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Plakat zum Film "Freibad"

Kino

Allerlei Klischees und Vorurteile im Freibad für Frauen

Doris Dörrie macht in ihrer Kulturclash-Komödie „Freibad“ das Sommerbaden zum Austragungsort für virulente Fragen über Freiheit, Frauenrechte und Demokratie, in der allerlei Klischees und Vorurteile bedient werden, aber auch jeder sein Fett abkriegt.

Von Dienstag, 30.08.2022, 15:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 30.08.2022, 15:29 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Sommer, Sonne, Schwimmreifen und Bikinis, kühles Eis und fettige Pommes – und jede Menge Befindlichkeiten: Nachdem Marcus H. Rosenmüller im letzten Jahr mit „Beckenrand Sheriff“ den Sommer-Schwimmbadfilm geliefert hat, legt Autorin und Regisseurin Doris Dörrie in diesem Jahr nach, mit einem kunterbunten Sommer-Wimmelbild, für das sie die originellsten Luftmatratzen und Schwimmreifen und ein illustres Schauspielensemble zum sommersonnigen Stelldichein versammelt hat.

Eine Besonderheit: Das Bad ist „for women only“, was jedoch nicht heißt, dass es keine Konflikte mehr gibt, denn allerspätestens mit dem Einbruch der weiten Welt ins deutsche Schwimmbadbiotop droht Ärger.

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Deutsche, Türken, Araber

Den deutschen Damen in den Wechseljahren Eva (Andrea Sawatzki) und Gabi (Maria Happel) sind die türkischen Frauen, die ihr trubeliges Lager direkt nebenan aufschlagen, ein Dorn im Auge. Als dann auch noch die wohlhabenden Designer-Araberinnen die Vorzüge eines männerfreien Bades für sich entdecken, mokieren sie sich lautstark über die schwarze Verschleierung, mit der sie ihre hart erkämpften feministischen Errungenschaften gefährdet sehen.

Und die Türkin Yasemin (Nilam Farooq), die vor kurzem den Schleier für sich entdeckt hat und ihre athletischen Runden im Neopren-Burkini dreht, balanciert zwischen allen Kategorien. „Eigentlich ganz sexy“, findet Gabi, „so Superwoman-artig“, „total fremdgesteuert“, kontert Eva.

Allerlei Klischees und Vorurteile

Umgekehrt kommen die Musliminnen mit der Oben-ohne-Kultur der deutschen Frauen nicht klar, und auch die Schweinswürstel verderben ihnen den Appetit, da sie auf dem Grill direkt neben den für sie eingeführten Lammversionen liegen – denn schließlich lässt sich mit den neuen Gästen Geld verdienen, auch wenn man sie nicht sonderlich schätzt.

Ähnlich wie in den französischen Komödien um Monsieur Claude werden auch hier allerlei Klischees und Vorurteile bedient, denn am Eingang, an Pool und Grill und auf der Wiese ist wenig Raum für Zwischentöne. Da wird die Transfrau am Grill auch mal gefragt, ob sie denn ihr „Würstchen“ noch habe.

Alle kriegen Fett ihr Fett ab

Statt mit dem komödiantischen Florett tritt Doris Dörrie, die das Drehbuch zusammen mit Madelaine Fricke („Einmal bitte alles“, „Get Lucky – Sex verändert alles“) und Karin Kaci („1000 Arten Regen zu beschreiben“, „Geborgtes Weiß“) geschrieben hat, eher mit dem Holzhammer an. Die brütende Hitze trägt dazu bei, die Gefühle und Befindlichkeiten hochkochen zu lassen, bis es zu Handgreiflichkeiten kommt, die Bademeisterin kapituliert und als Ersatz ein Mann angeheuert wird, der bei den einen Entsetzen, bei den anderen als Hahn im Korb Begehrlichkeiten weckt.

Zur Verteidigung des Films lässt sich sagen, dass hier wirklich alle gleichermaßen ihr Fett abkriegen, niemand recht hat oder sauber rauskommt, und dass einige virulente Fragen ventiliert werden: Wann ist eine Frau eine Frau, wer bestimmt über ihren Körper und welche Freiheiten erlaubt, fordert oder toleriert eine westliche Demokratie? (epd/mig)

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