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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Die Nominierungen

Wer wird Integrator und Integrationsverweigerer des Monats Mai 2011?

Für den Integrationsverweigerer des Monats Mai 2011 sind nominiert: Schwarz-Gelb, Silvio Berlusconi, Bundesbeirat für Integration. Die Nominierungen für den Integrator lauten: SPD und die Städte Hannover und Hamburg.

VONMarcello Buzzanca

 Wer wird Integrator und Integrationsverweigerer des Monats Mai 2011?
Marcello Buzzanca, geb. 1972 in Frankfurt/Main. Studium der Romanistik, Amerikanistik und Germanistik in Frankfurt und Málaga. U.a. tätig als Autor, Texter, Redakteur, Übersetzer, Blogger und Kolumnist bei MiGAZIN. 2001 Gewann er den Studentenwettbewerb des Bundesinnenministerium zum Thema: Angekom- men! Aufgenommen? mit dem Essay: „Periodischer Patriotismus: Beobach- tungen einer geteilten Seele“

DATUM3. Juni 2011

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Die Nominierungen für den Integrator

Migrantenquote der SPD
Migranten machen Quote. Im Fernsehen. In der Kultur. Und nun auch in der Politik. Zumindest möchte das die SPD so. Insofern wird sie eine Quotenregelung einführen, nach der Führungsgremien auf allen Ebenen künftig zu mindestens 15 Prozent mit Migranten besetzt werden sollen. Ok, nach Özdemir, Özkan und Rösler mag das zwar wie ein abruptes Erwachen der integrationspolitischen Nachtwächter klingen, aber besser spät als nie. Als absolute, unmittelbar umzusetzende Mindestanforderung bezeichnet der Parteivorstand die Regelung, dass in jedem Führungsgremium mindestens ein Migrosse (also ein Migranten-Genosse, zumindest würde ich diese Formulierung wählen) sitzen soll. Ob er oder sie auch aufstehen und Farbe bekennen darf, bleibt abzuwarten. Dennoch und als Bestärkung: unser Vorschlag Nr. 1 für den Integrator des Monats.

Einbürgerungskampagne: Kartoffel werden
Wen oder was man mit Kartoffel bezeichnet, haben wir ja an anderer Stelle bereits mehrmals erörtert. Wie man aber selbstironisch und dennoch die Zielgruppe treffend für Kartoffeln werben kann, zeigt uns die Landeshauptstadt Hannover und ihre Kampagne zur Einbürgerung von Migrantinnen und Migranten. Kartoffel werden, so der Slogan, und viele Fragen, die hinsichtlich der Einbürgerung gestellt werden – auf Plakaten mit entsprechenden Testimonials und in einem Film, den eine 10. Klasse der Gerhart-Hauptmann-Schule in Hannover gedreht hat. Wir sagen: Schale pellen und her mit dem Nachtschattengewächs!

Interkulturelle Öffnung in Hamburg
Hamburg hat einen Hafen und läuft bei manchen Entscheidungen der gesamtdeutschen Politik vorweg. So können dort auch Migrantinnen und Migranten Beamte werden, ohne dass sie zwangsläufig einen deutschen Pass besitzen müssen. Selbst, wenn im Regelfall die deutsche oder eine EU-Staatsangehörigkeit vorausgesetzt werden. Dennoch setzt die Kampagne „Wir sind Hamburg! Bist Du dabei?“ auf interkulturelle Kompetenz und auf jene, die einfach gut sind, ungeachtet der Herkunft oder der Staatsangehörigkeit. So sollte es eigentlich immer und überall sein. Wir sagen: Fischkopp ganz vorne und obenauf!

