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Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Zerrbild des Islam

Kirchen sollten sich für Muslime einsetzen

CDU-Politiker Ruprecht Polenz fordert die christlichen Kirchen auf, sich für ein besseres Image des Islam einzusetzen. Es herrsche ein Zerrbild des Islam. Und die christlich-jüdische Leitkultur diene lediglich dazu, Muslime auszugrenzen.

Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz hat die christlichen Kirchen aufgefordert, sich für ein besseres Image des Islam in Deutschland einzusetzen. „Die Muslime sind auf solche Leumundsbürgen dringend angewiesen, denn sie haben es schwer, sich Gehör zu verschaffen. Es herrscht ein Zerrbild des Islam“, sagte der Bundestagsabgeordnete am Montagabend in Münster in einer Podiumsdiskussion zum Thema Religionsfreiheit am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster.

Ein „beträchtlicher Teil“ der Deutschen spreche dem Islam ab, eine Religion zu sein, kritisierte Polenz. „In Diskussionen um Moscheen oder Religionsunterricht bezeichnen sie ihn als politische Ideologie oder als faschistisch.“ Die Kirchen sollten sich daher als Leumundsbürgen für die dritte Weltreligion einsetzen. „Wenn man die christliche Botschaft ernst nimmt, gehört das dazu, ohne dass man dafür die theologischen Differenzen aufheben müsste.“ Das Recht auf Religionsfreiheit gelte auch für den Islam, betonte der Politiker. „Das wird in Deutschland aber nicht von allen ernst genommen.“

Polenz kritisierte auch den Begriff der „christlich-jüdischen Leitkultur“. Das Verhältnis zwischen Christen und Juden auf diese Weise zu harmonisieren, sei mit Blick auf das 19. Jahrhundert oder die Zeit des Nationalsozialismus „hanebüchen“. Der Begriff diene lediglich dazu, Muslime auszugrenzen. „Es ist geradezu pervers, unter Einbeziehung des Judentums eine dritte Religion auszuschließen“, sagte der Politiker bei der Diskussion „Religionsfreiheit unter Druck“ im Franz Hitze Haus. (eb)

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11 Kommentare
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  1. Europa sagt:

    „Polenz kritisierte auch den Begriff der „christlich-jüdischen Leitkultur“. Das Verhältnis zwischen Christen und Juden auf diese Weise zu harmonisieren, sei mit Blick auf das 19. Jahrhundert oder die Zeit des Nationalsozialismus „hanebüchen“

    Da bin ich absolut der gleichen Meinung. Denn die ganzen Atheisten und Agnostiker werden bei der Leitkultur komplett vergessen. Schlussendlich gibt es nur eine säkularistisch-christliche Leitkultur. Das sind meiner Meinung nach auch die beiden einzigen Ströme die die Kultur und die Zivilisationen in Europa so weit gebracht, hat, wie sie jetzt ist. Das Judentum spielt in Europa eine sehr untergeordnete und passive Rolle. Der Islam wurde als Gastarbeiter in den 60ern importiert. Einfluss auf die europäische Kultur hat er nicht, da er durch seine starre Auslegung und der Tendenz Parallelgesellschaften zu fördern auch eine eher passive Rolle spielt. Der Islam ist nicht Teil der euopäischen Kultur sondern Teil der Kultur des nahen Ostens. Nur weil manche Menschen in Europa kein Unterschied zwischen dem Leben im nahen Osten und dem in Europa machen, kann man doch nicht behaupten die Kultur würde zu Europa gehören. Ich will auch nochmal alle Gutmenschen daran erinnern, dass das definieren der eigenen Kultur IMMER mit dem ausschliessen anderer Kulturen einhergeht. Sonst gäbe es ja auch keine eigene Kultur. Und wisst ihr was, es ist nicht rassistisch oder sozial-darwinistisch.

    Europa

  2. Boli sagt:

    Die Kirchen sollten sich daher als Leumundsbürgen für die dritte Weltreligion einsetzen. „Wenn man die christliche Botschaft ernst nimmt, gehört das dazu, ohne dass man dafür die theologischen Differenzen aufheben müsste.“ Das Recht auf Religionsfreiheit gelte auch für den Islam, betonte der Politiker. „Das wird in Deutschland aber nicht von allen ernst genommen

    Getreu dem Motte „Die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber“, oder wie? Ich meine die Muslime haben sich doch selbst in diese Situation gebracht. Zuerst sollten die Kirchen dafür sorgen das in allen Ländern wo Christen in der Minderheit sind diese vollen Schutz und Respekt geniessen. Ich erinnere daran das der Minderheitenminister in Pakistan der einzige Christ im Parlament gerade erst erschossen wurde.
    Herr Polenz fordert Dinge die ausser ihm niemand nachvollziehen kann. Zumindest so lange bis die Dinge wie ich gesagt habe geregelt wären.

  3. MoBo sagt:

    „Ich meine die Muslime haben sich doch selbst in diese Situation gebracht.“

    Sie glauben also an Sippenhaft? Was hat eine Türkin in Berlin mit Pakistan zu tun? Mache ich einen bayerischen Katholiken für Mordanschläge auf Abtreibungsklinken in den USA/ die Inquisition/ die Kreuzzüge verantwortlich? Oder rufe ich bei einem Atheisten gleich „Stalin war auch Atheist!“?

