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Antisemitismusvorwürfe

Zentralrat kritisiert ZDF, Intendant sieht keinen Handlungsbedarf

Der Zentralrat der Juden kritisiert den Umgang des ZDF mit der Mitarbeiterin Yasmin Ayhan, die wegen antisemitischer Äußerungen in der Kritik steht. Der Mainzer Sender sieht derzeit keinen weiteren Handlungsbedarf.

Dienstag, 26.10.2021, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 25.10.2021, 17:44 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich in einem Brief an ZDF-Intendant Thomas Bellut besorgt über den Umgang des Senders mit Antisemitismus geäußert. In dem Schreiben, das dem „Evangelischen Pressedienst“ vorliegt, kritisiert Schuster, dass das ZDF eine Journalistin beschäftige, die „sich durch das Verbreiten antisemitischer und israelfeindlicher Ressentiments hervorgetan“ habe.

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„Menschen, die Antisemitismus verbreiten, dürfen keinen Platz beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben“, fordert der Zentralratspräsident in dem Schreiben vom 13. Oktober. Das ZDF verteidigte sein Festhalten an der Mitarbeiterin Yasmin Ayhan, die als Autorin für die ZDF-Comedy „Barrys Barbershop“ tätig ist.

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ZDF sieht keinen Handlungsbedarf

ZDF-Intendant Bellut erklärte nach Angaben des Mainzer Senders in einem Antwortschreiben an den Zentralrat: „Wer eindeutig und öffentlich das Existenzrecht des Staates Israel in Zweifel zieht oder sich antisemitisch äußert – und dies nicht glaubhaft revidiert, kann nicht für das ZDF oder für Produktionen des ZDF arbeiten.“ Der Sender teilte auf Nachfrage weiter mit, Ayhan habe der Produktionsfirma Studio 71 gegenüber „zu ihren Aussagen von 2015 Stellung bezogen, sie eingeordnet, und sich dabei glaubhaft von Antisemitismus distanziert“.

Laut Medienberichten äußerte sich Ayhan in der Vergangenheit wiederholt antisemitisch im Netz. Schuster betonte, als „vierte Gewalt“ im Staat komme der Presse eine besondere und herausragende Aufgabe zu. „Daher tragen Journalistinnen und Journalisten Verantwortung und gelten für viele Menschen als Vorbilder, sobald sie öffentlich in Erscheinung treten.“

Fall erinnert an Diskussionen um El-Hassan

Wegen Antisemitismusvorwürfen gibt es seit Wochen auch Diskussionen um die WDR-Moderatorin Nemi El-Hassan. Diese wird deshalb derzeit nicht als Moderatorin der Wissenschaftssendung „Quarks“ eingesetzt. Eine finale Entscheidung zu El-Hassan hat der WDR noch nicht gefällt. Schuster hatte sich auch zu dieser Personalie kritisch geäußert und auf eine hohe Verantwortung öffentlich-rechtlicher Sender verwiesen, „niemanden auf dem Bildschirm zu präsentieren, der Israel-Hass und Antisemitismus verbreiten könnte“.

Demgegenüber solidarisierten sich Hunderte Kulturschaffende, Wissenschaftler und Personen des öffentlichen Lebens in einem offenen Brief mit El-Hassan. Sie warfen den Medien des Springer-Konzerns sowie Kritikern eine islamfeindliche Kampagne vor. Springer-Medien hatten im Zusammenhang mit Antisemitismusvorwürfen alte Fotos von El-Hassan gezeigt, auf denen sie noch mit einem Kopftuch zu sehen war. und sie als „Islamistin“ bezeichnet.

Yasmin Ayhan ist ebenfalls Muslimin und trägt ein Kopftuch. Das Springer-Blatt „Bild“ bezeichnete auch Ayhan als „Islamistin“. (epd/mig)

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