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Weltkunstausstellung documenta in Kassel (Archiv) © marcostetter @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Antisemitismus

Umstrittenes documenta-Werk wird entfernt

Der Aufsichtsrat der documenta hat die Reißleine gezogen: Ein vielfach kritisiertes Gemälde mit antisemitischen Detailbildern muss entfernt werden. Der Kasseler Oberbürgermeister spricht von einem „immensen Schaden“ für die Stadt und die documenta.

Dienstag, 21.06.2022, 21:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 21.06.2022, 20:00 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Das auf der Kunstausstellung „documenta fifteen“ wegen Antisemitismusvorwürfen in die Kritik geratene Gemälde „People’s Justice“ wird abgehängt. Der Aufsichtsrat der documenta habe die Entfernung beschlossen, erklärte am Dienstagnachmittag der Aufsichtsratsvorsitzende, der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). Zuvor hatten unter anderem Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) und die hessische Kunststaatsministerin Angela Dorn (Grüne) die Entfernung des Gemäldes des indonesischen Künstlerkollektivs „Taring Padi“ gefordert.

„Ich bin wütend, enttäuscht und verletzt. Als Oberbürgermeister und als Stadt fühlen wir uns durch die antisemitischen Motive beschämt“, sagte Geselle. „Es ist ein immenser Schaden für unsere Stadt und die documenta entstanden.“ Es müsse nun aufgearbeitet werden, wie es zur Installation kommen konnte. „Trotz ihrer Bekenntnisse ist die künstlerische Leitung der documenta fifteen ihrer Verantwortung nicht nachgekommen, dafür zu sorgen, dass Antisemitismus, Rassismus sowie jede Art von Diskriminierung keinen Raum hat.“

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Werk zunächst abgedeckt

Auf einem Detail des kritisierten Banners ist ein Mann in Anzug und Krawatte zu sehen, haifischartige Raffzähne ragen aus dem Mund, daneben eine Zigarre. Eine angedeutete Schläfenlocke hängt herunter, auf dem Hut prangt die SS-Rune. Damit werden Juden mit Nazis gleichgesetzt. Auf einem anderen Detail wird unter einem Kanonenrohr eine Person in Uniform gezeigt, sie trägt die Nase eines Schweins, das bei gläubigen Juden als unrein gilt. Auf dem roten Halstuch ist der Davidstern zu sehen, auf dem Helm der Name des israelischen Geheimdienstes Mossad.

Nach Kritik wurde das hausgroße, an einem Gerüst am Kasseler Friedrichsplatz aufgehängte Werk am Montagabend verhüllt. Zugleich hatte das indonesische Künstlerkollektiv „Taring Padi“ erklärt, das 20 Jahre alte Werk sei Teil einer Kampagne gegen Militarismus und Gewalt in Indonesien. Die Gruppe versicherte, das Werk „steht in keiner Weise mit Antisemitismus in Verbindung“. Als Zeichen des Respekts und mit großem Bedauern werde die Arbeit abgedeckt, die „in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird“.

Fassungslosigkeit und Entfernungsforderungen

Doch am Dienstag mehrten sich die Stimmen, die eine Entfernung des Gemäldes forderten. „Die bloße Verhüllung und die Erklärung des Künstlerkollektivs Taring Padi waren absolut inakzeptabel“, sagte Kulturstaatsministerin Roth in Berlin. Auch die hessische Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) sagte, die Verhüllung könne nur der erste Schritt gewesen sein. „Antisemitische Inhalte dürfen nicht gezeigt und nicht reproduziert werden.“ Die Grünen-Politikerinnen forderten eine Aufarbeitung, wie es zur Aufhängung des Werkes nach einer monatelangen Diskussion um Antisemitismus-Vorwürfe gegen die „documenta fifteen“ kommen konnte.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, erklärte: „Überlebende des Holocausts verfolgen die desolaten Entwicklungen um die documenta fifteen mit Fassungslosigkeit.“ Die Hintergründe der Entstehung des Werks müssten aufgeklärt werden.

Bilder eindeutig antisemitisch, Absicht unklar

Der Berliner Antisemitismusforscher Klaus Holz sagte, es handele sich um „eindeutig antisemitische Bilder“. Offen bleibe, ob die Künstler absichtlich eine antisemitische Bildsprache verwendet hätten, sagte Holz. Klar sei jedoch, wer sich zum Thema Judentum und Israel äußere, müsse antisemitische Stereotype reflektieren. „Das Künstlerkollektiv weiß, in welchem Kontext es auf der documenta agiert. Insofern darf man auch fordern, dass es sich selbst Rechenschaft darüber ablegt, was es über Judentum und Israel äußert.“

Die internationale Kunstausstellung documenta war am Samstag in Kassel eröffnet worden, dabei hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Verantwortlichen für ihren Umgang mit seit Monaten erhobenen Antisemitismus-Vorwürfen kritisiert. (epd/mig)

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