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Imam in der Moschee © paul prescott / Shutterstock.com

Islamkonferenz

Faeser will Entsendung von Imamen aus der Türkei beenden

In deutschen Moscheen predigen nach wie vor großteils Imame aus dem Ausland. Innenministerin Faeser will das beenden. Islamische Prediger sollen nach ihren Vorstellungen Brückenbauer sein.

Donnerstag, 08.12.2022, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 08.12.2022, 14:44 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Der Einfluss ausländischer Imame auf islamische Gemeinden in Deutschland soll nach Willen von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) deutlich gemindert werden. „Ich will die staatliche Entsendung von Imamen aus dem Ausland nach Deutschland schrittweise reduzieren, mit dem Ziel, sie zu beenden“, sagte sie am Mittwoch zum Auftakt der Deutschen Islamkonferenz in Berlin. Dies betreffe insbesondere die Türkei.

Faeser betonte, sie halte es für integrationspolitisch wichtig, dass mehr in Deutschland sozialisierte und in deutscher Sprache ausgebildete Imame in islamischen Gemeinden tätig würden. Weniger ausländische Abhängigkeiten oder Einflussnahme erleichterten es deutschen Muslimen, mit ihrem Glauben in Deutschland heimisch zu werden.

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Seifert: Imame sollen Brücken bauen

Die Islamkonferenz wurde 2006 für den regelmäßigen Dialog zwischen Staat und Muslimen ins Leben gerufen. Rund 160 Vertreterinnen und Vertreter des muslimischen Lebens diskutierten am Mittwoch im Bundesinnenministerium mit Repräsentanten des Staates, der Kirchen, des jüdischen Lebens und der Wissenschaft.

Faesers Staatssekretärin im Innenministerium, Juliane Seifert, sagte, Imame sollten in der deutschen Gesellschaft verwurzelt sein und Brücken bauen können in den Sport oder in die Kultur. Dies sei ein wichtiger Punkt. Sie sei in der vergangenen Woche zu Gesprächen über dieses Thema in der Türkei gewesen. Es gehe nicht darum, die Entsendung von Imamen von einem Tag auf den anderen zu beenden, aber darum, gemeinsam einen verbindlichen Weg zu vereinbaren.

Ditib-Vertreter spricht von einem Wandlungsprozess

Auf Fortschritte bei der Ausbildung von religiösem Personal in Deutschland wies wiederum der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Eyüp Kalyon, hin. Kalyon, der auch Verantwortlicher im Bundesverband der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) für das Imam-Ausbildungsprogramm ist, sprach von einem „Wandlungsprozess“. So habe Ditib in diesem Jahr 25 Absolventen des zweijährigen Ausbildungsprogramms gehabt, die in mehreren Bundesländern aktiv seien. Der neue Kurs habe 36 Teilnehmer.

Er gab allerdings zu bedenken, dass die meisten Gemeinden definitiv nicht in der Lage seien, einen Imam zu bezahlen. Hintergrund dieser Debatte ist, dass beispielsweise die türkische Religionsbehörde Diyanet die nach Deutschland entsandten Imame bezahlt.

Islamwissenschaftler fordert Imam-Stiftung

Bereits im Vorfeld der Islamkonferenz hatte der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer sich zur Finanzierung von in Deutschland ausgebildeten Imamen für die Gründung einer Moschee-Stiftung ausgesprochen. Sie sollte vom Staat finanziert werden, aber zugleich von ihm und den muslimischen Verbänden unabhängig arbeiten. „Mit 50 Millionen Euro pro Jahr könnte man 800 Imame in Vollzeit finanzieren“, sagte Kiefer.

Die Stiftung wäre Kiefer zufolge ein unabhängiges Organ, das die Gelder nach vorher festgelegten Regeln verteilen würde. Nur Moscheegemeinden könnten Mitglieder sein. Ein Kuratorium, besetzt mit anerkannten muslimischen Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft, sollte die Stiftung leiten. (epd/mig)

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