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Erntehelfer beim Spargelstechen © Karsten W Rohrbach @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Klimawandel

Dürre auf Hessens Feldern: Die Menschen hinter der Ernte

Der Dürresommer 2026 hat Hessens Grundwasservorräte schrumpfen lassen und die Landwirtschaft unter Druck gesetzt. Weniger Beachtung finden die Menschen, die trotz extremer Temperaturen auf den Feldern arbeiten – viele von ihnen kommen aus dem Ausland.

Donnerstag, 08.10.2026, 0:11 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 09.10.2026, 11:16 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

18 Tage mit Temperaturen über 35 Grad am Frankfurter Flughafen, ausgetrocknete Böden und sinkende Grundwasserstände: Der Sommer 2026 hat Hessen einen neuen Hitzerekord beschert. Für die Landwirtschaft bedeutete das erhebliche Belastungen. Doch während über Ernteverluste und Trinkwasserversorgung diskutiert wird, gerät eine andere Frage leicht aus dem Blick: Wie geht es den Menschen, die unter solchen Bedingungen auf den Feldern arbeiten?

Es sind häufig Saisonbeschäftigte aus Rumänien, Polen und anderen Ländern, die Spargel stechen, Erdbeeren pflücken oder Gemüse ernten. Ihre Arbeit ist körperlich anstrengend, findet überwiegend im Freien statt und wird vergleichsweise niedrig entlohnt. Extreme Hitze verschärft die gesundheitlichen Risiken – in einer Branche, in der Gewerkschaften seit Jahren überlange Arbeitszeiten und mangelhaften Schutz dokumentieren.

Rekordsommer trifft auf erschöpfte Wasservorräte

Mit nur 14 Litern pro Quadratmeter ist der Juli 2026 als niederschlagsärmster Juli in die hessische Messreihe eingegangen. Nach der Sommerbilanz war der gesamte meteorologische Sommer der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881.

Die Trockenheit traf auf Grundwasservorräte, die sich bereits im Winter nicht vollständig erholt hatten. Zwischen November und April fehlten in Hessen 124 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gegenüber dem langjährigen Mittel. Ende August lagen noch immer 64 Prozent der Grundwassermessstellen im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich. Auch zu Herbstbeginn waren die Böden laut Landesamt bis in größere Tiefen stark ausgetrocknet. Wie sich der Herbst auswirkt, lässt sich auch in den monatlichen wasserwirtschaftlichen Berichten des Landesamts nachverfolgen.

Besonders betroffen sind die sandreichen Böden der Mainebene und des Hessischen Rieds, die weniger Wasser speichern können als schwere Böden. Gleichzeitig gehören diese Gebiete zu den bedeutenden landwirtschaftlichen Regionen Südhessens. Der Landesbetrieb geht davon aus, dass der Bewässerungsbedarf durch den Klimawandel weiter steigen wird.

Ohne ausländische Arbeitskräfte läuft wenig

Die Trockenheit beeinträchtigte auch die Ernteergebnisse. Nach dem Erntebericht 2026 lag die deutsche Getreideernte um 7,3 Prozent unter dem Vorjahr. Beim Winterweizen betrug der Rückgang 10,4 Prozent. Diese Zahlen betreffen allerdings überwiegend maschinell geerntete Kulturen. Der Rückgang zeigt, wie stark der klassische Feldanbau von Niederschlag und Bodenfeuchte abhängt.

Saisonbeschäftigte werden insbesondere im arbeitsintensiven Obst-, Gemüse- und Weinbau benötigt. Nach Angaben des Statistikamtes arbeiteten 2023 bundesweit rund 243.000 Menschen als Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft, darunter etwa 12.600 in Hessen.

Viele kommen aus Rumänien und Polen. Hinzu treten Beschäftigte aus Drittstaaten wie Georgien und Moldau. Für zahlreiche Betriebe sind sie unverzichtbar. Doch Beratungsstellen dokumentieren immer wieder erhebliche Verstöße gegen Arbeitsrechte.

Wenn Hitze zur Gesundheitsgefahr wird

Für Menschen, die täglich schwere körperliche Arbeit unter freiem Himmel verrichten, sind Temperaturen über 35 Grad mehr als eine Unannehmlichkeit. Hitze belastet den Kreislauf, begünstigt Flüssigkeitsmangel und kann lebensgefährlich werden.

Das Arbeitsministerium warnte im Juli 2026 ausdrücklich vor den gesundheitlichen Risiken längerer Hitzeperioden. Arbeitgeber müssen Schutzmaßnahmen ergreifen, etwa ausreichend Trinkwasser, Schattenplätze und Erholungspausen bereitstellen. Körperlich anstrengende Arbeiten sollten möglichst in die kühleren Morgenstunden verlegt werden.

In der Erntezeit kollidiert das mit wirtschaftlichem Druck. Reifes Obst und Gemüse muss häufig innerhalb kurzer Zeit geerntet werden. Verzögerungen können Verluste verursachen. Umso wichtiger ist der Schutz der Beschäftigten.

Überlange Arbeitstage und fragwürdige Lohnabzüge

Wie problematisch ihre Arbeitsbedingungen teilweise sind, zeigt ein Gewerkschaftsbericht vom März 2026. Darin wird von Arbeitstagen mit bis zu 16 Stunden, Wochenarbeitszeiten von mehr als 70 Stunden und Verstößen gegen gesetzliche Ruhezeiten berichtet.

Auch mangelhafte Unterkünfte und unzulässige Lohnabzüge werden dokumentiert. In einem Fall aus Hessen sollen für einen lediglich 15 Quadratmeter großen Metallcontainer mehr als 2.000 Euro Monatsmiete verlangt worden sein.

Bei 36 Feldaktionen hatte die Initiative Kontakt zu rund 3.100 Saisonbeschäftigten. Ihre Erkenntnisse sind nicht repräsentativ für alle Betriebe, belegen aber konkrete Missstände. Ob sich diese im Hitzesommer 2026 verschärft haben, ist bislang nicht umfassend untersucht.

Streit um den Mindestlohn

Hinzu kommt die Debatte über die Bezahlung. Seit Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro pro Stunde. Er gilt auch für ausländische Saisonbeschäftigte.

Dennoch sprach sich die CDU im Februar für die Möglichkeit niedrigerer Löhne in der landwirtschaftlichen Saisonarbeit aus. Befürworter verweisen auf steigende Produktionskosten. Die Bundesregierung hält eine solche Ausnahme hingegen für rechtlich unzulässig.

Für das Grundwasser wird eine nachhaltige Erholung frühestens im Winterhalbjahr 2026/2027 erwartet. Wiederholen sich extreme Trockenperioden, müssen Landwirtschaft und Bewässerung stärker an den Klimawandel angepasst werden.

Doch der Dürresommer zeigt auch: Die Folgen der Klimakrise lassen sich nicht allein an Niederschlagsmengen, Grundwasserpegeln und Ernteerträgen messen. Entscheidend ist ebenso, wie jene Menschen geschützt werden, die trotz Hitze und Trockenheit auf den Feldern arbeiten – und ohne deren Arbeit ein wesentlicher Teil der Lebensmittelversorgung kaum denkbar wäre. (bg) Panorama

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