Third Culture

Ich in deinen Augen – Du in meinen Augen

Es gibt eine Menge Studien, Untersuchungen und Artikel über Vorurteile, Fremd- und Selbstbilder. Was aber passieren kann, wenn man das gesammelte, vermeintliche Wissen neben sich in das Gras legt, erzählt folgende Geschichte - über Selbst- und Fremdbilder I

Von Scarlett Ammá Mittwoch, 26.03.2014, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 27.03.2014, 12:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Sie haben keine Vorurteile? Von wegen, alle haben sie! Kurze Zeit nachdem ich mit der Sammlung von eigenen und fremden Vorurteilen begann, schien kein Papierende in Sicht. Sogar Türkinnen ohne Kopftuch haben Vorurteile gegen Türkinnen mit Kopftuch, Türkinnen mit türkischem Freund gegen Türkinnen mit deutschem Freund, Männer gegen Frauen (in Chefetagen), Frauen gegen Karrierefrauen, arbeitende Frauen gegen Hausfrauen, konventionelle Esser gegen Veganer, Schwiegermütter gegen Schwiegertöchter und natürlich alles auch umgekehrt; dazu kommt, dass Ausländer Deutschland unterwandern, Mädchen kein Mathe können, Jungs sich nicht einfühlen und … und … und …

In den letzten Wochen recherchierte ich über Stereotype und negative Vorurteile samt Folgen für den einzelnen Menschen und die Wirtschaft. Ich hörte Vorträge über die Auswirkungen von Fremdbildern auf das Selbstbild, die Auswirkungen von heimlichen Überzeugungen (die jeder von sich hat) und wie die negativen Überzeugungen „Ich bin nicht gut genug, ich gehöre nicht richtig dazu.“ automatisch zu Bestätigungen führen, anstatt zu differenzierter Betrachtung.

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Dabei fühlte ich mich an früher erinnert, als ich mit meinem ersten Auto, einer „ weißen Ente“, mit offenem Verdeck andere EntenfahrerInnen lächelnd grüßte. Die Welt bestand aus lächelnden, grüßenden EntenfahrerInnen. Das wurde mir täglich bestätigt. Jede Verallgemeinerung ist im Grunde ein Vorurteil, das mir gerade an jeder Ecke zuzwinkerte oder eine hässliche Grimasse zog. Eine „Entenfahrt“ durch die Sonne war dabei definitiv netter, als ein bewusster Marsch durch eine Welt mit winkenden, negativen Stereotypen .

In meiner freien Zeit studierte ich die Möglichkeiten, die uns reifer, verantwortungsbewusst und handlungsfähig machen und staunte nicht schlecht über die einfachen Mittel, die eigentlich jedem dafür zur Verfügung stehen. Und dann gab es plötzlich eine frühe Frühlingswoche, in der die Sonne wärmer schien, als die Tage zuvor. Und ich legte die vielen Untersuchungen und Erkenntnisse neben mich ins Gras.

Das Gras roch nicht so wirklich nach Sommer, aber der Sonne war das egal. Ich schloss die Augen und versuchte an nichts zu denken, bis ich ein zartes Stimmchen direkt neben mir hörte. Während ich mich schlafend stellte, erzählte es: „Ich bin schon vier und darf meine Socken ausziehen!“ Laut fing es an, seine Fußzehen zu zählen. Dann war es still. Ich spürte einen leichten, immer wiederkehrenden Hauch in meinem Gesicht. Als ich meine Augen öffnete, blickte ich in zwei große, braune Kinderaugen. Für ein paar Sekunden begegneten sich zwei erfreute und neugierige Augenpaare.

„Ich kann mich in deinen Augen sehen!“, rief es plötzlich lachend. „Und ich mich in deinen!“ , rief ich lachend zurück.

Und da dachte ich zum Thema Selbst- und Fremdbild: Das reicht für’s erste.

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  1. Vorurteile gibt es wie Sand am Meer … jeder hat seine eigenen Vorurteile … das ist auch nicht das größte Problem … sehr problematisch wird es erst wenn der Einzelne nicht die Flexibilität hat Vorurteile zu revidieren und wenn er aus seinen (Vor_) Urteilen das Recht ableitet andere zu benachteiligen oder sogar zu bekämpfen …

    … schon die Aufmerksamkeit darauf, dass das eigene Urteil ein noch nicht verifiziertes Urteil also ein Vor_urteil sein könnte, kann helfen besser mit dieser Grundtendenz des Menschen umzugehen …

    Josef Özcan (Diplom Psychologe)