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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

Nebenan

Der weiße Mugabe

Nicht nur Trevor Noah ist Trump die Art von Politiker, die es nur in Afrika gibt. Er trumpelt durch die Weltpolitik und untermauert Tag für Tag den Witz, er sei der 45ste – und finale – Präsident der USA.

Von Dienstag, 15.08.2017, 4:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 06.11.2017, 12:42 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Was waren wir doch dumm. Jahrzehntelang dachten wir, Nordkorea sei das isolierteste Land der Welt: kein Internet, keine Presse, keine offenen Grenzen – ein schwarzes Loch für Informationen. Etwas dringt herein, aber nie wieder heraus.

Heute immerhin sind wir schlauer. Heute wissen wir, dass, wasimmer Nordkoreas Propagandamaschine über die eigenen Grenzen hinaus ausspuckt, die schockierende Wahrheit, die volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist. Wenn also über nordkoreanische Staatsmedien verlautbart wird, dass Nordkorea über nuklear bewaffnete Interkontinentalraketen verfügt, die zielsicher halb Amerika vernichten können, dann muss das wahr sein, selbst wenn es bisher nur bewiesen hat, dass es Raketen bauen kann, die im hohen Bogen irgendwo ins Wasser fallen. Und wenn Nordkorea sagt, dass es Raketen auf das Meer vor Guam feuern will, dann, nur weil es viel zu viel nukleares Material besitzt und der Platz langsam ausgeht, aber keinesfalls ist es bloße Kraftmeierei: Mit Präsident Trophy-Wife ist Paranoia zum bestimmenden Element der Weltpolitik geworden.

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Andererseits: Was bedeutet Wahrheit überhaupt? Da Kims Gegenspieler in Washington den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge nicht kennt, ist die Frage von Fakt oder Propaganda wohl unbedeutend. Und durch Trumps Kampfansage wird die Gefahr des Atomkriegs ganz real.

Denn außer den USA hat bisher niemand gewagt, eine Atombombe in einem Gefecht zu zünden, gerade jähren sich die beiden überflüssigen, menschenverachtenden Ereignisse wieder. Und auch Kim Jong Un, davon darf ausgegangen werden, strebt die Atombombe nicht an, um sie zu zünden.

Wenn nun der Dealmacher-König von der Ostküste, der bereits die Mexikaner davon überzeugte, seine Mauer zu bezahlen, sich nun daranmacht, Nordkorea nuklear zu entwaffnen, was kann da schon schiefgehen? Und wie er das gemacht hat – also das mit den Mexikanern jetzt. Erst hat er den Amis versprochen, die Mexikaner würden seine Mauer zahlen und dann den mexikanischen Präsidenten angerufen, um dem zu erklären, der hänge ja jetzt mit drin, weil er, Trump, es seinen Leuten versprochen habe und er, Peña Nieto, könnte ihn jetzt nicht als Lügner dastehen lassen. Und schwupps war der Deal geritzt. Konnte ja niemand ahnen, dass es so einfach wäre, wie schon bei der Gesundheitsreform.

Und: Trump ist schließlich derjenige Präsident, der schon früher die Frage stellte, wozu man denn Atomwaffen habe, wenn man sie nicht auch einsetze: Er ist die Art von Präsident, vor der zu schützen sich die Tyrannen dieser Welt mit Atomwaffen versorgen. Die Bombe ist die einzige wirksame Versicherung gegen eine amerikanische Invasion durch einen unterbelichteten Cowboy im ovalen Büro, der mit diplomatischem Ungeschick schnell an die Grenzen seiner Kompetenz gelangt.

Was also wird nun der Dealmaker tun, wenn er nach 30 Minuten verhandeln mit Nordkoreas Wonneproppen am Ende seines Lateins angekommen ist? Die Antwort verunsichert mich, gerade weil die schiere Unfähigkeit Trumps auch für Menschen wie Kim Jong Un eine völlig neue Herausforderung darstellt.

