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Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

Türkische Schulabgänger

Streit um Genozid-Vorwurf rutscht unter die Gürtellinie

Kenan Kolat (TGD) bezeichnete in der Hürriyet die Aufnahme des vermeintlichen Massakers an den Armeniern in den Lehrplan der brandenburgischen Schulen als eine psychologische Belastung für die Schüler. Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach (CDU) kontert nun mit Anatolien und türkischen Schulabgängern ohne Abschluss.

DATUM10. August 2009

KOMMENTARE205

RESSORTPolitik

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Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) bezeichnete in der Hürriyet vom 5. August 2009 die Aufnahme des vermeintlichen Massakers an die Armenier in den Lehrplan der brandenburgischen Schulen als eine psychologische Belastung für die Schüler, der sie in ihren schulischen Leistungen beeinflusse, (wir berichteten).

Es sei die Aufgabe der Historiker, solche geschichtlichen Ereignisse zu hinterfragen und zu bewerten. Dies sei bisher aber unzureichend und nur einseitig behandelt worden. Deshalb müsse der Lehrplan geändert und die Genozid-Vorwurf aus der Lehrerhandreichung entfernt werden.

Außerdem, so Kolat, gefährde es „gefährde den inneren Frieden“ und müsse daher aus dem Lehrplan gestrichen werden.

„Schließlich hat die Hälfte der in Deutschland lebenden drei Millionen Türken überhaupt keinen Schulabschluss“
Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Erika Steinbach reagierte auf die Ausführungen Kolats und erklärte: „Die Intervention von Kenan Kolat, den Genozid an den Armeniern aus dem Lehrplan von Schülern zu streichen, mag vielleicht in Anatolien erfolgreich sein, im bundesdeutschen Brandenburg verbietet sich jedoch eine solche Einmischung in die Schulhoheit.“

Im Osmanischen Reich seien etwa 1,5 Millionen Armenier systematischen Massakern und Deportationen zum Opfer gefallen. Das im Unterricht unter den Tisch kehren zu wollen, widerspreche völlig einer freien Erziehung.

Kolats Begründung, die Bezeichnung „Genozid“ für die Massenmorde setze türkischstämmige Schüler unter einen „psychologischen Druck“, der sie in ihren schulischen Leistungen beeinflusse, sei absolut haltlos. „Schließlich hat die Hälfte der in Deutschland lebenden drei Millionen Türken überhaupt keinen Schulabschluss, obwohl der Genozid an den Armeniern bundesweit nur im brandenburgischen Lehrplan vorkommt.“, so Steinbach.

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205 Kommentare
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  1. Non-EU-Alien sagt:

    „Kenan Kolat (TGD) bezeichnete in der Hürriyet die Aufnahme des vermeintlichen Massakers an den Armeniern in den Lehrplan der brandenburgischen Schulen als eine psychologische Belastung für die Schüler.“

    –> Ich mache mir wahrscheinlich keine Freunde unter den türkischstämmigen Migazinlesern, aber das ist doch ignoranter Unfug, was Herr Kolat hier verbreitet. Im Nachkriegsdeutschland wurde der Holocaust ja auch nicht verleugnet, sondern in den Schulen unterrichtet. Was für eine psychologische Belastung? Schon mal was von Aufarbeiten gehört? Hilft bestimmt mehr als unterm Teppich kehren…

    „Es sei die Aufgabe der Historiker, solche geschichtlichen Ereignisse zu hinterfragen und zu bewerten. Dies sei bisher aber unzureichend und nur einseitig behandelt worden.“

