
Reag-Garp
Freiwillige Ausreisen legen binnen eines Jahres kräftig zu
9.276 Menschen reisten binnen sechs Monaten mit staatlicher Förderung „freiwillig“ aus. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein deutlicher Anstieg – und setzt einen Kontrapunkt zur stark auf Abschiebungen fokussierten Rückkehrdebatte.
Montag, 17.08.2026, 16:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 17.08.2026, 16:18 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Die Zahl der freiwilligen Ausreisen von Migranten und abgelehnten Asylsuchenden ist deutlich angestiegen. Im ersten Halbjahr 2026 kehrten insgesamt 9.276 Menschen mit Rückkehrprogrammen des Bundes zurück in ihre Heimatländer, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) am Montag dem „Evangelischen Pressedienst“ bestätigte.
Im ersten Halbjahr 2025 waren es 7.348 Menschen, die freiwillig über das humanitäre Rückkehrförderprogramm Reag/Garp ausgereist waren. Zunächst hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichtet.
Schon 2025 hatte es bei der geförderten freiwilligen Rückkehr von ausreisepflichtigen Ausländern nach Bamf-Angaben einen deutlichen Anstieg gegeben. Im gesamten Jahr 2025 unterstützten die Bundesbehörden 16.578 Menschen bei der gefördertem Rückkehr in ihr Herkunftsland oder einen aufnahmebereiten Drittstaat. 2024 waren es 10.358 Menschen.
Fast 259.000 Ausreisepflichtige in Deutschland
Laut Ausländerzentralregister waren zum 30. Juni 2026 insgesamt 258.845 Menschen in Deutschland ausreisepflichtig. Davon sind 199.271 geduldet, darunter 3.157 mit Ausbildungsduldung und 1.613 mit Beschäftigungsduldung. Insgesamt schoben den Zeitungen zufolge die Behörden in Bund und Ländern zwischen Januar und Ende Juni 18.939 Personen aus Deutschland ab, einen Teil mit Zwang durch die Polizei, einen anderen Teil mit Anreizen und Förderung durch den Bund.
Mit dem sogenannten Reag-Garp-Programm fördert der Bund die freiwillige Rückkehr von Geflüchteten in ihre Herkunftsländer oder in Drittstaaten. Das Bundesamt übernimmt etwa Flugkosten für die Ausreise und zahlt eine „Starthilfe“ von 1.000 Euro pro erwachsene Person sowie 500 für Kinder und Jugendliche.
Wie freiwillig ist die „freiwillige Rückkehr“?
Der Begriff „freiwillige Ausreise“ ist nicht unumstritten. Freiwilligkeit suggeriert eine freie Entscheidung – doch für viele Betroffene besteht die Alternative darin, Deutschland selbstständig zu verlassen oder mit einer Abschiebung zu rechnen. Finanzielle Anreize wie bezahlte Reisekosten und eine Starthilfe können die Entscheidung zusätzlich beeinflussen. Von einer Rückkehr aus freien Stücken kann deshalb nicht in jedem Fall gesprochen werden.
Die Bezeichnung „freiwillige Ausreise“ wurde bereits zum „Unwort des Jahres 2006“ gekürt. Die Jury der sprachkritischen Aktion kritisierte den Ausdruck als beschönigenden Behördenterminus für eine Rückkehr, die häufig nur bedingt oder gar nicht freiwillig erfolge. (epd/mig) Aktuell Panorama
Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.
MiGGLIED WERDEN- „Blindflug“ Dobrindt stoppt unabhängige Asylberatung
- Baden-Württemberg Die Mär von der Protestwahl
- Ilmenau-Urteil Schüsse auf Ausländer, Nazi-Codes, kein Rassismus:…
- Neuerscheinung Lehrer berichten über den braunen Alltag an…
- Forscherin „Es gibt keinen Raum, in dem es keinen Rassismus gibt.“
- Münchner Sicherheitskonferenz Applaus für Kolonialismus und Verachtung

