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Wohnhaus (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

SVR-Studie

Wohnungsmarkt: Migranten haben es besonders schwer

In vielen Gegenden ist die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung ein Problem. Für Migranten sind die Herausforderungen besonders groß, wie das Jahresgutachten des Sachverständigenrats für Migration zeigt. Sie müssen mehr Miete zahlen und haben weniger Wohnfläche.

Von Dienstag, 12.05.2026, 15:48 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 12.05.2026, 15:48 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Menschen mit Migrationsgeschichte haben es auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt einer Untersuchung zufolge besonders schwer. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wirke sich speziell auf diese Menschen stark aus, „weil sie über weniger finanzielle Mittel verfügen oder als Neuzugewanderte neu in den Markt eintreten“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Integration und Migration, Winfried Kluth, am Dienstag in Berlin. Das Jahresgutachten des Rats gibt auch Hinweise, wie sich die Situation verbessern ließe.

„Zugewanderte haben im Durchschnitt weniger Wohnfläche pro Person zur Verfügung und leben häufiger in überbelegten Wohnungen“, heißt es in dem fast 200 Seiten langen Bericht. Sie lebten auch seltener im Eigentum, müssten einen höheren Anteil ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben und seien überproportional von Wohnungslosigkeit betroffen.

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„Arm und Reich leben tendenziell unter sich“

Das Gutachten verweist auf einen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und finanzieller Situation. „Familien und einkommensschwache Personen haben es häufig besonders schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden – und dazu zählen überdurchschnittlich oft Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“, erläutern die Forscherinnen und Forscher. Zudem lebten sie häufig in Städten, wo der Wohnungsmarkt häufig sehr angespannt sei.

Dort gebe es zwar im internationalen Vergleich nur in geringem Maße eine ethnische Segregation, bei der in einzelnen Vierteln jeweils viele Menschen mit der gleichen Migrationsgeschichte wohnen. Die soziale Segregation habe in deutschen Städten zuletzt aber zugenommen, sagte der Jurist Kluth von der Universität Halle-Wittenberg. „Arm und Reich leben tendenziell unter sich.“

Kitas und Schulen in schwierigen Stadtteilen stärken

Um die Situation zu verbessern, empfiehlt der Sachverständigenrat unter anderem mehr Aufmerksamkeit für Stadtteile, in denen „Zuwanderung und Armut sich verschränken“. Hier solle gezielt etwa in Kitas, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Begegnungsmöglichkeiten investiert werden. Außerdem sei ein besserer Schutz vor Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt nötig.

Bei der Verteilung von Geflüchteten auf Länder und Kommunen müssten „integrationsrelevante Aspekte“, etwa freie Stellen und Kinderbetreuungsplätze, einbezogen werden, heißt es in dem Gutachten weiter. Der Hildesheimer Politikwissenschaftler Hannes Schammann wies in Berlin darauf hin, dass sich für eine Reform der Verteilung aktuell ein „gutes Fenster“ biete: Durch niedrigere Geflüchtetenzahlen sei der „Druck auf dem System“ vergleichsweise gering. Außerdem erfordere die Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) ohnehin Änderungen.

Experte: Bessere Startchancen senken Folgekosten

Schammann betonte zudem, dass es sich für den Staat lohne, sich von Anfang an um eine möglichst gute Unterbringungssituation zu kümmern: Dadurch verbesserten sich die Startchancen der Neuankömmlinge, was die Folgekosten senke.

Dem unabhängigen Sachverständigenrat gehören neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen an. Das Gremium soll mit Daten und Fachexpertise die Politik beraten und die Öffentlichkeit informieren. (epd/mig) Leitartikel Panorama

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