    –> Ich denke, dass es zureichend hinterfragt und BELEGT ist, was damals passiert ist, außer vielleicht in der Türkei… Aber damit haben Menschen Schwierigkeiten Schuld einzugestehen. Ich komme vom Balkan und kenne das sehr gut. Die Kroaten sehen sich als reine Heimatverteidiger, die angegriffen wurden, wollen aber nicht wahrhaben, dass 1/4 Million Serben vertrieben wurden, etc.. Die Serben selbst sehen sich größtenteils als Unschuldige, und haben auf jede Schuldzuweisung eine Antwort parat. Die Bosniaken vermasseln sich gerade ihren Staat, indem sie Bosnien nur für sich selbst beanspruchen und die Kroaten und Serben als Kriegstreiber ansehen. Selbst Beweise, dass es auf bosnischer Seite auch nicht immer human zuging, werden als Lügen abgestempelt. Ähnlich sieht es bei den Kosovoalbanern aus…. Na ja, bei den Deutschen hätte es wahrscheinlich auch ähnlich mit dem Schuldeingeständnis ausgesehen, wenn sie nicht komplett unterworfen gewesen wären nach dem 2. Weltkrieg, aber das ist was Menschliches, weil sich niemand mit dem Bösen identifizieren möchte und sich auch nicht diese Rolle zuschreiben lassen möchte.

  2. Markus Hill sagt:

    Frankreich hat die Leugnung unter Strafe gestellt. Das finde ich übertrieben, damit wird natürlich die Meinungsfreiheit und Freiheit der Forschung nicht gefördert ABER: Die Franzosen haben sich nicht gegen die Türkei verschworen. Ich wüsste nicht, warum die dort so ein Gesetz einführen würden, wenn man vorher nicht recherchiert hätte, ob etwas an diesen Völkermordvorwürfen dran ist. Freiwillig wollten die Franzosen sich bestimmt nicht bei der Türkei unbeliebt machen. Die Armenier haben wohl kein Öl (zynisch angemerkt), also warum diese Parteinahme gegen eigene wirtschaftliche Interessen?
    Kolat und Steinbach – Frau Steinbach durch solche Äusserungen geweckt zu haben: Die 1,5 Mio. türkischen Ungebildeten (Stimmt diese Zahl eigentlich???) jetzt noch einmal als Statement durch die deutsche Presse vom politischen Gegner zitiert ist Ausfluss einer wohl sehr durchdachten Anti-Türken-Kampagne von Herrn Kolat.:-) Viele andere Verbände (eine Aufgabe: Positives Bild in der Presse!) hätten ihn schon lange gefeuert. Man hat fast den Verdacht, irgendwelche rechtsradikalen deutschen Vereinigungen haben ein Abkommen mit im geschlossen, um die Türken und die türkische Verbandsarbeit völlig zu diskreditieren. Zumindest könnte eine Satire-Zeitschrift mit solchen Phantasien lustige Artikel schreiben.
    Sind seine oft sehr umstrittenen Äusserungen konstruktiv? Hat er Aktzeptanz? Verbessert er den Ruf der Türken in Deutschland? Warum wird der Verband nicht von einem jungen, redegewandten Türken bzw. Deutsch-Türken vertreten, der durchaus kritisch und engagiert türkische Migranteninteressen vertritt? (Diese Fragen sollten vielleicht jetzt einmal verstärkt in dem von Kolat diskreditierten Verband intern diskutiert werden).

  3. emire sagt:

    Ich hoffe das die Franzosen sich gegenüber auch so Frei sind und die Völkermorde an Vietnamesen und Algeriern bei Strafe annehmen und auch stellen….

    Ich dachte immer solange die Schuld oder Unschuld bewiesen ist,nach 94 Jahren scheint es immer noch nicht der Fall zu sein…

    Mann könnte die Liste der Völkermorde immer weiter führen ,wurde eigentlich Belgien verurteilt,Portugal,Spanien,die Ukraine,Estland etc..etc..

