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Bürgeramt (Symbolfoto) © Leitfalke @ flickr.com (CC 2.0), Montage & Bearb. MiG

Institut-Befund

Rassismus in deutschen Behörden keine Ausnahme, sondern Norm

Rassistische Vorstellungen innerhalb der Polizei, in Jobcentern und Gesundheitsbehörden sind einer Studie zufolge keine Ausnahme, sondern strukturell eingebettet. Die Bevölkerung werde nach Herkunft, Religion und Kultur klassifiziert.

Mittwoch, 16.02.2022, 19:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 16.02.2022, 19:46 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

In deutschen Behörden sind sich laut einem Bericht rassistischen Vorstellungen weit verbreitet. Stigmatisierungen, Stereotype sowie Handlungsunsicherheiten bei Polizei oder Arbeitsverwaltung hätten zum Teil gravierende Auswirkungen für Migranten bei Jobvermittlung, Gesundheitsversorgung und Kontrollen. Das geht aus einem Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg Essen hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Der Bericht fasst drei Kurzstudien von IAQ-Forscherinnen zusammen, für die sie in verschiedenen Bundesländern Interviews mit Führungskräften bei der Polizei, mit Jobcenter-Mitarbeitern und von lokalen Gesundheitsbehörden führten.

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Rassistische Wissensbestände stellten in deutschen Behörden keine Ausnahme dar, heißt es in dem Bericht, sondern die Norm. „Sie sind strukturell eingebettet und werden institutionell (re-)produziert“, schreiben die Autorinnen. Diese Produktion und Reproduktion von „rassistischem Wissen“ würden durch Handlungsunsicherheiten von Behördenmitarbeitern begünstigt.

Polizei klassifiziert Bevölkerung nach Herkunft, Religion und Kultur

Für Betroffene mit Migrations- oder Fluchtgeschichte oder bestimmten Merkmalen wie „nicht westlicher Kleidung“ führten die Zuordnungen in bestimmte Gruppenkategorien unter Umständen zu Stigmatisierungen. Behörden müssten ihre Routinen kritischer hinterfragen sowie ihren Mitarbeitern rassismuskritische Schulungen anbieten.

Bei ihrer Untersuchung zu „Migration und Polizei“ stellt Alexandra Graevskaia beispielsweise fest, dass Polizisten die Bevölkerung entlang von Kategorien wie Religion, Kultur oder Nationalität klassifizieren. Mittels konstruierter Gruppierungen wie „Muslime“ oder „Libanesen“ versuchten sie, einen Vorteil für ihre Arbeit zu erlangen.

Handlungsempfehlung: Rassismus in Behörden als Problem anerkennen

Dabei würden durch Verallgemeinerungen rassistische Wissensbestände oftmals erst produziert. Zudem bestehe bei der Polizei eine Überforderung im Umgang mit nicht deutschsprachigen Hilfesuchenden. Dolmetscherdienste müssten Betroffene oftmals selbst organisieren.

Die Studienverfasser empfehlen in ihrem Bericht, die Anerkennung von institutionellem Rassismus als Problem. Das würde „den Weg eröffnen, entsprechende Lösungsmöglichkeiten zu etablieren“, heißt es in dem Bericht. (epd/mig)

Leitartikel Panorama
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  1. urbuerger sagt:

    Den Rassismus in Behörden habe ich schon des öfteren gesehen, wenn z.b. Menschen, die ein nicht hieisges Aussehen haben, einfach besitzt werden und teilweise sehr herablassend behandelt werden!

    Allerdings sieht das auch für Deutsche nicht anders aus, wenn das Gegenüber davon ausgeht, dass man Hartz IV Empfänger oder Obdachloser sein könnte!
    Auch die Deutschen, die von Behördenmitarbeitern am unteren Rand der Einkommensschwelle verortet werden, müssen sich damit herumschlagen, missachtet zu werden, oder dass man sich ihnen gegenüber sehr herablassend agiert.
    Auch diese Menschen werden oft ungefragt besitzt oder man spricht sie mit dem Vornamen an, um ihnen zu verdeutlichen, dass man ihnen keinen Respekt entgegen bringt!

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Zurücksetzung, selbst wenn sie zu unrecht vorgenommen wird, sehr weh tut!

    Leider wird es in diesem Land immer schlimmer, dass die Einteilung der Menschen in Kategorien wie z.b. Migranten, Menschen mit Migranten – Hintergrund oder die Einteilung in die Stufe Arm zu sein!
    Viele Behördenmitarbeiter sind so sehr davon eingenommen, diese Menschen besonders Drangsaliert zu können, weil sie sich oft nicht zur Wehr zu setzen Wissen und kaum einer den Mumm hat, sich Anwaltliche Hilfe zu organisieren!

    Da ich auf Grund einer Krankheit bereits seit Jahren in Erwerbsminderungsrente bin, mir aber die Krankheit nicht angesehen werden kann, bin ich schon als Nassauer, Nutznießer und Profiteur von Sozialleistungen betitelt worden, Unterlagen die ich beibringen musste, musste ich zum Teil mehrfach vorlegen oder speziell beglaubigen lassen, obwohl das völlig unüblich war!

    Man wird von den Behörden sehr schnell in einen Topf geworfen, in dem man sich den Behörden gegenüber kaum wehren kann, wenn dort mit großer Willkür entschieden wird!

    Wer nicht eindeutig zum Mittelstand gehört, auch Migranten, muss mit Schikanen rechnen und selbst vor Gericht hat man es schwerer sein Recht durchzusetzen!

    Es sind also nicht nur Migranten, die man anhand ihres Aussehens schnell erkennen kann, sondern auch Deutsche, die nicht in das Schema F passen, die Respektlos und Erniedrigend behandelt werden!!!