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Bundesagentur für Arbeit (Archiv) © Tim Reckmann @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Studie

40 Prozent der in Deutschland lebenden Afghanen erwerbstätig

Die Integration von Afghanen in den deutschen Arbeitsmarkt macht gute Fortschritte. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Dabei gibt es große hausgemachte Integrationshindernisse für Afghanen: Sie dürfen Integrationskurse erst mit einer deutlichen Verzögerung besuchen.

Dienstag, 26.10.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 25.10.2021, 14:56 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Beschäftigungsquote der afghanischen Staatsangehörigen in Deutschland beläuft sich einer Studie zufolge auf 40 Prozent. Das sind drei Prozentpunkte mehr als bei den Beschäftigten aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern insgesamt, wie aus der am Montag veröffentlichten Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

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Die Beschäftigungsquote war durch den starken Zuzug 2015 und 2016 zunächst eingebrochen. Bereits im Jahr 201 überschritt sie den Angaben zufolge wieder die 40-Prozent-Schwelle.

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Hausgemachte Integrationshindernisse

Dabei war die Ausgangssituation der Afghanen alles andere als gut. Laut Studie verfügten mehr als 95 Prozent der Geflüchteten aus Afghanistan bei ihrem Zuzug nach Deutschland über keine Deutschsprachkenntnisse. Und weil Afghanistan nicht zu den Herkunftsländern mit guter Bleibeperspektive gerechnet wurde, waren Afghanen zunächst ausgeschlossen von einer Teilnahme an Integrationskursen.

Afghanen konnten erst an Integrationskursen teilnehmen, wenn sie entweder nach Abschluss der Asylverfahren einen Schutzstatus erhielten oder wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde, die Abschiebung jedoch nicht durchgeführt werden konnte. Und weil Asylverfahren im Durchschnitt deutlich länger als ein Jahr dauerten, konnten Afghanen „erst mit einer deutlichen Verzögerung an den Integrationskursen teilnehmen“ heißt es in der Studie.

272.000 Afghanen in Deutschland

Zum Jahresende 2020 lebten in Deutschland 272.000 Afghanen, von denen 216.000 nach der Definition des Statistischen Bundesamtes als Schutzsuchende gekommen waren. Verglichen mit der Zahl der Geflüchteten, die 2015 nach Deutschland zugezogen sind, schätzt das Institut die Zahl der Afghanen, die aufgrund der gegenwärtigen politischen und humanitären Krise von Deutschland aufgenommen werden, als „eher gering“ ein.

„Die neu aufgenommenen Afghaninnen und Afghanen werden in Hinblick auf das Bildungsniveau, Deutsch- und Fremdsprachenkenntnisse bessere Voraussetzungen als die früher zugezogenen Schutzsuchenden mitbringen“, erklärte Herbert Brücker, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung“. Daher erwartet der Experte eine schnellere Integration in den Arbeitsmarkt und andere gesellschaftliche Bereiche sowie geringere Kosten der Integration.

Geldsendungen nach Afghanistan

Einen positiven Nebeneffekt hat die Arbeitsmarktintegration den Angaben zufolge auch für Afghanistan. Geldsendungen afghanischer Migranten sind der Studie zufolge für die für die afghanische Wirtschaft „von wesentlicher Bedeutung“. Seit dem Jahr 2017 liegt das Gesamtvolumen der Rücküberweisungen von Migranten nach Afghanistan relativ konstant bei rund 800 Millionen US Dollar.

Von den nach Deutschland geflüchteten Afghanen haben im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 knapp neun Prozent Rücküberweisungen nach Afghanistan geleistet. „Es ist davon auszugehen, dass mit zunehmender Arbeitsmarktintegration und steigenden Verdiensten die Rücküberweisungen steigen werden“, heißt es in der Studie. (epd/mig)

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