  4. Teleprompter sagt:

    Man sollte die Angelegenheit zum Anlass nehmen, gewisse Kapitel der türkischen Geschichte bundesweit in den Geschichtsunterricht aufzunehmen. Es ist doch eigentlich unzumutbar, dass türkischstämmige Kinder in Deutschland nichts über türkische Geschichte lernen;-)

  5. Markus Hill sagt:

    Ich gebe Ihnen recht, alle Völkermorde (definitionsabhängig) solten benannt und verurteilt werden. Ein guter Anfang sind die Morde in der Nazi-Diktatur und die Armenier-Geschichte aus der Türkei. Stalinismus, noch nicht eindeutig verurteilt. Nagasaki, zwei Tage nachdem man das Ergebnis von Hiroshima kannte – warum nochmals abwerfen? (Könnte man auch damit in Verbindung bringen).
    Ihr Argument erinnert an die Wehleidigkeit der ertappten DDR-Verbrecher (Mauertote etc.), nach dem Motto: „Viele von den Nazis hat man ja auch laufen gelassen“. Im Gegenteil, ein Argument dafür, jetzt mit besserem Wissen um so konsequenter vorzugehen. Man muss einen Fehler ja nicht zweimal machen.
    Man hat den Eindruck, dass die Völker mit dem geringsten Selbstvertrauen die sind, die am empfindlichsten auf Kritik reagieren. Die Kritik ist aber in der Regel rein sachiich gemeint: Schwachpunkt benennen, in Zukunft besser machen. Mehr nicht, es soll doch keine Instrumentalisierung stattfinden. Da ist in der Regel vom Kritiker kein böser Hintergedanke. Ein Türke, der heute hier lebt, hat mit der Armenier-Geschichte nichts zu tun. Diskutieren kann man, ob Leugnen wider besseren Wissens (lediglich nationalistisch motiviert) schon eine Mitschuld bedeutet.

  6. Markus Hill sagt:

    PS: Man ist ja froh zu hören, dass die deutschen Schulkinder wohl keine „Weicheier“ sind und nicht psychische Störungen durch Nazi-Kapitel im Geschichtsunterricht davongetragen haben. 🙂

  7. Non-EU-Alien sagt:

    Ich befürworte Ihren Vorschlag, obwohl ich glaube, dass sie ihn ein wenig „ironisch provokativ“ gemeint haben. Wie auch immer. Das osmanische Reich ist nun mal auch Teil europäischer Geschichte. Das osmanische Heer ist bis vor die Tore Wiens gelangt, der Balkan war sogar mehr als 500 Jahre okkupiert, die Türkei hat dem osmanischen Reich dank Territorium auf dem europäischen Kontinent, Staaten wie Bosnien, Albanien, (Kosovo), haben den Islam bekommen, etc. Diese Aspekte sollten auch im Geschichtsunterricht wenigstens erwähnt werden. Aber neben vielen rühmlichen Aspekten sollten auch die unrühmlichen genannt werden…

    Was mich an Ihrem Vorschlag ein wenig stört ist das Wort „gewisse“. Wir wollen doch nicht selektiv sein, oder?

  8. Teleprompter sagt:

    Nein, der Vorschlag ist ernst gemeint. Das Smiley ist für diejenigen gedacht, die mit ähnlichen Argumenten islamischen Religionsunterricht haben wollen. Ich bin übrigens auch dafür, dass man die islamische Geschichte in der Schule näher beleuchtet.

  9. Xtian sagt:

    „Der Streit rutsche unter die Gürtellinie“?
    Genau, unter die von Kenan Kolat.
    Obwohl der Mann ja einige Verdienste hat.
    Er bedient immer genau die Vorurteile („FORDERN“), die man schon immer über die Türken hatte.
    Wenn ich Türke in Deutschland wäre, würde ich den ziemlich schnell loswerden wollen.
    Ich kann mich an keine Kenan-Kolat-Meldung erinnern, die irgendwie positiv gewirkt hätte.

    Was meint das Migazin?
    Dienen solche Figuren wie Kolat den Türken oder schaden sie ihnen?

    Ich kann noch eine Menge anderer türkischer Streithansel nennen, die uns Deutschen ziemlich auf den Senkel gehen. Schade, die vernünftigen Türken melden sich nie zu Wort …

  10. Xtian sagt:

    „Arslan f o r d e r t Integrationsministerium“ – noch so’n […] wie Kolat.


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