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Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Neues Konzept

Zielgruppenspezifische Integrationskurse

Zuwanderer sollen mit den Integrationskursen des Bundes küntig ein noch besser auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot erhalten. Dazu sind vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) überarbeitete Konzepte für zielgruppenspezifische Integrationskurse in Kraft getreten. Sie richten sich an Frauen und Eltern, Jugendliche, Analphabetinnen und Analphabeten sowie an lerngewohnte Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Konzepte der Spezialkurse wurden sowohl im Umfang als auch inhaltlich auf die Anforderungen der einzelnen Zielgruppen ausgerichtet. So werden Jugendliche mit ersten fachlichen Begriffen aus wichtigen Schulfächern und mit regelmäßigen Leistungskontrollen, wie sie in Schule und Ausbildung üblich sind, vertraut gemacht.

Eltern werden unter anderem an Elterngremien in Kinderbildungseinrichtungen herangeführt. Frauen wird Alltagswissen zu frauenspezifischen Themen vermittelt. Analphabeten werden in die Lage versetzt, die schriftsprachlichen Mindestanforderungen des Alltags zu bewältigen. Zuwanderer mit hohen Bildungsabschlüssen können die Integrationskurse in kürzerer Zeit absolvieren.

Detaillierte Informationen zu Zielgruppen, Schwerpunkten, Umfang und weiteren Besonderheiten der speziellen Integrationskurse – Eltern-, Frauen-, Jugendintegrationskurse, Alphabetisierungs- und Intensivkurse – gibt es auf den Folgeseiten…

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Ein Kommentar
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  1. Es ist natürlich eine feine Sache, irgendwo gut dotiert an einem Schreibtisch zu sitzen und Bildung zu planen, Qualitätskriterien zu fomulieren, feiner und feiner zu gliedern – wie weit werden sich die Experten von der Erde entfernen, bis die Distanz auffällt, die Schwerkraft einsetzt?

    Konkret: nicht nur wir hier im Landkreis BGL (Berchtesgadender Land) haben das Problem, dass kaum regelmäßige Tageskurse mit nicht kostendeckenden 8-10 Tn zusammenbekommen – geschweige irgendeinen der aufgeführten differenzierten Kurse. Das dürfte ähnlich auch in anderen Gegenden Deutschlands so gegeben sein. Wie ich aus Großstädten höre, tritt auch dort aus Gründen des Trägerwettwerbs eine ähnliche Situation auf.

    Wir bräuchten vielleicht etwas weniger neue und zielgruppen-differenziertere Kurskonzepte, sondern einen organisatorischen Rahmen für ein individuell-spezifisch und praktisch orientiertes Förderkonzept. Das sollte zum einen helfen, in EINEM tatsächlich vor Ort zu realisierenden Kurs die bereitgestellten Ressourcen (900, 600 Förderungsstunden) optimal zu realisieren. Es sollte darin auch berücksichtigt sein, dass Unterricht mehr sein kann als dass ein Dozent mit einer Gruppe von Teilnehmern ein Unterrichtswerk durchgeht – und darüber ein Schild „binnendifferenzierter Unterricht“ hängt. Sicher haben Medien dabei eine größere Rolle zu spielen. Sicher auch das Honorar.

    Ein solches realistisches Angebot sollte auch aufgreifen, dass der größere Teil der Ausländer in einer der als „prekär“ zusammenzufassenden Beschäftigungen steht und so für viele (Schichtarbeiter, saisonorientiert Beschäftigte) keine regelmäßige Teilnahme weder an einer Vollzeitmaßnahme noch an einer der üblichen konventionellen starren Teilzeit-Angebotsformate (di,mi,do 18-21 Uhr) möglich ist. Es muss auch berücksichtigt werden, dass die BAMF-Fixierung auf starre, niveaubezogene Kursabschnitte dazu führt, dass Teilnehmerquoten so absinken, dass kein Angebot zustande kommt.

    Wir schlagen uns momentan damit herum, mit den jetzt auf 500 € erhöhten Bildungsprämiengutscheinen ein Angebot für das Deutsch-lernen von Erwerbstätigen zu realisieren, das mehr auf die Erfüllung des Erfolgskriteriums „in möglichst kurzer Zeit den Abschluss Test für Zuwanderer zu schaffen“ abhebt und sich nicht schon im Vorfeld bei der Erfüllung bürokratischer Vorgaben erledigt. Natürlich ist dabei auch ein Evaluationsverfahren gefragt, das entsprechend differenzierte und sensiblere Aussagen ermöglicht, als die gegenwärtige ausschließliche Orientierung an der Abschlussquote .

    Bei dieser praktischen Vorgehensweise hätten wir uns etwas Unterstützung der Integrationsprofis (BAMF, Sozialministerium) erhofft, haben aber nicht mal vielseitige Anfragen beantwortet bekommen. Wir wünschen also im Sinne des ersten Abschnittes eine glückliche Mondreise und nicht zu heftiges Aufschlagen.



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