Trumps Rhetorik, die erst Stunden später von seinem Staff in einen „vernünftigeren“ Kontext gesetzt oder gleich ganz kassiert wird, oder vom Militär so kommentiert werden muss, dass Twitter nicht Teil der militärischen Befehlskette sei und man genauso Angst vor Trumps Twitterfeed hat, wie der Rest der Welt, wird in egozentralistischen Staaten wie Nordkorea eben anders verstanden. Und das Militär hat Angst vor Trumps Twitterfeed: Als der über Twitter ansetzte, um erst nach vollen neun Minuten den zweiten Teil seines „Bans“ von Transsexuellen aus dem Militär anzukündigen, schlotterte den Generälen neun Minuten lang die Knie, weil es für die zunächst so klang, als würde Trump sie in einen neuen Krieg schicken.

Trumps Unberechenbarkeit und politische Naivität wiederum führen in dieser geopolitischen Krise (und nicht nur hier) in eine Sackgasse. Kim Jong Un, der in der Schweiz eine vorzügliche Ausbildung genossen hat, weiß, anders als Trump, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben kann, insbesondere nicht in einem Land, dass so klein ist, dass man die verstrahlten Gebiete einfach räumen kann. Gleichzeitig weiß er, dass die Atombombe nun mal die wirksamste Verteidigung ist, die ein Staat haben kann, weil niemand, der bei Sinnen ist, einen Atomstaat angreift – mit Trump konnte halt niemand rechnen. So wie die USA Japan bombardierten, ohne dass es einen militärischen Nutzen gehabt hätte, muss aber auch Kim zeigen, dass er bereit ist, die Bombe einzusetzen, damit diese ihren Zweck erfüllen kann.

Trump derweil ist dumm genug, dies nicht zu durchschauen und tatsächlich zu glauben, Kim wolle die USA angreifen und reagiert entsprechend. Und es mag zwar sein, dass Kim dies früher oder später einsieht, andererseits kann er so oder so längst nicht mehr hinter seine eigene Rhetorik zurück. Und Trump, der ein ebenso eitler Narziss ist, wird sich weiter spielen lassen, wie eine Marionette. Aus zwei Gründen: Wie ein schrulliger Monarch des 19ten Jahrhunderts hat er sich längst mit einer Reihe von Ja-Sagern umgeben, die ihm in täglich zwei „Briefings“ ausgewählte Lobgesänge auf seine Politik vorlegen, um ihn aufzuheitern: Trump wird so davor bewahrt, seine eigenen Taten kritisch zu hinterfragen, was ihn bockig und unausstehlich machen würde.

Mindestens ebenso bescheuert übrigens jene zweite Anekdote über den Kindskopf Trump, die kürzlich bekannt wurde: Bei anstehenden politischen Entscheidungen soll Trump inzwischen seine Mitarbeiter befragen, was Obamas Position hierzu ist, um dann das Gegenteil zu tun.

Immerhin den Amerikanern geht langsam ein Licht auf: nur noch jeder Dritte baut auf Trump, nicht mal jeder Vierte glaubt ihm noch. Vielleicht sind sie es aber auch nur müde, so oft zu gewinnen, wie Trump es groß angekündigt hatte – eines jedenfalls wird von Tag zu Tag möglicher: Trump ist vielleicht wirklich der letzte Präsident der USA. Ein Atomkrieg könnte heute dafür ebenso der Grund sein, wie die irreparablen Schäden, die er der amerikanischen Republik zufügt; eine Partei, die ihm nicht wiederspricht, einen hervorragend arbeitenden Propagandasender auf den selbst Goebbels neidisch wäre und bewaffnete Fußtruppen, die auch bereit sind, mit einem Auto in eine Menge von Oppositionellen zu rasen, hat er bereits um sich geschart.

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  1. Rainer Ohliger sagt:

    Das ist mal wieder kein „Gelichter“, sondern ein irrlichternder Kommentar, der von Ignoranz, außenpolitischer Uninformiertheit, Zeitgeist-Pop und einem unvermeidlichem großen Schluck aus der Pulle des linken deutschen Anti-Amerikanismus geprägt ist. Bei den auch noch schlecht geschriebenen meinungstriefenden, wenig analytischen Artikeln von Sven Bensmann überlege ich mir jedes Mal, ob ich das MiGAZIN wirklich noch weiter abonnieren soll.

    Rainer Ohliger
    Netzwerk Migration in Europa e.V.