerin aus Louisiana auf ihre Punkte. Annabel Guérédrats spielt mit weißen Erwartungen: „Gibt es eine schwarze Frau, die nicht tanzen kann?“

Ich sehe Wut und Erschöpfung auf der Bühne. Auch Flucht in die Drogen ist ein Thema. Die Tänzerinnen nehmen sich das Publikum vor. Sie fragen: „Liegt es uns im Blut, tanzen zu können?“ „Bin ich zu schwarz, um deutsch zu sein?“

Die Zusammenarbeit schweißte die Tänzerinnen zusammen. Eine Künstlerin aus San Diego formulierte es so: „From stranger to sister“ führte diese politische Arbeit, die zugleich eine Untersuchung von „Spiritualität und Körper“ darstellt.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...