
„Kniefall vor der AfD“
Sachsen-Anhalts Sekundärmigrationszentrum: Eröffnung mit Zaun, Wache und Riegel
Sachsen-Anhalt schafft in Halberstadt ein sog. Sekundärmigrationszentrum. Die Bewohner sollen zur freiwilligen Ausreise beraten oder nötigenfalls abgeschoben werden. Die Einrichtung ist umzäunt, mit Wachschutz gesichert und nachts abgeriegelt. Ein Gefängnis sei es aber nicht. Die Linke übt scharfe Kritik.
Mittwoch, 19.08.2026, 14:41 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 19.08.2026, 16:21 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Sachsen-Anhalt nimmt in der kommenden Woche in Halberstadt ein sogenannte „Sekundärmigrationszentrum“ in Betrieb – dort werden Menschen untergebracht, für deren Asylverfahren andere EU-Staaten zuständig sind. Es entstehen 150 Plätze für alleinreisende Männer, sagte Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) in Magdeburg.
Der Betrieb soll am 28. August auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber des Landes Sachsen-Anhalt (ZASt) aufgenommen werden. Es werden bestehende Unterkünfte genutzt.
Zaun und Wachschutz – aber kein Gefängnis
Die Zentren sind ein Instrument des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS), das seit dem 12. Juni 2026 in Kraft ist. Ziel des GEAS sind schnellere Asylverfahren. An den Außengrenzen der EU werden die Daten der Einreisenden erfasst. Das unberechtigte Weiterreisen innerhalb der EU soll verhindert werden. Asylsuchende sollen einen Antrag in dem Land stellen, in das sie zuerst eingereist sind, und die Entscheidung auch dort abwarten. Zieschang sagte: „Es geht um das klare Signal: Weiterreisen in der Europäischen Union lohnt sich nicht“.
Den Angaben zufolge ist das Sekundärmigrationszentrum ein per Zaun abgetrennter Bereich auf dem Gelände der bestehenden Zentralen Anlaufstelle in Halberstadt. Es soll zwischen 22 und 6 Uhr abgeriegelt werden. Es wird einen Wachschutz geben. Weitere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit seien möglich. Um Freiheitsentzug handele es sich aber nicht.
Sanktionen und Abschiebungen
Die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz können gekürzt werden, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Zieschang sagte, dass die Menschen sich nur wenige Monate in der Einrichtung aufhalten sollen. Sie würden von den Behörden zu einer freiwilligen Ausreise beraten und nötigenfalls in das zuständige EU-Land abgeschoben.
Die Ankündigung des neuen Zentrums löste unterschiedliche Reaktionen aus. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Guido Kosmehl, sprach von einem wichtigen Baustein, um die Migration zu ordnen. Zugleich mahnte er, bei Abschiebungen und Rückführungen nicht nachzulassen.
Linke: Zentrum ist Kniefall vor der AfD
Die Linke hingegen kritisierte das Vorgehen. Das Innenministerium in Sachsen-Anhalt lasse sich von rechtspopulistischen Debatten treiben und versuche, die Lebensverhältnisse der betroffenen Menschen massiv zu verschlechtern und deren Bewegungsfreiheit einzuschränken. „Dieser Kniefall vor der AfD wird am Ende nur den Rechtsextremisten nutzen“, so der migrationspolitische Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, Wulf Gallert. Es würden Gelder und Ressourcen verbrannt und nicht sinnvoll für die Zukunft des Landes und der Menschen eingesetzt.
Sachsen hat ein solches Sekundärmigrationszentrum zum 1. Juli 2026 in Dresden eröffnet, es hat bis zu 400 Plätze. Der sächsische Flüchtlingsrat äußerte rechtliche Bedenken und bezeichnete die Einrichtungen als „haftähnlich“. (dpa/epd/mig) Leitartikel Politik
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