Wer ist Ihr Integrator des Monats Mai 2011?
    Kartoffel werden (46%)
    SPD (31%)
    Interkulturelle Öffnung in Hamburg (23%)
     
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    Die Nominierungen für den Integrationsverweigerer

    Maria Böhmer und der Bundesbeirat für Integration
    Am 23.05.2011 fand sich der Bundesbeirat für Integration zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. In und mit welcher Kondition diesem aufgeblasenem Instrument die Puste ausgehen wird, scheint absehbar. Schließlich sind im Beirat, der ausschließlich soufflierende Funktionen für ihr Sprachrohr, Maria Böhmer, einnimmt, beispielsweise keine Vertreter asiatischer Migrantenverbände vertreten, dafür aber der ehemalige Botschafter für die USA in Deutschland, John Kornblum. Insofern ist dieser Bundesbeirat eher eine Blüte als harte Währung, die in der Waagschale der Integrationspolitik Deutschlands ein echtes Gewicht hätte. Wer sich das volle Bild dieses integrationspolitischen Elends machen möchte, kann sich hier die komplette Liste der zum Ja-Sagen Verdammten ansehen. Ich wende mich da eher ab und der Nominierung von Frau Böhmer und dem Bundesbeirat für Integration als Integrationsverweigerer des Monats Juni zu.

    Schwarz-Gelb – Sprachanforderungen beim Ehegattennachzug
    Wenn einem die Worte fehlen, kann man sich nicht ausdrücken. Man kann also nicht einmal sagen, dass einem sein Ehemann/seine Ehefrau fehlt. Zumindest nicht auf Deutsch. Und darum geht es bei der seit Ende August 2007 geltenden Neuregelung der Sprachanforderungen beim Ehegattennachzug. Es geht nicht um den Sprachtest, den man als Ehemann oder Ehefrau bestehen muss, um nach Deutschland kommen zu dürfen. Dieser ist legitim und richtig. Es geht vielmehr darum, dass seitens der Regierung behauptet wird, es handele sich um eine zumutbare Zeit der Trennung, die im Ausland lebende Ehegatten brauchen, um den Sprachtest und entsprechende Deutschkenntnisse nachzuweisen. Wenn wir nun davon ausgehen, dass selbst bei Muttersprachlern 13 Jahre Schule nicht reichen, um einen Sprachtest bei den Gralshütern der teutschen Sprache, dem Goethe-Institut, zu bestehen, wundert es niemanden mehr, dass die Anträge auf Visa ab- und die Anzahl derjenigen, die den Start Deutsch 1 (das zum Sprachtest dazugehörige Lehrwerk) verpassen, zunimmt. Da gewinnt das Wort Sprachbarriere eine ganz andere Bedeutung.

    Silvio Berlusconi
    Silvio Berlusconi hat verloren. Nicht einen seiner unzähligen Prozesse, denn die weiß er durch Gesetzesänderungen und Verzögerungen zu umgehen. Auch nicht sein Gesicht, denn das lässt er ja regelmäßig und chirurgisch neu modellieren. Auch nicht sein Ansehen, denn das hat gleichsam eines Dorian Gray in einen Schrein gepackt, der zu seinem Tode wahrscheinlich Mittelpunkt seines Mausoleums sein wird. Dieses wird man voraussichtlich in Mailand aufstellen, in direkter Nachbarschaft zu Zigeunerbaracken, Moscheen und sozialistischen Plattenbauten. Zumindest suggerierte die Rede des Premiers angesichts der Wahlschlappe seiner Partei PDL bei den Bürgermeisterwahlen in Silvios Heimatstadt Mailand, dass dieses Szenario bei einem Wahlsieg des Kandidaten der Linken, Giuliano Pisapia, bald Realität sei. Wahr ist, dass Berlusconi persönlich und seine Partei die Wahlen verloren haben. Nicht nur in Mailand, sondern in zahlreichen Provinzen und Städten.

    Wer ist Ihr Integrationsverweigerer des Monats Mai 2011?
      Schwarz-Gelbe Regierungskoalition (39%)
      Maria Böhmer (35%)
      Silvio Berlusconi (26%)
       
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