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Diskussion über Alltagsrassismus endlich entfacht

Endlich ist das Thema Rassismus, und zwar im Sinne von Alltagsrassismus und nicht von Rechtsradikalismus, in den großen Medien angekommen. Inhaltlich hätte sich die Wochenzeitung „Die Zeit“ aber mehr Mühe geben können.

VONMiriam Gutekunst

 Diskussion über Alltagsrassismus endlich entfacht
Die Verfasserin ist Kulturwissenschaftlerin und schreibt für verschiedene Online-Magazine. Sie lebt und arbeitet in München. Aktuell forscht sie in Marokko zum „Ehegattennachzug“ nach Deutschland. Ihr erstes Buch „Liebe ohne Grenzen!? Binationale Paare und ihr Umgang mit Immobilisierung durch Grenzregimes“ erscheint im Frühjahr 2013 im Herbert Utz-Verlag.

DATUM23. Januar 2013

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RESSORTAktuell, Meinung

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Als ich die Überschrift „Kinder, das sind keine N…! Unsere liebsten Kinderbücher werden umgeschrieben – ist das ein Fortschritt?“ auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe der ZEIT las, fand ich diese zwar provokant, wollte mich aber eigentlich bei der Redaktion bedanken. Endlich ist das Thema Rassismus, und zwar im Sinne von Alltagsrassismus und nicht von Rechtsradikalismus, in den großen Medien angekommen.

Ich hatte mit einer vielstimmigen, kontroversen Diskussion gerechnet, wie ich es eigentlich von der ZEIT gewohnt bin. Als ich dann begann, den ersten großen Artikel von Ulrich Greiner zu lesen, war ich entsetzt: Wie kann man dieses brisante Thema mit so einer Überheblichkeit ins Lächerliche ziehen? Greiner empört sich darüber, wie man „in der menschenfreundlichen Absicht, auf die Gefühle von Minderheiten Rücksicht zu nehmen“ einfach zur „Zensur“ greift. Er zieht Parallelen zu George Orwells Roman 1984, in dem ein Angestellter des Wahrheitsministeriums Bücher und Zeitungsberichte rückwirkend verfälscht. Der Journalist kommt jedoch zu dem Schluss: „So weit sind wir glücklicherweise nicht. Es ist nicht Orwells Großer Bruder, der interveniert, sondern der Kleine Bruder politischer Korrektheit. Dessen rastlose Tätigkeit sollte man aber nicht unterschätzen. Er realisiert sich im Tun jener zahllosen, oftmals staatlich bestallten Tugendwächter, die in höherem Auftrag, sei es Feminismus, Antisemitismus oder Antirassismus, agieren und die mit ideologisch geschärftem Nachtsichtgerät dunkle Abweichungen vom Pfad der Gerechtigkeit unverzüglich aufdecken. Wer sucht, der findet.“

Die einzige Gegenstimme im Text kommt von Mekonnen Meshgena, Initiator der Umschreibungen in dem Kinderbuch „Die kleine Hexe“ und Leiter des Referats „Migration und Diversity“ der Heinrich-Böll-Stiftung. Seine Erfahrungen mit Vorurteilen und Diskriminierung als deutscher Staatsbürger mit eritreischem Migrationshintergrund spielt der Autor geschickt herunter und das Argument der Wirkmächtigkeit von Sprache wird einfach als „naiver Gedanke“ abgetan.

Erst der Letzte der drei Artikel, für den deutliche weniger Platz eingeräumt wurde, stimmte mich wieder positiver. Der Journalist Ijoma Mangold, dessen Vater nigerianischer Herkunft ist, spricht hier zwei wichtige Aspekte dieser Debatte an.

Erstens relativiert er die Aussage „Nicht Worte seien gefährlich, sondern Taten“ mit der Anmerkung: „Aber so manche Tat wurde durch Worte angekündigt. Und jeder weiß, dass Worte verletzen können.“ Zweitens beschreibt er einen „falschen Freigeist“, der mir selbst auch schon so oft in Diskussionen über dieses Thema begegnet ist.