  4. Jörg sagt:

    Es gibt innerhalb der Evangelischen Kirche in Berlin immer wieder versuche mit den Islamischen Gemeinden gemeinsame Unternehmungen durchzuführen. Der Wunsch muss aber auf beiden Seiten vorhanden sein. Ebenso wie sich die Politik mit den Strukturen des Islam schwer tut (es gibt halt noch keine Struktur wie in der Katholischen Kirche oder der EKD), gilt das auch für die beiden großen christlichen Kirchen. Der Islam selber war in Berlin definitiv auch schon vor 300 Jahren vertreten, nicht so ausgeprägt wie heute.
    Zu den Forderungen von Herrn Polenz sei noch der Blick auf die Grußworte der christlichen Kirchen zum Beginn des Ramadan im vergagenen Jahr zu erwähnen. Ein deutliches Zeichen.

  5. Leon sagt:

    Die Großkirchen in Deutschland unternehmen durch ihre Dialogbeauftragte und diverse Veranstaltungen schon einiges für eine sachliche Darstellung des Islam.

    Umgekehrt wären Christen im Irak, die unter Schutzgelderpressung (dschizya), Vertreibung und und Mord zu leiden haben,froh, wenn sie nur ein Imageproblem hätten.

  6. Was können deutsche Muslime dafür, das in Pakistan ein Machtkampf tobt und hier mörderische Auseinandersetzungen sind.
    Was können deutsche Muslime dafür, dass in anderen Ländern die Menschenrechte nicht so umgesetzt werden, wie wir es für Deutschland fordern und haben. Rein gar nichts.

    Wir leben hier und wollen eine gerechte Politik und Gerechtigkeit für jedermann.

  7. Europa sagt:

    @MoBo
    @Elisabeth Mariam Müller

    „Sie glauben also an Sippenhaft? Was hat eine Türkin in Berlin mit Pakistan zu tun? Mache ich einen bayerischen Katholiken für Mordanschläge auf Abtreibungsklinken in den USA/ die Inquisition/ die Kreuzzüge verantwortlich? Oder rufe ich bei einem Atheisten gleich “Stalin war auch Atheist!”?“

    Doch, genau das tun sie und wird auch von anderen Kommentatoren gemacht! Man muss doch als Europäer fast angst haben, überhaupt etwas zu kommentieren, da man sich jedesmal für die Kreuzzüge, die Kolonialzeit oder den Holocaust rechtgfertigen muss. Aber das ist auch typisch für ihre Sippe: Man redet nicht über ein Thema, sondern man redet darüber über welches Thema man ihrer Meinung nach überhaupt sprechen darf.

    „Was können deutsche Muslime dafür, dass in anderen Ländern die Menschenrechte nicht so umgesetzt werden, wie wir es für Deutschland fordern und haben. Rein gar nichts.“

    Das Problem ist die Distanz! Es gibt zwar eine sehr grosse geographische Distanz, aber man ist sich im Geiste doch sehr nahe. Der einzige Unterschied zwischen den Muslimen in Pakistan und denen in Deutschland sind doch ein paar Suren, die anders interpretiert werden. Vorallem müssen sie mal kucken wieviele Muslime aus Deutschland sich in Pakistan zum Terroristen ausbilden lassen.
    Dass die Muslime in Deutschland keine Menschenrechte in Pakistan fördern können ist mir schon klar, aber wenn in Deutschland 5 Millionen Türken leben und in der Türkei gibt es immer noch keine Religionfreiheit, dann frage ich mich aber warum die 5 Millionen Türken immer noch einen Diktator wie Erdogan wählen. Haben diese Menschen in Deutschland gar nichts gelernt, weil sie zu lange in einer Parallelgesellschaft gelebt haben? Ich glaube schon. Wie sonst kann man so resisten gegen Vernunft sein.

  8. schneider sagt:

    Hallo Elisabeth,

    „Was können deutsche Muslime dafür, das in Pakistan ein Machtkampf tobt und hier mörderische Auseinandersetzungen sind.“

    Das ist unser Verständnis-Problem: ihr Musleme redet immer von „WIR MUSLEME“ oder „muslamische Community“, aber wenn dann einige dieser „Community“ was Schlechtes machen, gehören die plätzlich nicht mehr dazu! Machen Sie allerdings was Gutes -egal wo auf der Welt, hauptsache islamisch- dann werden sie von der „UMMA“ bzw. der „islamischen community“ gefeiert.

    Bevor Sie jetzt den Spiess umdrehen: Wir Europäer sagen nicht „WIR CHRISTEN“ und töten dabei irgendwelche Meschen, Religion hat bei uns keinen Stellenwert mehr. Würden aber einige Europäer anfangen, Musleme zu töten und sich dabei auf „EUROPA“ berufen, glauben Sie mir, die Lichterketten würden dreimal den Erdball umspannen!

  9. Oh Mann sagt:

    Noch mehr einsetzen!?

    Eigentlich fehlt doch nur der letzte Schritt der ev. u. kath. Kirchenhäuptlinge und Kirchenhäuptlinginnen in Richtung Islam, nämlich die Empfehlung an ihre christlichen Schäfchen, doch bitte endlich zum Islam zu konvertieren!

  10. hetzen und herrschen sagt:

    Es liegt an den politischen Verantwortlichen, die Ablenkung benötigen sowie an grausamen Beamten, die exekutieren und zB Berichte/Studien/Sendungen/Urteile nach Wunsch schreiben, senden, zusammenstellen anpreisen, fällen.

    Das dann aus der Mitte der politischen Kaste an die schwachen Kirchen appeliert wird, die doch nur wenige erreichen können, muss ein Witz sein.


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