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Notunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine

Guterres: Land im Chaos

Humanitäre Lage in der Ukraine spitzt sich zu

Knapp eine Woche nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine brauchen Millionen Menschen dringend Hilfe. Die UN benötigt zu Linderung der schlimmsten Not 1,5 Milliarden Euro.

Mittwoch, 02.03.2022, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 01.03.2022, 17:57 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Millionen Bedürftige, Raketen auf Zivilisten, verletzte und tote Kinder: Der russische Einmarsch hat die Ukraine nach den Worten von UN-Generalsekretär António Guterres ins Chaos gestürzt. Die ganze Region sei erschüttert, erklärte Guterres am Dienstag in New York. Das Hilfswerk UNHCR warnte vor der möglicherweise größten Flüchtlingskrise in Europa in diesem Jahrhundert: Inzwischen seien schon 677.000 Menschen vor der Gewalt in der Ukraine ins Ausland geflüchtet.

Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen riefen angesichts des Leids zu Spenden für das osteuropäische Land und die Nachbarstaaten auf. Allein die UN benötigen rund 1,65 Milliarden US-Dollar für die nächsten Monate, um die gröbste Not zu lindern. „Ich rufe Sie zu Unterstützung auf“, appellierte Generalsekretär Guterres an staatliche und private Geber.

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Für die Unterstützung von sechs Millionen Kinder, Frauen und Männer innerhalb der Ukraine sind den Angaben zufolge 1,1 Milliarden US-Dollar (1 Milliarde Euro) vorgesehen. Die Bedürftigen sollen Barzahlungen zum Erwerb lebenswichtiger Güter erhalten, erklärte der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths. Ferner müssten Kauf, Lieferung und Verteilung von Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten und anderen Waren finanziert werden.

Grandi: Einen so schnell wachsenden Exodus nicht erlebt

Für die Flüchtlingshilfe außerhalb der Ukraine brauchen die UN rund 550 Millionen US-Dollar (493 Millionen Euro), wie UN-Hochkommissar Filippo Grandi erklärte. Die Nachbarländer der Ukraine zeigten eine enorme Solidarität mit den Flüchtlingen. Das UNHCR arbeite mit nationalen und lokalen Partnern zusammen, um die geflüchteten Menschen in Sicherheit zu bringen. Dabei helfe das UNHCR bei der Registrierung und Verteilung von Flüchtlingen.

Viele Ukrainer würden sich aber auch selbständig auf den Weg zu Landsleuten machen, die in anderen europäischen Ländern lebten, erklärte der Hochkommissar für Flüchtlinge. Er habe in 40 Jahren Krisenerfahrung kaum jemals einen so schnell wachsenden Exodus erlebt. Insgesamt rechnet das UNHCR mit bis zu vier Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine.

Zahl getöteter Zivilisten stieg

Auch die Zahl der getöteten Zivilisten stieg weiter an. Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte kamen bis Dienstagmorgen 136 Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben. 400 weitere wurden demnach verwundet. Unter den Toten und Verletzten seien 39 Kinder. Viele Menschen seien Opfer von Explosivwaffen wie Raketen geworden.

Caritas International warnte vor Engpässen bei der Versorgung. „Seit dem Beginn des Angriffs hat sich die Lage dramatisch verschlechtert“, sagte die Caritas-Ukraine-Fachkraft Henrike Bittermann dem „Evangelischen Pressedienst“. In Teilen des Ostens der Ukraine sei die Arbeit wegen der Kämpfe eingestellt worden. Vor allem in Kiew werde die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten zunehmend schwieriger, warnte Bittermann, die bis vor knapp zwei Wochen in der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg) war.

Rotes Kreuz und Halbmond fordern 272 Millionen US-Dollar

Derweil forderte das Rote Kreuz insgesamt 272 Millionen US-Dollar (243 Millionen Euro), um das Leid in der Ukraine zu lindern. „Die Zahl der Toten steigt weiter“, sagte der Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Robert Mardini, in Genf. Die Gesundheitseinrichtungen seien mit der Situation überfordert. Der Gesamtappell bezieht sich auf das IKRK (146 Millionen Euro) sowie die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (97 Millionen Euro).

Auch die Diakonie Katastrophenhilfe bat um weitere Spenden. „Stündlich steigt die Zahl der Menschen, die über die Grenzen nach Polen, Rumänien, Ungarn, in die Slowakei und die Republik Moldau fliehen“, sagte der Direktor des Hilfswerks, Martin Keßler, am Dienstag in Berlin. „Wir rechnen damit, dass der Bedarf an Hilfe noch deutlich zunehmen wird.“ Bereits vergangene Woche wurde ein Nothilfefonds mit zunächst 500.000 Euro aufgelegt. Der Deutsche Evangelische Kirchentag rief ebenfalls dazu auf, die Arbeit humanitärer Hilfsorganisation für die Ukraine zu unterstützen. (epd/mig)

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