
Drei von 402
Kirchenasyl zwischen Bamf-Kurs und AfD-Pläne
Das Kirchenasyl gerät gleich von zwei Seiten unter Druck: Das Bundesamt weist fast alle geprüften Fälle zurück, während die AfD in Sachsen-Anhalt ein Verbot ankündigt. Die Kirche denkt bereits über eine Auslagerung nach.
Sonntag, 13.09.2026, 12:57 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 13.09.2026, 12:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bleibt bei einem strikten Kurs beim Kirchenasyl. Im ersten Halbjahr dieses Jahres führten nur 3 von 402 Fällen zu einem sogenannten Selbsteintritt, womit sich Deutschland für den Fall zuständig erklärt und der oder die Betroffene bleiben kann, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht. Die anderen Fälle (399) wurden abgelehnt.
Stark gesunken ist zudem die Zahl der „sonstigen Erledigungen“, wohinter in der Regel ein Fristablauf steckt, der sich zugunsten der Betroffenen auswirkt. Elf solcher Fälle hatte es den Zahlen zufolge, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegen, bis Ende Juni gegeben. Im gesamten Jahr 2025 waren es noch 911. Die Zahl der Ablehnungen lag im Gesamtjahr 2025 nur bei 274.
Zahl der Kirchenasyle geht stark zurück
Die Zahl der Fälle von Kirchenasyl geht zudem insgesamt zurück. Im ersten Halbjahr wurden dem Bundesamt den Angaben zufolge 605 Fälle mit Dublin-Bezug gemeldet. Den Betroffenen drohte also die Abschiebung in ein anderes europäisches Land. Zudem seien 14 Kirchenasyl-Fälle ohne Dublin-Bezug geprüft worden. In diesen Fällen ging es um die Abschiebung in einem Drittstaat. 2025 lag die Zahl der Kirchenasyle mit Dublin-Bezug bei 1.750, ohne bei 42.
Kirchengemeinden gewähren Asylsuchenden in Fällen, in denen sie humanitäre Härten erkennen, Unterkunft, und setzen sich beim Bundesamt für eine nochmalige Prüfung des Falls ein. Die Praxis sorgte wiederholt für Konflikte zwischen den Kirchen und den staatlichen Institutionen.
Die Linken-Abgeordnete Clara Bünger kritisierte die strikte Entscheidungspraxis. Kirchengemeinden würden „immer häufiger vor den Kopf gestoßen“, sagte die fluchtpolitische Sprecherin. Der harte Asyl-Kurs von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) führe offenbar dazu, „dass jegliche Humanität im Umgang mit Schutzsuchenden im Keim erstickt wird“.
Auslagerung von Kirchenasyl wegen AfD-Drohung
Der Kirchenasyl gerät angesichts der möglichen Regierungsübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt zusätzlich unter Druck. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) denkt über die Auslagerung des Kirchenasyls in andere Bundesländer nach. „Diese Instrumente werden wir eher auslagern, weil ganz klar angesagt ist, da steht übermorgen die Polizei vor der Tür und es gibt die Abholung“, sagte Landesbischof Friedrich Kramer dem Medienportal „Fokus Thüringen“.
Die AfD hat in ihrem Wahlprogramm angekündigt, das Kirchenasyl in Sachsen-Anhalt zu unterbinden und die Kirchen finanziell zur Rechenschaft zu ziehen. Nach aktuellen Angaben befinden sich im Gebiet der EKM, das Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Teile von Sachsen und Brandenburg umfasst, rund 15 Personen im Kirchenasyl.
Kirchenasyl sei kein rechtsgeschützter Raum, sondern ein Raum der Menschlichkeit und ein informelles Übereinkommen. Das Verfahren laufe bereits. Details wollte Landesbischof Kramer nicht nennen, weil das Thema „hochsensibel“ sei. Es gehe darum, die Menschen zu schützen, sowohl in den Gemeinden, wie auch die Asylsuchenden, sagte Kramer. (dpa/mig) Aktuell Panorama
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