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Fremdenfeindlicher Protest in Südafrika (Archiv) © Rajesh Jantilal/AFP

Furcht vor dem Mob

Gewalt vertreibt Zehntausende aus Südafrika

Die „March and March“-Bewegung macht in Südafrika mobil gegen Migrantinnen und Migranten. Zehntausende Menschen sind in ihre afrikanischen Herkunftsländer zurückgekehrt. Doch die Ankunft dort ist nicht leicht.

Von Sonntag, 02.08.2026, 14:27 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 31.07.2026, 15:01 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

„Ich musste alles zurücklassen“, erzählt Justin Saidi. Der 36-Jährige aus Malawi hatte im Juni fluchtartig Südafrika verlassen, als gewalttätige Mobs durch sein Viertel in der Hafenstadt Durban zogen: „Mein Vermieter hat mich auf die Straße gesetzt, weil er Angst hatte, dass sie das Haus anzünden, wenn er Ausländer darin beherbergt.“ Als dann ein Bekannter von ihm zu Tode geprügelt wurde, habe ihn nichts mehr in Südafrika gehalten, erzählt er mit gesenktem Kopf. Die vergangenen Monate waren traumatisch. Nach Südafrika will er nie wieder zurück.

Seit April mobilisieren selbst ernannte Bürgerwehren, allen voran die Bewegung „March and March“, zu ausländerfeindlichen Protesten in Südafrika. Nach Angaben der Behörden wurden in den vergangenen Wochen mindestens vier Menschen getötet. Umso beängstigender sei daher das Ultimatum von „March and March“ gewesen, berichtet Saidi. Die Gruppe hatte Einwanderer aufgefordert, bis zum 30. Juni das Land zu verlassen.

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Ausharren vor Botschaften und Konsulaten

In der Folge drängelten sich Zehntausende Menschen vor Botschaften, Konsulaten oder hastig aufgebauten Registrierungszentren, um rechtzeitig auszureisen. Mehrere afrikanische Länder hatten ihren Staatsangehörigen Rückreisen in ihre Heimatländer angeboten, darunter Nigeria, Mosambik, Uganda, Ghana und Malawi.

Doch längst nicht alle hatten die Gelegenheit, in die bereitgestellten Flugzeuge oder Busse zu kommen: „Ich bin in einem Bus gelandet, der von einer muslimischen Gemeinde aus Durban gestellt wurde. Dann sind wir nach Beitbridge an die Grenze gefahren worden, aber ab da musste ich selbst weiter kommen“, erzählt Justin Saidi.

Saidi schaffte es, sich durchzuschlagen. Das gelang aber nur, weil seine Familie sich verschuldete, um ihm Geld für die Rückreise zu schicken. Vor anderthalb Jahren war er in der Hoffnung auf ein besseres Einkommen nach Südafrika gekommen. Als Verkäufer in einem kleinen Laden habe er mit seinem mageren Gehalt die gesamte Familie in Malawi unterstützt, insgesamt 15 Menschen.

„Sie sind alle auf mich angewiesen“, sagt Saidi. „Meine Familie ist froh, dass ich lebe. Aber ich war der Ernährer.“

Komplizierte Visaverfahren

So wie ihm geht es Tausenden Menschen. Viele der nun Zurückgekehrten hätten sich „über die Jahre Existenzen in Südafrika aufgebaut und müssen von null anfangen“, berichtet Désiré Nzisabira vom katholischen Hilfswerk Misereor.

Als größte und am stärksten industrialisierte Volkswirtschaft der Region lockt Südafrika mit besseren Verdienstmöglichkeiten, doch langwierige Visa- und Asylverfahren führen dazu, dass viele Migranten jahrelang ohne gültige Papiere leben. Auch Saidi berichtet von dem komplizierten Verfahren, was schlussendlich dazu geführt habe, dass er keine Papiere hatte.

Rund 70.000 Menschen sollen laut südafrikanischen Behörden in ihre Heimatländer zurückgebracht worden sein. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher sein, mutmaßt Désiré Nzisabira: „Wer ohne Papiere erwischt wird, wird ausgewiesen und bekommt automatisch eine fünfjährige Einreisesperre. Vermutlich sind zahlreiche Menschen inoffiziell über die Landesgrenzen raus, um diese Probleme zu umgehen“, sagt der Misereor-Beauftragte für das südliche Afrika.

Gewalt kein neues Phänomen

Gewalt gegen Einwanderer ist in Südafrika kein neues Phänomen. Seit den schweren Ausschreitungen von 2008, bei denen 62 Menschen getötet wurden, kommt es immer wieder zu Übergriffen auf im Land lebende Afrikanerinnen und Afrikaner. Mit der sich verschärfenden wirtschaftlichen Krise hat sich diese Entwicklung zuletzt weiter zugespitzt. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 40 Prozent, die soziale Unsicherheit ist groß. Bewegungen wie „March and March“ machen dafür Migrantinnen und Migranten verantwortlich, obwohl es dafür keine Belege gibt.

Kritik an dieser Entwicklung kommt nicht zuletzt mit Verweis auf die Geschichte des Landes: Während des Kampfes gegen die Apartheid fanden zahlreiche Mitglieder des „African National Congress“ (ANC) in anderen afrikanischen Staaten Zuflucht und Unterstützung. Südafrika schulde diesen Ländern Dank, argumentierte unter anderem Südafrikas Ex-Präsident Thabo Mbeki. Die Angriffe auf afrikanische Migrantinnen und Migranten seien auch ein Verrat an der Solidarität, die den Befreiungskampf einst ermöglicht hatte. (epd/mig) Aktuell Ausland

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