Kein Geld

BAMF streicht berufsbezogene Sprachkurse für Migranten

Ausgerechnet die so hochgelobten und erfolgreichen berufsbezogenen Sprachkurse wurden eingestellt. Grund ist das fehlende Geld. 2015 soll es wieder weitergehen. Das stellt Sprachkursträger vor große Herausforderungen. Flüchtlinge sollen überhaupt nicht mehr teilnehmen dürfen.

„Um Arbeit zu finden und erfolgreich im Beruf zu sein, sind gute Deutschkenntnisse wichtig. Es gibt daher spezielle Kurse, in denen Sie berufsbezogenes Deutsch lernen können“, heißt es auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Bevölkerung (BAMF). Gemeint sind die erfolgreichen Kurse „Deutsch für den Beruf“, die im sogenannten ESF-BAMF-Programm kostenlos angeboten werden.

Die Kurse verbinden Deutschunterricht, berufliche Qualifizierung und die Möglichkeit, einen Beruf durch ein Praktikum näher kennenzulernen. Migranten, Geduldete oder Asylberwerber lernen in diesen Kursen aber auch, Bewerbungen zu schreiben oder werden auf ein anstehendes Vorstellungsgespräch vorbereitet. Alles in allem ein sehr erfolgreiches Programm.

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Ein Schlag ins Gesicht
Damit ist jetzt Schluss. Wie das BAMF Anfang April den Kursträgern per E-Mail-Rundschreiben mitteilte, wurden diese Kurse vorerst eingestellt. „Das klang erst einmal nach einem Aprilscherz“, sagt die Geschäftsführerin eines Kursanbieters dem MiGAZIN und bittet ausdrücklich darum, anonym zu bleiben.

„Warum fordert das BAMF die Träger der Sprachangebote bis Mitte März in großen Veranstaltungen dazu auf, große Betriebe, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser zu akquirieren? Wie können die Träger das den Auftraggebern gegenüber jetzt kommunizieren? Und wie sollen die Träger in ihren Regionen ihre Glaubwürdigkeit als verlässliche und kompetente Sprachkursanbieter gegenüber der Wirtschaft wieder herstellen?“, möchte die Geschäftsführerin wissen.

Zu Lasten der Qualität
Die Träger seien von einem Tag auf den anderen vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Hinzu komme, dass der Schluss rückwirkend erfolgt sei. Teilweise seien bereits Maßnahmen durchgeführt worden,“ die jetzt nicht einmal mehr abgerechnet werden können“, beklagt sich die Geschäftsführerin.

Abgesehen davon stünden Kursanbieter nun auch vor großen organisatorischen Herausforderungen. „Es ist nicht einfach, gute und kompetente Lehrer zu finden, die den besonderen Ansprüchen dieser Kurse auch gerecht werden. Was soll ich denen jetzt sagen? Kommen Sie nächstes Jahr wieder?“ Dieser Chaos gehe deshalb auch zulasten der Qualität und damit auch der Teilnehmer. „Wenn die Kurse ab 2015 wieder angeboten werden“, bemängelt die Geschäftsführerin weiter, „müssen wir quasi wieder von Null anfangen.

Immerhin. Denn für Flüchtlinge oder geduldete Menschen, die Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, bedeutet dieser zwischenzeitliche Stopp das komplette Aus. Sie sollen an den wieder für 2015 geplanten Kursen überhaupt nicht mehr teilnehmen dürfen. (bk)