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Rechtsterrorist schießt auf Menschen im Döner-Imbiss in Halle

Emotionen im Halle-Prozess

Vater schildert wie er vom Tod seines Sohnes erfahren hat

Der Vater von Mordopfer Kevin S. schildert im Prozess gegen den Synagogen-Attentäter von Halle sichtlich traumatisiert, wie er vom Tod seines Sohnes am 9. Oktober erfuhr. Auch der Imbiss-Betreiber berichtet in einer bewegenden Ansage von seinen Eindrücken.

Mittwoch, 16.09.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 16.09.2020, 1:23 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Im Prozess gegen den Synagogen-Attentäter von Halle hat der Vater des getöteten 20-Jährigen ausgesagt. Er beschrieb seinen Sohn als fleißig und höflich. Er sei stolz auf ihn gewesen, dass er trotz einer geistigen Behinderung einen Ausbildungsplatz in einer Malerfirma gefunden hatte, sagte der 44-Jährige, der auch Nebenkläger in dem Verfahren ist, am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Naumburg, das in Magdeburg verhandelt. „Er hat sich dort wohlgefühlt, wollte sogar immer länger arbeiten, weil es ihm Spaß gemacht hat“, berichtete der Vater des Getöteten. Einen guten Freundeskreis habe sich Kevin S. aufgebaut und sei begeisterter Fußball-Fan gewesen.

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Der Attentäter Stephan B. muss sich seit Mitte Juli vor Gericht verantworten. Er hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt. Weil es ihm nicht gelang, mit Sprengsätzen und Schusswaffen in das Gebäude zu gelangen, erschoss er zunächst eine 40 Jahre alte Passantin und dann in dem nahe gelegenen Kiez-Döner den 20-jährigen Kevin S. Die Bundesanwaltschaft hat B. wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiterer Straftaten angeklagt.

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Tränen im Gerichtssaal

Kurz bevor Kevin S. in der Mittagspause in den Döner-Imbiss ging, hatte der Vater, der zu dem Zeitpunkt in Wuppertal war, noch mit ihm telefoniert. Er habe zu ihm gesagt: „Okay, hol dir einen Döner.“ Dann beschrieb er mit tränenerstickter Stimme, wie die von ihm getrennt lebende Mutter seines Sohnes ihn angerufen habe: „Kevin geht nicht an sein Telefon.“ Auch er habe immer wieder versucht, seinen Sohn zu erreichen, 20 oder 30 Mal. Dann habe er auf Facebook eine Vermisstenanzeige geschaltet, bis ihm ein Bekannter schließlich das Tatvideo schickte. Auf dem Video, das der Attentäter live ins Internet streamte, sind beide Morde zu sehen. Kevin S. flehte um sein Leben, bevor er vom Attentäter erschossen wurde.

Weil der 44-Jährige im Zeugenstand von Weinkrämpfen geschüttelt wurde, musste seine Vernehmung kurz unterbrochen werden. Auch andere Nebenkläger weinten. Er und die Mutter von Kevin S. hätten sich nach dem Mord an ihrem Sohn in Behandlung begeben müssen, sagte der Vater. Er sei auch bereits mehrfach im Krankenhaus und in der Psychiatrie gewesen.

„…es bringt mich um, das zu sehen“

Ein 32-Jähriger, der am Tattag im Kiez-Döner arbeitete, sagte, er habe den Angreifer kommen sehen und auch den ersten Schuss auf die Fensterscheibe registriert. Da habe er sich geduckt, und als er ein Flehen hörte, sei er aus dem Laden geflohen und habe seinen Bruder angerufen. Dieser war auf dem Weg in die Stadt und kam sofort zurück, obwohl ihn zwei Bauarbeiter auf dem Weg noch vor einer Schießerei und dem Attentäter warnten. Er sei in den Laden gerannt und habe die Leiche von Kevin S. entdeckt.

Der 36-Jährige sagte, er habe keine Worte gefunden, diese Tat zu beschreiben. Die Aussage des Vaters von Kevin S. sei sehr schmerzhaft gewesen. Niemand habe das Recht, so eine Tat zu begehen, sagte der Betreiber des Imbisses, der ebenfalls Nebenkläger ist. Auch an seinem jüngeren Bruder habe er eine Veränderung bemerkt: Vor der Tat habe er jeden in der Familie zum Lachen gebracht, „jetzt fehlt das, und es bringt mich um, das zu sehen“. (epd/mig)

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