Critical und Incorrect
Nazi – wir danken Dir!
Gott sei Dank gibt es die Nazis! Und die Neo-Nazis. Denn sonst müssten wir uns mit unseren eigenen Vorurteilen befassen. Eine unbeliebte und gerne gemiedene Übung.
Viele wollen sich aber nicht entscheiden. Da schlagen zwei Seelen in ihrer Brust. Lassen wir doch beide Herzen schlagen! Wir brauchen die jungen Leute.
Neujahrsempfang am 17. Januar 2010
Gott sei Dank gibt es die Nazis! Und die Neo-Nazis. Denn sonst müssten wir uns mit unseren eigenen Vorurteilen befassen. Eine unbeliebte und gerne gemiedene Übung.
DATUM20. Januar 2012
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QUELLE Erstveröffentlichung ZAMAN
SCHLAGWÖRTER Critical und Incorrect, Kolumne, Meinung, Neonazis
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MEHR ZUM ARTIKELDa ist es viel angenehmer, wenn etwa Probleme wie Ausländerhass, Islamophobie und Antisemitismus auf eben „die Nazis“ abgewälzt werden können. Sehr oft, wenn ein unschöner Zug unserer „aufgeklärten“ Gesellschaft auftaucht, dann bietet es sich an, diesen entweder ganz anderen anzulasten oder aber einer Randgruppe, die wir ebenfalls nicht als „wir“ empfinden. Wer gerade die Rolle des „anderen“, der „out-group“ übernimmt ist dabei äußerst variabel.
Ausländerhass und Rechtsextremismus werden gerne als Ossi-Phänomen der Jugend gesehen, obwohl nicht unwesentliche Inspiratoren unter älteren Wessis zu finden sind, Antisemitismus wird bei „Islamisten“ ausgelagert. Politiker verweisen gerne auf die jeweils andere Partei, Medienakteure gerne auf den jeweils anderen – also etwa die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auf die Privaten, wenn es um Diskriminierung von Minderheiten in Mediendarstellungen geht, und so weiter und so fort – nur das Muster ist immer identisch: Selbstidealisierung bei gleichzeitiger Stigmatisierung der anderen und damit ewig währende Stagnation. Denn wenn die Probleme dahin verlagert werden, wo ich selber keinen Zugriff habe, kann ich auch nichts tun – so der vermeintlich entlastende Trugschluss, den man entsprechend der genannten Logik natürlich nur beim Anderen erkennt.
Für diese Möglichkeit könnten wir den Rechtsaußen also dankbar sein. Sie entlasten und verhindern, dass wir mit unseren eigenen unschönen Seiten konfrontiert werden. Jetzt nach den Enthüllungen um neo-nazistische Netzwerke und gewisse Behördenverstrickungen kommt die lange eingeübte Projektionsstruktur wieder vielen gelegen. Einigen politisch Verantwortlichen, die selbst mal durch die ein oder andere Absage an Multikulti eine Vorlage für rassistische Auswüchse gelegt haben, dürfte das gerade recht sein. Und so bedienen die nun nicht abreißen wollenden Beiträge über anti-Rassismus im Sport bis zur Kampagne „Schule ohne Rassismus“ die Vorstellung, dass es sich dabei immer gleich um „den Kampf gegen Rechtsextremismus“ handelt.
Diese Projektionen des vorhandenen Rassismus auf den äußeren rechten Rand hält die Mitte „sauber“, aber eben nur vermeintlich. Der Politologe und Publizist Kien Nghi Ha hat den Mechanismus in einem Interview auf MiGAZIN erläutert. In dem Zusammenhäng wäre eine Evaluation der nicht ganz neutralen Broschüren zur Schulkampagne „Schule gegen Rassismus” der Bundeszentrale für politische Bildung dann nämlich mehr als überfällig – da diese neben einigen aufklärerischen Beiträgen wiederum selbst Vorurteile reproduziert. Wie auch der kritische Mediendiskurs, dessen Vorliebe für den sarrazinschen Mitte-Rassismus zudem eklatant auffällig ist.
Betrachtet man ausländerfeindliche, antijüdische oder antiislamische Polemiken, die im Internet sprießen, dann kann man wenig bis keinen Unterschied zu den Alt- wie auch den Neu-Rechten feststellen, die auch unter Linken zu finden sind, aber nicht nur dort. Da ist von Gefahr durch eine angeblich homogene Gruppe die Rede, von Gewalt- und Bedrohung (nur) von dieser Seite, von Weltherrschaftsansprüchen und Werteverrat, von Unterwanderung und Unmenschlichkeit. Insgesamt handelt es sich tatsächlich um ein faschistisches Menschenbild, das homogene Gruppen voraussetzt und deren Differenz betont und eine eigene Höherentwicklung behauptet.
Die Einteilung der Welt in „wir besseren“ und „ihr schlechteren“ ist eklatant auffällig. Gerne spricht man auch den anderen überhaupt die Fähigkeit ab, sich zu entwickeln. Das Antiaufklärerische an dieser Haltung wird durch die Grundannahme der eigenen Überlegenheit übertüncht. Die Aufklärung wird auf die Überwindung des Religiösen und die Erlangung der absoluten individuellen Freiheit reduziert und Meinungsfreiheit wird dann plötzlich vor allem für Rassisten gefordert, während man den Rassismuskritikern diese gern absprechen mag.
Dass Mensch gerne dazu neigt, seine eigenen positiven Seiten ebenso zu betonen wie die negativen des jeweils anderen, mag ihm verziehen werden – wenn er es denn überlegen mag. Die kategorische Ablehnung von Selbstbetrachtung und Selbstkritik führt jedoch nicht zu einer weiteren Entwicklung.
“Selbstidealisierung bei gleichzeitiger Stigmatisierung der anderen und damit ewig währende Stagnation.”
Also dass sie ich jedem Land und zwischen verschiedenen Gruppierungen in allen Bereichen. Ob das eine conditio humana ist?
Das Problem welches Frau Schiffer mal wieder geflissentlich übersieht ist dass alle Menschen Vorurteile haben weil sie sich sonst nicht die Welt erklären könnten. Man kann nicht immer alles wissen, das ist das Problem.
“Die kategorische Ablehnung von Selbstbetrachtung und Selbstkritik führt jedoch nicht zu einer weiteren Entwicklung.”
Wohl wahr.Den Blick stets auf den Anderen zu richten, diesen Anderen mit Zuschreibungen seiner Personalität zu berauben, ist die gängige Kommunikation auch hier in diesem Medium.
Darum ist die einzige Legitimation von “Diskussionsforen wie diesem: Entlastung von der Arbeit der Selbsterkenntnis.
Es versteht sich von selbst, wie ich hoffe, dass alle Diskussionsteilnehmer diese verengte Sicht produzieren und reproduzieren, wie in einer Endlosschleife. Gewinner gibt es nicht, nur Beteiligte,die sich in den unterschiedlichen Stadien ihrer Voreingenommenheit vorführen.
Ach ja, es gibt eine erste Lösung. Lernen wir doch erst einmal, unsere eigenen Vorurteile zu schätzen, indem wir sie als unsere eigenen betrachten.Dann verbittern uns die Vorurteile der anderen auch nicht so sehr.