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Essensausgabe in einem Slum in der Nähe von Delhi, Indien. © Florian Lang/Welthungerhilfe

Kinder leiden am meisten

Hilfsorganisationen fordern mehr Geld für Hungerbekämpfung

Der Ukrainekrieg hat die Ernährungskrise weltweit deutlich verschärft. Fehlende Exporte und rasant steigende Preise für Lebensmittel treffen die ärmsten Länder am meisten. Hilfsorganisationen warnen vor einer neuen Hungerkatastrophe.

Donnerstag, 02.06.2022, 18:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 02.06.2022, 14:05 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Hilfsorganisationen terre des hommes und Welthungerhilfe fordern die Bundesregierung auf, angesichts des Ukrainekrieges mehr Geld für die Bekämpfung des Hungers in der Welt bereitzustellen. Die fehlenden Weizenexporte aus der Ukraine und die Preissteigerungen hätten die ohnehin durch den Klimawandel und die Corona-Pandemie geprägte Ernährungskrise in vielen armen Ländern noch einmal verschärft, sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, am Donnerstag in Berlin: „Wir müssen leider davon ausgehen, dass es in diesem Jahr 300 Millionen akut hungernde Menschen auf der Welt geben wird.“

Deutschland sollte ferner den diesjährigen G7-Vorsitz nutzen und sich bei den Partnern dafür einsetzen, dass langfristig mehr Mittel für Ernährungssicherheit zur Verfügung gestellt würden, betonte Mogge bei der Vorstellung des „Kompass 2022“ zur Wirklichkeit der deutschen Entwicklungspolitik. Die Staaten müssten pro Jahr mindestens 14 Milliarden Dollar (knapp 13,1 Milliarden Euro) zusätzlich für die Bekämpfung des Hungers bereitstellen. „Ernährungssicherung muss eine zentrale Säule der Entwicklungszusammenarbeit sein.“ Eine Hungerkrise wie 2007/2008 mit knapp einer Milliarde Hungernden dürfe sich nicht wiederholen.

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„Das darf kein Strohfeuer sein.“

Der Generalsekretär warnte die Bundesregierung davor, die Entwicklungszusammenarbeit wie vorgesehen in den kommenden Jahren schlechter auszustatten. Auch für 2022 sei eine mehr als zehnprozentige Kürzung vorgesehen gewesen. Wegen des Ukrainekrieges seien die Mittel nachträglich erhöht worden, so dass sie insgesamt etwa auf dem Niveau des Vorjahres von 27,3 Milliarden Euro lägen: „Das darf kein Strohfeuer sein.“ Mogge lobte Deutschland zwar als zweitgrößten Geber in der Entwicklungszusammenarbeit hinter den USA. Zugleich kritisierte er aber, dass die Bundesregierung das selbst gesteckte Ziel bei der Unterstützung der ärmsten Länder seit Jahren nicht erreiche.

Joshua Hofert, Vorstandssprecher von terre des hommes, forderte, die Bundesregierung müsse analog zum Sondervermögen für die Bundeswehr 100 Milliarden Euro für zivile Zwecke zur Verfügung stellen. Mit dem Geld sollten etwa zerstörte Schulen in der Ukraine wieder aufgebaut, der Hunger bekämpft und die Folgen des Klimawandels für Kinder abgemildert werden, sagte Hofert. Die Kinder litten unter allen Krisen am meisten.

„Kernschmelze der Welternährungssysteme“

Der Sprecher mahnte zugleich eine systematische Kinderschutz-Politik an. Die Bundesregierung habe keine klare Strategie zur Förderung von Kindern und Kinderrechten in der Entwicklungspolitik: „Da ist noch vieles dem Glück und dem Zufall überlassen“, kritisierte Hofert.

Unterdessen warnte auch der Vize-Chef des UN-Landwirtschaftsfonds (Ifad), Dominik Ziller, vor verheerenden Folgen des Ukraine-Kriegs auf die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln. Der Konflikt könne zu einer „Kernschmelze der Welternährungssysteme“ führen, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“. Die Lebensmittelpreise seien weltweit innerhalb eines Jahres um knapp 40 Prozent gestiegen, (epd/mig)

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