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Migration und Integration in Deutschland

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Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg, Trauergottesdienst nach dem Terroranschlag im norwegischen Oslo und Utoya, 2011

Förderunterricht

Migrantenkinder und Studierende als Gewinner

Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle sagte beim Besuch der Münchner Hauptschule am Winthirplatz beim offiziellen Startschuss für das Projekt „Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“ der Stiftung Mercator, dass das Land Bayern Kindern mit Migrationshintergrund besser gerecht werden wolle. „Wir müssen die jungen Menschen mit Migrationshintergrund intensiver als bisher fördern“, so Minister Spaenle. „Nur mit einer intensiven Sprachförderung und weitergehenden Anstrengungen zur sozialen und kulturellen Integration können wir den Kindern mit Migrationshintergrund besser gerecht werden. Nur so können wir ihre Begabungen besser entwickeln helfen und zugleich den Bedürfnissen unserer Gesellschaft entsprechen“, ergänzte der Minister.

Für Minister Spaenle fügt sich das Projekt „Förderunterricht“ der Stiftung Mercator sehr gut in das „Gesamtkonzept zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund“ ein. Es umfasst Maßnahmen, Schüler mit Migrationshintergrund in der deutschen Sprache zu fördern und sie beim Übergang in den Ausbildungsmarkt zu begleiten. Mit geeigneten Maßnahmen sollen interkulturelle Kompetenzen aufgebaut, die soziale und kulturelle Integration erleichtert und dabei zu Werten und Demokratie erzogen werden. Auch Islamischer Unterricht für muslimische Kinder im Rahmen eines Modellversuchs gehört zu dem Gesamtkonzept.

Studenten helfen Schüler
Schüler mit Migrationshintergrund, die im Rahmen des Projekts „Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“ der Stiftung Mercator sprachlich und fachlich unterstützt werden, haben ihre Leistungen deutlich verbessert. So konnten sich beispielsweise 70 Prozent der Förderschüler mit anfangs mangelhaften und ungenügenden Noten in Deutsch und Mathematik um mindestens eine Note steigern. Dabei zeigt sich, dass insbesondere jene Schüler von der Förderung profitieren, die von Förderlehrern mit gleicher ethnischer Herkunft unterrichtet werden. Zudem fühlen sich die Lehramtsstudierenden durch die Unterrichtspraxis besser auf ihren künftigen Beruf vorbereitet, sowohl im Bezug auf ihre didaktischen und pädagogischen Kompetenzen als auch im Umgang mit kultureller Vielfalt. Dies belegt eine Studie des europäischen forums für migrationsstudien (efms), ein Institut an der Universität Bamberg, im Auftrag der Stiftung Mercator. „Kinder aus Migrantenfamilien werden zusätzlich fachlich und sprachlich gefördert und Studierende sammeln dabei erste Erfahrungen als Lehrkräfte. Sie sind somit beide Gewinner des Mercator-Projekts, eine echte win-win-Situation, die dem Freistaat dient und zu mehr Bildungsgerechtigkeit beiträgt“, betonte auch Spaenle beim Besuch der Münchner Hauptschule am Winthirplatz.

„Der Stiftung Mercator ist es wichtig, die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Durch die Evaluation des Projekts konnten wir erstmals in einer Studie belegen, dass sich die Leistungen der Förderschüler durch den Förderunterricht deutlich verbessern. Gleichzeitig fühlen sich die Lehramtsstudierenden durch die Unterrichtspraxis besser auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitet. Der Erfolg des Konzepts bestärkt uns darin, das Modell „Förderunterricht“ weiterzuentwickeln und fortzuführen“, erklärt Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator.

Schmidt: Unternehmen sollen sich an der Förderung von Migrantenkindern beteiligen
Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt hat indessen die deutsche Wirtschaft zu einem deutlich stärkeren Engagement in diesem Bereich aufgefordert: „Angesichts der Tatsache, dass in manchen Kommunen bereits 50 Prozent der Kinder in Familien mit Migrationshintergund geboren werden, reichen einzelne lokale Förderinitiativen nicht länger aus. Dabei ist die landesweite Etablierung einer gezielten Sprachförderung für hier geborene wie zugezogene Migranten unabdingbar. Denn die sichere Beherrschung der Verkehrssprache in Wort und Schrift ist die Voraussetzung für gleiche Bildungs-, Berufschancen und damit Lebenschancen von Migrantenkindern.“

Zukünftig würdem immer mehr Arbeitnehmer einen Migrationshintergrund haben, so Schmidt. Daher „sollte das Engagement für eine möglichst fundierte schulische Ausbildung dieser Menschen im ureigensten Interesse der Wirtschaft liegen. Denn heute ist auch deutlich geworden: Staat und Kommunen würden bei der wünschenswerten flächendeckenden Ausbreitung von Sprachförderprojekten ganz schnell an ihre finanziellen Grenzen stoßen. Daher sollten sich die Unternehmen und ihre Verbände in diesem Bereich noch viel stärker engagieren als bisher.“

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3 Kommentare
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  1. Krause sagt:

    „Dabei zeigt sich, dass insbesondere jene Schüler von der Förderung profitieren, die von Förderlehrern mit gleicher ethnischer Herkunft unterrichtet werden.“

    Na, dann sind diese Kinder von ihren Eltern aber rassistisch erzogen worden. In einer multi-ethnischen Gesellschaft darf es keinen Unterschied machen aus welcher Ethnie der Lehrer stammt. Alle Lehrer müssen alle Schüler akzeptieren, alle Schüler alle Lehrer. Alles andere ist rassistisch. Da müssen die lieben Eltern der Kleinen wohl Nachhilfe im intra-kulturellen Zusammenleben erhalten.

  2. Ob das wohl am „Rassismus“ der Kinder liegt, oder einfach daran, dass diese Lehrer offensichtlich mehr Empathie (zumeist gerade aus der eigenen Bildungsbiografie) für die Situation dieser Kinder entwickeln können, als andere.

  3. Markus Hill sagt:

    Das ist ein gutes Argument bzgl. der Rassismus-Anmerkung. Interessant wäre eine Erklärung für den Sachverhalt, dass die inländischen Lehrer anscheinend eine hohe Empathie ggü. Aussiedlern, Italienern, Asiaten etc. an den Tag legen? Woher kommt die scheinbar mangelnde Empathie für türkischstämmige Kinder? (Halte die Empathie-Argumentation für wenig stichhaltig, man soll aber alles prüfen). Die Frage die sich vielleicht anschliesst: Werden durch diese ständigen Zusatzforderungen seitens der türkischen Community andere Migrantengruppen nicht zugleich diskriminiert? (Beispiel: Chinesischer Migrant – Deutsche hatten keine Empathie ihm ggü, zudem wollen Sie die Türken noch bevorzugen mit „eigenen“ Lehrern). Thema Integration: Trägt das WIRKLICH zum Erfolg von „Problem-Einwanderungsgruppen“ bei?



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