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Menschen flüchten vor dem Krieg in der Ukraine

Gewalt und Not nehmen zu

Zwei Millionen Menschen aus der Ukraine geflüchtet

Russlands Überfall stürzt Ukraine ins Unglück. Immer mehr Menschen müssen das Land verlassen, auch in Deutschland steigt die Zahl der Ukraine-Flüchtlinge weiter an. EU-Behörde warnt Aufnahmeländer: Viele Ukrainer nicht voll geimpft gegen Corona. In den Kampfgebieten verschärft sich die humanitäre Lage.

Mittwoch, 09.03.2022, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 09.03.2022, 6:23 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Die Gewalt und die Not in der Ukraine zwingen immer mehr Menschen in die Flucht: Rund zwei Millionen Menschen sind laut den UN nach dem russischen Einmarsch ins Ausland geflohen. Die meisten Geflüchteten seien in Polen untergekommen, meldeten das Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration am Dienstag in Genf. Auch in Ungarn, Moldau, Rumänien und der Slowakei hätten sich Menschen aus der Ukraine in Sicherheit gebracht. Das UNHCR berichtete auch von Fluchtbewegungen nach Russland und Belarus.

Auch die Zahl der in Deutschland sind viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angekommenen und ihre Zahl nimmt weiter zu. Allein in Berlin seien am Montag erneut mehr als 13.000 Menschen angekommen, teilte die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums kamen bis Montagabend 64.000 Menschen aus dem Kriegsland in Deutschland an. Der Freistaat gehört laut bayerischem Innenministerium nach Berlin und Brandenburg zu den Hauptzugangsländern der Geflüchteten. Dort wurden bis Montagabend etwa 20.000 Ankünfte gezählt

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Bas: Fehler aus 2015 nicht wiederholen

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) hat mit Blick auf Gesamtsituation in Deutschland zu einer dauerhaften Unterstützung der Kommunen bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge aus der Ukraine aufgerufen. „Viele Kommunen sind bereits dabei, Infrastruktur und Aufnahmeeinrichtungen für die Ankunft der Menschen zu schaffen“, sagte Bas dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. „Für die Kommunen ist es wichtig, dass sie aber auch auf der langen Strecke nicht alleine gelassen werden.“ Das sei bei der Ankunft der Flüchtlinge aus dem Syrien-Krieg nicht gelungen. „Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen“, forderte die Bundestagspräsidentin.

Kommunalverbände fordern angesichts der wachsenden Zahl ukrainischer Kriegsflüchtlinge schnelle administrative und finanzielle Hilfe vom Bund und von den Ländern. „Die Städte rechnen damit, dass die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine, die nach Deutschland kommen, schnell zunehmen wird“, sagte Städtetagspräsident Markus Lewe der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Bund und Länder müssten jetzt rasch für eine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge sorgen.

Elend in Kampfgebieten nimmt zu

Unterdessen verschärft sich das Elend in den Kampfgebieten wie in und um die südliche Hafenstadt Mariupol immer mehr. Die Menschen in Mariupol seien mit einer „apokalyptischen Lage“ konfrontiert, sagte der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Ewan Watson. Die humanitären Vorräte des Roten Kreuzes seien praktisch aufgeraucht. Watson verlangte die Einrichtung stabiler und sicherer Passagen, damit Zivilisten aus der Stadt evakuiert werden können.

Die Ukraine und Russland verhandeln unter Vermittlung des Roten Kreuzes über die sicheren Passagen, die auch als humanitäre Korridore bekannt sind. Derweil hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang 16 Angriffe auf medizinische Einrichtungen in der Ukraine bestätigt. Die Attacken auf Krankenhäuser, Praxen und andere Einrichtungen seien stark zu verurteilen, erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge.

WHO: In Krankenhäusern herrscht Mangel

Bei den Angriffen seien zwei Dutzend Menschen verletzt oder getötet worden. Weitere mögliche Angriffe würden untersucht, betonte Kluge. Der WHO-Direktor ließ offen, wer für die Angriffe verantwortlich ist. Laut Kluge herrscht in den ukrainischen Krankenhäusern ein großer Mangel an Medikamenten und Ausrüstung, etwa Insulin und Operationsbesteck.

Die WHO habe zwei Konvois mit 76 Tonnen medizinischem Material in die Ukraine gebracht. Die Kriegslage verhindere aber eine schnelle Auslieferung der Güter an die Gesundheitseinrichtungen. Auch Kluge verlangte von den Kriegsparteien, eine „sichere Passage“ der Transporte zu gewährleisten.

EU-Behörde: Viele Ukraine-Flüchtlinge nicht voll geimpft

Erschwerend kommt hinzu, dass der Krieg inmitten der Corona-Pandemie ausgebrochen ist. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) geht davon aus, dass viele Flüchtlinge aus der Ukraine nicht vollständig gegen Corona geimpft sind. Impfungen gegen das Virus sowie gegen Masern und Kinderlähmung sollten eine Priorität in den Aufnahmeländern sein, erklärte das Amt am Dienstag in Stockholm.

Zudem empfiehlt das ECDC den Gesundheitsbehörden der Aufnahmeländer, eine verstärkte Überwachung auf übertragbare Krankheiten zu erwägen. Die Behörde warnte ferner vor multiresistenten Organismen, die oft mit Kriegsverletzungen verbunden seien und eine frühzeitige Diagnose und Behandlung erforderten. Generell sollten die Flüchtlinge in ähnlicher Weise Gesundheitsdienste in Anspruch nehmen können wie die einheimische Bevölkerung, so die EU-Behörde. (epd/mig)

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