Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird. Sigmar Gabriel (SPD-Chef) Die Zeit, 16.09.2010

Anzeige

Türkische Presse Europa

06. und 07.09.2009 – Türkeistämmige Politiker, Islamunterricht, Zuwanderung

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten über schlechte Listenplätze von türkeistämmigen Kandidaten bei den Bundestagswahlen und die Kritik von Özdemir und Kolat. Außerdem werden die gemusterten Minaretten in Hamburg mit dem ersten muslimischen Gebetsruf sowie ein gemeinsames Fastenbrechen mit muslimischen Vertretern und dem Berliner Innensenator Ehrhart Körting thematisiert.

Europa-Ausgaben türkischer Tageszeitungen © MiGAZIN

DATUM7. September 2009

KOMMENTARE4

RESSORTTürkische Presse Europa

SCHLAGWÖRTER

SEITE 1 2 - Alle anzeigen

DRUCKENAnsicht

TEILENBookmark & Co.

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen:

06.09.2009

Wir wollen Islamunterricht an Schulen
Unter dieser Schlagzeile meldet die HÜRRIYET die Worte Jörg-Uwe Hahns (FDP), Hessischer Minister für Justiz, für Integration und Europa. Noch in der laufenden Legislaturperiode wolle er zumindest in den hessischen Großstädten den Islamunterricht einführen. Die erforderlichen Schritte seien bereits eingeleitet worden.

Wir müssen Zuwanderung unter Kontrolle halten
zitiert die TÜRKIYE Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in der Überschrift und meint, dass Schäuble weiter Ängste schürt. In einem Interview mit der „Die Welt“ habe Schäuble gesagt, dass Deutschland zunächst mit der Zuwanderung aus den 80ern und 90ern zurechtkommen müsse, bevor es weitere Zuwanderer aufnehmen kann. Daher werde Deutschland den übrigen Europäischen Ländern bei der Aufnahme von Flüchtlingen keine große Hilfe sein können.

Merkel erwähnt Migranten nicht
Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pforzheim habe Angela Merkel in ihrer Wahlkampfrede in aller Ausführlichkeit über die Wirtschaftskrise gesprochen aber weder Migranten- noch Integrationspolitik erwähnt. Hierüber berichtet die TÜRKIYE.

Parteien geben Kandidaten mit Migrationshintergrund keine Chance
Unter dieser Überschrift gibt die HÜRRIYET die Worte von Grünen-Chef Cem Özdemir wieder, der gesagt hat, dass Deutschland noch weit davon entfernt sei, Politiker mit Migrationshintergrund als „normal“ aufzufassen. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland habe sich hingegen darüber beschwert, dass die Zahl der Politiker mit Migrationshintergrund nach den Wahlen im Bundestag zurückgehen werde, so wie sie in den Parteilisten aufgestellt seien.

Ausführlicher berichtet die MILLIYET über die Kritik an die deutschen Parteienlandschaft und gibt den wesentlichen Inhalt eines Spiegel-Artikels zur Thematik wieder.

Duygu wollte Gleichstellung
Die MILLIYET berichtet über die Jusos-Mitglied Duygu (SPD), die während einer Wahlkampfrede von Frank-Walter Steinmeiers in Duisburg ein Plakat mit der Aufschrift „Gleichstellung“ hochgehalten hat. An der Veranstaltung, so die MILLIYET, haben nur wenige Türken teilgenommen. Allerdings habe Duygu die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Geht auf alle jeden Fall wählen
Diesen Aufruf der hamburger Abgeordneten verkündet die TÜRKIYE und räumt dem breiten Raum ein. Die türkischstämmigen Kandidaten aus Hamburg hätten wahlberechtigte Türken dazu aufgefordert, bei den kommenden Bundestagswahlen auf alle Fälle wählen zu gehen.

Bei den Moscheekontrollen berücksichtigen wir die Empfindlichkeiten
Mit diesen Worten habe die Niedersächsische Landesregierung versucht, die Moscheekontrollen zu verteidigen. Die MILLIYET fasst noch einmal den bisherigen Verlauf der Debatte zusammen und geht auf die Antwort der Landesregierung auf die kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Filiz Polat ein (wir berichteten).

