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Lehrerin vor der Schulklasse (Symbolfoto) © 123rf.com

Verband fordert Entlastung

Mehr als 146.000 ukranische Kinder an deutschen Schulen

Mehr als 140.000 Genehmigungen für Integrationskurse hat das Bamf bisher an Ukrainer ausgestellt. Etwa genauso viele ukrainische Kinder gehen in Deutschland zur Schule. Der Bildungsverband fordert Entlastung für Lehrer. Die Zahl der ukrainischen Schüler werde noch weiter ansteigen.

Montag, 11.07.2022, 16:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 11.07.2022, 13:48 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat einem Zeitungsbericht zufolge bisher 144.000 Integrationskurse für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine genehmigt. 52.000 Geflüchtete hätten ihren Kurs bereits begonnen, meldete das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ unter Berufung auf einen Lagebericht der Bundesagentur für Arbeit.

Fast 900.000 Bürger aus der Ukraine sind demnach seit Kriegsbeginn am 24. Februar nach Deutschland eingereist. Bis Ende Juni hätten sich 353.424 Ukrainer bei Arbeitsagenturen, Jobcentern und anderen kommunalen Stellen gemeldet. Davon seien 265.153 im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 67 Jahren, davon mehr als Dreiviertel weiblich. Zugleich zählen die Familienkassen inzwischen knapp 121.000 Anträge auf Kindergeld, wie es weiter hieß.

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146.000 Kinder aus der Ukraine an deutschen Schulen

Wie außerdem bekannt wurde, haben deutsche Schulen mehr als 146.000 aus der Ukraine geflüchtete Kinder und Jugendliche aufgenommen. „Angesichts des anhaltenden russischen Angriffskriegs brauchen sie unsere volle Unterstützung“, sagte Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Im Mai dieses Jahres bezifferte das Ministerium die Zahl der Kinder aus der Ukraine an deutschen Schulen mit 90.000.

Die Integration in das Bildungssystem sei ein enormer Kraftakt, erklärte die Ministerin. „Mit Blick auf das nächste Schuljahr wird die Schulpflicht nach dem sehr pragmatischen Umgang überall greifen müssen.“ Sie hoffe weiterhin auf eine möglichst schnelle Rückkehr der Kinder und Jugendlichen in ihre Heimat. Dennoch müssten die Schulen sich „auch auf eine längerfristige Perspektive hier einstellen.“

Verband fordert Entlastung für Lehrer

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) mehr Unterstützung für die Schulen. Für Kinder und Jugendliche, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, beginne die Schulpflicht spätestens nach sechs Monaten, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies bedeute einen weiteren Zuwachs von ukrainischen Schülerinnen und Schülern in den Schulen. Dieser Anstieg treffe auf ein Bildungssystem, welches „durch jahrelange finanzielle Unterversorgung in dramatischer Weise personell geschwächt ist“, warnte er.

„Lehrkräfte arbeiten seit Jahren am Limit und müssen dringend entlastet werden“, betonte Beckmann. „Die personelle Unterdeckung führt bereits jetzt zu Einschränkungen, wie Zusammenlegung von Klassen, gekürzten Stundentafeln und Unterrichtsausfällen.“ Hinzu kämen die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie. Eine DIW-Studie kam zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Situation zusätzlich rund 25.000 Lehrkräfte und Erzieher benötigt werden.

Verband für ukrainisches Schulangebot für Rückkehrer

Der VBE-Bundesvorsitzende schlug ein bundesweit einheitliches Unterrichtsangebot, finanziert und koordiniert durch Bund, Länder und Kommunen, vor: Dies könne zur Schulentlastung beitragen und „wäre ein Schritt in die richtige Richtung“. Zwar sei es richtig, Schülern, die in Deutschland bleiben wollten, Angebote zum Erwerb der deutschen Sprache zu unterbreiten. „Allerdings sehen wir nach wie vor, dass viele Ukrainerinnen und Ukrainer möglichst schnell in ihre Heimat zurückkehren wollen“, erklärte Beckmann. Tausende hätten das bereits getan. Sie benötigten Strukturen, die ihnen helfen, an Bildungsangeboten aus der Ukraine teilzunehmen.

„Hinzu kommt die über allem stehende Frage, woher das Personal kommen soll, das die Unterrichtsangebote durchführt“, betonte er. Generell brauche es auch multiprofessionelle Teams, also „Dolmetscherinnen und Dolmetscher oder Psychologinnen und Psychologen, die beispielsweise helfen, entstandene Traumata aufzuarbeiten“. Diese könnten kurzfristig Abhilfe schaffen. (epd/mig)

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