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Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Kein Geld

BAMF streicht berufsbezogene Sprachkurse für Migranten

Ausgerechnet die so hochgelobten und erfolgreichen berufsbezogenen Sprachkurse wurden eingestellt. Grund ist das fehlende Geld. 2015 soll es wieder weitergehen. Das stellt Sprachkursträger vor große Herausforderungen. Flüchtlinge sollen überhaupt nicht mehr teilnehmen dürfen.

„Um Arbeit zu finden und erfolgreich im Beruf zu sein, sind gute Deutschkenntnisse wichtig. Es gibt daher spezielle Kurse, in denen Sie berufsbezogenes Deutsch lernen können“, heißt es auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Bevölkerung (BAMF). Gemeint sind die erfolgreichen Kurse „Deutsch für den Beruf“, die im sogenannten ESF-BAMF-Programm kostenlos angeboten werden.

Die Kurse verbinden Deutschunterricht, berufliche Qualifizierung und die Möglichkeit, einen Beruf durch ein Praktikum näher kennenzulernen. Migranten, Geduldete oder Asylberwerber lernen in diesen Kursen aber auch, Bewerbungen zu schreiben oder werden auf ein anstehendes Vorstellungsgespräch vorbereitet. Alles in allem ein sehr erfolgreiches Programm.

Ein Schlag ins Gesicht
Damit ist jetzt Schluss. Wie das BAMF Anfang April den Kursträgern per E-Mail-Rundschreiben mitteilte, wurden diese Kurse vorerst eingestellt. „Das klang erst einmal nach einem Aprilscherz“, sagt die Geschäftsführerin eines Kursanbieters dem MiGAZIN und bittet ausdrücklich darum, anonym zu bleiben.

„Warum fordert das BAMF die Träger der Sprachangebote bis Mitte März in großen Veranstaltungen dazu auf, große Betriebe, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser zu akquirieren? Wie können die Träger das den Auftraggebern gegenüber jetzt kommunizieren? Und wie sollen die Träger in ihren Regionen ihre Glaubwürdigkeit als verlässliche und kompetente Sprachkursanbieter gegenüber der Wirtschaft wieder herstellen?“, möchte die Geschäftsführerin wissen.

Zu Lasten der Qualität
Die Träger seien von einem Tag auf den anderen vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Hinzu komme, dass der Schluss rückwirkend erfolgt sei. Teilweise seien bereits Maßnahmen durchgeführt worden,“ die jetzt nicht einmal mehr abgerechnet werden können“, beklagt sich die Geschäftsführerin.

Abgesehen davon stünden Kursanbieter nun auch vor großen organisatorischen Herausforderungen. „Es ist nicht einfach, gute und kompetente Lehrer zu finden, die den besonderen Ansprüchen dieser Kurse auch gerecht werden. Was soll ich denen jetzt sagen? Kommen Sie nächstes Jahr wieder?“ Dieser Chaos gehe deshalb auch zulasten der Qualität und damit auch der Teilnehmer. „Wenn die Kurse ab 2015 wieder angeboten werden“, bemängelt die Geschäftsführerin weiter, „müssen wir quasi wieder von Null anfangen.

Immerhin. Denn für Flüchtlinge oder geduldete Menschen, die Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, bedeutet dieser zwischenzeitliche Stopp das komplette Aus. Sie sollen an den wieder für 2015 geplanten Kursen überhaupt nicht mehr teilnehmen dürfen. (bk)

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5 Kommentare
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  1. H.P.Barkam sagt:

    Hauptsache, der heldenhafteste Bundesminister aller Zeiten für ‚ich will keine Neuverschuldung, ich will, ich will, ich … bekommt sein bescheuertes Eigengeschenk.

  2. Ron sagt:

    Bitte genau hinschauen: Das BAMF trifft nicht die Entscheidung nach der die ESF-BAMF-Kurse vorerst nicht weiter gefördert werden, sondern das Bundesarbeitsministerium. Das BAMF ist in diesem Fall nur ausführendes Organ, welches seinen Kopf für den verständlichen Unmut der Sprachkursträger und der betroffenen Migranten hinhalten muss.
    Trotz allem: Diese Entscheidung ist integrationspolitischer Irrsinn. Jetzt haben wir das Anerkennungsgesetz, den Fachkräftemangel, die Liberalisierung des Arbeitsmarktzugangs und die Einsicht, dass das jahrelang betriebene Fernhalten der Zuwanderer vom Arbeitsmarkt auch noch teuer ist, da wird eines der wenigen zentralen Integrationsinstrumente, das wir haben ausgesetzt. Anstatt den Zuwanderern die Möglichkeit einzuräumen, die deutsche Sprache zu erlernen und sich so rasch wie möglich auf dem Arbeitsmarkt zu bewähren, sind die Menschen nun wieder dazu verdonnert, die Hände in den Schoß zu legen und auf Transferleistungen der öffentlichen Hand angewiesen zu sein. Mit Willkommenskultur hat das nix zu tun! Und mal ganz nebenbei: Wer hat denn da bitte gepennt und mal gerade so eben festgestellt, „Huch – da ist ja ein riesiges Finanzierungsloch. Wir können die ESF-BMAF-Kurse ja gar nicht mehr bezahlen.“ Der Dilettantismus der hier in ungeahnten Ausmaßen deutlich wird, kommt aus dem Hause Nahles! So sieht das nämlich aus.

  3. Aber es gibt doch jede Menge Alternativen, z. Bsp. Online-Kurse, die von jedem Ort der Welt (mit Internetanschluss) genutzt werden können. Zum Beispiel http://www.LinguaTV.com bietet sehr gute Deutschkurse mit Videos und Lernspielen zum Deutsch lernen für alle Niveaustufenan. Mit den realistischen Szenen aus dem privaten und beruflichen Alltag lernt man nicht nur die Sprache im Kontext, sondern auch etwas über sprach- und landestypische Eigenschaften wie Gestik, Mimik und Kultur.

  4. […] vorläufige Ende für die berufsbezogenen Sprachkurse kam für Kursträger wie Kursteilnehmer Anfang April überraschend. Ebenso überraschend teilten […]

  5. […] Das Geld fehlt. – Ist das eine Begründung? Geldfragen sind Prioritätenfragen, man müsste also die Prioritätensetzung plausibel machen, wenn man die Streichung erklären will. Und sind die Kurse auf Dauer gestrichen oder nur für ein Jahr? Wie geht man mit den Trägern um, die in diese Kurse investiert haben? – Die ESF-BAMF-Kurse verbinden Deutschunterricht, berufliche Qualifizierung und Berufspraktikum. Was ist an dem Konzept schlecht? Oder schlecht gelaufen? – Ich habe da nur Fragen, keine Antworten. – MiGAZIN […]



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