Rüttgers: Ich entschuldige mich
Die HÜRRIYET berichtet über die Verbalentgleisung Jürgen Rüttgers und seine anschließende Entschuldigung. Rüttgers hatte in einer Wahlkampfrede Rumänen und Chinesen beschimpft (wir berichteten).

07.07.2009

Gemusterte Minaretten in Hamburg

Breiten Raum finden die zwei Minaretten der Hamburger Zentrum-Moschee, die nun in neuen Glanz erstrahlt. Vor wenigen Wochen wurden die Minaretten abtransportiert und neu bemalt. Die Minaretten waren 1991 gebaut und seit dem kein Anstrich mehr bekommen. Auch findet der erste muslimische Gebetsruf in Hamburg breiten Niederschlag.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=yyTUBWTITiw[/youtube]

Die Schlagzeilen lauten:

  • TÜRKIYE: „Doppelminarette haben Farbe bekommen“ und „Muslimischer Gebetsruf [Ezan] in der ganzen Stadt“
  • ZAMAN: „Erster muslimischer Gebetsruf [Ezan] in Hamburg“
  • SABAH: „Die weltweit ersten Minaretten mit Muster“
  • HÜRRIYET: „Erster muslimischer Gebetsruf [Ezan] auf der gemusterten Minarette“
  • MILLIYET: „Hamburg kommt zu seinen gemusterten Minaretten“

Muslimischer Gebetsruf an jedem Freitag
In Stolberg (nähe Aachen), so die HÜRRIYET, werde künftig an jedem Freitag vom Lautsprecher der muslimische Gebetsruf [Ezan] zu hören sein. Die DITIB-Moschee habe den ersten Gebetsruf bereits getätigt, dass bis in die Stadt zu hören gewesen sei.

Gemeinsames Fastenberchen in Berlin
Nahezu alle Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten über ein gemeinsames Fastenbrechen in Berlin, zu dem die MÜSIAD eingeladen hat. An dem Essen im Berliner Hilton Hotel haben unter anderem auch der Berliner Innensenator Ehrhart Körting und Europaabgeordneter Vural Öger teilgenommen. Die Schlagzeilen lauten:

  • TÜRKIYE: „Unterschieden mit Respekt begegnen“
  • SABAH: „Körting: Gleich Rechte bringen gleiche Pflichten mit sich“
  • MILLIYET: „Friedensbotschaften beim Fastenbrechen“

EU-Beitritt der Türkei
Die ZAMAN berichtet über ein Bericht der EU-Kommission im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt der Türkei. Der Bericht werde erst morgen veröffentlicht und enthalte interessante Feststellungen über die Verzögerung im Beitrittsprozess der Türkei. So gehe aus dem Bericht hervor, dass die Verzögerung vor allem den Beitrittsgegnern in Europa zu verdanken sei. Die Premiers verschiedener Länder hätten mit ihren Türkeifeindlichen Aussagen eine gewichtige Rolle gespielt. Außerdem müssten die europäischen Länder ihre Versprechen an die Türkei einhalten, die Türkei gerecht und mit Respekt behandeln. Schließlich habe das Verbotsverfahren gegen die AKP und die Putschandrohung des türkischen Militärs zu Verzögerungen geführt.

Moschkontrollen dienen nicht dem Zweck
Die MILLIYET räumt den Moscheekontrollen in Niedersachsen auch heute Raum ein und gibt Expertenstimmen wieder. So gebe es bisher weder einen statistischen Wert, der den Nutzen dieser Kontrollen belege noch würden die Moscheekontrollen dem angegebenen Zweck dienen, Terroristen ausfindig zu machen.

Alle sagen Integration
Zum ersten mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland haben alle politischen Parteien – als hätten sie sich abgesprochen – die Integrationspolitik in ihre Wahlkampfprogramme aufgenommen. Hierüber berichtet die MILLIYET und hebt hervor, dass die Parteien Deutschland als Zuwanderungsland bezeichnen.

Istanbulstraße
In Köln sei eine Straße nach Istanbul – die Partnerstadt – benannt worden, berichtet die SABAH. Allerdings sei bereits nach einem Tag der Einweihung das Straßenschild mit der Aufschrift „Istanbulstraße“ von unbekannten Tätern mit Farbe beschmiert worden. Die Schrift sei nicht mehr zu lesen.

