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Corona, Covid-19, Impfung, Impfstoff, Gesundheit, Spritze
Impfstoff (Symbolfoto) © alirazagurmani9272 @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Gisela Schneider im Gespräch

Deutschland soll Blockade von Impfproduktion in Afrika beenden

Die Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission, Gisela Schneider, drängt darauf, in afrikanischen Staaten eine Produktion für Corona-Impfstoffe aufzubauen. Die Bundesregierung müsse ihre Haltung zum Recht auf geistiges Eigentum ändern, sagt sie im Gespräch.

Von Dienstag, 27.07.2021, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 26.07.2021, 15:13 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Wie ist die aktuelle Situation in den verschiedenen afrikanischen Staaten?

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Gisela Schneider: Die Delta-Variante hat den Kontinent massiv getroffen. Die aktuellen Zahlen spiegeln nur die Spitze des Eisbergs wider. Unsere Partner vor Ort berichten, dass die Patienten in den sich füllenden Krankenhäusern zwar Symptome einer Covid-Pneumonie haben, es aber oft keine Tests gibt. Für uns ist es sehr belastend, dass wir dem kaum etwas entgegensetzen können. Die Mutation trifft auf ein schwaches Gesundheitssystem und eine Bevölkerung, in der 99 Prozent nicht geimpft sind. Darüber hinaus sind die Menschen wirtschaftlich viel stärker betroffen. Da es keine sozialen Sicherungsmaßnahmen wie etwa Kurzarbeitergeld gibt, ist ein Großteil der Menschen von Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger bedroht.

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Wie kann man das Problem der ungleichen Impfstoff-Verteilung lösen?

Gisela Schneider: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Ziel ausgegeben, bis Dezember zehn Prozent der 1,3 Milliarden Menschen in Afrika mit Impfstoff zu versorgen. Eine Maßnahme ist das Covax-System, über das ärmere Länder in Afrika oder Lateinamerika versorgt werden sollen. Wichtig ist jedoch, selbst Produktionskapazitäten in den betroffenen Ländern aufzubauen. „Ärzte ohne Grenzen“ zeigten auf, dass mindestens sieben Firmen im Gebiet der Subsahara selbst Kapazität aufbauen könnten, um Impfstoffe herzustellen. Dazu braucht es allerdings einen Wissens- und Technologietransfer.

Der Politik möchte ich sagen: Macht schneller, wir brauchen den Impfstoff jetzt. Die Bundesregierung muss ihre Haltung zum Recht auf geistiges Eigentum ändern. Der Aufbau einer lokalen Impfproduktion vor Ort ist umsetzbar, man muss es nur möglich machen.

Wie hilft ihre Organisation Diäm vor Ort?

Gisela Schneider: Wir haben Partnerschaften in 20 verschiedenen afrikanischen Ländern. Dort haben wir Sauerstoffkompensatoren verteilt und stärken lokale Kapazitäten, zum Beispiel zur Herstellung von Desinfektionsmittel. Ebenfalls bieten wir für das Personal vor Ort Online-Weiterbildungen zur Behandlung von Covid-Patienten, Impfen und Prävention an. In den Sozialen Medien leisten wir Aufklärungsarbeit, um gegen Falschmeldungen über das Impfen vorzugehen. Zurzeit versuchen wir in Deutschland „liegengebliebenen“ Impfstoff zu identifizieren, um ihn in die betroffenen Länder zu bringen, was aber noch nicht gelungen ist. In jedem Fall wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. (epd/mig)

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