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KI-generiertes Symbolfoto - Notärztin hilft Frau mit Kopftuch

Hass in der Tram

Muslimin mit Glasflasche niedergeschlagen

Eine 36-Jährige wird in einer Berliner Straßenbahn wegen ihres Kopftuchs beleidigt. Wenig später schlägt ihr der Angreifer eine Glasflasche gegen den Kopf. Dann flüchtet er unerkannt. Jetzt ermittelt der Staatsschutz – ohne Zeugenaufruf. Berlin schweigt bislang zum Vorfall.

Sonntag, 23.08.2026, 12:58 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 23.08.2026, 12:58 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Fahrt mit der Straßenbahn ist bereits von Anfeindungen begleitet. Eine 36 Jahre alte Frau sitzt am Freitagvormittag in der Berliner Tramlinie M13 in Richtung Warschauer Straße. Sie trägt einen Kopftuch. Ein Mann beleidigt sie wegen ihrer Religion.

An der Haltestelle Kopernikusstraße/Warschauer Straße steigt die Frau aus. Auch der Mann verlässt die Bahn. Wenig später steht die 36-Jährige an einer roten Fußgängerampel. Dort eskaliert die Situation.

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Nach Angaben der Polizei schlägt ihr der Unbekannte plötzlich eine Glasflasche gegen den Kopf. Danach flieht er. Die Frau bleibt verletzt zurück. Ein Zeuge leistet Erste Hilfe und macht einen zufällig vorbeifahrenden Streifenwagen auf die Verletzte aufmerksam. Rettungskräfte bringen die Frau anschließend in ein Krankenhaus.

Täter weg – Zeugenaufruf bleibt aus

Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung übernommen. Der vorausgegangenen Beleidigung und dem getragenen Kopftuch zufolge liegt ein antimuslimischer Hintergrund nahe. Der Täter ist weiterhin unbekannt. Eine polizeiliche Beschreibung des Flüchtigen gibt es bislang nicht, auch keinen Zeugenaufruf.

Offen ist, ob andere Fahrgäste die vorausgegangenen Beleidigungen in der M13 beobachtet oder gehört haben und ob Videoaufnahmen aus der Straßenbahn oder dem Umfeld der Haltestelle vorliegen und gesichert wurden. So bleibt unklar, mit welchem Fahndungsdruck nach dem unbekannten Angreifer gesucht wird.

Beratungsstellen beklagen seit längerem Defizite beim Umgang mit antimuslimischer Hasskriminalität. Die Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit (Claim) fordert ausdrücklich eine bessere staatliche Erfassung und Aufklärung sowie eine effektivere Strafverfolgung solcher Taten. Bereits bei der Berliner Jahresbilanz für 2024 sprach die Organisation von Defiziten bei Erfassung und Strafverfolgung.

Keine Reaktion aus der Politik

Beobachter beklagen zudem mangelnde Solidarität und Anteilnahme mit Opfern bei islamfeindlich motivierten Gewaltverbrechen. Im vorliegenden Fall etwa war bis Sonntagvormittag keine öffentliche Stellungnahme des Senats oder des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg bekannt. Auch sonstige Stimmen aus der Politik oder der Zivilgesellschaft blieben bislang stumm.

Dabei hatte die Entwicklung antimuslimischer Übergriffe in Berlin erst vor wenigen Wochen politische Aufmerksamkeit bekommen. Bei der Vorstellung der jüngsten Berliner Jahresbilanz im Juni hatte Integrations- und Antidiskriminierungssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) erklärt, die dokumentierten Vorfälle schockierten sie. Die Zahlen seien eine wichtige Grundlage, um Musliminnen und Muslime in Berlin besser zu schützen.

Claim-Co-Geschäftsführerin Rima Hanano warnte damals, antimuslimischer Rassismus gehöre für viele Menschen in Berlin längst zum Alltag. Besonders alarmierend seien die körperlichen Angriffe und die häufige Betroffenheit von Frauen.

Täglich drei antimuslimische Vorfälle in Berlin

Dass der Angriff nicht isoliert betrachtet werden kann, zeigen die Zahlen für Berlin. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 186 islamfeindliche Straftaten in der Hauptstadt. Ein Jahr zuvor waren es 166 gewesen. Die Zahlen umfassen allerdings nur Fälle, die den Sicherheitsbehörden bekannt und entsprechend eingeordnet wurden.

Ein deutlich größeres Bild zeichnet deshalb die Dokumentation von Beratungs- und Meldestellen. Report! Berlin und CLAIM erfassten für 2025 insgesamt 975 antimuslimische Vorfälle – von Diskriminierungen und Beleidigungen über Bedrohungen bis zu körperlicher Gewalt. Das entspricht im Durchschnitt fast drei dokumentierten Vorfällen pro Tag.

Darunter waren 65 Körperverletzungen, acht davon gefährliche Körperverletzungen. Besonders häufig betroffen waren Frauen: Soweit das Geschlecht bekannt war, machten sie 57,5 Prozent der dokumentierten Betroffenen aus. Die meisten Vorfälle ereigneten sich im öffentlichen Raum.

Gleichzeitig gehen die Meldestellen von einem großen Dunkelfeld aus. Viele Betroffene melden Erlebnisse weder bei Beratungsstellen noch bei der Polizei. CLAIM verweist zudem auf ein beschädigtes Vertrauen in staatliche Institutionen.

Frauen mit Kopftuch immer wieder Ziel

Der jüngste Angriff in Friedrichshain ähnelt anderen Fällen, die aus Berlin bekannt geworden sind: Im April vergangenen Jahres wurde etwa eine Gruppe von fünf Frauen in Prenzlauer Berg beim Einsteigen in eine Straßenbahn von einem Mann behindert. Er bespuckte die Frauen und beschimpfte sie wegen ihrer Kopftücher.

Noch schwerer verlief ein Angriff im Februar 2025 in Berlin-Grünau. Zwei 14 und 16 Jahre alte Mädchen wurden rassistisch beleidigt und geschlagen. Die Angreifer rissen an ihren Kopftüchern, das Kopftuch der 14-Jährigen zerriss. Die 16-Jährige erlitt zudem eine Verletzung durch ein Taschenmesser. Auch dort flüchteten die Täter. (mig) Aktuell Panorama

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