Rassismus-Vorwurf an Ministerpräsident Rüttgers
Die MILLIYET und die ZAMAN berichtet über die Kritik Renate Künasts (Die Grünen) an NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, der auf einer Wahlkampfveranstaltung in Duisburg Chinesen und Rumänen beschimpft hatte. Laut Künast seien die Worte von Rüttgers „rassistisch“ gewesen.

Vorbildliche Entscheidung von Türkiyemspor
Die SABAH berichtet über die Suspendierung von drei Fußballern von Türkiyemspor. Während eines Auswärtsspiels hätten drei Fußballer sich mit Rechtsextremisten geschlagen. In der Folge habe der Klub sich von den drei Sportlern getrennt. Schlägereien passten nicht in die Philosophie des Klubs.

Türkische Begriffe werden eingedeutscht
Eine japanische Wissenschaftlerin habe interessante Befunde veröffentlicht, berichtet die HÜRRIYET. Nach einer Generation würden türkische Begriffe in das Deutsche aufgenommen werden. Als Beispiel wird der Begriff „Tamam“ genannt, die auch unter den Einheimischen sehr verbreitet sei und „in Ordnung“ bedeute.

«« 1 2 - Alle Seiten »»

Anzeige

4 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. municipal sagt:

    @ Redaktion

    Wir müssen Zuwanderung unter Kontrolle halten zitiert die TÜRKIYE Bundesinnenminister
    Wolfgang Schäuble in der Überschrift und meint, dass Schäuble weiter Ängste schürt….

    Hier der Link zum lesenwerten Artikel in der WELT, der die Sicht der TÜRKIYE doch sehr relativiert,und den ich nach Durchsicht in der “deutschen Presseschau” von MIGAZIN vermisse.

    Zitat

    WELT ONLINE: Die Zuwanderung ist nach dem Anwerbestopp 1977, als man also keine Zuwanderung mehr wollte, durch den Familiennachzug überhaupt erst richtig losgegangen.

    Schäuble: Der Zuwanderungsstrom in den Achtzigerjahren gehört auch zu den Dingen, die heute keiner mehr wissen will. Ich habe seit 1984 fordert, das Grundrecht auf Asyl zu ändern. Wir hatten im Gegensatz zu allen anderen Ländern der Welt eine Verfassungsregelung, die förmlich zum Missbrauch einlud. So großartig dieser Satz war: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“ – in der Praxis lief es darauf hinaus, dass jeder, der auch noch so unsinnige Behauptungen vorbrachte, einen Anspruch auf Aufenthalt und Sozialleistungen bis zum Abschluss eines Verfahrens bekam. Und wer einen guten Anwalt hatte, bei dem konnte sich das über zahlreiche Instanzen hinziehen. Wir hatten sogar Schweizer, die politisches Asyl beantragt haben! Während der Debatte im Bundestag gab es derartige Proteste, dass Abgeordnete mit Hubschraubern und Booten in den Bundestag gebracht werden mussten. Heute weiß jeder, dass die Neuregelung gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention vernünftig und überfällig war.
    Zitat Ende

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article4456776/Nicht-aufregen-wenn-jemand-Kopftuch-traegt.html;jsessionid=04DCAB73B7C220CDF7D6767403334D57?page=2#article_readcomments

    Der Mann hat Recht.

  2. Ekrem Senol sagt:

    Die Presseschau gibt lediglich das wieder, was in der türkischen Presse steht. Das Interview von Schäuble ist in der Presseschau vom 4. September 2009 zu finden.

  3. municipal sagt:

    @ Ekrem Senol

    Richtig. Aber unter welcher Betitelung ?

    Die Welt: Schäuble lobt sich für seine Integrationspolitik

    Sie verwenden doch sonst (wenn es dem Redaktionsziel nützlich ist) die Original-Artikelüberschriften, Herr Senol.

    IHRE Wortwahl hat ( mit Verlaub) ein “Geschmäckle”.

  4. Ekrem Senol sagt:

    Die Welt Online Redaktion hat die Überschrift zum Interview nachträglich geändert. Wenn Sie nach der “ursprünglichen Überschrift” googeln, werden Sie sehen, dass viele Links unter dieser Überschrift zum selben Artikel führen. Die MiGAZIN-Redaktion verwendet immer die original Überschriften.



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

Anzeige
Tarifcheck24.de - Versicherungen - Leadprogramm

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...