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Essensausgabe in einem Slum in der Nähe von Delhi, Indien. © Florian Lang/Welthungerhilfe

Hungersnöte befürchtet

Hilfswerke kritisieren Reduzierung der Entwicklungshilfe

Hilfswerke loben die bisherige Entwicklungshilfe der Bundesregierung, kritisieren aber geplante Kürzungen. Die Corona-Pandemie führe dazu, dass mehr Menschen hungern müssten. Deshalb bräuchten die ärmsten Länder jetzt mehr und nicht weniger Geld.

Donnerstag, 20.05.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 19.05.2021, 14:50 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Deutsche Welthungerhilfe und das Kinderhilfswerk terre des hommes haben die Bundesregierung dafür kritisiert, dass sie die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit von derzeit 12,43 Milliarden Euro jährlich auf 9,25 Milliarden Euro bis 2025 reduzieren wolle. „Das ist eine sehr kritische Entwicklung, die wir so nicht hinnehmen können“, sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, am Mittwoch in Berlin.

Er stellte gemeinsam mit Vorstandssprecherin Birte Kötter vom Kinderhilfswerk terre des hommes den „Kompass 2021“ zur Bilanz der deutschen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit vor. Mogge lobte zugleich, dass die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit in den vergangenen beiden Jahren gestiegen seien. Auch habe die Bundesregierung sich mit Soforthilfen an der Bekämpfung der Corona-Pandemie in armen Ländern beteiligt.

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Rückschlägen bei der Hungerbekämpfung

Die Pandemie habe aber dennoch zu schweren Rückschlägen bei der Hungerbekämpfung geführt, sagte Mogge. Die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger litten, sei 2020 um 20 Millionen auf 155 Millionen Menschen in 55 Ländern gestiegen. Vor allem Staaten, in denen Kriege wüteten oder die Klima- und Umweltkrise tiefe Spuren hinterlasse, seien besonders betroffen. In Syrien, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik habe mehr als die Hälfte der Bevölkerung kaum etwas zu essen. Madagaskar sei von der schwersten Dürre seit 40 Jahren betroffen.

Deutschland habe es nicht geschafft, wie vereinbart 0,2 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die ärmsten Länder zur Verfügung zu stellen, kritisierte der Generalsekretär. Derzeit liege die Bundesregierung bei 0,11 Prozent: „Das muss sich ändern.“ Auch international seien die Mittel für die ärmsten Länder gekürzt worden. Deutschland müsse seine starke Stimme als zweitgrößter Geber von Geldern für Entwicklungszusammenarbeit stärker nutzen. Gelegenheit dazu bestehe etwa in zwei Wochen beim G7-Gipfel.

Rückfall von Kinderrechten um Jahrzehnte

Mogge drängte zudem darauf, dass sich das Ernährungssystem insgesamt ändern müsse. Die Kosten, die durch Bodennutzung, Wasserverschwendung, Menschenrechtsverletzungen oder Überernährung entstünden, würden nicht eingepreist. „Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, mit denen auch zehn Milliarden Menschen auf der Welt gesund ernährt werden können, ohne Natur und Klima zu zerstören.“

Die Vorstandssprecherin von terre des hommes, Birte Kötter, bemängelte „einen dramatischen Rückfall der Errungenschaften der Kinderrechte um Jahrzehnte“ durch die Corona-Pandemie. Millionen Kinder hungerten, lebten auf der Straße oder müssten arbeiten oder betteln, anstatt zur Schule zu gehen. „Wir brauchen deshalb dringend humanitäre Hilfslieferungen wie Impfstoff-Dosen und Sauerstoff-Anlagen, aber auch einen solidarischen Umgang mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und Technologien zur Pandemiebekämpfung.“ Der Patentschutz müsse aufgehoben werden. (epd/mig)

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  1. Gerhard Karpiniec sagt:

    Bei aller Tragik der in diesem Beitrag übermittelt wird. Es muss die Frage gestattet sein was hat die 60 jährige Entwicklungszusammenarbeit und die mehr als jährlich, mehr als 100 Milliarden Euro/ US Dollar getan. Die Hungernden haben sie Aufgezeigt, warum werden die unfähigen Helfer/Innen nicht „vor den Vorhang“ gestellt.

    Gerhard Karpiniec
    Münchendorf/Österreich