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Rezension

Kleine Geschichte der Ein- und Auswanderung in Baden-Württemberg

Mit „Kleine Geschichte der Ein- und Auswanderung in Baden-Württemberg“ liegt eine kompakte Dokumentation der deutschen Migrationsgeschichte vor. Die Autoren befassen sich keinesfalls, wie es der Titel nahelegt, mit Baden-Württemberg allein. Das Land bietet den Verfassern oftmals nur einen Ausgangspunkt, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit Zuwanderung darzulegen. Die ausgeführten Beispiele und Erläuterungen lassen sich oftmals auf das gesamte Bundesgebiet übertragen.

Von Dienstag, 26.05.2009, 7:14 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 23:28 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Mit „Kleine Geschichte der Ein- und Auswanderung in Baden-Württemberg“ gelingt es den Verfassern, ein breites Publikum anzusprechen. Das Buch vermittelt das Grundlagenwissen der Migrationsgeschichte in einer verständlichen Sprache und bietet dem Leser eine angenehme Zeitreise. In dieser wird der er von zahlreichen Hervorhebungen, Anekdoten und mit Sorgfalt ausgewählten Abbildungen begleitet.

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In zwei große Teile gegliedert, führt zunächst Reinhold Weber, Zeithistoriker bei der Landeszentrale für politische Bildung, den Leser von den Anfängen der Wanderungsgeschichte bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Dort angekommen, übernimmt Karl-Heinz Meier-Braun, Leiter der Fachredaktion „SWR International“ beim Südwestrundfunk, die Reiseleitung und führt den Leser über die „Gastarbeiteranwerbung“ bis in die Gegenwart.

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Der Leser wird im ersten Teil beispielsweise überrascht feststellen, dass die Gesellschaft im Mittelalter weitaus mobiler war, als es unseren gängigen Vorstellungen entspricht. Die aufkommende „Türkenmode“ gegen Ende 17. Jahrhunderts oder die gesellschafts- und wissenschaftspolitischen Debatten über die „Bewahrung der deutschen Eigenart“ gegenüber einer vermeintlich drohenden Überfremdung bereits vor dem Ersten Weltkrieg, sind nur zwei weitere Beispiele, die Anlass zum Nachdenken geben.

Im zweiten Teil geht es unter anderem um die Gastarbeiter, die „Wie auf einem Viehmarkt“ ausgewählt und angeworben wurden, weil die einheimischen Arbeitslosen nicht bereit waren schwere Arbeiten zu verrichten. Es wird ausgeführt, wie Gastarbeiter den sozialen wie wirtschaftlichen Aufstieg der Einheimischen begünstigten, indem sie die Sozialkassen stützten und kaum öffentliche Leistungen in Anspruch nahmen. Interessant ist es auch zu erfahren, wie aufgeschlossen und tolerant türkische Muslime zunächst aufgenommen wurden, wie eine Ramadan-Feier im Kölner Dom zeigt.

Die aktuellen Integrationsdebatten oder der Ausländerwahlkampf Roland Kochs finden in knapper Form genauso ihren Niederschlag wie der Einbürgerungstest. Der Integrationsgipfel, die Islamkonferenz sowie eine Zukunftsbetrachtung unter demographischen Gesichtspunkten runden das Werk ab.

In „Kleine Geschichte der Ein- und Auswanderung in Baden-Württemberg“ werden Meilensteine der Migrationsgeschichte in einer teilweise amüsanten aber der Thematik gebührenden Ernsthaftigkeit erläutert. Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Hintergründe werden ebenso behandelt, wie religiöse Aspekte. Sowohl frühere als auch aktuelle Studien werden ebenso Berücksichtigung wie zeithistorische Dokumente und Überlieferungen. Wussten sie beispielsweise über die türkischen Vorfahren von Johann Wolfgang von Goethe oder wann Deutschland gelernt hat, Spagetti zu kochen und wer das Rezept offiziell veröffentlichte?

Für den in Integrationsfragen kundigen Leser dürfte die Zeitreise zu wenig Tiefgang bieten. Für diejenigen aber, die sich einen ersten Überblick über die Zuwanderungsgeschichte und über die integrationspolitischen Herausforderungen unserer Zeit verschaffen wollen, ist das Buch zu empfehlen. Der Leser wird mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert und bekommt die Gelegenheit, diese kritisch zu hinterfragen.

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