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Dürre (Symbolfoto) © Tama66 @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Studien zu Klimawandel

Reiche Länder halten Versprechen nicht ein

Obwohl Industrieländer die Verursacher des Klimawandels sind, treffen die Folgen oft nur die armen Länder. Und dennoch bleiben reiche Länder weit hinter ihren zugesagten Versprechen zurück. Das geht aus zwei aktuellen Studien hervor.

Dienstag, 21.09.2021, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 20.09.2021, 16:37 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Reiche Industriestaaten müssen einer Studie zufolge bei der Entwicklungszusammenarbeit mit ärmeren Ländern stärker auf die Klimarisiken achten. Die vom Entwicklungsministerium finanzierte und am Montag veröffentlichte Untersuchung des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) und des NewClimate Institute weist auf die wachsende Bedeutung von Entwicklungs- und Schwellenländern im Kampf gegen die Erderwärmung hin.

Aktuell stagnieren den Angaben zufolge die Emissionen der Industrieländer auf hohem Niveau, während die der Entwicklungs- und Schwellenländer weiter ansteigen. Viele Schwellenländer mit rasant steigenden Emissionen nähmen Klimaschutz als zusätzliche Belastung wahr und seien deshalb zurückhaltend, wenn es um internationale Zusagen gehe, heißt es. Zugleich seien Menschen in diesen Ländern von der Erderwärmung besonders hart getroffen.

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Industrieländer historische Verursacher des Klimawandels

Die Industrieländer als historische Verursacher des Klimawandels werden aufgefordert, ärmere Länder dabei zu unterstützen. Es sei absehbar, dass die internationale Klimafinanzierung hinter den versprochenen 100 Milliarden US-Dollar jährlich zurückbleibe, heißt es. Die Studie sieht vor allem beim weltweiten Energiekonsum Handlungsbedarf. So müssten eine wirksame CO2-Bepreisung und der schrittweise Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe national und international vorangebracht werden. Weltweit müsse die Stromerzeugung modernisiert und die Landwirtschaft klimafreundlicher betrieben werden. Ökosysteme müssten geschützt und Wasser sparsam genutzt werden.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärte, der „nationale Tunnelblick“ beim Klimaschutz müsse überwunden werden. Schwellen- und Entwicklungsländer seien für die Erreichung der Klimaziele zentral.

Oxfam: Reiche Länder bleiben hinter Versprechen zurück

Auch nach einer Analyse der Entwicklungsorganisation Oxfam bleiben die reichen Staaten dramatisch hinter ihren Zusagen zur Unterstützung armer Länder bei der Bewältigung der Klimakrise zurück. Voraussichtlich 75 Milliarden Dollar weniger als versprochen würden die wohlhabenden Länder in den kommenden Jahren bereitstellen, erklärte Oxfam in der am Montag veröffentlichten Studie in Berlin.

Eigentlich sollten ab 2020 pro Jahr 100 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung fließen, betonte Oxfam. Die Analyse habe jedoch gezeigt, dass die reichen Länder nach derzeitigen Zusagen und Plänen ihr 100-Milliarden-Ziel nicht einmal bis 2025 erreichen würden, also fünf Jahre nach dem ursprünglich vereinbarten Termin. Die Autoren des Berichts gehen im Jahr 2025 demnach von 93 bis 95 Milliarden Dollar aus. Über den Zeitraum von 2020 bis 2025 würden den Empfängerländern zwischen 68 und 75 Milliarden Dollar an Unterstützung fehlen gegenüber einem Szenario, in dem die Geberländer in allen Jahren ihr Versprechen von 2009 einhalten würden, beklagte Oxfam.

Dabei sei die Klimafinanzierung einer der Hauptpfeiler des Pariser Abkommens und von entscheidender Bedeutung, um die Klimakrise zu bewältigen. Die jährlichen Anpassungskosten in den Entwicklungsländern beliefen sich dabei nach Angaben des UN-Umweltprogramms bis 2030 voraussichtlich auf 140 bis 300 Milliarden Dollar und bis 2050 auf 280 bis 500 Milliarden Dollar. „Viele der Empfängerländer sind auf die versprochene Unterstützung angewiesen, um auf saubere Energie umzustellen und sich an die Erderwärmung anzupassen, etwa sich vor Ernteausfällen, zunehmenden Unwettern oder dem steigenden Meeresspiegel zu schützen“, erklärte Oxfam. „Der Handlungsdruck war niemals größer.“

Hilfe oft nur Darlehen

Kritikwürdig sei auch, wie und wofür die wohlhabenden Länder die Klimahilfen bislang bereitstellten, führte Oxfam weiter aus. Während UN-Generalsekretär António Guterres und Hilfsorganisationen forderten, die Hälfte der Mittel für Klimaanpassung auszugeben, stünden dafür bislang nur etwa ein Viertel bereit. Zugleich seien 2019 etwa 70 Prozent der Gelder als Darlehen statt als Zuschüsse gewährt worden, was die Empfängerländer in eine höhere Verschuldung treibe.

Die Analyse wurde zu informellen Klimagesprächen von Staats- und Regierungschefs im Rahmen der UN-Vollversammlung am Montag veröffentlicht. Diese seien ein entscheidender Moment vor dem UN-Klimagipfel im November in Glasgow, betonte Oxfam. (epd/mig)

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