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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, Zeichnung MiG

Nebenan

Krieg der Welten

Wer immer noch glaubt, dass mit denen, die heute noch nicht geimpft sind, der Krieg gegen Corona zu gewinnen wäre, der hat den Schuss nicht gehört. Und deshalb werfe ich einen Stein.

Von Dienstag, 30.11.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 29.11.2021, 11:44 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |  

Es ist ja durchaus nachvollziehbar: All die, die noch immer nicht aufgegeben haben, daran zu glauben, dass die Covidioten doch noch zur Vernunft kommen könnten, warnen davor, dass wir, die wir so „mütend“, auch eine dieser Lockdown-Neuschöpfungen, sind, jetzt nicht in Polemiken verfallen sollten, dass wir die, bei denen Hopfen und Malz längst verloren sind, jedenfalls für alle Konfliktforscher, für alle Verschwörungsexperten und für alle, die sich auf den gesunden Menschenverstand berufen, eben nicht aufgeben sollen, weil wir die Covidioten schließlich immer noch für die Herdenimmunität bräuchten. Als ob. Und da Polemik zum Markenkern dieser kleinen Glosse gehört, werfe ich allzu gern einen, wenn auch längst nicht den ersten, Stein.

Wer nämlich immer noch glaubt, dass mit denen, die heute noch nicht geimpft sind, ein Krieg zu gewinnen wäre, insbesondere einen Krieg der Welten Mikro gegen Makro, gegen ein Virus, dass unserem Immunsystem so überlegen ist, der hat den Schuss ganz einfach nicht gehört.

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Angesichts überfüllter Intensivstationen, angesichts mittlerweile notwendiger Triagen und damit verbunden noch einmal deutlich erhöhten psychischen Druck auf pflegende Menschen, die eh schon wie der letzte Dreck behandelt werden, angesichts verschleppter Tumoroperationen und Organtransplantationen, die ihrerseits sicher noch Tote nach sich ziehen werden und angesichts eines Haufens asozialer Parasiten, die diese Toten in Kauf nehmen, wenn sie dafür nur auf einen kleinen Pieks und ein bisschen Papier vor dem Mund verzichten können, um dann irgendwann auf genau so einer Intensivstation darum zu betteln, dass das medizinische Schweinesystem, gegen dass sie so beständig hetzen, sie retten möge, ist es nämlich ganz eindeutig nötig, dass Deutschland seine Politik ändert. Und da ich nicht viel von einer Impfpflicht halte, da diese am Ende nur zu noch mehr gefälschten Impfpässen führen würde – der Zeitpunkt, in dem diese Menschen für eine Impfpflicht noch zu erreichen wären, ist längst verstrichen – möchte ich neben all den Polemiken doch auch noch einen ganz anderen, produktiven Vorschlag machen:

„Nur noch Geimpfte und diejenigen, die sich nicht impfen lassen konnten, werden in Krankenhäusern noch wegen Corona behandelt. Wer sich nicht hat impfen lassen bekommt ‚eine Vitamin C-Tablette‘. „

Lassen wir den Covidioten doch einfach ihre „Freiheit“, sich einer potenziell lebensrettenden Impfung zu verweigern. Schließen wir sie durch Maskenpflicht und 2G/3G so weit aus der Gesellschaft der mündigen Bürger aus, zu der sie eindeutig nicht mehr gehören wollen, wie es das Grundgesetz zulässt, um sie als Infektionsherde weitestgehend auszuschalten. Und führen wir dann doch einfach – hier der Clou – in den Corona-Stationen der Krankenhäuser eine strikte 2G-Regelung ein – und zwar ausdrücklich auch für die Patienten. Sprich: Nur noch Geimpfte und diejenigen, die sich nicht impfen lassen konnten, werden in Krankenhäusern noch wegen Corona behandelt. Wer sich nicht hat impfen lassen aus „Ablehnung gegen die Corona-Diktatur“, weil er „schon nicht krank werde“ oder weil sie meint, dass „eine Vitamin C-Tablette genau so gut wirkt, wie die Impfung“, der hat halt seine Entscheidung getroffen und kann dann zuhause mit Vitamin C-Tabletten seinen Sieg über diese kleine Grippe und das Impf-Regime feiern. Oder halt elendig krepieren: nicht unser Problem. Und damit auch nicht mehr das der Ärzte und Pflegekräfte, die entscheiden müssen, wem man nun hilft, und wem man nicht mehr helfen kann; nicht mehr das des Steuerzahlers, der Coronakranke nicht mehr durch die Republik jetten muss. Stattdessen: die freie Entscheidung eines erwachsenen Menschen, dem wir ja andererseits auch erlaubt haben, über den nächsten Kanzler dieser Bundesrepublik zu entscheiden. Und vielleicht überlegt es sich der ein oder andere „Impf-Skeptiker“ dann ja doch noch mal mit der Impfung, wenn erstmal jemand in der eigenen Wohnung verreckt ist. Die Impfung ist schließlich auch immer eine Frage der Solidarität – und wer diese verweigert, kann sie eben nicht selbst später bedingungslos einfordern.

