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Flugzeug am Frankfurter Flughafen (Archiv) © Mr_Worker @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

„Rücksichtslos und beschämend“

Geistig behinderte Gelsenkirchenerin in den Kosovo abgeschoben

Die Abschiebung einer in Gelsenkirchen geborenen und geistig behinderten Frau kurz nach ihrem Förderabschluss in den Kosovo empört Menschenrechtler. Das Vorgehen der Stadt sei „rücksichtslos“ und „beschämend“.

Dienstag, 26.10.2021, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 25.10.2021, 17:10 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Bürgerrechtsorganisation „Komitee für Grundrechte und Demokratie“ und Roma-Organisationen kritisieren die Abschiebung einer geistig behinderten jungen Frau und ihrer Eltern aus Gelsenkirchen in den Kosovo. Die in Deutschland geborene 20-Jährige habe im Juni ihren Förderschulabschluss erhalten und sollte anschließend eine Behindertenwerkstatt besuchen, erklärte das Komitee am Donnerstag in Köln. Aufgrund der Behinderung sei zudem ein Verfahren zur Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung beim Amtsgericht eingeleitet worden. In den Sommerferien habe die Ausländerbehörde sie und ihre psychisch erkrankten Eltern jedoch abgeschoben.

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„Eine geistig behinderte junge Frau mit hohem Unterstützungsbedarf, die in Gelsenkirchen geboren ist, so rücksichtslos in ein ihr fremdes Land abzuschieben, ist beschämend“, kritisierte Sebastian Rose vom Projekt „Abschiebungsreporting NRW“ des Grundrechtskomitees. Im Kosovo habe die Roma-Familie nur eine unbeheizte Unterkunft gefunden, sagte Rose dem „Evangelischen Pressedienst“. Es gebe keinerlei Leistungen oder soziale Versorgung.

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Dabei wäre die Ausländerbehörde dazu verpflichtet gewesen, vor einer Abschiebung die Möglichkeiten für ein Bleiberecht zu prüfen, sagte Rose. Ein solches sehe das deutsche Aufenthaltsrecht für unter 21-jährige Personen vor, die einen Schulabschluss erlangen. Die Stadt Gelsenkirchen äußerte sich auf Anfrage bisher nicht zu dem Fall.

Roma Center fordert Rückholung

Kritik erntet das Vorgehen der Stadt auch vom Roma Center e.V.: „Während bundesweit zurecht über das Ausmaß des Antiziganismus in Deutschland gesprochen wird, schieben nordrhein-westfälische Behörden erneut drei besonders schutzbedürftige Roma ins Elend ab“. Das Roma Center fordert die Rückholung der Abgeschobenen nach Gelsenkirchen und die Erteilung eines humanitären Bleiberechts!

Das Projekt „Abschiebungsreporting NRW“ ist im August gestartet und wird nach eigenen Angaben mit Mitteln der evangelischen Landeskirchen in NRW sowie der Diakonie RWL gefördert. Es will inhumane Aspekte der Abschiebungspraxis an Einzelfällen öffentlich machen. (epd/mig)

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  1. urbuerger sagt:

    So weit es mir geläufig ist, regiert in NRW eine Partei, die das C für Christlich im Namen führt, die CDU!

    Wenn man aber von solchen Schandtaten hört, kann man nicht wirklich glauben, dass diese Partei berechtigt sein sollte, irgend etwas Christliches im Namen führen zu dürfen!

    Es sollte völlig egal sein, ob diese Familie eine Zugewanderte ist oder eine Deutsche!
    Leider sieht es in unserem Land so aus, dass auch Behinderte
    „Urdeutscher“ so miserabel behandelt werden!

    In unserer Nachbarschaft, in dem Dorf in dem ich aufgewachsen bin, lebte eine Hoch Stange junge Frau, die ständig Anfälle hatte, bei denen sie sich nicht mehr koordiniert bewegen konnte!
    Als sie, trotz dieser Behinderung ihren Schulabschluss an einer Hochschule machen konnte, bewarb sie sich in einer Einrichtung des Bundes, an der sie andere Behinderte hätte ausbilden können, wurde aber wegen ihrer Behinderung abgelehnt und das trotz ihrer Leistungen und der Fürsprache des Einrichtungsleiters!

    Einige Jahre später war dieser Posten wieder frei und sie bewarb sich nochnals, sie war guter Dinge, da man ihr durch einen Chip helfen könnte, so dass sie keine Probleme mehr hatte, sie konnte sich überwiegend wie eine normale Person bewegen und verhalten!

    Allerdings wurde sie wieder abgelehnt, weil sie ihre Behinderung noch immer in den Papieren stehen hätte, obwohl es eine fast hundertprozentige Verbesserung gab!

    Erst nach einer Klage über drei Instanzen, müsste sie eingestellt werden und ist nun seit drei Jahrzehnten die Leiterin dieser Einrichtung und geht Ende des Jahres in Rente!

    In Deutschland ist es einfach so, dass Menschen, die Krank oder Behindert sind, stark benachteiligt werden, ausschließlich von nicht Behinderten, die von enormen Vorurteilen behaftet sind!

    Kommen diese Menschen ursprünglich auch noch aus einem anderen Land, haben sie fast keine Chance, dass ihre Rechte ohne Klage eingehalten werden, besonders, wenn das Bundesland auch noch von einer Partei regiert wird, die ein C für Christlich im Namen trägt!
    Sie glauben mir nicht, dann fragen sie Mal nach, wie teilweise mit behinderten Menschen in Bayern umgegangen wird, dort steckt man sie Jahre lang in Gefängnisse!!!