Ein Palästinenser sucht in Deutschland eine Polizeiwache auf und bittet um Asyl. Dann kommt er wegen angeblicher Fluchtgefahr in Haft. Drei Jahre später stellt der Bundesgerichtshof fest: Die Haft war rechtswidrig. Abschiebungshaft brauche mehr als bloße Vermutungen.
Wer in Hamburg einen neuen Antrag auf Asyl-Leistungen stellt, wartet im Schnitt 98 Arbeitstage auf einen Bescheid. Seit der Zentralisierung hat sich die Bearbeitungszeit mehr als verdoppelt – versprochen wurden Verfahrensbeschleunigung. Für Betroffene sind die Folgen existenziell.
Ein Mann mit Kippa wird geschlagen und getreten, einer Frau das Kopftuch heruntergerissen, an einer Synagoge Feuer gelegt. Polizeimeldungen aus dem September zeigen rechte und menschenfeindliche Taten – und zugleich, wie viel im Dunkeln bleibt. Die MiGAZIN-Recherche für September 2026:
Rechtsextreme Musik dient nicht nur der Unterhaltung der Szene. Sie kann Geld bringen, Kontakte festigen und neue Anhänger erreichen. Europaweite Durchsuchungen zeigen, wie sie im Fokus der Ermittler stehen. Thüringen bleibt das Schwerpunkt-Bundesland bei Konzerten der rechten Szene. Von Christopher Hirsch
Islamistischer Antisemitismus sorgt seit Jahren für politische Aufmerksamkeit. Eine neue Rias-Auswertung zeigt: von mehr als 31.000 dokumentierten antisemitischen Vorfällen lediglich 1,8 Prozent einem islamistischen Hintergrund zugeordnet. Rias spricht von einem „vergleichsweise geringen“ Anteil.
28 Geflüchtete haben einen Schiffbruch überlebt und wurden von Seenotrettern aufgenommen. Für zwei Menschen, darunter ein Kind, kam jede Hilfe zu spät. Unter den Vermissten sollen drei weitere Kinder sein. Sea-Watch macht Europas Abschreckungspolitik mitverantwortlich für das Sterben auf dem Mittelmeer.
Als Gastwirt Kostas Tanainis 2015 begann, Geflüchtete auf Chios mit Essen zu versorgen, ahnte er nicht, wie weit der Widerstand dagegen gehen würde: 2020 brannte das Lagerhaus seiner Hilfsorganisation, ein Fall von Brandstiftung. Heute zieht er Bilanz: über Solidarität, Hass und eine griechische Insel im Ausnahmezustand. Von Paul-Philipp Braun
Für viele galt Günter Leifheit als eine am Gemeinwohl orientierte Lichtgestalt – eine Erfolgsgeschichte aus der Wirtschaftswunderzeit. Doch der Unternehmer war einst überzeugter Nazi und bei einer SS-Eliteeinheit. Von Karsten Packeiser
International werben, national ausbremsen: Rheinland-Pfalz will Fachkräfte aus Kenia, den Philippinen, Kolumbien und Usbekistan gewinnen. Parallel soll das Welcome Center durch den deutschen Verfahrensdschungel lotsen – denn gerade daran scheitert die Vermittlung häufig.
Die UN wollen den Schutz vor rassistischer Diskriminierung verstärken. Viele Forderungen ihrer neuen Erklärung betreffen auch Deutschland. Die Bundesregierung blieb dem Treffen jedoch fern – mit Verweis auf 25 Jahre alte Vorgänge.