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Burak Tuncel, Kolumne, MiGAZIN, Dichtung, Dichter
Burak Tuncel © privat, Zeichnung: MiG

Dichtertränen

Gastarbeiterkinder, Retter der deutschen Sprache

Dem westlichen Menschen entgeht die höchste Blüte des Lebens. Der Westen ist arm an Liebe. So wird die Existenz diese Gesellschaft noch mehr leiden lassen, weil sie das Mysterium der Liebe verleugnet und ihre Boten, die Dichter.

Von Mittwoch, 16.09.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 15.09.2020, 15:22 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Den Verstand verloren in ihrer Welt. Doch dies bedeutet wahre Gesundheit. Wie kann der Geist zurechtkommen in so einer barbarischen Welt? Wie? Eure Welt ist eine Hölle für die zarten Wesen. Dort kommen nur jene zurecht und haben Erfolg, die keine Seele mehr haben. Die zarten Blumen werden gekreuzigt in dieser Welt.

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Die Hoheit ihres Geistes stellt eine Bedrohung dar für die habgierige Gesellschaft. Die Masse, die Herde kann zarte Seelen nicht ertragen, so müssen die schönsten Blumen vernichtet werden. Denn das Gefühl der Unterlegenheit ist ein Dorn in ihren Augen. Sie kommen sich vor wie Zwerge gegen die liebenden Dichter. Die Masse hat Angst vor einem poetischeren und schöneren Dasein.

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Doch, es ist die dunkle Seele der Nacht, welches um das Schenken weiß. In der Nacht erwachen alle Lieder der Liebenden. Am Tage, da spalten sie uns Gastarbeiterkinder. Wir sind die größte Sünde in ihren Augen. Doch in mir ein Verlangen, nach Rede verlangt mich. Wir Gastarbeiterkinder sind die Retter der deutschen Sprache, der Lyrik und Dichtung. Die Einheimischen reden kein Deutsch mehr. Ihr Wortschatz ist Amerikanisiert.

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„In der Schule hieß es immer Deutsch sprechen. Ihre Zungen lügen wie gedruckt, welch eine Heuchelei. Ihre Kultur ist Amerikanisiert, sie sind Gehorsam dem amerikanischen Imperialismus. Wir Gastarbeiterkinder sind die Dichter dieses Landes.“

In der Schule hieß es immer Deutsch sprechen. Ihre Zungen lügen wie gedruckt, welch eine Heuchelei. Ihre Kultur ist Amerikanisiert, sie sind Gehorsam dem amerikanischen Imperialismus. Wir Gastarbeiterkinder sind die Dichter dieses Landes.

Dies sei am großen Mittage unser letzter Wille. Die deutsche Lyrik und Dichtung zu hüten, seine schönsten Symphonien zu singen. So hüten wir uns vor den Anfällen unserer Liebe und Verbrennen im Feuer der Lyrik bis wir zu Asche geworden sind, in der seligen Vereinsamung. Die Einsamkeit unser seliger Hafen, der treueste Geliebte. Denn eure kalte Gerechtigkeit hat keine Liebe mit sehenden Augen.

Euer Sprachgebrauch ist spaltend und euer Schulsystem voller systematischer Diskriminierung gegen Seelen, die Zärtlich sind. Deswegen ist eure Masse voller Millionen viel schwächer als ein einziger Dichter.

So fliehen wir jedes Mal zurück zur Einsamkeit. Zu klein und Erbärmlich eure weiße Welt. Schuld ist unser Dichter Dasein. Wir sehen die Welt mit den Augen der Indianer, ihr seht sie aus den Augen des habgierigen Cristoph Kolumbus.

Euer Sprachgebrauch möchte spalten, deswegen fragt ihr wo wir herkommen und ob wir Weihnachten feiern würden? Seht ihr, das Spalten in der Sprache ist eure liebste Leitkultur. Für die Liebenden ist jeder Moment ein weihnachtliches Fest. Die Schöpfergeister schufen die schönsten Kunstwerke und dienten dem Leben. Vernichten möchte eure Ordnung diese Schönheiten. Doch jene Blumen zu schön.

Millionen bei euch leben, doch sie Erschaffen nichts. Der Schaffende kann nicht der Menge angehören. Was ihr erschafft sind Atombomben. Der Geiz des weißen Mannes schreit gen Himmel selbst in der Stunde seiner Sünde. Ja, unser Aller Ende ist ganz nah. Die Menschheit im letzten Abschnitt.

Die Tränen der Liebenden reichen nicht mehr aus, um euer Elend zu beenden. Eure Frauen tragen Schminke, und die Männer Masken. So ist uns das Stehlen seliger als das Nehmen. Denn wir kennen das Glück des Nehmenden nicht. Denn im Geben demütigt ihr die Schwachen und Armen. Ihr verletzt den Stolz der Schwachen und Ausgestoßenen.

Eure Gesellschaft produziert Bettler, die hungern müssen. Doch dies ist die schönste Armut eines Liebenden. Seine Hände sind niemals leer und nie wird er müde vom Schenken. Die Kunst des Gebens ist euch ganz fern. Die Kunst des Liebens, euch ganz fern wie in den Werken vom unsterblichen Dichter Erich Fromm.

So gibt es nicht genug Kaffee für alle, so gibt es Kaffee für keinen, wie es der Dichter Ernesto Che Guevara schrieb.

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