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Papst Leo XIV. auf Gran Canaria kritisiert EU-Flüchtlingspolitik © Simone Risoluti © AFP

„Friedhöfe ohne Grabsteine“

Papst fordert sichere Wege und kritisiert Europas Abschottung

Papst Leo XIV. fordert auf Gran Canaria sichere und legale Wege für Geflüchtete. Europa dürfe Menschenwürde nicht beschwören und zugleich hinnehmen, dass Mittelmeer und Atlantik zu „Friedhöfen ohne Grabsteine“ werden.

Von Sonntag, 14.06.2026, 10:45 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 14.06.2026, 10:45 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Papst Leo XIV. hat Europa davor gewarnt, sich an den Tod von Migranten auf den Fluchtrouten über das Meer zu gewöhnen. Bei einem Besuch am Hafen von Arguineguín auf Gran Canaria sagte das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken, der Kontinent dürfe nicht die Menschenwürde beschwören und zugleich hinnehmen, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu „Friedhöfen ohne Grabsteine“ würden.

Der Papst forderte „sichere und legale Wege“ für Migration. Die Menschenwürde erfordere dies, sagte Leo. Er mahnte zudem Rettung und Hilfe für Menschen in Not sowie echte Zusammenarbeit gegen Menschenhändler an. Es reiche nicht aus, „Ankünfte zu verwalten, Zahlen zu verteilen, Grenzen verstärkt zu sichern oder Todesfälle zu beklagen, wenn sie bereits eingetreten sind“.

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Die Kanaren – vor allem bei Deutschen beliebte Ferieninseln – sind seit vielen Jahren ein Hotspot der Fluchtbewegung von der westafrikanischen Küste über den Atlantik nach Europa. Insbesondere zwischen 2020 und 2024 prägte das Phänomen die Inseln. Vergangenes Jahr ging die Zahl der Bootsmigranten zwar stark zurück. Auf dem Höhepunkt der Krise kamen 2024 aber binnen eines Jahres fast 50.000 Menschen irregulär auf den Kanarischen Inseln an.

„Kai der Schande“ unweit von Ferienort Maspalomas

Symbol der humanitären Notlage wurde der Hafen von Arguineguín auf Gran Canaria – der sogenannte „Muelle de la Vergüenza“, der „Kai der Schande“. Dort harrten im August 2020 zeitweise fast 3.000 Menschen unter prekären Bedingungen aus, obwohl der Bereich nur für etwa 500 Personen ausgelegt war. Sie schliefen im Freien, die hygienischen Verhältnisse waren entsetzlich.

An jenem Hafen im Süden von Gran Canaria, nur eine halbe Stunde Autofahrt vom Urlaubsort Maspalomas entfernt, traf der Papst nun Migranten sowie Vertreter der Kirche und humanitärer Organisationen, die sie betreuen und die sie bei der Integration in die spanische Gesellschaft unterstützen. Eine Frau aus Nigeria, die Opfer von Menschenhandel wurde, ließ ihre Fluchtgeschichte von einer anderen Frau vortragen, die die entsetzlichen Details unter Tränen verlas.

Papst: Migranten keine Zahlen oder Aktennummern

An die Migranten gerichtet sagte Leo: „Ihr seid keine Zahlen und keine Aktennummern. Ihr seid Menschen mit einer Familie und einem Zuhause, das ihr zurückgelassen habt; mit Träumen, die niemand das Recht hat, zu missachten.“

Scharf geißelte er Schlepper als mafiöse Organisationen. „Überlasst eure Existenz nicht denen, die damit Handel treiben. Glaubt nicht denen, die euch ein leichtes Paradies im Tausch für euren Körper, euer Geld, euer Schweigen oder eure Freiheit versprechen“, sagte Leo wieder an die Adresse der Migranten.

Er hoffe, die Stimme der Migranten erreiche diejenigen, die in dieser Frage entscheidende Verantwortung tragen – etwa zivile Behörden, Parlamente, Regierungen und internationale Organisationen. Mit jedem ankommenden Boot stelle sich die Frage: „Welche Welt haben wir geschaffen, wenn so viele Brüder und Schwestern den Tod riskieren müssen, um Leben zu suchen?“

Blumenkranz im Wasser

Zum Gedenken an die Tausenden Todesopfer der gefährlichen Atlantikroute legte Leo im Hafen von Arguineguín einen Blumenkranz im Wasser nieder und segnete ein Kreuz, das aus Holzteilen von Migrantenbooten gefertigt wurde.

Der Besuch von Gran Canaria gehört zur letzten Etappe der mehrtägigen Spanien-Reise des Papstes. Zuvor besuchte Leo Madrid und Barcelona. Am Freitag fliegt er von Gran Canaria weiter auf die Nachbarinsel Teneriffa. Dort trifft er ebenfalls Migranten in der Aufnahmeeinrichtung Las Raíces. (dpa/mig) Aktuell Panorama

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