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Berliner Dokumentationszentrum Topographie des Terrors © Bildwerk / STdT

Holocaust

Ausstellung rückt das Schweigen der Mehrheit ins Zentrum

Was wussten die Deutschen über Holocaust und andere NS-Verbrechen? Eine neue Ausstellung in Berlin zeigt, wie Propaganda, Gerüchte und Alltagswissen zusammenspielten – und warum viele nicht genauer hinsehen wollten.

Von Donnerstag, 09.04.2026, 12:59 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 09.04.2026, 12:59 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Mit einer neuen Ausstellung zum Holocaust nähert sich das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin der Frage „Was wussten die Deutschen?“ während der Zeit des Nationalsozialismus. Es solle gezeigt werden, was über die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und den Holocaust in der deutschen Bevölkerung bekannt war, sagte die Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, Andrea Riedle. Sie umfasst rund 300 Exponate aus Archiven, Sammlungen und privatem Besitz und ist bis zum 31. Januar 2027 zu sehen.

Die Ausstellungsarchitektur soll veranschaulichen, wie die Informationslage zur NS-Zeit war. So sind einzelne Exponate teilweise zunächst verborgen und Besucher müssen Informationen selbst miteinander verknüpfen. Dabei helfen unter anderem auch Tagebucheinträge und Hörstationen von Zeitzeugen. „Man hat genug mitbekommen, um zu erkennen, dass da schwere Verbrechen stattgefunden haben“, sagte Riedle. Der Kurator der Ausstellung, Christian Schmittwilken, fügte hinzu, dass viele Menschen es auch nicht wissen wollten: „Um zu einer Art Gesamtbild zu kommen, musste man schon aktiv werden.“

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Ausstellung rekonstruiert Wissen

Der Titel der Ausstellung werfe drei Fragen auf, sagte Schmittwilken: „Was ist der Holocaust? Wer sind ‚die Deutschen‘? Und was bedeutet ‚wissen‘?“ Der Holocaust könne dabei nicht ohne die weiteren Massenverbrechen, wie an den Sinti und Roma, erklärt werden. Bei „den Deutschen“ handle es sich, so Schmittwilken, um die nicht verfolgte, deutsche Bevölkerung. Funktionsträger seien dabei ausgeklammert. „Wissen“ rekonstruiere die Ausstellung durch Aussagen des Regimes, durch Alltagsberichte, Gerüchte und anhand von drei Menschen, die sich selbst Informationen erarbeiteten und unterschiedlich verknüpften.

Mit zu den Ausstellungsstücken gehört etwa das Brettspiel „Radio-Sende-Spiel“. Es sollte schon Kindern vermitteln, dass das Hören ausländischer Sender ab Kriegsbeginn verboten war. Wer auf einem „feindlichen“ Sender landete, schied aus. Viel genützt habe das Spiel wohl nicht: „Man geht davon aus, dass die Hälfte aller Deutschen irgendwann mal ausländischen Rundfunk gehört haben“, sagte der Kurator.

Raubgut in deutschen Haushalten

Zwei Teller und eine Tasse eines Geschirrsets sollen die Präsenz von Raubgut und Enteignung im Alltag der Deutschen zeigen: Die Besitzer, das Ehepaar Ganz, wurde 1941 enteignet. Sie wurden 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Das Geschirr wurde 1941 bei einer Versteigerung verkauft. „Ich würde mal sagen, dass man das nicht kauft, wenn man denkt, dass der Nachbar morgen zurückkommt“, schloss Schmittwilken.

Im letzten Teil der Ausstellung besteht für Besucher die Möglichkeit, selbst Position zu beziehen: Wussten die Deutschen vom Holocaust? „Die Idee ist“, erklärte Riedle, „dass wir hoffen, dass die Besuchenden sich nach der Ausstellung befähigt fühlen, sich dazu eine Meinung zu bilden.“

Begleitet wird die Ausstellung von Podiumsgesprächen, Vorträgen sowie Film- und Buchpräsentationen. Das Dokumentationszentrum befindet sich am historischen Standort von SS-Reichsführung und Reichssicherheitshauptamt. (epd/mig) Aktuell Feuilleton

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