Wenn ich versuche mit Leuten über das Problem des gegenwärtigen Alltagsrassismus in unserer Gesellschaft zu sprechen, wird die Diskussion sehr schnell emotional und unsachlich: „Willst du damit sagen, dass ich ein Rassist bin? Nur weil ich meinen Kindern Bücher vorlese, in denen das Wort N… vorkommt?“

Warum fällt es vielen so schwer sich einzugestehen, dass es in der deutschen Gesellschaft einen strukturellen Rassismus gibt, der historisch gewachsen ist und auf eine brutale und bis heute nachwirkende Kolonialzeit zurückzuführen ist? Deswegen möchte ich noch niemanden als Rassist bezeichnen, aber ich erwarte, dass sich jeder mit seinen Vorurteilen und Stereotypen auseinandersetzt. Und ich halte es für wichtig, den Menschen zuzuhören, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder eines Migrationshintergrunds immer wieder das Gefühl vermittelt bekommen, sie seien „anders“ und würden nicht dazugehören – ob durch Kinderbücher oder Spendenplakate, ob im Schulunterricht oder am Arbeitsplatz.

Mein Dank gilt in diesem Fall Autorinnen wie Noah Sow oder Simone Dede Ayiv, die auf den medialen Diskurs der „Großen“ reagiert haben und deren Beiträge hoffentlich auch gelesen werden. Denn hier spricht nicht die weiße Mehrheitsgesellschaft.

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6 Kommentare
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  1. Cengiz K sagt:

    Ich verstehe den o.g. Zeit-Artikel als eine Anbiederung an die PI-Maten, die ja gerne mal diverse Blogs im Internet hijacken, um ihre ständigen dümmlichen, auswendig gelernten Parolen zum Besten zu geben.. Ich war schon paar mal auf Zeit unterwegs, und habe die gleichen Satzbausteine der üblichen Verdächtigen dort auch wieder finden können, und natürlich immer bei den gleichen (ausgelutschten) Themenaufbereitungen.. Im Prinzip also eine Dienstleistung für die Nachfrage einer speziellen Klientel.. Machen andere online Zeitungen auch.. Allein schon die Verwendung des Begriffes „politisch korrekt“ immer und immer wieder: Meist verwendet von Prominenten und sonstigen hirnlosen Nachäffern, die eigentlich nichts zu sagen und/oder keinen Schimmer haben: ausgelutscht eben..

  2. Andy sagt:

    @ Gast. Jau, ne Neunjaehrige liest regelmaessig die Zeit, stoest auf diesen Artikel und schreibt daraufhin diesen veroeffentlichen Leserbrief.
    Negro, Niger bedeutet schwarz. Viele Afrikaner nennen mich Weisser. Find ich aber gar nicht rassistisch. In manchen asiatischen Laendern werde ich meist abfaellig Farang genannt. Ja Und?

    Afrikanische Sklaven wurden in Amerika aufgrund ihrer Hautfarbe N… genannt. Da das Wort N… (schwarz) nicht in ihrem (der afrikanischen Sklaven) Vokabular vorkam empfanden sie das als Schimpfwort. N… gleich Sklave. Comprende? Was hat das alles mit Pippi Langstrumpf zu tun?

    @CengizK, wenn Sie die ZEIT regelmaessig lesen wuerden, wuerden Sie nicht so einen Stuss schreiben. Die Zeit ist auch nicht nur online unterwegs sondern eines der angesehendsden Print-Medien in Deutschland. Man findet sie in vielen internationalen Fluegen direkt beim Einstieg und natuerlich auch in guten Buchandlungen. Dazu ist die ZEIT absoult politisch korrekt und auch migrantenfreundlich.
    Was bedeutet fuer Sie politisch korrekt yu sein?

  3. Lucian sagt:

    Es ist doch recht auffällig, dass dieser Artikel der einzige zu diesem Thema im Migazin ist. Sobald es sich nicht um Muslime handelt, scheint das Migazin augenfällig an Rassismus nicht interessiert zu sein.

  4. […] in Deutschland die Kinderbuchdebatte wegen der rassistischen Sprache in „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preußler angeregt hatte. Als Moderator führte der Aktivist, Autor und Sozialforscher Mutlu Ergün an beiden […]



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