Und all die Impfdosen, die wir aktuell aus vergebener Hoffnung darüber vorrätig halten, dass die Unvernünftigen doch noch zur Vernunft kommen, verteilen wir stattdessen an all die Vernünftigen, die nicht das Glück hatten, auf diesem verkackten Flecken Erde zur Welt zu kommen, dessen Bürger sich nicht einmal für lau vor einer tödlichen Seuche schützen lassen wollen. Im Kongo, in Namibia, in Djibouti oder anderswo gibt es sicher Menschen, die uns den Stoff begeistert aus den Händen reißen würden.

„Der Grund für immer neue Varianten und Mutationen, die die Wirkung der Impfung reduzieren und so auch das Leben von Geimpften bestimmen, ist ein Reservoir von Milliarden ungeimpfter Menschen im sogenannten ‚globalen Süden‘, denen von den Impfstoffherstellern und den Regierungen des Nordens der Zugang zu diesen Impfstoffen verweigert wird.“

Denn auch das ist Teil der Wahrheit: der Grund für immer neue Varianten und Mutationen, die die Wirkung der Impfung reduzieren und so auch das Leben von Geimpften bestimmen, ist ein Reservoir von Milliarden ungeimpfter Menschen im sogenannten „globalen Süden“, denen von den Impfstoffherstellern und den Regierungen des Nordens der Zugang zu diesen Impfstoffen verweigert wird. Geflüchtete, die diesen Winter vor oder hinter der europäischen Grenze in Zelten verbringen werden unter hygienisch fragwürdigen Bedingungen und auf viel zu kleinem Raum, bilden dabei letztlich genau das „Superspreader Event“, dass wir mit der Absage von Großevents verhindern wollen. All die, die diesen Menschen sonst jeden Zugang zu Zivilisation verweigern, müssten daher schon aus reinem Eigennutz jetzt endlich für einen humaneren Umgang mit Geflüchteten eintreten – und sei es nur, um Oma und Opa einen sehr einsamen Tod im weihnachtlichen Altenheim zu ersparen.

Und wenn es wirklich stimmen sollte, dass der DüGAZ, dieser Dümmste Gesundheitsminister aller Zeiten, der es selbst in einer Situation in der sich kaum noch jemand erstimpfen lassen will, geschafft hat diesen Impfstoff trotzdem so zu verknappen, dass Leute nach Hause geschickt werden müssen, in die Verträge mit den Impfstoffherstellern eine Kondition hineinverhandelt hat, dass die Dosen in unseren Kühlschränken verrotten müssen, um auszuschließen, dass sie denen zugutekommen können, die sie außerhalb Europas brauchen könnten, dann fände sich sicherlich auch dafür eine Lösung: Zuallererst könnten wir ihn, Jens Spahn, mal in eines dieser Länder fliegen, wo er den Menschen diese Verträge dann ausführlich erklären kann. Und dort verfahren wir mit ihm, wie seine Regierung auch sonst im Ausland mit denen verfährt, die einmal für uns gearbeitet haben, es zwischenzeitlich aber nicht mehr tun: Evakuierung ausgeschlossen. Was soll schon passieren?

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  1. J-S sagt:

    Jo, 2G für alle und for ever…
    Nicht das das was bringen würde (Zahl der Impfdurchbrüche starg gestiegen…) aber nun ja.. ist halt so

  2. Gerrit sagt:

    Ein SUPER-Beitrag!!! Es trifft es auf den Punkt. Wann endlich beginnen wir umzudenken, „umzuhandeln“ … weg von der Ellebogengesellschaft.

    WANN ????????????????????????????????????????

  3. Beate Kuisle sagt:

    Schade eigentlich. Migazin steht für Anderes. Nicht für Homogenisierung, nicht für Moralisierung, nicht für Stimmungmache. Nicht zum ersten Mal polemisiert der Autor mit Mitteln die gerne der politischen Rechten unterstellt werden am Rande des Erträglichen. Thematisiert wird nicht, dass unsere Politik seit über 20 Jahren unser Gesundheitswesen durch Privatisierung und anschließende Gewinnmaximierung kaputtspart, thematisiert wird nicht, dass wir eigentlich genug Betten für alle Kranken hätten, würde das nicht passiert sein und das Personal vernünftig bezahlt. An diesen strukturellen Mängeln sind viele schuld, aber wohl nicht Menschen, die ihr grundgesetzlich verbrieftes Recht auf körperliche Unversehrtheit in Anspruch nehmen. Noch gibt es keine Impfpflicht, aber eine unerträgliche mediale Hetze gegen Ungeimpfte, die wunderbar vom Versagen der Politik ablenkt. Wem soll als nächstes Hilfe verweigert werden? Übergewichtigen? Suchtkranken? Unsportlichen? Allen die unvernünftig und selbst Schuld sind?
    Ich bin übrigens zweimal geimpft und habe einen schlimmen Impfdurchbruch hinter mir. Liebes Migazin, bitte bleibt bei Euren demokratischen Grundregeln.

  4. Roman sagt:

    +1 zu Beate Kuisle: Die Nebenan-Kolumne habe ich meistens gerne gelesen. Aber dass hier unter dem Deckmantel einer „Glosse“ vorgeschlagen wird, dass sterbenskranke Menschen an Krankenhäusern abgewiesen werden sollen, macht mir eine heftige Gänsehaut. Passt m.E. weder thematisch (wo ist der Migrations- /Integrationsbezug?) noch politisch (hier wird zum Aushöhlen von Grundrechten aufgerufen) zum Migazin und muss vllt. auch nicht seit einer Woche prominent auf der Startseite verlinkt sein.